Frau Schmitz-Hahnenkamp

Es ist eine Frage der Zeit, wann es zum Ausbruch kommt. Ich spüre bereits erste Erschütterungen.

Das neue Schuljahr ist gerade eine Woche alt und meine Magenschleimhaut verpickelt sich schon vor lauter Ärger. Kollegin Schmitz-Hahnenkamp treibt mich in den Wahnsinn. Ich bin mir nur noch nicht sicher, ob sie das aus Berechnung tut, oder ob es wirklich Menschen gibt, die einfach so sind.

Jeden Tag ist irgendwas, das sie mir brühwarm und mit äußerster Empörung vorhält:

  • Mittwoch, 1.Schultag: „Dein Giuliano hat meine Mia-Sophie auf dem Schulhof ganz brutal zur Seite gestoßen! Das hat der auch im letzten Schuljahr immer schon gemacht.“
  • Donnerstag, 2.Schultag: „Also deine Celina, die weiß ja in Mathe überhaupt nichts! Sollen wir die nicht lieber mal ganz schnell an die LB-Schule abgeben ehe es zu spät ist?“
  • Freitag, 3.Schultag: „Du möchtest, dass ich mich auf dem Elternabend deinen Eltern vorstelle? Nein, das mache ich eigentlich nicht. Die können ja zu mir kommen, wenn etwas ist. Und die Lerninhalte erklären? Also da können die wirklich mal ins Mathebuch gucken!“
  • Montag, 4.Schultag: „Dein Sinan benimmt sich UNMÖGLICH! Du hättest mal hören sollen, was der zu meiner süßen kleinen Daphne gesagt hat! Dem habe ich eine Woche Pausensperre gegeben. Der guckt ja auch schon morgens immer so böse auf dem Schulhof rum. Ganz böse!“
  • Dienstag, 5.Schultag: „Ich finde es besser, wenn deine Kinder in meinen Klassenraum kommen für Mathe. Ich unterrichte lieber in meinem Klassenraum. Ach, du meinst, ich müsste dann dort auch Platz für Material schaffen? Nein, darüber habe ich noch nicht nachgedacht, das können die doch jedesmal mitnehmen!“
  • Mittwoch, 6.Schultag: „Nein, ich habe die Brotdosen deiner Klasse nicht kontrolliert! Ich habe nur diejenigen besonders hervorgehoben, die gesundes Vollkornbrot dabeihatten! Dass Nino sein Marmeladenbrot dann weggeworfen hat, habe ich nicht gesehen. Und die Mutter hat sich wirklich schon deswegen bei dir beschwert? Was fällt der denn ein? Das ist ja unmöglich! Die sollte sich lieber mal Gedanken um ein gesundes Frühstück für ihren Sohn machen. Der ist übrigens ganz schön frech!“

Ehrlich, ich brech zusammen!

Nix zu jammern

Also die Drittklässler sind schon ein komisches Völkchen.

Den genauen Grund kenne ich nicht, aber jedesmal, wenn ich Aufmerksamkeit fordere, schauen sie mich verdattert an. Manche reagieren regelrecht empört („Aber ich rede doch gerade mit Lorenzo!“), wenn ich sie aufrufe. Dennoch stellen sie fest, dass sie schon viel leiser sind als noch vor einer Woche. (Und sie wirken nicht einmal unzufrieden dabei.)

Tatsächlich ist es Arbeit. Aber irgendwie auch schöne. Klassenklima und so kann ich eigentlich ganz gut. Außerdem bin ich ja heilos froh, dieses Jahr mal kein erstes Schuljahr zu haben. Ehrlich, ich habe mir eine Erstklässler-Auszeit verdient! Drittklässler sind so – wie soll ich sagen – herrlich entspannend 😀 Sie wissen, wo das Klo ist und wie man es benutzt. Sie wissen, wo der Kakao steht und wie man das Loch in den Deckel piekst, ohne dass Blut fließt.

Und: Sie wissen, wie die Kaffeemaschine funktioniert!

Immer, wenn ich es mir zur Frühstückspause im Vorlesesessel* bequem mache und zu lesen beginne, düst ein flinker Drittklässler zum Regal und drückt aufs Knöpfchen. Na, ist das ein Leben?

