Schriftverkehr

Der Zustand, der keiner ist, darf so nicht bleiben.So schön es ist, dass die Kinder sich untereinander akzeptieren, meine Akzeptanz reicht nicht so weit. Ich möchte, dass keiner meiner Schüler einer Gefahr ausgesetzt wird oder blaue Flecken in der Pause kassiert. Auch im 2. Schuljahr setze ich eine Lern- und Arbeitsatmosphäre voraus, die frei von Störungen ist. Und schlussendlich kann ich es nicht verantworten, dass meine Aufmerksamkeit in so hohem Maße nur auf ein Kind gerichtet ist. Eine Schulbegleitung für Ramon ist kein pädagogisches Zückerchen, das mir den Alltag versüßen würde, sondern eine notwendige Bedingung zur Regelbeschulung des Kindes.

Da das Schulamt auch weiterhin keinen Handlungsbedarf sieht, wende ich mich an das Jugendamt als kostentragende und letztendlich entscheidende Instanz. Parallel schalte ich die Schulpsychologin ein, die im Fall Ramon bereits die letzten zwei Jahre involviert war, und bitte um einen Unterrichtsbesuch. Ich telefoniere mit der Psychologin des Jungen und der Erziehungsberatungsstelle, die die Familie betreut. Morgen gehe ich erneut der Schulsekretärin der benachbarten Förderschule auf die Nerven, wann endlich eine Kollegin für das sonderpädagogische Gutachten vorbeikommt. Alle bitte ich um schriftliche Unterstützung bezüglich der so dringend benötigten Schulbegleitung und bereite mich anhand der Schriftstücke, meiner Unterlagen und einer Schülerakte, die so dick ist, dass sie nicht mehr in meine Tasche passt, akribisch auf das Gespräch mit dem Jugendamt vor. Es geht um alles. Oder nichts.

Der Ist-Stand:

  • Ramon ist offiziell seit diesem Schuljahr Schüler des 2. Schuljahres. Es ist sein 3. Schulbesuchsjahr. Der dreijährige Verbleib in der Schuleingangsphase ist Bedingung für die Eröffnung eines Verfahrens zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs im Bereich emotionale und soziale Entwicklung. Nach mehreren Gesprächen hat sich die Mutter überzeugen lassen, dass eine Förderschule der bessere Lernort für ihr Kind wäre.
  • Parallel zum AO-SF Verfahren läuft der Antrag zur Schulbegleitung. Seit einiger Zeit kann dieser nicht mehr direkt beim Jugendamt gestellt werden, sondern es muss der Dienstweg eingehalten werden.
  • Im Vergleich zum letzten Schuljahr hat sich Ramons Unterrichtsverhalten deutlich gebessert. Er verweigert nicht mehr komplett, sondern nimmt am Unterrichtsgeschehen teil. Dabei braucht er ständige Aufmerksamkeit, starke Lehrerpräsenz und konsequentes Handeln. Laut der behandelnden Psychologin ist eine Verhaltensänderung nur über eine funktionierende Beziehungsebene zu erreichen.
  • Die Einsatzbereiche, in denen eine Schulbegleitung meines Erachtens besonders notwendig sind, sind die Begleitung außerhalb des direkten Unterrichts (Raumwechsel, Lehrerwechsel, Pausen), sowie die Hilfestellung während der Lernzielkontrollen, die er im besten Fall in einem separaten Raum ableisten sollte, um die eigene, aber auch die Konzentrationsfähigkeit der anderen Schüler nicht zu beeinträchtigen.
  • Der erste Einsatzbereich dient unmittelbar dem Schutz vor Selbst- und Fremdgefährdung.

