Ziege, Wolf und Kohlkopf

Es war die Eintagescholera! Heute ist wie neu. Alles prima. Also kann ich mich mit vollem Einsatz einem kniffligen Problem widmen: der neuen Sitzordnung. Es wird fällig, ich komme nicht drumherum. Einige Kinder beschweren sich schon seit geraumer Zeit, dass sie nicht gut von der Tafel abschreiben können und es nur daran liegt, dass sie ihre Hausaufgaben nicht/unvollständig/falsch machen. Da muss eine Lösung gefunden werden. Es ist Zeit, dass sich was dreht. Die Kinder haben sich Sitzreihen gewünscht. (Hah, ihr großen Didaktiker, richtig gelesen: Sitzreihen. Einer hinter dem anderen mit Blick nach vorne. Nicht nur ich bin retro, es hat sich schon übertragen.)

Jetzt habe ich nur ein winziges Problem. WIE SETZE ICH SIE?

Das Verhältnis Mädchen zu Jungen beträgt 1:2, ein Drittel der Kinder trägt eine Brille, ein Sechstel der Kinder hat einen inklusiven Hintergrund, d.h. Beeinträchtigungen der ein oder anderen Art, die bedacht werden müssen. Ein Neuntel der Kinder ist stark verhaltensauffällig und bedarf ständiger Kontrolle, René ist hochbegabt und arbeitet häufig mit Extramaterial.

Aus dem Bauch heraus müsste ein Drittel der Klasse in der ersten Reihe sitzen, ein weiteres Viertel am besten noch weiter vorne. Tom1 hält sich gerne unter dem Tisch auf, Lennox wäre am besten auf meinem Schoß (oder im Tripp Trapp. Mit Bügel.) aufgehoben. Lediglich Nathalie und Amelie sind bereit, notfalls neben einem Jungen zu sitzen und dann auch nur neben René (in den sind vier Mädchen unsterblich verliebt) oder – wenn es nicht anders geht – Benjamin. Der wiederum kann auf gar keinen Fall neben Tom1 oder Tom2 sitzen. Dann fließt Blut.

Victoria und Pauline (beide verliebt in René) sind derzeit zerstritten und buhlen sehr hinterhältig und auf perfide Weise um die Gunst von Mia-Sophie, die idealerweise weit weg von Laura sitzen würde, da diese als Pausenfrühstück meistens Kinder Pingui und Snickers in der Dose hat. Diese mag sie selber zwar nicht, tauscht aber sehr gerne gegen das ungeliebte ökologisch-korrekte Mehrkornbrot von Mia-Sophie. Schon das Wissen darum löst bei Supermom („Mein Kind nimmt keinerlei Zusatz-, Farb- oder andere Stoffe zu sich! Und auf gar keinen Fall Geschmacksverstärker, die verursachen ADHS!“) heftige Reaktionen aus.

Justin und Nick sind über ein paar Ecken mit Leon verwandt. Dies äußert sich turnusmäßig in wilden Auseinandersetzungen auf dem Schulhof („Dein Vater ist ein Arsch!“ „Und deiner hat noch ein Loch dazu!“), es ist ratsam, sie in der Klasse ohne Sichtkontakt zueinander zu setzen.

Früher hieß das mal schwieriges Bedingungsfeld. Heute ist das der Alltag.

Ich schiebe Kärtchen hin. Und her. Testweise schiebe ich auch mal ein Kärtchen in die Parallelklasse oder in die Erziehungsberatungsstelle. Hätte jemand vielleicht mal einen Algorithmus oder eine passende App parat?

 