Gestern allerdings habe ich eine Tasse heißes Wasser gereicht bekommen. Auf mein irritiertes Nachfragen antwortete der kleine Grabowski: „Haben Sie eben gehustet, habe ich Tee gemacht. Aber kein Beutel war da. Tja, weiß ich auch nix.“  Und da beschwere ich mich über mangelnde Aufmerksamkeit!

Wie war denn euer Start? Habt ihr auch Erstklässler-Auszeit oder steckt ihr mittendrin im Anfangs-Chaos? Genießt ihr die (zweifelhafte) Arbeitsmoral im vierten Schuljahr oder seid ihr sogar ganz froh, die letzte Klasse abgegeben zu haben?

Ich freue mich auf Antworten,

herzliche Grüße

Frau Weh

 

* (gerne auch genutzt als Geburtstagsthron, Trosthöhle, Bühne fürs szenische Spiel etc.)

Die Liebhaberballons

Gestern bestellt und heute schon da. Offenbar hat der Ballonlieferant nur auf mich gewartet. Turbomäßiger Versand in – wie angekündigt – neutraler Verpackung und mit gänzlich nichtssagendem Absender. Alles planmäßig.

Und was soll ich sagen?

Die Dinger sind der blanke Wahnsinn!

Noch nie, nie, nie in meinem Grundschulleben habe ich mit so festen, strapazierfähigen und riesigen Luftballons gearbeitet. Oh, ich bin zum Fan, ach was sag ich, zum Jünger geworden! Prall, sattschwarz, tatsächlich leicht zu knoten – es ist eine wahre Wonne.

Allerdings habe ich mich nicht getraut, den Probeballon bis zum möglichen Durchmesser von 35cm aufzupusten, bei 29cm habe ich vorsichtshalber aufgehört. Daran zeigt sich, dass ich wohl noch lange nicht zum harten Kern der wahren Ballonfans gehöre. Aber 29cm sollten für einen durchschnittlich großen Drittklässler ausreichen. Schließlich werden die Kinder schon genug gefordert, wenn sie mehrere Schichten Transparentpapier auflegen müssen. Das ist schon Arbeit genug.

Und was das vielgelobte Aufblaserlebnis anbelangt, so traue ich mich kaum es aufzuschreiben, aber selbst das gelang mühelos. Nix mit dicken Backen und schmerzenden Ohren (schöner Gruß an die sonst so gepeinigte eustachische Röhre).

Boah, wie toll! Nie wieder andere Ballons! 😀

 

 

Herr Weh grinst

Und zwar breit. Sehr breit. Ob über meine grenzenlose Naivität oder die Sache selber, lassen wir mal dahingestellt. Fakt ist, ich habe gerade offensichtlich Sexspielzeug gekauft. 30 Stück. Für die Drittklässler. Das muss ich erstmal verdauen.

Dabei fing alles so harmlos an. Ich habe mir Gedanken über die anstehenden Laternen gemacht. Da ich mit der letztjährigen Kleisterei so zufrieden war, wollte ich für dieses Jahr ein ähnliches Modell. Meine Wahl fiel auf ein recht großes Modell. Damit die Laternen auch beeindrucken – die Drittklässler wollen etwas zum Herzeigen! – müssen große, birnenförmige Ballons benutzt werden. Und so nahm die Geschichte ihren unerwarteten Lauf. Diese Luftballons kriegt man nämlich nicht überall und als vollbeschäftigte Mutter habe ich weder Zeit noch Lust mich auf die große Suche zu machen. Also muss das online gehen.

Im großen Auktionshaus mit den bunten Buchstaben wurde ich fündig. Zugegeben wunderte ich mich ein wenig über den leicht entrückten Gesichtsausdruck der Models auf den Fotos – ich wunderte mich auch, dass überhaupt Models auf einem Foto für Luftballons zugegen waren, aber gut. Der Hinweis, dass die Ballons über einen extrem leicht zu knotenden Hals verfügen, fand ich sogar recht praktisch. Jeder, der schon für eine ganze Klasse Ballons aufgepustet und verknotet hat, würde das zu schätzen wissen! Dass der Verkäufer hingegen betonte, er würde in unauffälliger Verpackung und mit neutralem Absender versenden, hat mich leicht irritiert. Andererseits, wen kümmerts? Der Preis war gut, die Größe fantastisch (35cm Durchmesser! Die anderen mögen mit ihren Laternchen zum Martinsfeuer leuchten. Wir werden das Martinsfeuer sein!). Also 30 Stück bestellt.