Nach meinem letzten Beitrag zu Ramon habe ich eine E-Mail erhalten, in der mich jemand fragt, wie ich es vor mir selber vertreten könnte, ein solches Kind nur aufgrund meines überzogenen Selbstbildes auf die anderen Kinder loszulassen. Ob ich so überzeugt von mir und meiner naiven Gutherzigkeit sei, dass ich die Verantwortung dafür tragen könnte, dass Ramons Mitschüler Aggressionen und Gewalt ausgesetzt wären. Mein Verhalten sei zutiefst unpädagogisch und unprofessionell. Und die Tatsache, dass ich geradezu danach geschrien hätte, Ramon in meiner Klasse aufzunehmen, jawohl der Gipfel allen unprofessionellen Handelns. Schön, wenn man sich selber so toll fände. Aber was könne man von einem Blog, der sich Kuschelpädagogik nenne, schon erwarten?

Liebe mir unbekannte Schreiberin,

zunächst: ich konnte Ramon nicht ablehnen. Es ist mein Job Kinder zu unterrichten. Alle, wie sie da sind. Da kann ich nicht einfach sagen, ätsch, dich will ich nicht in meiner Klasse! Es. Ist. Mein. Job. Ramon musste die Klasse wiederholen, also wiederholt er. Natürlich hätte ich der Mutter damals sagen können, dass ich dagegen bin. In die Klasse wäre er mir dennoch gesetzt worden. Und was wäre das für ein Start geworden? So konnten wir eine Vertrauensbasis schaffen, aufgrund derer sich die Mutter davon überzeugen ließ, den AO-SF Antrag zu stellen. Der Rest ist Bürokratie, Durchhaltevermögen und ein langer Atem. Denn den braucht es, um Hilfe zu bekommen in so einer Situation. Also Ramon war alles andere als mein 31. Wunschkind.

Und zum Rest: Ich verbringe täglich mehrere Stunden mit unheimlich vielen Kindern in einem Raum. Und sie lernen noch etwas dabei! Klar finde ich mich da toll. Einer muss das doch tun! 😉

 

33 Kommentare zu „Schriftverkehr

  1. Was für ein riesiger Bürokratie-Aufwand! Ich hoffe, dass sich für euch alles zum Guten wendet. Und bloß nicht dumm von der Seite anreden lassen. Du. machst. das. super.

  2. Liebe Frau Weh,
    ja, Sie sind toll! Dass Sie sich quasi dafür rechtfertigen müssen, Ramon in Ihrer Klasse zu haben, ist schon irgendwie komisch. Aber eigentlich ist es nur traurig, wie Sie und alle anderen Lehrer in ähnlicher Situation allein gelassen werden. Viel Glück für die Schulbegleitung!

  3. Oh, jetzt dachte ich, ich reihe mich mal in die lange Schlange all derer ein, die dich auch toll finden und jetzt steht hier noch gar nichts. Wie dumm, aber dann mache ich eben den Anfang. All das was du brauchst, um dich weiter toll zu finden, das wünsche ich dir: einen langen Atem, ein dickes Fell und weiterhin deinen unbestechlichen Frohsinn, der vieles nach vorne bringen wird.
    Ganz liebe Grüße Gille

  4. Liebe Primimaus,
    ich habe selber viele Jahre an einer Integrationsschwerpunktschule in NRW gearbeitet und kann mir lebhaft vorstellen, was du / Sie täglich leistest/ leisten ( Ich bleib mal beim „Du“). Es ist eigentlich eine Unverschämtheit, dass so viel Zeit für Behördengänge -telefonate etc verschwendet werden muss. Zeit, die vielleicht auch mal der Regeneration dienen könnte.
    Trotzdem: Hut ab, dass du so eine große Klasse meisterst. Toll, dass wir Leser so viel mitbekommen. Glückwunsch an die Kinder in der Klasse, die sich bemühen R. zu integrieren. Und was mir am besten gefällt: Bei all dem Wahnsinn ist immer noch so viel Humor und Liebe zu den Kindern durchzulesen. Also: Durchhalten!!!!!

