Kommen und Gehen

„Wie heißt denn der Hausmeister von heute?“

Ich kann die Frage der Klasse nicht beantworten. Nicht, dass es mir nicht mitgeteilt worden wäre. Aber schlicht und ergreifend habe ich nach Hausmeister Nr.4 aufgehört mir die Namen zu merken. Sie kommen, sie gehen; äußerst flüchtig gestaltet sich derzeit die Beziehung zum Gebäudemanagement. Alles, weil wir immer noch keinen festen Hausmeister zugewiesen bekamen. Natürlich ist das kein Zustand, aber Unhöflichkeit geht ja nun auch mal gar nicht, also schicke ich Nino los, um den Namen herauszufinden.

Als er mit einem breiten Grinsen zurückkehrt, ziehe ich eine Augenbraue hoch und frage mich in Gedanken, ob er die beste Wahl für diese Aufgabe war. Vermutlich nicht.

„Der Hausmeister heißt Herr Leberwurst!“

Die Klasse kringelt sich. Ich rolle mit den Augen. „Ist klar, Nino!“

„Nee, ehrlich, Leberwurst!“

„Ok“, Nino hat uns allen die letzten Tage Nerven gekostet, „geh du mal fragen, Giuliano!“

Eine Minute später.

„Er heißt wirklich Herr Leberwurst. Und ich soll Ihnen sagen, wenn Sie es immer noch nicht glauben, sollen Sie selber vorbeikommen, dann schmiert er Ihnen ein Brot, Frau Weh!“

 

Der Neue

Pausenaufsicht. (Wie eigentlich immer.)

Der neue Hausmeister lehnt lässig mit Besen in der Hand am Müllcontainer. Kleines Päusken. Ich schlendere zu ihm hinüber – gute Hausmeisterkontakte, ihr wisst schon. Beim Näherkommen bemerke ich die Tätowierungen auf seinen Armen. Ich neige meinen Kopf, um die verschnörkelten Buchstaben zu erkennen.

„Der Jayden und der Conner!“, sagt er da stolz, mein Ansinnen bemerkend, und lässt die beachtlichen Hausmeistermuskeln spielen, was die Schriftzüge interessant verzerrt. Ich lese JaYDn und verzichte darauf auch noch die Geburtsdaten seiner Kinder zu entziffern. „Dat sin zwei. Dat reicht auch, wat!?“, er lacht laut auf.

„Habense denn auch Kinder?“ Ich nenne das Miniweh und das mittelgroße Wehwehchen (ganz ohne dabei auf meine Unterarme zu schielen).

„Jaja,“ sinniert der Hausmeister und lässt seinen Blick über den Pausenhof schweifen.

Ich folge seinem Blick und sehe eine Gruppe Zweitklässler, die akribisch mit einem Basketball die große Kastanie zu entlauben versuchen. Jetzt hat auch der neue Hausmeister die Kinder entdeckt.

„Ey! Mir is die Kappe am kreisen! Dat kannzema lassen! Haste wohl einen anner Kirsche, wat!?“

Befriedigt nimmt er zur Kenntnis, dass die Zweitklässler erstarren und sich kleinlaut mit ihrem Ball zur Lagebesprechung hinter das Klettergerüst verziehen. „Jaja“ nimmt er den vorherigen Gedanken wieder auf. „Kinder, dat is doch dat Größte!“

Die Sache mit der Demokratie

…ist wahrlich keine leichte.

Klassensprecherwahl bei den Drittklässlern.

Was wurden doch im Vorfeld für redliche Charaktereigenschaften benannt, über die ein guter Klassensprecher – natürlich auch in weiblicher Form – verfügen müsse! Nett und freundlich solle er sein, unparteiisch und gerecht, selbstbewusst und redesicher. Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!

