Wenn die Stimme versagt…

…weil der Hals rau ist, ist das nicht immer ein Fall für ein Halsbonbon.

In einem Beruf, in dem aller neuen Medien zum Trotz immer noch die Stimme das Hauptarbeitsmittel darstellt, sind immer wiederkehrende Heiserkeit oder Halskratzen nicht nur nervig, sondern können zum echten Problem werden. Viele Kollegen klagen über Probleme mit der Stimme, sei es, dass sie kratzt, zu leise ist oder schlichtweg wegbleibt. Dabei muss die Ursache nicht immer im Hals stecken. Unser ganzer Körper dient der Stimme als Resonanzraum; ein verspannter Nacken, eine ungerade Haltung wirken sich genau so darauf aus wie eine angeknackste Psyche oder schlechte Stimmung. Was kann man also tun, um die Stimme zu pflegen und zu kräftigen?

Das Wichtigste: Man sollte sich bewusst machen, dass man tatsächlich etwas tun sollte! Kein Sportler würde in einen Sechsstundenlauf gehen ohne sich vorher ordentlich aufzuwärmen. Warum muten wir unserem Stimmorgan dies zu? Natürlich fehlt den meisten von uns die Zeit, um sich täglich intensiv mit der eigenen Stimme auseinanderzusetzen. Daher möchte ich euch ein paar kleine Ideen geben, die sich ohne Aufwand in den Alltag integrieren lassen und die auch ohne professionelle Ausbildung greifen. Aber auch hier lassen sich wieder Parallelen zur sportlichen Leibesertüchtigung ziehen: Ohne regelmäßige Übung wird das nichts 😉

Wie beim Sport geht man auch bei der Stimmbildung vom Großen ins Kleine. Erste Übungen dienen der Lockerung des Körpers und fördern eine aufrechte Haltung. Hervorragend lässt sich das übrigens bereits morgens beim Duschen umsetzen. Versucht folgendes:

  • Strecken und recken
  • Schulterkreisen vor- und rückwärts
  • Nackenkreisen
  • Vorbeugen und Wirbel für Wirbel aufrichten
  • Kräftiges Ausstreichen von Armen, Beinen, Ober- und Unterkörper
  • abwechselndes Anspannen und Entspannen einzelner Muskelregionen

Beim Abtrocknen und Eincremen könnt ihr euch nun dem zweiten Baustein unseres kleinen Stimmtrainings widmen, der Atmung. Praktischerweise funktioniert die ja bereits von alleine. Also dienen die nächsten Übungen zunächst der Bewusstmachung des Atems. Langsames Einatmen und Nachspüren, wo der Atemstrom hingeht. Schickt ihn mal testweise in die Flanken, seitlich in die Rippen oder ganz bewusst nach unten, Richtung Bauchnabel. Dabei wechselt ihr automatisch von der Brust- zur Zwerchfellatmung. Wusstet ihr, dass das Zwerchfell unser größter Atemmuskel ist? Wo das Zwerchfell sitzt, merkt man übrigens am allerbesten beim Schluckauf, da kontraktiert es fröhlichvor sich hin. Wenn ihr nun bewusst (nicht übertrieben tief!) vor euch hin atmet (ein durch die Nase, aus durch den Mund), versucht mal die Ausatmung zu verlängern. Dies dient der Atemkontrolle. Vielleicht schafft ihr es sogar im Verhältnis 1:4, das wäre schon richtig großes Kino! Sprechen und Singen erfolgt bei der Ausatmung, von daher ist es gut, wenn man sich die Atemmenge anständig einteilen kann, um nicht plötzlich „auf dem letzten Loch zu pfeifen“. Schafft Resonanz in eurem Körper und gähnt! Gähnt kräftig und herzzerreißend, fällt gar nicht so schwer, stimmt’s?

Mittlerweile seid ihr abgetrocknet, eingecremt und wahrscheinlich auch schon angezogen. Zeit, die Kinder zu wecken und das Frühstück vorzubereiten. Die folgenden Übungen könnt ihr fröhlich in eure morgendliche Tischkonversation einfließen lassen („gibbbbbbbb mirrrrrr bbbbbitttteeeee die Marrrrrrrmmmmmelaaaaaadeeee, mein Schschschschatzzzzzz!“) oder ihr macht es wie ich und verschiebt die Artikulationsübungen auf den Weg zur Arbeit. Praktisch, wenn ihr mit dem Auto unterwegs seid, unterhaltsam für die Sitznachbarn, wenn ihr Bahn fahrt. Fühlt euch völlig frei und versucht folgende Übungen:

  • brrrrrrrr (über die Lippen, nicht im Hals)
  • blablablablablablablabla
  • b b b b b b b b b b b b
  • spielt Topmodel und gebt Küsschen wie Heidi Klum: mmmmja mmmmja!
  • mit deutlichem Impuls aus dem Bauchraum heraus: ppp ttt kkk ppp … startet langsam und steigert das Tempo.
  • lasst alle Hemmungen fallen und bewegt eure Zunge hin und her, hoch und runter, rein und raus. (Vielleicht nicht unbedingt an der Ampel.)
  • lasst gewollt den Unterkiefer fallen – ja, das wirkt nicht intelligent, aber das muss so!
  • stellt euch vor, ihr seid eine Kuh beim Weidegang und lasst euren Kiefer gemuhtlich kreisen. Jede(r), die schon einmal in das Vergnügen eines Geburtsvorbereitungskurses kam, weiß, dass Hebammen auf die Verbindung zwischen entspanntem Unterkiefer und entspanntem Unterleib schwören. Also los!

Für diese Übungen könnt ihr auch Musik eurer Wahl hören, je fröhlicher, um so besser! Stimmt euch ein, im wahrsten Sinne des Wortes! Danach direkt weiter und summen. Startet in einer euch angenehmen Mittellage und dann testet euch mal rauf, mal runter. Keine Sorge, niemand hört euch. Lasst die Stimme einfach laufen, ganz automatisch passiert ihr dann Kopf- und Bruststimme – beide sollen aktiviert werden. Dieser sogenannte Lagenwechsel sollte ohne besonderen Kraftaufwand oder gar Druck stattfinden. Das Gefühl von Weite in Mund- und Rachenraum muss bleiben, denn diese Weite ist es, die später einen erhöhten Luftstrom und damit mehr Stimmvolumen zulässt – Lautstärke wird durch mehr Atemfluss erreicht, niemals durch Druck!

 

Liebes Christkind

ich bin es, Frau Weh. Sicher erinnerst du dich an meinen maßlosen Wunschzettel vom letzten Jahr. Ich bin etwas früher dieses Jahr. Ich dachte, wenn du vielleicht ein bisschen mehr Vorlaufzeit hast…?

Ich sehe ein, dass meine letzte Liste ein bisschen viel für dich war. Entschuldige bitte! Es ist halt nur so, dass ich gerne die Bedingungen optimieren würde, in denen ich arbeite. Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass die Putzfrau jetzt schon seit 2 Wochen krank ist. Und dass sich niemand um die kaputte Heizung im Musikraum kümmert, schließlich ist mal wieder kein Hausmeister da. Aber weißt du, ich friere doch so leicht! Und mit den zwei Klassen, die ich gerade oft gleichzeitig unterrichten muss wegen des hohen Krankenstands der Kolleginnen, kann ich nur in den Musikraum gehen. Nirgendwo sonst gibt es genug Stühle. Vielleicht könntest du mir ein paar Stühle…? Oder ein Heizkissen?

Aber eigentlich habe ich dieses Jahr nur einen einzigen Wunsch. Der ist aber wichtig, sagt Herr Weh, und Herr Weh kennt mich nunmal wie sonst niemand auf der Welt:

Bitte, liebes Christkind, schenk mir den nötigen inneren Abstand! Zwar arbeite ich hart daran, aber es will noch nicht so klappen. Ich brauche ganz dringend eine Tür, die ich hinter mir zumachen kann, wenn ich nach Hause fahre. Eine Tür, die ich auch mal fest zuknallen kann, wenn sich die Mutter von Jeanette beim Schulamt über mich beschwert, nur weil ich mit ihr über ihre Tochter sprechen möchte. (Wenigstens ein einziges Gespräch. Ein Telefonat, bei dem sie mich nicht sofort wegdrückt. Eine Nachricht auf dem AB, die sie beantwortet.) Ein Vorhang, der sich begütigend auf meine Augenlider legt, wenn ich nachts wachliege und an den kleinen, immer hungrigen Grabowski denken muss, der seit einer Woche ohne Frühstück und Material zur Schule kommt. Eine innere Stimme, die sagt Alles wird gut, wenn ich mich mit der Mutter von Sinan streiten muss, weil die Schulzahnärztin einen Blick auf seine katastrophal verfaulten Zähne geworfen hat und die mich anherrscht, in was wir uns eigentlich noch einmischen wollen.

Liebes Christkind, ich könnte noch so viele Dinge nennen, die mir auf der Seele liegen. Aber ich weiß schon, das führt zu nichts. Also mache ich das einzig Richtige.

Ich setze mich ans Bett der Wehwehchen und lese vor.