    Ich bin mittlerweile in Bayern – hier ist ja alles besser ;-)) Natürlich nicht.
    Oft und sehr gerne denke ich auch an meine schwierigen Schüler zurück – immerwieder eine Herausforderung und es sind diese Kinder, die einem besonders in Erinnerung bleiben. Aber ich wünsche dir von Herzen, dass das AO-SF durchkommt und der Kleene in einer Kleingruppe individuell beschult werden kann.

    Und was dumme Kommentare anbelangt: Meist ist es Unwissen und Angst um die „normalen Kinder“.

    Einen schöne Abend,
    lG aus Bayern
    S.

  5. So ein Kommentar ist echt frech. Ich kann echt mitfühlen da ich auch so einen ähnlichen Fall in der Klasse hatte. Das macht man sicherlich nicht aus Idealismus sondern weil man aus der gegebenen Situation für alle Seiten das Beste machen möchte. Ich ziehe den Hut das trotz widriger Umstände noch so viel Optimismus herauszuhören ist.

  6. Hallo.

    Hier mein Senf:

    Ich denke, dass jemand der Sie Frau Weh so angeht keine Ahnung vom Beruf des Primarstufenlehrers hat. Des Weiteren kann ich Ihre Erfahrungen teilen, da ich schon während meines Vorbereitungsdienstes ähnliche Schüler unterrichtet habe. Die „wohlverdiente Ernte“ in diesem BERUF (Berufung; nicht Job) sehe ich dann, wenn eben diese Kinder Fortschritte machen und eine Chance erhalten sich positiv zu entwickeln und am sozialen Leben teilhaben können. An diesem Punkt fängt für mich die Inklusion an!

    Frau Weh machen Sie weiter so und lassen Sie sich nicht von ihrem Weg abbringen. Ich habe jetzt den Start mit einer ersten Klasse in einem sehr schwierigen Einzugsgebiet gemacht und ich fühle mich dennoch wohl. Kinder bleiben Kinder, egal woher sie kommen!

  7. Ich kenne das zu gut. Ich arbeite in einer Regelkindertagesstätte und es ist ein langwieriger Prozess, dass verhaltensauffällige Kinder von entsprechend ausgebildeten Fachkräften unterstützt werden. In den meisten Fällen haben wir die Kinder ohne Hilfe in die Schule bringen müssen. Wir bekommen das immer hin, denn es ist unser Job, wie du es geschrieben hast. Und wir lieben unseren Job und tun alles für unsere Schützlinge. Aber es kann eben auch an den Nerven zehren. Und im Moment haben wir ein Kind, an das kommt keiner ran. Wir sind ein kleines Haus, wir haben alle mit ihm zu tun, aber es „scheitert“ selbst die Kollegin mit 30 Jahren Berufserfahrung. Wir sind verzweifelt und bekommen keine Hilfe. Stattdessen wird uns gesagt wir sollen das Kind machen lassen. So was sagen aber Theoretiker, die „übersehen“, das wir noch 18 andere Kinder in der Gruppe haben. So, das war’s, wollte auch mal meinen Frust ablassen. 😉

  8. Da ich selber im Sek1-Bereich einer „normalen“ Realschule zunehmend Kinder mit Förderbedarf unterrichte (und da sind auch Ramons in sicherlich abgeschwächter Version dabei) habe ich den letzten Beitrag nicht als Selbstbeweihräucherung gelesen, sondern eher als Hilferuf für die Klasse und auch die unterrichtenden Lehrer. Ich weiß nicht, ob die Verfasserin der E-Mail ihre Meinung aus der Elternposition bezieht oder ob sie an irgendeiner Stelle drin ist im täglichen Geschehen an einer Schule. Ich weiß nur, dass Hilfe in Form von besonders ausgebildeten Kollegen, Schulbegleitern…. leider nicht in dem Maße und der Geschwindigkeit an der Schule ankommt, wie wir es brauchen würden. Und es hat weiß Gott nichts mit Selbstüberschätzung oder Naivität zu tun, wenn man Ramons unterrichtet, sondern, wie schon im Beitrag klar geschrieben mit einer ständigen Zerissenheit zwischen den Bedürfnissen von Ramons und den Bedürfnissen der anderen Kinder.
    Schön und beneidenswert, wenn das eigene Kind voll in der Norm unser Schulsystem durchlaufen kann. Aber wenn es an irgendeiner Stelle eben nicht genormt ist, dann erwarte ich als Elternteil zu Recht, dass man sich auch um mein Kind kümmert. Und um das nicht aus den Augen zu verlieren, da helfen mir solch ehrliche Beiträge von Kollegen, die auch in Ramon noch liebenswerte Seiten entdecken. Danke dafür!!!

