Wahlkampf

„Wählt mich und ich verspreche euch die tollste Klassenfahrtsfete, die ihr je erlebt habt!“ Der Sprecher sonnt sich im Applaus der Viertklässler und ignoriert die vereinzelten Buhrufe aus dem Publikum geflissentlich.

Wir befinden uns mitten im Wahlkampf. (Und es ist ein Kampf!) Die Bewerbungsphase ist abgeschlossen. Seit knapp einer Woche hängen die Wahlplakate der potentiellen Klassensprecher. Teilweise äußerst professionell gestaltet, da war wohl der ein oder andere Papa mit Photoshop am Werk. Auf mich könnt ihr immer zählen, nicht nur in Mathe!!! kann man da lesen, oder auch Ich bin zuverlässig, ehrlich und gut in Basketball! Wählt mich zu eurem Klassensprecher! Dann noch ein Foto in Politikerpose, die Hände zum Gruß erhoben. Da geht was!

Haben wir im dritten Schuljahr noch profan über die wünschenswerten Eigenschaften desjenigen gesprochen, der das wichtige Amt übernehmen soll, so darf in diesem Schuljahr kräftig die Eigenwerbetrommel gerührt werden. Es ist hochspannend und interessant, wie die einzelnen Kinder sich und ihre Wirkung auf die Mitschüler einschätzen, welche Wortwahl sie treffen und auch welche Versprechungen sie machen. Politisch? Auch das.

Da wollen Deals ausgehandelt, Überzeugungen an Mann und Maus gebracht werden – zumindest an Selbstbewusstsein mangelt es den Anwärtern nicht! Aber es wird auch bemerkt, wie schmal der Grat zwischen Versprechung, Abmachung und Erpressung ist. Wer hat die besseren Argumente und wer setzt vielleicht stattdessen die potentiellem Wähler mit purem „Wenn…dann!“ unter Druck? Ich bin Beobachter in dieser spannenden Phase und ich beobachte mit zunehmender Freude.

Es ist ein gutes Gefühl, zu sehen, dass die Bemühungen des letzten Jahres Früchte tragen. „Man erntet, was man sät“, nickt Frau Abendroth, als ich hingerissen von der Gruppendynamik berichte. Ja, sie machen mir Freude, die Viertklässler. Aber was war das auch für eine Arbeit: Gesprächsregeln etablieren, Ich-Botschaften anwenden lernen, Klassenrat halten. Immer wieder von Neuem abbrechen, wo Eskalationen drohten, gebetsmühlenartig auf den angemessenen Umgang miteinander hinweisen. Soziales Lernen, wann und wo immer es ging. Und nun, auf einmal: Demokratie! Hammer!