In the ghetto

Beladen mit BW-Kampftasche*, gut gefüllter Klappkiste und drei Klassensätzen nachgesehener Musikhefte stapfe ich durch die Pfützen auf dem Lehrerparkplatz. Ich habe Glück, der Hausmeister ist bereits da, sodass ein kleiner Lichtschein den Weg notdürftig erhellt. Nicht auszumalen, was passiert wäre, wenn ich den Erdhaufen vor dem Eingangstor – oder zumindest an der Stelle, an der sich das Tor noch vor den Ferien befand – übersehen hätte und mitsamt meinem (Über)gepäck in die dahinterliegende Grube geplumpst wäre.

Eine halbe Stunde später in der Frühaufsicht sehe ich dann auch den Grund für die veränderte Eingangssituation: man hat uns eingezäunt.

Komplett.

2m hoch. Zwar warten wir auf die Umzäunung nun schon eine ganze Weile (dass wir sie brauchen, wird jeden Morgen beim Betreten des Schulhofes klar: Glasscherben, Müll, verdreckte Türen und Fenster, Gestank wie hinterm Bahnhofsklo), aber jetzt, wo sie da ist, erfüllt sie uns mit gemischten Gefühlen. Da nützt auch das freundliche Grün des Anstrichs nichts. Was ist das für eine Gesellschaft, in der man Grundschulen einzäunen muss?

Die Kinder hingegen freuen sich unbelastet. Der Zaun wird berüttelt und mit Kennermiene begutachtet. Die solide Bauweise wird gelobt, die Höhe bewundert. Manchen fehlt gar der Stacheldraht: „Weißt du, Frau Weh, dann pieken die sich nämlich voll in den Hintern und in den duweißtschon, wenn die da drüber klettern!“. Justin grinst diabolisch.

„Oh ja, dann werden die da so voll aufgespießt! Geil!“, freut sich Leon mit ihm.

„Eh, dann hängen da voll die Skelette rum wie bei Medieval Moves“, Lennox weiß Bescheid.

„Aber“, schaltet sich da Amelie mit gerunzelter Stirn ein, „was ist, wenn da mal ein Vogel landen will?“

Betretenes Schweigen unter den Jungs. „Dann“, meldet sich Leon zu Wort, „dann wär das ganz schöner Mist!“

Da wedelt Lennox gönnerhaft mit der Hand und verdreht die Augen: „Na, dann meinetwegen eben ohne Stacheldraht, aber mit total tiefem Graben dahinter!“

 

*(ja, das vermittelt eventuell einen falschen Eindruck. Aber das Format ist unschlagbar, die Qualität ebenfalls. Außerdem ist sie rot und hat Blümchen)

Am letzten Ferientag*

* (ja, ich zähle die Wochenenden IMMER mit zu den Ferien, das ist ein gutes Gefühl)

 

aufgeregt*aufgeregt*aufgeregt*aufgeregt*aufgeregt*aufgeregt*aufgeregt*

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Zumindest ein bisschen.

Eigentlich voll blöd.

Und unnötig. Schließlich wird es sich spätestens morgen um 8.10 Uhr so anfühlen, als wären nie Ferien gewesen.

Aber ist nunmal so. Kann ich jetzt auch nichts dran ändern.

 

 

Es ist soweit:

ich bekomme gerade unanständig schlechte Laune! Arrrrrggghhh.

Eigentlich lief der Tag bisher ganz gut, ich sitze seit heute morgen im einigermaßen warmen Arbeitszimmer fernab jeglicher familiärer Störung und bin produktiv. Die nächste Woche steht (bis auf Sport. Erwähnte ich schon, dass ich ab nächster Woche Sport unterrichte? Na, das wird ein Spaß!), die SU-Reihe für die Zweitklässler einschließlich Tafelbilder, Arbeitsblätter, Hausaufgaben und Abschlusstest ist fertig, sogar für Karneval habe ich schon ein paar Ideen skizziert und jetzt das: musescore macht mich fertig. Die Idee war, dass das Notensatzprogramm mir die Arbeit für die CrazyFunkyChicken erleichtert, aber dazu müsste man sich vermutlich einmal in Ruhe einarbeiten.

(Dafür habe ich natürlich keine Zeit. Ich muss bis spätestens Montag 3 Stücke à 8-10 Stimmen fertig haben. Während ich mir das jetzt hier durchlese, fällt mir selber auf, dass das vermutlich so nicht funktioniert. Na toll.)

Hintergrund ist der, dass ich seit Jahren ein schlechtes Gewissen habe, weil ich bei sowas schon längst auf den PC hätte umschwenken wollen/sollen/müssen. Tatsächlich habe ich aber bis eben doch noch von Hand gearbeitet und das rächt sich jetzt übel. Dabei habe ich mir vorgenommen, mich ENDLICH medial weiter zu entwickeln und was liegt da näher als der kostenlose Download eines gar nicht so schlechten Notensatzprogramms? Allerdings habe ich die einzelnen Noten in der Tat schneller mit der Hand geschrieben als angeklickt. Also werde ich den Erwerb weiterer Medienkompetenz also verschieben. Nur auf wann?

(Bittebitte erwähne niemand das Wort Whiteboard oder Herbstferien…)

Ach, was soll es, letztendlich macht es ja sowieso keinen Unterschied, ob die CrazyFunkyChicken sich bei handschriftlichen oder gedruckten Noten gnadenlos verspielen. Ach doch… im ersten Fall können sie es wenigstens auf mich schieben.