  9. Liebe Mailschreiber/in, du hast keine Ahnung von Schularbeit. So. Und du, liebe Frau Weh, machst das meiner Meinung nach alles so gut und toll und nochmal super, wie es eben geht, angesichts der oftmals widrigen Rahmenbedingungen. Bitte mach‘ so weiter.

  10. Oh liebe Frau Weh! Wie können Sie nur? Wir sind schon zu zweit! Und wie ich das sehe, sind da noch einige 31 andere kritische kleine Menschen, die Sie vermutlich überwiegend, größtenteils, meisten gern haben… Und der große Rest Ihrer Leser.
    Ich verbleibe mit herzlichsten Grüßen!

    Ich find Sie toll!

  11. Unabhängig vom Fall wünsche ich mir, dass die Schuaufsicht hiervon Wind bekommt und es dir ein für alle Mal deutlich untersagt, Schülerfälle in die Öffentlichkeit zu tragen! Für jedes Elternteil ist deine grobe Ignoranz des Datenschutzes unerträglich. DU bist nicht anonym im Netz!

    1. Und woher bitte weiß man, wer Frau Weh ist, wo sie unterrichtet und wie das Kind in Wirklichkeit heißt? Es ist doch im Endeffekt eine Fallbeschreibung, die man nicht zum Kind zurück verfolgen kann. Und junge Kolleginnen und Kollegen, die einen ähnlichen Fall haben, können hier was mitnehmen. Ich finde das nicht verwerflich.

  12. Die Reaktionen von Schulamt und Förderschule sind typisch.
    Allein gelassen.
    Nur wenn es persönliche Kontakte zur Förderschule gibt, läuft es besser, das ist meine langjährige Erfahrung.

  13. ich finde dich auch toll. mir werden auch regelmäßig erwachsene „kinder“ vor die nase gesetzt, die ich teilweise nie und nimmer in einem kundendienstlichen orientierten unternehmen eingestellt hätte; aber ich mache meinen job, gebe feedback und warte bis sich so so manches problem dann von selber wieder löst. egal wen man unterrichtet, ob jetzt kinder oder erwachsene – die entscheidung wer in den unterrichtsraum bzw. klasse landet, treffen nun mal nicht wir. wir versuchen nur das beste draus zu machen.
    so halte ich das zumindest und „fahre“ damit relativ gut, auch wenn mich manchmal leichte verzweiflung überkommt und ich meinte mich erinnerung zu können, dass so macher satz auch von dir mit solchen zweifel-schwingungen behaftet sind; das kann aber auch daran liegen, dass ich keinderlei menschenkenntnis habe (zugeben so etwas über einen blog auszumachen wäre ja wohl wahrlich kunst bzw. hellseherrei) – ich drücke euch, also ramon, deiner klasse und dir die daumen, dass der papierkrieg bald beendet ist und ihr die nötige unterstützung bekommt.
    viele liebe grüße 😉