Effektives Vorbereiten

Einmal in der Woche schließe ich symbolisch meine Arbeitszimmertür (die ich ja gar nicht habe, weil ich unterm Dach sitze) und mache meine Wochenplanung. Den perfekten Tag dafür zu finden, ist – wie die Angelegenheit selber eigentlich auch – eine Sisyphosarbeit und mittlerweile bin ich bei Freitagnachmittag angelangt. Ich saß schon am Sonntagnachmittag (ganz blöd, da denkt man dann ununterbrochen dran), Donnerstagabend (irgendwann lag mein Kopf auf der Schreibtischplatte), alle 14 Tage an konferenzfreien Montagnachmittagen (örks), testweise mal ganz ohne Planung (NIE wieder!), usw. Natürlich habe ich freitags die wenigste Energie für stundenlange Überlegungen, aber genau das macht meine Vorgehensweise effektiv. Das Wochenende ruft nach mir und mein Kopf, der die vergangenen Tage über eine Menge nötigen und unnötigen Balast balancieren musste, sehnt sich nach entspanntem Nichtstun, nach Kinderbespaßung (der der eigenen!), nach Werkeln in der Küche oder einem Stündchen am Klavier, ganz alleine. Jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt. Bei mir ist es offensichtlich das freie Wochenende.

Meine Wochenplanung beginne ich immer mit der Wahl der Musik. Die passende Begleitmusik ist nicht zu unterschätzen. Jeder, der gelegentlich oder regelmäßig putzt, wird mir zustimmen. Freitags geht allerdings nichts Wildes mehr. In der Regel läuft es dann auf Jazz oder „Frühstücksklassik“ raus, vielleicht noch ein bisschen Rutter, etwas Palestrina. War die Woche hart, bleibt es auch gelegentlich still unterm Dach. Da summt schon jede Fliege gefährlich nah am eigenen Requiem.

Als nächstes verschiebe ich Stapel. Einiges hat sich ja über die Woche schon auf dem Schreibtisch angesammelt. Das wird zunächst aufgebockt und um den kompletten Inhalt meiner Schultasche ergänzt. Das wackelt dann meist schon bedenklich, sodass ich unverzüglich mit dem Abtragen beginne. Dabei bilde ich neue Stapel – thematisch geordnet: Rechnungen, Elternkrams, furchtbar wichtige Mitteilungen der Schulleitung, neues Material – rund um mich herum. Diese werden dann ebenfalls abgetragen und in einem größeren Radius verteilt. Natürlich habe ich mir zu Beginn des Schuljahres (so wie zu Beginn der letzten 9 Schuljahre auch) vorgenommen, alles sofort ordentlich wegzuräumen. Natürlich klappt das auch dieses Jahr nicht. (Wenn ich mal richtig gut drauf bin, zeige ich ein Bild des Wehschen Arbeitszimmers. Da muss ich aber in Stimmung für sein.)

Wenn so viel Platz auf dem Schreibtisch ist, dass ich mein Planungsbuch (das klassische gelbe in Din A4) aufschlagen kann, beginnt die eigentliche Stundenplanung. Bei 18 Fachstunden hat es sich als sinnvoll herausgestellt, jede Stunde kurz nachzubereiten (wie weit ist die Klasse im Thema gekommen, war etwas Besonderes, hat sich ein Kind besonders positiv oder negativ hervorgetan, usw.), das mache ich aber schon nach dem Unterricht, sodass ich bei der Planung der Folgewoche nicht mehr viel Zeit darauf verwenden muss. Also entsteigen nun 28 brillante, pädagogisch wertvolle, auf- und anregende Stunden meinem Kopf. Fix und fertig wie Athene dem Zeus. In goldener Rüstung und mit vorwitzig gerecktem Speer. Da dieser Prozess eine gewisse Dynamik erfordert, halte ich mich dafür allerdings auch nicht lange am Schreibtisch auf. Stattdessen springe ich vermutl ganz sicher recht schnell auf, um im hinteren Teil des Raumes den Ordner MU III 1 zu holen oder im Stapel IX nach unbeschriebenem Notenpapier zu kramen. Möglichweise kommt mir der flüchtige Ausschnitt eines ehedem gehörten Liedes in den Sinn und ich kann nicht eher ruhen, bis ich am Klavier die passenden Harmonien wiedergefunden habe.

Wenn mein Geist allerdings nicht viel mehr herauslässt als ein müdes Bäuerchen (so wie gerade jetzt), dann… ja dann blogge ich erstmal.