All dies ist nun nichtig angesichts der kribbelnden Aufregung, die die Klasse ergreift. Es gilt den eigenen Namen an die Tafel zu bringen. Das ist, was zählt! Oh, diese Ameisen im Bauch, diese Vorfreude! Namen über Namen konkurrieren um Glanz und Glorie des Amtes und bilden einen basisdemokratischen Flickenteppich. Die Stimmung ist gelöst, der Kongress tanzt. Mein eindringliches Zureden trifft auf taube Ohren. Alle fühlen sich wie gemacht für den Posten.

Die Ernüchterung folgt auf dem Fuße: Abgeschlagen mit je einer Stimme* dümpeln all die Willigen auf der Wandtafel. Doch – Überraschung! – ein Kandidat hat die große Pause erfolgreich genutzt, um sich seines Gefolges zu versichern. „Wenn du mich wählst, dann…!“ verspricht er mit großer Geste. Mit acht Stimmen strahlt Sinan, der bisher eher durch ungemachte Hausaufgaben und tägliche Raufereien auffiel, nun siegesbewusst in die Runde: „Ich nehme die Wahl an und morgen bringe ich Kuchen für alle mit!“

Dann wäre er immerhin ein Politiker, der seine Wahlversprechen hält.
*(früher hieß es immer „Selbstwahl stinkt!“, aber das kam vermutlich erst in der Mittelstufe.)

Can you feel the love tonight?

Es liegt Liebe in der Luft bei dieser ersten Konferenz im neuen Schuljahr.

Alle sind entspannt, Kolleginnen schließen sich in die Arme und tauschen Nettigkeiten aus. Chefin drückt sich einmal um den Lehrerzimmertisch herum, meinen Einwand, man habe sich doch schon letzte Woche begrüßt, beiseite winkend. Schließlich sei ich im Alter ihrer Kinder, das wäre doch ein bisschen als würde man das eigen Fleisch und Blut umarmen. Sie tut es ausgiebig. Versinkend in ihrer Körperfülle denke ich, dass dieses Maß an Zuwendung einer guten Zusammenarbeit nicht unbedingt förderlich ist. Bei der Hitze, die im Lehrerzimmer herrscht, steht Körperkontakt auf meiner persönlichen Wunschliste sehr weit unten. Aber auch Frau Schmitz-Hahnenkamp nutzt die Gelegenheit und setzt sich an meine Seite. Mit Muffelmiene. Der Schulanfang stürzt sie jährlich in eine tiefe Phase der schlechten Laune. Auf Konferenzen könne sie gut verzichten. Auf jeglichen Einsatz außerhalb ihres Klassenzimmers ebenfalls. Dennoch zeigt sie sich – man könnte meinen – teamorientiert als wir nach unserer Ansicht zu verschiedenen organisatorischen Dingen gefragt werden. „Entscheide du mal ruhig“, sagt sie mit herabhängenden Mundwinkeln und deutlich zur Schau getragenen Unlust.

Als wir bei Punkt 5 von 10 auf der Tagesordnung angekommen sind (Verteilung der Ämter), ist die Stimmung bereits deutlich gesunken.

Bei den Raumverteilungsplänen fallen bereits ein paar hitzige Bemerkungen.

Am Ende der Konferenz wird eine Kollegin mit der Faust auf den Tisch gehauen und mehrere andere mit spitzen Lippen vehement die Köpfe geschüttelt haben. Der Stundenplan wird neu zusammengewürfelt werden müssen, der Aufsichtsplan sowieso. Ich fühle mich sofort wieder zu Hause.

Wie schön, dass sich manche Dinge einfach nie ändern! 🙂

 

Sprechen wir doch mal über…

Lehrergeschenke!

Zu Beginn des letzten Halbjahres (Herr Wulff steckte uns tief in den Knochen) verkündete Chefin laut und vernehmlich auf der Schulpflegschaftssitzung, dass Geschenke über 5,- Euro nicht statthaft und somit absolut unerwünscht wären.

Schade eigentlich. Oder?