  14. Also, eine erartige Mail ist eine Unverschämtheit. Vielleicht sollten wir Lehrer uns wirklich überlegen, welche Schüler wir nehmen und welche nicht. Dann kommen nur die Kinder in die Schule, die „gut“ funktionieren und lernwillig sind, gerne mitarbeiten, Leistungen erbringen können und wollen. Die anderen Kinder können ja daheim bleiben! Ach, wäre das ein traumhaftes Leben.
    Und das unter dem Deckmantel „Inkognito“. Da krieg ich das KOTZEN! (Sorry, für den Ausdruck, aber nun kann ich mich nicht mehr beherrschen.)
    Ich habe ein Inklusionskind MIT Schulbegleitung und wir beide stoßen oft an unsere Grenzen. Das I-Kind braucht sicherlich mehr Zeit als eins meiner anderen Kinder. Und trotzdem lernen die anderen Kinder etwas. Unglaublich! Aber das ist unser wunderschöner Job: Kindern etwas beibringen!

    Danke für deine offene Art und diesen wunderschönen Blogg, der mich immer zum Lächeln bringt.

    Cornelia

  15. Ich sag mal so: Eine gute Freundin von mir ist Sozialpädagogin für Kinder mit Förderschwerpunkt E. Als ich ihr von Ihren ersten Blogeinträgen letztes Jahr erzählt habe, hat sie auch sehr skeptisch reagiert, weil sie genau die Probleme vorausgesehen hat, die Sie jetzt schildern: Ramon braucht unheimlich viel Unterstützung und Aufmerksamkeit, kann unberechenbar und sehr aggressiv sein. Natürlich macht er das nicht mit Absicht. Aber die Frustrationsschwelle ist eben sehr niedrig und wenn die überschritten ist, tickt er aus.

    Das Ding ist aber nunmal: Inklusion ist gewünscht, und ich finde es unglaublich, dass die Schulbehörde „keinen ausreichenden Bedarf“ sieht. Das ist der absolute Hammer!

    Es ist sehr löblich, dass die Kinder das so gut mittragen und auch vor Ihrem Engagement ziehe ich den Hut. Aber ich hoffe allen Ernstes – für alle! – dass entweder die Schulbegleitung kommt oder die Versetzung an die Förderschule klappt; dort ist ja das erklärte Ziel AUCH die (Wieder-)Eingliederung in den Regelschulbetrieb.

    Ich drücke die Daumen!

    1. Ich glaube, genau diese Entwicklung haben alle vorausgesehen, die auch nur ein bisschen Ahnung von der Materie haben. Frau Weh selbst, die von Anfang an wusste, dass Ramon eigentlich Sonderförderbedarf hat, ja auch. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist einfach gigantisch, die Wahrscheinlichkeit hingegen, dass sich ein solches Kind plötzlich und unter nicht gerade optimalen Bedingungen fängt, ausgesprochen gering (aber vielleicht sehe ich ja nachher auch noch ein Pferd kotzen, weiß man nie).
      Die zentrale und einzig sinnvolle Frage für einen Lehrer in dieser Situation ist, wie er den Balanceakt zwischen dem Wünschenswerten (haha) und dem Möglichen (seufz) am besten hinbekommt, sodass unterm Strich für die direkt Beteiligten der geringste Schaden dabei herauskommt – es bleibt einem ja nun mal nix anderes. Und dieser Balanceakt geht, dank bürokratischer Riesenhürden und vollkommenem Alleinlassen seitens der Behörden, auf die Kräfte der beteiligten und engagierten Lehrer und zu Lasten aller Kinder, einschließlich und insbesondere des „Inklusionskindes“ selbst.
      Der Grundgedanke der Inklusion ist so wunderbar und die Ausführung meist so erbärmlich. Richtige Inklusion erfordert Zeit, Geduld und nicht zuletzt entsprechende zur Verfügung gestellte Ressourcen, also auch: Geld. Viel Geld. Punkt. Fehlt das, leiern sich alle Beteiligten mühsam so vieles an Ausgleichsbemühungen aus den Rippen, was dann am Ende doch niemals reichen kann. So schade, langfristig so gefährlich (was die Schulbildung der Kinder, die Entwicklung des förderbedürftigen Kindes und den drohenden Burnout beim Lehrer betrifft), so kontraproduktiv.