Unmittelbar nach der Kaufbestätigung traf mich der Blitz der Erkenntnis.

Oh…ha!

Die Fotos weiterer Kaufangebote spezieller Ballons im Großgebinde, die mir nun, da ich mich durch den Kauf offensichtlich als Eingeweihter geoutet habe, präsentiert wurden, zeigten nur noch eine verschwindend geringe Zurückhaltung. Da denkst du, du kaufst einfach nur Luftballons und dann… holla, die Waldfee! Ich pack da ja immer nur Kleistermatsche drauf, dabei wartet ein ganzer Kosmos voller Möglichkeiten auf den wahren Liebhaber praller Gummihaut. Schwankend zwischen Unglauben und Fassungslosigkeit („Holen Sie sich den prächtigen Topballon Smiley-Kiss nach Hause!“, „Erleben Sie wahre Extase mit Banana-Joe!“) beendete ich die Kaufabwicklung und holte tief Luft.

Jetzt mal ehrlich, wer von euch hat gewusst, dass es einen Markt für große, birnenförmige Luftballons mit besonders stabiler Gummihaut gibt? Na? Ich weiß jetzt immerhin, dass es dafür ein Fachwort gibt. Aber verzeiht, wenn ich es hier nicht verwende.

Doch ich lasse euch gerne beizeiten einen Erfahrungsbericht zukommen.

Also natürlich darüber wie das mit dem Kleistern geklappt hat!

1-2-3 eyes on ME!

„Also die waren ja sooo ruhig und diszipliniert. Und sie haben sich so viel Mühe gegeben!“

Frau Schmitz-Hahnenkamp überschüttet mich in der Pause mit Erfolgsnachrichten aus meiner alten Klasse. Leise waren sie, nett untereinander und fast alle hatten ihr Material dabei. Toll, wirklich und so unerwartet! Nur mit Mia-Sophie, also da habe sie etwas Bedenken. Die Mutter habe sie ja bereits mehrfach in den Ferien kontaktiert und ihr mitgeteilt, dass außer dem Gymnasium nichts, aber auch gar nichts anderes in Frage käme und dass ich offensichtlich die Leistungen ihrer Tochter falsch beurteile. Ja, schlichtweg nicht die richtige Lehrerin für das Kind sei. Aber jetzt, wo Frau Schmitz-Hahnenkamp Zucht und Ordnung in den Haufen, pardon, die Klasse bringe, werde sicher alles gut und Mia-Sophies Stern werde endlich glänzen.

Die Kollegin erzählt und erzählt, mittendrin lässt sie geschickt einfließen, dass sie morgen aber noch nicht bereit wäre, Mathematik in meiner neuen Dritten zu unterrichten, sie erstmal Zeit für die eigene Klasse bräuchte und überhaupt. Ich höre nur mit einem halben Ohr zu, habe ich doch gerade vier Stunden mit den neuen Drittklässlern hinter mir. Vier Stunden, in denen mir schmerzlich bewusst wurde, dass ich offenbar im letzten Schuljahr wirklich gute Arbeit in der Parallelklasse geleistet habe. Viele der neuen Dritten sind laut, pöbelig und wenig interessiert an dem, was da vorne so passiert. Der Erzählkreis entgleist, eine Meldekette kennen sie nicht, in der Pause kommt es zur ersten Prügelei. „Achtsamkeit und Anerkennung!“, schießt mir durch den Kopf als ich überlege, wie ich hier am besten beginne. „Und Aufmerksamkeitstraining“ füge ich noch in Gedanken hinzu, als mir Kai zum wiederholten Male ins Wort fällt.

Ich führe einen Aufmerksamkeitscatcher ein und rufe „1-2-3 eyes on ME!“, woraufhin mich alle (fast alle, Giuliano erklärt seinem Nachbarn gerade augenrollend, dass er gar nicht wüsste, warum seine Mutter ihm sechs Schreibhefte eingepackt hätte. Sechs!) neugierig anblicken. Ich erkläre den Drittklässlern, dass sie diesen Satz mit einem lauten „1-2 eyes on YOU!“ zu beantworten hätten,  wobei sie bei YOU auf mich zeigen und danach den Mund zu halten haben. Es wird gekichert, Englisch ist immer gut. Wir üben.

Und üben noch einmal.

Und wieder.