Ja, Lehrer bekommen Geld für das, was sie tun. Und zwar unabhängig davon, wie sie es tun. Sprich, es gibt nicht mehr Geld für die Engagierten und nicht weniger für, naja, die anderen. Eigentlich bräuchten Lehrer keine Abschieds- oder sonstigen Geschenke, sie tun ihre Pflicht. Dennoch finden sich auf meinem Schreibtisch in den letzten Tagen immer wieder verschiedene Dinge: Schokolade, Dankeskarten, ein paar Blümchen.

Warum eigentlich?

Vermutlich aus dem gleichen Grund, aus dem auch ich der Lehrerin des mittelgroßen Wehwehchens jedes Jahr ein kleines Dankeschön zum Ende des Schuljahres mitgebe. Als Dank dafür, dass sie in meinem Kind mehr sieht als nur einen – manchmal ganz schön anstrengenden –  Teil ihrer täglichen Aufgabe. Dafür, dass sie mein Kind fair, gerecht, aber auch ermutigend und grundsätzlich wohlwollend unterrichtet. Dass sie sowohl Fähigkeiten wahrnimmt und fördert, wie auch Schwächen aufspürt und Hilfestellung gibt, wo es nötig ist. Dass sie lobt. Und tadelt. Dafür, dass sie glücklicherweise ganz ohne Schubladen in ihrem Denken auskommt. Und nicht zuletzt auch dafür, dass das mittelgroße Wehwehchen sie gern hat. Denn dafür wird sie nicht bezahlt. Kein Gehalt wäre hoch genug.

Die Lehrerseite:

Natürlich erwarte ich es nicht. Aber es ist schön ein Danke zu bekommen. Ob dieses Danke viel gekostet hat oder gar nichts, ist nicht wesentlich. Teure Geschenke sind irgendwie… unangenehm. (Preiswerte Geschenke können das aber auch sein, s.u.) Ich freue mich, wenn ich eine kleine Karte mit ein paar treffenden Zeilen bekomme. Signalisiert es doch, dass sich da jemand Gedanken gemacht hat. Sollte diese Karte dann noch an einem Glas Marmelade baumeln – na also!

In den letzten Jahren habe ich einige Geschenke bekommen. Einiges hätte ich nicht annehmen dürfen, anderes hätte ich gerne abgelehnt. Wir hätten da beispielsweise:

  • Die Teekanne in Form eines Golfballs. Keine Ahnung, was das sollte. Ist dann auch irgendwann hingefallen. Schwerkraft und so.
  • Der riesige tönerne Übertopf, der – schließlich bin ich Musiklehrerin – in Serviettentechnik mit dem Antlitz von Beethoven verziert wurde. Für eine Pflanze hat es damals übrigens nicht gereicht. Es gab nur den Topf. Der war lila. Hmm.
  • Eine Fototasse mit Klassenfoto. Randvoll  mit angeschmolzenen Schnapspralinen. Brrr. Fand ich beides doof. Ich stehe überhaupt gar nicht auf Fototassen. Auch nicht auf niedliche Kätzchen, Hunde mit Glubschaugen oder Anne Geddes.

Jetzt höre ich schon die verzweifelten Fragen der mitlesenden Klassenpflegschaftsvorsitzenden: Was kann man denn überhaupt schenken?

Auch da kann geholfen werden! Geschenke, über die ich mich gefreut habe:

  • ein großes Bild auf Leinwand, auf dem jedes Kind der Klasse ein Feld mit Acrylfarben ausgemalt hat. Das ist wunderschön und hängt seitdem in meinem Klassenraum,
  • immer wieder: Ein schöner Blumenstrauß, gerne von den Kindern einzeln zusammengetragen,
  • selbstgemachte Marmelade,
  • eine Karte oder ein kleiner Brief mit einem Danke,
  • kitschig, aber wahr: Eine große Packung Merci. Aber auch nur, weil ich bei der Werbung immer heulen muss,
  • nudefarbene Pumps in 38.