Underdressed Teil 1

Also an der Scheibenkäseproblematik sieht man mal wieder, wie wenig ich aufpasse, wenn ich auf der anderen Seite des Pultes sitze. Es ging natürlich um WURST! Die ist nämlich ab jetzt verboten in der Schule vom Wehwehchen. Käse geht noch, aber zu fett darf er auch nicht sein. Am liebsten Hüttenkäse mit etwas frischem Schnittlauch. Ungewürzt. Salz ist – ja! – verboten. Und weiße Brötchen ebenfalls. Es kam dann auch die Frage auf, ob man nicht vielleicht abwechselnd eine Kiste Möhren und ein paar Sparschäler in der Schule vorbeibringen sollte. Dann könnten sich die Kinder ja als Frühstück ein bisschen Rohkost raspeln. Das war zwar ironisch gemeint, aber einige Mütter schossen ob dieser Steilvorlage bis unter die Decke. Und die ist ja in öffentlichen Gebäuden bekanntlich recht hoch angesetzt. Also, es war richtig schön gestern! Leider hat die Kollegin vormittags unter den Tischen aufräumen lassen, so konnte ich leider keine Betriebsspionage durchführen. Aber ich habe die Van Goghs an der Wand bestaunt und natürlich die technische Versiertheit der Kollegin, die den Abend mit einer Power Point Präsentation geleitet hat. Ich schreib ja immer ganz popelig an die Tafel. Aber mal sehen, vielleicht kriege ich bis Montag ja noch was gezaubert. Hö hö.

Ansonsten hat mich der Elternabend des Wehwehchens vor allem eins gekostet: Schlaf.

Das wiederum hatte heute Morgen peinliche Folgen. Bevor ich später mal davon berichte, seien mir aber bitte eine zwei Randbemerkungen gestattet, die im Verlauf der Geschichte noch an Bedeutung gewinnen:

1. Ich besitze exakt zwei schwarze Leggins. Eine davon ist blickdicht und trägt sich hervorragend unter Tuniken, Kleidern und weiteren entzückenden Dingen, die sich im Wehschen Kleiderschrank befinden und meistens ein Label mit ulkigem Namen aufweisen. Das andere Beinkleid ist… nun ja, irgendwie eben nicht blickdicht und zu meiner Verteidigung kann ich nur anbringen, dass ich vergessen hatte, dass es überhaupt im Schrank lag.

2. Ich gehe immer gut angezogen in die Schule. Nie zu flippig, nie zu spießig, aber immer überlegt. (Ich neige zum Überlegen.) Außerdem habe ich in Herrn Weh einen hervorragenden Anziehberater. Es verhält sich nämlich so, dass, wenn ich mir nicht so sicher bin, ob z.B. ein Rock eventuell zu kurz ist, ich Herrn Weh frage. (Der hat tatsächlich null Ahnung von Mode oder Farben oder solchen Stildingen, aber er ist halt so ein richtiger Mann.) Wenn Herr Weh dann ein entrücktes Lächeln zeigt und sagt „sieht gut aus“, dann weiß ich, es ist nicht für die Schule geeignet und ziehe mich um. So einfach ist das. Und bisher bin ich damit immer hervorragend gefahren. Auf den Gatten ist Verlass in diesen Dingen.

Eichhörnchen und Zimthörnchen

Ein verregneter Sonntagvormittag. In der Küche blubbt der Hefeteig für die nachmittäglichen Zimthörnchen und ich sitze an den letzten Vorbereitungen für die Herbstwerkstatt. Werkstätten erfreuen sich ja nach wie vor großer Beliebtheit in der Grundschule.

Naja.

Man muss da ein bisschen aufpassen. Wenn man es gern übersichtlich, strukturiert, ansprechend, aktuell und auf die individuelle Lerngruppe passend hat, dann machen Werkstätten erst mal eins: eine ganze Menge Arbeit. Vorher, währenddessen

Ich kann mich ja weder teilen noch klonen und während ich mir gerade von Nick (individueller Förderplan: lesen üben, lesen üben, lesen üben!) den Text über das Eichhörnchen im Herbst vorlesen lasse, kann es tatsächlich passieren, dass derweil Justin (individueller Förderplan: kleinschrittig Defizite in der Feinmotorik angehen) den Eichhörnchenkobel nicht wie gefordert mit kleinen Strichen zu Ende zeichnet, sondern sich den dicksten Stift greift, den er finden kann, dann – krakelkrakel – irgendein klumpiges braunes Gebilde in die Astgabel zeichnet, um anschließend „Ich bin feeeertig!“-brüllend zur Fühlkiste mit Kastanie, Eichel und Co. abzuziehen. Wer hat eigentlich den Begriff des beobachtenden Lernbegleiters geprägt? War dieser Mensch schon einmal im Werkstattunterricht einer Nicht-Vorzeigeschule zugegen?