Am Ende des Schultages klappt es eigentlich schon ganz gut. Und morgen sehen wir weiter.

I say tomato, you say tomahto

Erstes Arbeitstreffen mit Frau Schmitz-Hahnenkamp.

Es ist heiß in der Klasse und ein bisschen ist es wie beim Paso Doble, um jeden Zentimeter wird gekämpft. Noch ist nicht ganz klar, wer hier Torero und wer der Stier ist, an roten Tüchern herrscht jedoch kein Mangel: Lernstandskontrollen, Arbeitspläne, Hausaufgabengestaltung. Keine Einigung in Sicht. Tomato, tomahto, potato, potahto. Wir feilschen. Wir wissen beide, dass unser Konfliktpotential das höchste unter allen Paarungen im Kollegium ist. Können Lehrerpersönlichkeiten noch weiter auseinander sein als wir? Wohl kaum.

Aber ich WILL das hinkriegen. Was Frau Schmitz-Hahnenkamp will, ist nicht so leicht ersichtlich. Eigentlich möchte sie ihr Ding durchziehen. So wie immer. Also vergleichen wir Ideen, wägen Stoffverteilungspläne ab und stellen uns unausgesprochen die Frage nach der (Un-)Möglichkeit einer gemeinsamen Zusammenarbeit. In Gedanken trauere ich meinem alten Team hinterher und bemerke wieder, wie sehr ich das Arbeitsklima geschätzt habe; wie sehr wir Kolleginnen, aber auch unsere Klassen davon profitiert haben, dass wir ein gemeinsames Ziel vor Augen hatten. Stattdessen prallen nun zwei gegensätzliche pädagogische Ideologien aufeinander. PAMM.

Es ist anstrengend. Und es dauert. Am Ende haben wir uns auf einen Weg geeinigt, der irgendwie gangbar scheint. Mal sehen, ob wir draufbleiben oder die ganze Teamsache wieder abblasen.

Man darf gespannt bleiben.

Alles neu

Also um das mal klarzustellen:

Ich habe mitnichten gestern nur so ein bisschen geräumt und Kaffee getrunken. Natürlich habe ich das auch getan. Aber in erster Linie habe ich – wie fast jedes Jahr – mal eben ein neues pädagogisches Raumkonzept entworfen. Wir wissen doch alle, wieviel Einfluss beispielsweise die Sitzordnung für den Lernerfolg eines Schülers ausmacht. Oder das Vorhandensein bestimmter Lernecken. Der Forschertisch! Die Leseecke! Die Farbe der Vorhänge! Das ist reines Feng Shui fürs Klassenzimmer.

Natürlich kann ich das nicht alles alleine machen (ich könnte schon, aber ich bin ja nicht mehr Mitte 20), da ist es gut, wenn das Verhältnis zum Hausmeister stimmt. Überhaupt, der Hausmeister! Liebe Referendare, liebe junge Kolleginnen, hier ein mütterlicher Rat: Knüpft eure Beziehungen Richtung Hausmeisterbüro und Sekretariat! Kolleginnen kommen und gehen, Chefinnen können so sein oder so. Die wirklich wichtigen Freundschaften sind die zu Hausmeister und Sekretärin. Un-be-zahl-bar! Ganz bescheiden darf ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich die erste an unserer Schule war, der der Hausmeister das DU, HEINZ, DU angeboten hat*. Zwar fiel mir vor Schreck die Kaffeetasse aus der Hand, aber das schmälerte die Erhabenheit des Momentes nicht. Im Hausmeisterbüro findet sich immer ein Wischlappen. DU, HEINZ, DU und ich sind jedensfalls ganz dicke. Das erklärt auch, dass er bereits ohne weitere Aufforderung die Tische und Stühle in der Klasse gegen größere ausgetauscht, ein Regal ab-, ein weiteres aufgebaut, meine Pflanzen gegossen und die Pinnwände neu gestrichen hat. Und das alles für ein grantiges „Wat machst du denn schon widda he?“ Boah!