Das ist doch wirklich nicht schwierig! 😉

Zu Ende geht die Grundschulzeit…

Krank. Natürlich.

Erwischt es mich doch immer so kurz vor Toresschluss. Selbstverständlich unvorbereitet. Genauso wie mich auch der Sommer immer ganz plötzlich überrascht. Zack, ist er da und wer hat es wieder nicht kommen sehen und trägt ein 2 Kilo-Schuljahresendbäuchlein zu käsigen Beine? Genau, Frau Weh. Schlimmer noch: „Deine Beine sehen igelig aus“, raunt mir eine Erstklässlerin charmant beim Kolleginnenabschied zu. Ich sitze auf dem Cajon und versuche die rhythmischen Zügel einer ganzen Klasse fest in der Hand zu halten. Da kann einem schonmal ein Hosenbein hoch- und das Herz in selbiges hineinrutschen. Außerdem plagt mich eine üble Erkältung. Mein Kopf fühlt sich an, als habe ich mein Gehirn bereits mit einem kräftigen Nieser ins Nirwana befördert.

Aber gut war es. Und schön. Alle haben ihren Part bravourös gemeistert. Ich war wirklich stolz auf meine Musikklassen. Auch die CrazyFunkyChicken haben etwas zusammengeschustert, das – du ahnst es nicht! – zu Musik wurde. Heterogener als dieses Miniorchester zwischen Saxophon und DreiMannKlavier geht schon gar nicht mehr. Inklusiver auch nicht, schwankte doch das waghalsige Arrangement zwischen du spielst die ganze Zeit und nein, nur EINMAL am Schluss draufhauen! Doch spätestens als die gesamte Schulgemeinde einfiel ins „Zu Ende geht die Grundschulzeit, viele Jahre warst du hier“ wurde Gewissheit, was vorher Hoffnung (und gelegentlich auch blanke Panik war):

Das war richtig gute Arbeit!

Oder wie es ein CrazyFunkyChicken formulierte: „Cool, wir habens voll drauf, Frau Weh!“

Frau Weh(mut)

Unverkennbar Schuljahresende.

Wann sonst hat man das Gefühl, alles ziehe so rasant an einem vorbei, dass man kaum noch zum Luftholen kommt? Ist es nicht als würde man einer kleinen Murmel am oberen Treppenabsatz einen Stips geben, woraufhin sie – poingpoingpoing – uneinholbar Stufe für Stufe herabkullert? So jedenfalls fühle ich mich gerade. Eben waren es noch Wochen um Wochen, jetzt lassen sich schon Stunden abzählen. Wo soll ich also mit dem Erzählen anfangen? Vielleicht bei dem Fauxpas, den sich Supermom beim Elterntralalafest geleistet hat? Oder lieber bei einer unglaublichen Nachricht, die mir das Schulamt zukommen ließ? Möchtet ihr von der traurig-schönen-lustigen Abschiedsfeier mit den Zweitklässlern hören oder doch lieber vom Kolleginnenabschied mit Luftpumpen, Bananafishbones und den CrazyFunkyChicken?

Nein, ich starte bei den Zweitklässlern, haben sie mir doch heute eine Überraschung bereitet, die so gelungen war, dass mir ganz urplötzlich die gänsehäutige Gewissheit die Arme heraufkroch, dass ich diese Klasse trotz allem irgendwo ins Herz geschlossen habe. Und – fast schöner noch – Spuren hinterlassen habe.

Kurz vor der Frühstückspause bauten sie sich aufgeregt vor mir auf. Alle, wie sie da waren: Amelie, Pauline, Lennox, Justin, Mia-Sophie und so viele mehr. „Frau Weh, fragen Sie sich nicht, warum wir Sie letzte Woche immer Kaffeetrinken geschickt haben? Wir haben Ihnen ein Abschiedslied gemacht.“

Und dann sangen sie. Metrisch nicht sehr rein, aber voller Inbrunst, auf die bekannte Melodie des Irischen Segenswunsches getextet.