      Liebe Frau Weh, unter widrigsten Umständen ist den Kopf über Wasser halten schon das erreichbare maximale Optimum. Du schlägst Dich phantastisch. Ich wünschte nur, es wäre nicht nötig. Es ist echt derart zum Kotzen, dass man eine Badewanne braucht statt eines Eimers.

      Augenrollende Grüße
      Maike

  16. Liebe Frau Weh,
    Du machst das super! Wir haben kaum eine Chance, auch wenn wir sehen, dass die Regelschule nicht das richtige für ein Kind ist, oder eine Schulbegleitung sehr dringend notwendig wäre. Inklusion kommt in solchen Fällen an Grenzen und überschreitet diese auch.
    Mein Ramon ist nach einem Jahr mit vielen kleinen Schritten nach vorne und vielen Schritten auch nach hinten nun auf einer Förderschule. Der Weg dorthin ist lang..aber für ihn war es der richtige. Dir und deinen Schülern wünsche ich alles Gute. Du bist toll! 🙂

  17. Hoffentlich werden diese Schritte bei der lieben Büroktratie auch mal fruchten, da sonst Ramon und die anderen Kinder letztlich nur auf der Strecke bleiben.
    Andererseits ist das wieder ein Beispiel dafür, wie sich Inklusion vorzustellen ist: Alle Schüler in einer Klasse, der Lehrer wird es schon irgendwie richten, und jeden 30. Februar schaut dann mal ein Sonderpädagoge vorbei und bestätigt, wie toll alles klappt. Bitte nicht falsch verstehen, das ist nicht als Vorwurf an dich gemeint, ich finde es toll, wie du dich engagierst und versuchst, allen Schülern ihre Chance zu geben!

  18. Zitat: „Ich verbringe täglich mehrere Stunden mit unheimlich vielen Kindern in einem Raum. Und sie lernen noch etwas dabei! Klar finde ich mich da toll. Einer muss das doch tun!“

    Danke – eine tolle Einstellung und ich finde deine Äußerungen in keiner Weise „kuschelig“. Du zeigst – wie ich finde – eine höchst professionelle, sachbezogene und kompetente Herangehensweise. Auch scheint es dir dabei zu gelingen die nötige Distanz zu wahren (sicherlich mal besser und mal weniger gut, wie das in unserem Beruf eben so ist.)

    Jeder kennt doch einen Ramon in der Grundschule und die Gratwanderung zwischen den durchaus sichtbaren Fortschritten eines solchen Kindes und dem völlig berechtigten Schutzbedürfnis der übrigen 30 Kinder, die ja auch ein Recht auf eine Lehrerin haben, die noch Kraft für sie hat.
    Es scheint, dass Ramon großes Glück hatte, an dich zu geraten und ich glaube auch ganz fest, dass das was wir in solche Kinder investieren nicht verloren ist. (Frei nach deiner Äußerung: Wenn wir selbst das nicht glauben, wer sonst!)
    Viel Kraft für den Weg, den du da jetzt eingeschlagen hast, ich hoffe du hast Erfolg.
    LG Brigitte