und nachher dann auch noch einmal. (Ich kann nur dringend empfehlen, Werkstätten immer ordentlich einzutüten und wegzuräumen. Am besten noch mit Zettelchen versehen, was geändert werden muss. Alles andere geht zwar schneller, sorgt beim nächsten Durchgang aber für übelsten Groll gegen sich selbst.)

Mein Best of Eichhörnchen umfasst übrigens lediglich 10 Pflicht- und drei Zusatzaufgaben. Eine sehr nette, übersichtliche Größe. Da behalten Kinder und Lehrerin die Übersicht, niemand fühlt sich abgeschreckt von der Übermacht aufgebauter Kisten und Kästen und ich kriege beim Anschleppen des Materials keinen Knacks im Rücken. Gar nicht so selten ist weniger wirklich mehr. Was viele bei der Planung einer gigantischen Werkstatt nämlich gerne vergessen, ist, dass das bloße Vorhandensein verschiedenster Angebote nicht automatisch proportional ansteigenden Lernzuwachs im Kinderkopf bedeutet.

Außerdem bleibt dann auch noch Zeit zum gemeinsamen Waffelbacken. Natürlich mit Haselnüssen*, muss ja zum Eichkätzchen passen.

*Allergien abfragen…vorher…

dickes B

In einem unbemerkten Moment rutschte das große B hinter den Materialschrank. Ärgerlich. Den rückt mir ja keiner weg. Auch nicht der ausgeliehene Hausmeister, der heute ziemlich genau 43 Minuten Zeit hatte, um die nötigsten Dinge zu erledigen. Ich konnte das beobachten, ich habe währenddessen das Alphabet laminiert. In Schreibschrift. Die Druckschriftvariante hängt bereits mit Magnetklebeband versehen an der Tafel. Natürlich durcheinander, da können die Zweitklässler direkt mal zeigen, ob sie früher bei der Sesamstraße aufgepasst haben.

Aber heute gab es nicht nur einen geliehenen Hausmeister. Nein, es war auch eine geborgte Putzkolonne vor Ort. Jetzt ist es fast wieder sauber. Papierhandtücher gibt es allerdings keine. Naja, schütteln die Kinder halt die Hände so lange durch die Luft. Oder waschen sie einfach gar nicht. Das empfinden viele Kinder sowieso als Zeitverschwendung. Ah, ich sollte vorsichtshalber morgen eine Rolle Klopapier mitnehmen, falls es da auch Engpässe geben sollte.

Der Musikraum ist fast wieder leer. Nur der Plastiktannenbaum steht noch drin. Der geliehene Hausmeister hat einfach alles wieder in den Raum mit dem Wasserschaden zurückgeräumt. Auch ein paar frisch angeschimmelte Bretter. Die müssen dann morgen vermutlich wieder ausgeräumt werden. Aber Hauptsache, ich komme ans Klavier. Ein bisschen Sorge bereitet mir die Tatsache, dass die ganze Wand dahinter feucht war. Hoffentlich ist das nicht in den Korpus gezogen. Ein neues Klavier würden wir ja im Leben nicht mehr finanziert bekommen. Genau, Haushaltssperre.

Am letzten Sommerferientag habe ich immer Bauchschmerzen. Ich bin dann aufgeregt. Weil man ja nie so weiß, was da kommt. Heute geht es aber noch, ich habe noch einiges zu erledigen. Wahrscheinlich liege ich dann heute Abend im Bett und kann nicht einschlafen. Das findet der Herr Weh dann immer furchtbar. Aber ich kann da gar nichts für, am Schulanfangsvorabend ist einfach zu viel los in meinem scolar-vegetativen Nervensystem.

Ich geh dann jetzt mal backen.