Liebe Frau Weh, wir haben Sie lieb und der Abschied fällt uns richtig schwer.

Weil wir richtig Spaß hatten, wollen wir uns nicht so trennen.

Refrain

Liebe Frau Weh, wir hatten Spaß mit Ihnen und der ganzen Klasse.

Sie sind nett, hübsch und lustig, deshalb haben wir Sie ganz doll lieb.

Refrain

Dicke Tränen werden nun fallen, weil Sie uns ins Herz gewachsen sind.

Und wenn Sie uns jetzt verlassen, sticht ein großes Loch in unser Herz.

Refrain

Wir gehen nicht ins 3.Schuljahr, weil Sie ja nicht mehr da sind.

Und ins 4. gehen wir auch nicht, weil Sie ja nicht dabei sind.

Refrain

Und wir wollen noch etwas sagen, Sie sind die beste, die es gibt.

Wir werden Ihnen ganz doll versprechen, wir arbeiten leise und lieb normal.

Und bis wir uns wiedersehen, hoffen wir, dass Gott Sie nicht verlässt.

Er halte Sie in seinen Händen, doch drücke seine Faust Sie nicht zu fest!

Was soll ich sagen? Ich musste mal schlucken.

Und dann musste ich sie mal drücken.

Ausflugsorganisation

Wenn man mit einer Grundschulklasse das Wagnis eines Ausflugs eingeht, dann sollte man einigermaßen vorbereitet sein. Denn so lauschig und charmant die Vorstellung auch ist, mit einer Schar Kinder lustig wandernd die Welt zu erkunden, die Realität ist oftmals die pure nervliche Achterbahnfahrt. Den heutigen Nachmittag nutze ich also, um alles einzupacken, was nötig ist, um alle Zweitklässer wieder vollzählig und in ganzen Stücken zurückzubringen. Hier mal meine

Standard-Packliste für den Klassenausflug:

  • Telefonliste mit Handynummern der Eltern, Schulnummer
  • Zweitklässleridentifikationskarten*, laminiert und mit Kordel zum Umhängen versehen
  • Ersatz-Shirt für mich (ich hatte da mal ein unangenehmes Erlebnis während einer Busfahrt…)
  • mindestens 3 Plastiktüten
  • Erste Hilfe-Ausrüstung einschließlich Knick-Eispacks
  • Tempos
  • Babywaschlappen o.ä. (feuchte Tücher können le-bens-ret-tend sein!)
  • Handy, Geld, Infozettel (Abfahrt-/Ankunftzeiten, Telefonnummer des Museums o.ä.)
  • Waschlappen oder kleines Gästehandtuch (falls mal ein kleiner Hitzkopf runtergekühlt werden muss)

Damit bin ich bisher ganz gut klargekommen. Je nach Wetterlage packe ich noch eine große Flasche Sonnencreme dazu.

Woraus besteht eure Ausrüstung? Habt ihr noch Tricks und Tipps auf Lager, die unbedingt geteilt gehören? Ich würde mich freuen!

* Zweitklässleridentifikationskarten:

Mein Name ist Mia-Sophie.

Ich bin Schülerin der tollen Grundschule in

Sagichnicht (01234/56789).

Meine Lehrerin heißt Frau Weh und ist

unter 0815/4711 zu erreichen.

Wichtig: Die Karten rund schneiden. Eckig piekst ganz schön unterm T-Shirt (immer unters T-Shirt wegen Strangulationsgefahr). Den Namen schreibe ich mit Edding auf die Karten, dann kann er später mit Nagellackentferner beseitigt und die Karte wiederverwendet werden. Noch wichtiger: Karten am Schluss wieder einsammeln! Das fehlt mir noch, dass PapaPauline mir eine SMS schickt. Oder schlimmer noch: Supermom!

Und ich brülle nicht.

Respekt.

