Laryngitis acuta

Es ist Montag und ich bin nicht in der Schule. Ich denke (fast) noch nicht einmal daran. Im Gegensatz zu manch anderen Unpässlichkeiten ist mir mein Kehlkopf nämlich heilig. Statt in der Schule war ich heute früh beim HNO-Arzt. Und es war mir ein bisschen peinlich. Nicht der Arztbesuch an sich, aber die Tatsache, dass ich die Praxis um 7.58 Uhr betrat und um 8.08 Uhr bereits wieder mit Rezept und Genesungswünschen versehen verließ. Just in dem Moment als ich im rappelvollen Wartezimmer nach der Gala von Dezember griff („Stress vor den Feiertagen? Heidi Klum verrät wie die Familie sie unterstützt“. Aha.), konnte ich auch schon rein. Der Privatbonus. Ja, sowas ist mir unangenehm. Denn tatsächlich bin ich zwar krank, aber es geht mir nicht unendlich schlecht. Dem Rentner neben mir mit dem zähgelben Auswurf geht es sicherlich viel schlechter. Ich hätte also durchaus noch die schnellen Rezepte für das glamouröse Feiertagsoutfit lesen können.

Stattdessen strecke ich brav meine Zunge raus, lasse mir den Kehlkopf spiegeln („eeeeeeeeeeeehhhh!“) und mir zufrieden erklären, dass ich tatsächlich zum ersten Mal früh genug gekommen wäre. Der Kehlkopf ist leicht enzündet, aber mit ein bisschen Spray, Paracetamol, viel Tee und Schweigen (haha, also wenn ich mal eine Sache so gar nicht kann, dann das!) sollte das schnell wieder hinzukriegen sein. Immerhin gibt es keinerlei unnötige Untersuchungen, keine langen tiefschürfenden Gespräche und auch keine Krankschreibung. Also alles in meinem Sinne. Dumm nur, dass die Apotheke noch zu hat und es bitterkalt ist. Wer rechnet denn auch mit sowas?

Ich gehe in den nahgelegenen Supermarkt und kaufe mir eine elektrische Zahnbürste („die neue Dimension: fühlbar glattere Zahnoberflächen in 3D“). Das war mal an der Zeit. Kurz überlege ich, ob ich mir als Ausgleich für die entgangene Wartezimmerlektüre eine glanzneue Gala zulegen soll, entscheide mich aber lieber für die Pflege innerer Werte und kaufe ein Mandel-Creme-Wölkchen, was offensichtlich mit viel Liebe und noch mehr guter Butter gebacken wurde. Ich streite mich kurz mit der äußerst motivierten Verkäuferin („aber die sind im AN-GE-BOT! Nehmen Sie doch zwei!“), weil ich wirklich nur eins von den Dingern essen möchte und lande dann schnaufend im Auto. Irgendwie bin ich doch nicht so fit. Noch auf der Heimfahrt vernasche ich das fluffige Teilchen, was ich zunächst mit leichtem Völlegefül, später dann mit hausgemachter Übelkeit bezahle. Immerhin fühlen sich meine Zähne nach dem Genuss tatsächlich äußerst glatt poliert an. Das lag wohl an den Mandelstiftchen. Ob ich die Zahnbürste wieder zurückbringen soll und doch ein zweites Teilchen…? Während ich an der Bahnschranke warte, überschlage ich kurz im Kopf, wie viele Teilchen ich für die Zahnbürste kaufen könnte. Es sind knapp 100. Ich bin beeindruckt, aber bevor ich wenden kann, ist der Zug durchgefahren und die Schranke ist wieder offen.

Zu Hause mache ich mir eine große Kanne Tee, schweige mal testweise ein paar Minuten und genehmige mir einen Sprühstoß. Gut, wenn ich morgen wieder was anderes zu erzählen habe!