 

Materialermüdung

Die Grundschullehrerin an sich neigt ja zum Sammeln und Horten. Knöpfchen, Filmdöschen, Klopapierrollen, alles trägt die Möglichkeit zur Verwandlung in sich. Mindestens taugt es zum Basteln oder für Freiarbeitsmaterial. Also wird aufbewahrt. Befolgt man dieses Prinzip konsequent ein paar Jahre, dann ähnelt der Klassenraum (das häusliche Arbeitszimmer, der Keller, die Garage) irgendwann einem Gemischtwarenladen. Nicht so bei Frau Weh. Ich bin ein Wegschmeißprofi und insofern besitze ich gar keine Unmengen an Material.

Zumindest dachte ich das bisher.

Als ich jetzt allerdings Klassenraum A in Klassenraum B verlegt habe, wurde mir bewusst, dass ich lediglich eine andere Taktik verfolge. In den letzten acht Jahren an meiner Schule war ich in 4 Klassenräumen. Einer davon der 70qm große Musikraum mit anliegenden 3 kleinen Nebenräumen. Zwei weitere Klassen im Nebengebäude unter einem recht großen, hübsch ausgebauten, vormals leeren Dachboden gelegen.

Man ahnt, was passiert ist.

Tatsächlich befinden sich nach wie vor in den Neben-, Zwischen-, Abstell-, Dachräumen meiner alten Klassen eine erstaunlich große Zahl an Kartons, auf denen Frau Weh steht. Manche davon stehen seit… ja…7 Jahren dort.

Was ist nun aber drin, das ich ja offensichtlich nicht sonderlich vermisse?

Nun, z.B.

  • ein nicht mehr bewohntes Wespennest, das Elias N. vor einigen Jahren mit der aufregenden Geschichte der Entfernung desselben in den Sachunterricht mitgebracht hat.
  • ein Sack Gips, ich weiß nicht woher oder wofür.
  • ein Stapel nicht mehr ganz so sauberer Wachstuchdecken für den Kunstunterricht.
  • eine große Kiste mit der Aufschrift Computerkram, keine Ahnung, was da drin ist.
  • eine mittelgroße Kiste mit der Aufschrift Dekogedöns, da weiß ich leider zu gut, was die enthält: lauter gut gemeinte Mitbringsel, die die Kinder gerne in der Vorweihnachtszeit mit einem Gruß von Mama aus der Tasche ziehen.
  • mit viel Liebe (und noch mehr Zeit) hergestelltes Arbeitsmaterial zu verschiedenen Anfangswerken, Lese-Dominos, Lautkarten, Buchstabenmemorys, Bingos, 100.000 Anlautbilder (alle ausgemalt und laminiert, soviel Zeit muss sein), Anlegespiele, Klammerkarten, Setzleisten, Geräuschedosen usw. Alles in bunten Schachteln, mit beklebten Deckelchen und netten Bildchen. Hübsch. Ja wirklich.
  • Ein Karton mit Soma-Würfeln. Oh, oh… die wurden bereits vermisst.
  • Verschiedene einsatzbereite Diagnoseverfahren zur phonologischen Bewusstsein nebst Aufbaumaterial. Schlussendlich kam dann Delfin 4 und 5, sodass der Rundgang durch Hörhausen mitsamt Legohaus und Briobahn stillgelegt wurde.
  • zwei Schaumstoffwürfel und eine Schwimmnudel.
  • ein kaputtes Hunderterbrett, von dem die 32, die 51 und alle Zahlen ab 70 runterfallen, wenn man es schief ansieht.
  • Teppichfliesen (alle umsäumt! Nicht von mir).
  • ein Stapel Autozeitschriften (Kunst, 2.Schuljahr, Thema: Die Abwrackprämie).
  • diverser Laternenkram (alle Jahre wieder…).
  • ein Kunststoffohr mit sichtbaren Gehörgängen. Das habe ich aber vor zwei Jahren noch benutzt!
  • Korken, Stoff, Watte, Krepppapier, Bierdeckel, Transparentpapierschnipsel, Goldfolie, kleine Gläser mit Deckel, kleine Gläser ohne Deckel, verschiedene Deckel, leere Frischkäse-, Cappuccino-, Margarine- und andere Behälter, Nägel und Schrauben, Tapetenkleister, Tapetenrollen, Abtönfarben, Klarlack, Spritzsiebe und Zahnbürsten, …

Ich könnte das noch eine Weile fortsetzen. Stattdessen nehme ich mir für das neue Schuljahr vor, diese Kisten nacheinander entweder wegzuräumen (-> Lehrerzimmer, Materialraum, mit nettem Gruß versehen auf die Schreibtische der Kolleginnen abstellen) oder zu entsorgen (-> Lehrerzimmer, Materialraum, Abstellecken der Kolleginnen (ohne Gruß), Restmüll, Papiermüll, duales System).