Ist es nicht Respekt, den wir von unseren Schülern erwarten? Sollten wir ihnen nicht erstmal vor Augen führen, was das ist, respektvolles Verhalten? Ich sitze oft in der Klasse und höre einzelne Kolleginnen brüllen. Das lässt mich jedesmal innerlich zusammenzucken. Natürlich werde ich auch manchmal lauter (es gibt Dinge, die erfordern eine gewisse Ausreizung der stimmlichen Amplitude), aber es sitzen Kinder vor uns. Kinder, die sich nicht ausgesucht haben, in genau dieses Leben, diese Umstände geboren zu werden. Kinder, die sich nicht selber erzogen haben und die das Recht auf Fehler haben. Ja, auch auf Fehlverhalten.

Nein, es reicht mir nicht, wenn meine Schüler nur lesen, schreiben, rechnen bei mir gelernt haben. Ich möchte, dass sie an ihre Grundschulzeit als an eine zwar fordernde, aber auch ermutigende und schöne Lernzeit zurückdenken können. So oft belächeln Kollegen von weiterführenden Schulen die Grundschuldidaktik, aber sind es nicht genau die Kinder, die ihr gerne übernehmen würdet? Lernfroh, aufgeweckt, mit fragender Neugier?

Ja, mir ist heute eine Laus über die Leber gelaufen. Und ja, ich lasse Lennox das Schuljahr wiederholen. Bei Frau Schmitz-Hahnenkamp hätte er nämlich keine Chance. Manchmal ist es doch zum Kotzen.

Noch’n Schnittchen, Schneewittchen?

Nee, nee. manchmal habe ich einfach schlechtes Timing. Das ist mir heute in der Konferenz aufgefallen. Und zwar machen die Zweitklässler und ich am Freitag unseren Abschlussausflug. Klasse Sache, das! Ehemaliges BUGA-Gelände; ein Teil Naturerlebnispädagogik, zwei Teile Spielplatz = gutes Konzept und am Abend fallen alle müde ins Bett und schlafen gut. Auch Frau Weh.

Soweit die Planung.

Leider habe ich dabei ein winziges Detail übersehen: Den Eltern,wirdankenschön-Empfang. Diesen unglaublich wichtigen Bestandteil einer gut funktionierenden Lehrer-Eltern-Beziehung konnte ich noch nie leiden. Nein, versteht mich nicht falsch, Eltern wird generell viel zu wenig gedankt (ich spreche da aus Erfahrung), aber warum ausgerechnet wir das in solcher Form tun, erschließt sich mir nicht.

Wir müssen uns bedanken, findet Chefin. So als Schule. Mit selbstgemachten Schnittchen und Häppchen und Kannstmichmalchen. Für unzählige Dienstleistungen am Kind bei Projektwochen, Lesestunden, Sportfesten und all dem anderen Kram, der in meinen Augen sowieso viel zu hoch gehängt wird. Und damit sind wir wieder bei einem der Lieblingsthemen: Wieviel Eltern braucht Schule? Oder anders: Warum macht Schule nicht mal alleine?

Würden wir nicht jede popelige Veranstaltung zum Event stilisieren, müssten wir nicht mit schöner Regelmäßigkeit um Elternhilfe bitten, müsste die arme Frau Weh sich nicht nach stundenlangem Ausflug noch in die Küche stellen, während die Wehwehchen mit großen hungrigen Augen bettelnd daneben stehen. Hach, ein Teufelskreis. Leider finden Chefin und Schulpflegschaft so ein nettes Beisammensein zwischen Mettigel und Hackbällchen aber ganz großes Kino. Keine Chance, Frau Weh. Also brauche ich jetzt ganz dringend ein Rezept, das

a) schnell zu machen ist (Tüte auf und fertig wäre ideal!),

b) supertoll aussieht (selbstverständlich ist auch Supermom anwesend) und

c) möglichst preiswert ist*.

Hat jemand einen Tipp? Ich wäre dankbar!

* Nein, Rosinen gehen nicht.