  19. Liebe Frau Weh!
    Ich finde Dich mehr als toll und bewundernswert. Ich kann Dich so so gut verstehen. Ich hatte vor drei Jahren auch so einen kleinen Ramon. Gleich der zweiten Tag mit meinen Erstklässlern begann mit einem Kieferbruch. Viele andere Verletzungen und Vorfälle folgten. Mein Kopf konnte phasenweise keine Minute abschalten und das erste Mal nach fast zwanzig Jahren überlegte ich, ob ich wirklich meinen Traumberuf ausübe… Sogar den Begriff Burnout könnte ich plötzlich verstehen. Es war ein langer Weg der sehr, sehr viel Kraft gekostet hat. Dennoch habe ich aus der Ferne das Gefühl, dass ich hier in BW deutlich besser unterstützt worden bin. Ich wünsche Dir von ganzem Herzen viel Kraft und Durchhaltevermögen in jeder Hinsicht. Vor allem wünsche ich Dir, dass es Dir wenigstens ab und zu gelingt den Kopf frei zu bekommen. Und verschwende keine Gedanken an so blöde Mails…
    Herzliche Grüße
    Silke

  20. Ich kann mich noch gut an deinen 1. Eintrag zu Ramon erinnern (auch wenn ich jetzt extra nochmal nachgelesen habe). Und ich finde du hast das gut geregelt … trotz der Widrigkeiten. Und natürlich bist du toll!

  21. Ich finde Dich toll! Sehr toll!!!

    Ich hatte bis vor den Sommerferien auch einen Ramon in meine Klasse. Das letzte 3/4 Jahr mit Schulbegleiterin. Diese war noch von der Klassenlehrerin, die die Klasse davor hatte, beantragt worden und durch den endlosen Gang der Dinge, dann erst bei mir im 4.Schuljahr, genehmigt worden. Für Pausen, zwischendurch und auf Ausflügen war das prima. Im Unterricht empfand ich es als Riesenbelastung, denn die mühsam erarbeitete, gut funktionierende Beziehungsebene, die so unendlich wichtig ist, wurde ganz stark gestört und machte den Unterricht eher schwieriger als leichter. Eine zweite Person war zuviel für „meinen Ramon“. Nun musste ich mich neben allen Schwierigkeiten auch noch bemühen, die gutgemeinten Bemühungen der Schulbegleiterin zu lenken. Es war also so auch nicht das gelbe vom Ei. Es bleibt egal wie, schwierig mit den Ramons dieser Schulwelt. Nichtsdestotrotz habe ich ihn fest in mein Herz geschlossen und hoffe sehr, auch weiterhin von ihm und seiner Entwicklung zu hören. Für mich ist das die Herausforderung des Berufes (aber mit nur 20 Kindern in der Klasse ist das auch ganz anders als bei Dir). Ich wünsch Dir ganz viel Glück für Deinen Antrag!

  22. Unglaublich welches Recht sich einige raus nehmen über Dinge zu urteilen. Liebe Primimaus, mache weiter so wie du bist. Ramons Fortschritte sprechen für sich!!!

  23. Liebe Frau Weh,

    meinen größten Respekt dafür, dass du und deine Kollegen neben den ganzen Kleinkriegen mit Ämtern und Bürokratie überhaupt noch die Kraft habt, eurem eigentlichen Beruf nachzugehen: Unterrichten.
    Ich finde es außerordentlich bedenklich, wenn ihr euch zunehmend um Sachen kümmern müsste, die eigentlich überhaupt nicht in euer Aufgabengebiet fallen und für die ihr nicht ausgebildet sein.
    Am Ende werden die Kinder und damit wir als Gesellschaft die Rechnung bezahlen müssen.