Aber auf gar keinen Fall mit nach Hause nehmen!

Puschi

Ja, Mist. Da hab ich hier die 25.000 verpasst. Dabei wollte ich doch mit dem Herrn Weh dann nochmal ein Glas Sekt trinken. Jetzt muss ich auf die 50.000 warten. Das kann ja noch dauern. Aber so ist das, wenn man soviel im Kopf hat. Da hat sie Pech gehabt, die Frau Weh. Und wer jetzt meint, man könnte ja auch so mal einen zwitschern. Nee, das klappt hier nicht. Wir sind ein gut beschäftigter Haushalt mit randvollem, mehrspaltigem Familienkalender. Da ist nicht gut zwischendurch zwitschern. Das rächt sich spätestens am nächsten Morgen. Um 5.30 Uhr. Das ist die bevorzugte Aufstehzeit des Miniwehs. Ich habe noch nie verstanden, warum Kinder von jetzt auf gleich wach sein können. Also so richtig wach. Ohne Anlaufphase und langes heißes Duschen. Und ganz ohne Kaffee. PAMM, wach, aufstehen, spielen, Spaß haben, laut sein.

In der Schule war es heute ruhig. Aber ich war auch nur ganz kurz da, um die PCs anzuschließen*. Da hatte ich gestern keine Lust mehr zu. Jetzt läuft alles wieder. Da werden sie sich freuen, die Zweitklässler. Können sie nämlich zwischendurch wieder Puschi spielen. Leider, leider ging das nämlich in der letzten Zeit nicht. Da war ja was mit dem Netzwerk. (Natürlich läuft Puschi gar nicht übers Netzwerk. Aber das wissen ja die Kinder nicht.) Mich mögen die Kinder. Puschi lieben sie. Traurig. Falls hier jemand Puschi nicht kennt, das ist so ein Minispielchen aus der Lernwerkstatt, erinnert stark an die C64-Zeiten. Ein grünes Kügelchen mit Silberblick muss zwischen Hindernissen entlanggeleitet werden. Am Ende des Levels quäkt Puschi dann:

„Lalala… Puschi!“

oder

„Puuuuuuuuuuuuuuschi go!“

oder

„Pu pu Puschi!“

Irgendwann töte ich Puschi. Heimlich, nachts. Oder ich lasse mir von einem Informatiklehrer so ein großes Dingsda programmieren, wie damals bei Ghostbusters („Press play on tape!“ Das waren noch Zeiten!), was dann kommt und Puschi einfach platt tritt. Wie hieß das denn noch? Also nicht die Datasette, sondern dieses Michelinmännchen bei Ghostbusters?

Jetzt bin ich in der Schule übrigens erstmal fertig und muss bis Montag, da haben wir Konferenz, gar nicht mehr hin.

Naja. Mir fällt schon noch ein Grund ein 😉

 

*die Teppiche nochmal anders zu legen, die Tafel einmal ordentlich zu wischen (wäh!), ein paar Sachen an die Wand zu heften („Heute schon gemeldet? Nein? Dann aber los!“), Filzgleiter unter die neuen Tische zu kleben, Dinge aus dem alten Raum in den neuen zu räumen, Dinge aus dem neuen Raum in den Materialraum zu entsorgen, den Locher und 10 Scheren aus dem Musikraum zu holen, ein funktionierendes Netzgerät für das kleine Keyboard zu suchen, mal eben auf der Deutschlandkarte nachzusehen, welches Nachbarland ich beim Aufzählen im Auto vergessen habe (Tschechien), die Streifen mit der Vereinfachten Ausgangsschrift auf die Schülertische zu kleben, zwei Blätter zu kopieren, das Pult aufzuräumen und noch ein paar unwesentliche Dinge zu tun. Also nicht wirklich viel.