Da war es dann auch ein leichtes für mich, den Rest des Klassenraumes den Bedürfnissen eines 3.Schuljahres anzupassen. Klassenraumgestaltung ist ja tatsächlich eine wichtige Sache in der Grundschule. Und da wir das unermessliche Glück eines festen Raumes haben, können wir uns da auch richtig ausleben. Natürlich nicht so, wie das unsere geschätzten amerikanischen Kollegen tun. Wusstet ihr, dass es in den USA einen Berufszweig gibt, der Klassenräume nach Mottos einrichtet und umgestaltet? Passend zu Halloween, 100th day of school, Valentinstag und so weiter. Verrückt. Andererseits auch faszinierend für jemanden wie mich, der sein Klassenzimmer recht clean einrichtet. In meiner Klasse erfüllt alles einen Zweck, da gibt es nichts, was reine Deko wäre. Keine Bärchen, keine Mäuschen, keine Herzchen. Und dann surfe ich auf die Seite Schoolgirl Style und denke, ja, so eine Tikibar… warum eigentlich nicht?

Der Hausmeister lässt sich derweil ein Brett auf den dicken Zeh fallen und teilt mir lautstark mit, dass ich ja wohl einen Knall hätte. Und offensichtlich kein Zuhause. Und überhaupt wäre es doch mal langsam Zeit für einen Kaffee!

Glück gehabt, ihr Drittklässler, gerade noch so an der Happy Honeybee Collection vorbeigekommen.

*Kniggeerfahrene mögen jetzt einwenden, dass dieser Ablauf mitnichten von gutem Stil geprägt sei. Schließlich müsse doch die Dame zuerst…? Das gilt aber definitiv nicht für Hausmeister. Die stehen über allem. Immer.

Neuigkeiten

Frau Schmitz-Hahnenkamp also…

Jetzt ist es offiziell, wir bilden ab nächstem Jahr ein Team. Während die Kollegin beim Zusammentreffen auf dem Flur unverhohlen eine Art freudiger Erregung an den Tag legte, die mich empfindlich an die Vampire in True Blood erinnert, befinde ich mich noch in einer Art Trancezustand als ich bei Chefin im Büro sitze. Hatte ich doch bis zuletzt gehofft, der Kelch möge an mir vorübergehen. „Ihr zwei arbeitet dann eng zusammen, in Ordnung, Frau Weh?“, Chefin blickt mich besorgt an. „Ich arbeite immer gut im Team!“, entgegne ich leicht unter Schock stehend. „Dass du das tust, weiß ich“ antwortet Chefin mit einem leichten Seufzer, der aber auch ein nicht sehr gekonnt unterdrücktes Aufstoßen sein könnte. „Das wird schon funktionieren“,  sagt sie mehr zu sich selber als zu mir, die ich ich schon auf dem Weg aus dem Büro bin. Ich hatte es schon länger geahnt, aber nicht wahrhaben wollen. Dabei konnte ich mir das ausrechnen, war doch nur noch eine Klasse lehrerlos.

Mit betretener Miene kommt mir die weltbeste Sekretärin entgegen, schokoladiges Trostpflaster in der Hand. „Ausgerechnet du!“, meint sie mitfühlend und streckt mir die Knusperflocken entgegen, „wo die doch mit niemandem zusammenarbeiten kann.“ „Ach“, mischt sich da Frau Abendroth ein, die bis eben fluchend vor dem Drucker hockte, „wenn das einer schafft mit ihr, dann bist du das!“ und knufft mich in die Seite. „Lass dich bloß nicht unterkriegen und zieh dein Ding durch!“ Auch Kollegin Kraft bekundet Anteilnahme, legt den Stapel mit den Zegnissen auf dem Tisch ab und streckt mir ihren hochgereckten Daumen entgegen.

Eine Woge der Empörung brandet mir in meiner Klasse entgegen. Die Zweitklässler sind außer sich. „Wieso bekommen die dich und wir kriegen Frau Schmitz-Hahnenkamp?“ Dass Frau Schmitz-Hahnenkamp die neue Klassenlehrerin wird, haben sie einigermaßen verdaut, wenn auch bei einigen die unverhohlene Angst ins Gesicht geschrieben steht. Dass sie mich jetzt allerdings auch noch an eine ungeliebte Parallelklasse verlieren sollen, sind sie nicht zu verzeihen gewillt.

„Jetzt ist es endgültig, ab nächstem Jahr bin ich mit Frau Schmitz-Hahnenkamp zusammen“ erzähle ich Herrn Weh kauend am Tisch. Herr Weh hält inne, die Gabel mit der aufgespießten Kartoffel in der Luft. „Ach, du Scheiße!“

Na, wenn das nicht Mut macht.