  24. Lilly wird ihre Eltern fragen: „Warum habt ihr mich nicht beschützt?“ Klar, wird sie sich nicht trauen, etwas zu sagen, sie ist eine Zweitklässlerin. Ich als Mutter habe die Pflicht, meine Kinder künftig angstfrei zur Schule gehen zu lassen. So etwas ist keine übliche Balgerei. Ich bin damals einen anderen Weg gegangen: Nach aus dem Fall resultierendem langen Krankenhausaufenthalt habe ich mich denen, die mich nicht beschützt haben, entzogen. Ich habe bei der lockeren Überprüfung meines Schulstands (Bücher hatte ich im Krankenhaus) geschummelt, um aus der Klassensituation zu entfliehen. Ich amysiere mich heute noch über die „unerklärliche Leseschwäche“, die meine goldene Eintrittskarte zur Rückstufung war. Bis heute bin ich davon überzeugt, die Beteiligten haben nichts begriffen, nur der Schulleiter. In der neuen Situation blühte ich auf. Heute noch mache ich meiner obrigkeitshörigen Mutter den Vorwurf, mich nicht aus der Situation genommen zu haben. „Du musstest ja weiterhin dort zur Schule gehen, eine andere Blindenschule wäre zu weit weg gewesen.“ Ich habe Mitleid mit Lilly und den anderen. Warum kann der Hausmeister sich den Jungen bei den Übergängen nicht zur Brust nehmen oder er darf während der Pause ihm helfen? Warum sucht keiner die Ursachen für sein Verhalten? Schickt die Familie in Therapie oder entfernt ihn aus dem Umfeld dort. Vor allem, überseht nicht die verserten Schüler. Sie bemerken auch die gesellschaftliche Stimmung mit feinen Antennen, sie werden sich in sich zurück ziehen.

  25. Ich finde es zunehmend schade, dass es einen Hundeführerschein gibt, aber keinen Eltenführerschein…. -.-

    Ich bin selbst „nur Elter“, und die Kleine ist noch im letzten Jahr Kindergarten, aber es ist immer ernüchternd manche Eltern und ihre Ansprüche zu sehen…. Meistens die Eltern von den auffälligen Kindern. :/ Wird in der Schule bestimmt noch schöner…

    Hut ab vor Deinem Engagement. Hätte Dich gern für meine Tochter :).

  26. Ich finde Sie toll! Dass es besser wäre, ein Kind wie Ramon von der Klasse fernzuhalten, kann doch auch nur jemand meinen, der seinen Kindern prophylaktisch Sagrotan ins Essen rührt. Dass es schwierig für alle Beteligten ist, natürlich ist es das. Anstrengend. Dass Sie es mit soviel wiederkehrendem Mut jeden Tag angehen, finde ich Klasse. Alle lernen dabei, wenn auch nicht auf leichte Art, dann doch etwas sehr Tiefes. Ich hätte Ihnen jederzeit gern mein Kind anvertraut <333

  27. Ich finde Sie auch toll!
    Mit drei Kindern und nach vielen Freiwilligen-Diensten in der Schule sind Grundschul-Lehrer/innen meine Helden des Alltags!

  28. Ich zitiere jetzt mal Brecht:
    Andrea: „Unglücklich das Land, das keine Helden hat.“
    Galilei: „Unglücklich das Land, das Helden nötig hat.“

  29. Was hat Ramon eigentlich für Stärken? Wurde er mal auf Hochbegabung getestet?

    Bevor Ramon tatsächlich noch den Sonderschulweg einschlägt/einschlagen muss, sollten alle Beteiligten auch in diese Richtung denken. Das macht den Alltag zunächst sicher nicht einfacher aber das Kind wird nicht „abgestempelt“ und „aussortiert“, worunter das Selbstwertgefühl noch mehr leidet.

    Ich habe einen hochbegabten Sohn, für den der Schulalltag eine echte Herausforderung ist: 2 Schritte vor 3 zurück, Arbeitsverweigerung, wütend, aggressiv, patzig, störend…Unterforderung, Angst und ein geringes Selbstwertgefühl. Am wichtigsten ist wirklich eine gute vertrauensvolle Beziehungsebene zum Kind. Also keinesfalls aufgeben! Dieses Kind braucht Sie! Sie machen einen guten Job!

    Nach 2 Schulwechseln haben wir jetzt auch so eine engagierte Lehrerin. Generell scheint aber unser Regel-Schulsystem für diese Kinder ungeeignet zu sein. Die Kinder haben leider das Gefühl, dass sie falsch sind und das ist einfach fatal.

    Alles Gute für Ramon!

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