Feiertagsgedanken

Noch feiermüdeaberglücklich von der gestrigen Party, Silje Nergaard im Ohr und den Resten eines spektakulären Lacks auf den Nägeln sammle ich die Reste von Frau Weh zusammen und lenke meine Gedanken wieder testweise schulwärts.

Und schweife umgehend wieder ab. Wann haben die Wochenenden angefangen so wahnsinnig wichtig zu werden? Waren wir im Studium und Referendariat noch ständig unterwegs und unter Strom, so brauche ich mittlerweile die Wochenendtage zum Auftanken, Familie(gerne)haben, Merken, dass das Leben auch außerhalb der Schule mich braucht – und umgekehrt. Ich liebe meine Arbeit und ich mache sie (meistens) gerne. Tagtäglich. Aber sie verbraucht Energie, manchmal Unmengen davon, die irgendwie wieder rein muss. Es gab schon Zeiten, da habe ich das nicht so gut hinbekommen mit dem Gleichgewicht. Daraufhin habe ich reflektiert und analysiert, umgedacht und wieder verworfen, mich von Unwichtigem getrennt und Prioritäten neu sortiert. Jetzt geht es besser, auch, weil ich erkannt habe, wie kostbar diese zwei schulfreien Tage sind. Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, die komplette Wochennach- und vorbereitung ginge mir freitags nach der Schule leicht von der Hand, aber dafür ist das Samstagsmorgengefühl unbezahlbar.

Und so aufgetankt starte ich dann montags in die Schulwoche.

(Und habe Konferenz…)

 

In diesem Sinne, habt ein schönes Wochenende!

 

 

 

 

Am letzten Ferientag*

* (ja, ich zähle die Wochenenden IMMER mit zu den Ferien, das ist ein gutes Gefühl)

 

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Zumindest ein bisschen.

Eigentlich voll blöd.

Und unnötig. Schließlich wird es sich spätestens morgen um 8.10 Uhr so anfühlen, als wären nie Ferien gewesen.

Aber ist nunmal so. Kann ich jetzt auch nichts dran ändern.

 

 

Die andere Seite

Familie Weh beim Samstagsfrühstück.

Das Miniweh klettert mit einem laut vernehmlichen „Mama, Arm!“ aus seinem Stuhl. Dabei kippt es seinen Becher (glücklicherweise mit Minerwalwasser und Strohhalm gefüllt) um. Herr Weh wischt routiniert mit dem bereitliegenden Tuch auf. Eine undefinierbare Mischung aus Krümeln, Klebematsch und Wasser verteilt sich über der Tischplatte. „Oh, Wassa da!“ empört sich das Miniweh und stapft mit den Füßen durch die Lache, die sich am Boden gebildet hat. Herr Weh schimpft, woraufhin das Miniweh fröhlich und Fußtapsen hinterlassend seinen Weg um den Tisch herum aufnimmt. Ich trinke Kaffee, streiche ein Honigbrot und denke laut über die Wochenendeinkäufe nach. Die Frage, ob wir Huhn oder Fisch zum Salat nehmen, ist noch nicht geklärt. Das mittelgroße Wehwehchen liest derweil hinterm Adventskranz versteckt die tägliche Kalendergeschichte vor und bedient sich der ihm und mir aus der täglichen Praxis gut bekannten Möglichkeit, im allgemeinen Aufruhr noch zu Beachtung zu gelangen: es erhebt die Stimme:

„Die kleine Elsbeth war ein glückliches Mädchen!“

Ich wäre ja für Hühnchen. Der Fischwagen ist schließlich freitags da und nicht samstag. Allerdings gab es gestern auch schon Geflügel. Das spräche mehr für Fisch.

„Sie lebte in einer großen Wohnung und hatte ein kleines Zimmer ganz für sich allein!!“

Das Miniweh erklettert meinen Schoß, patscht mir glucksend seine Marmeladenfingerchen ins Gesicht „Mama, Mini, Kuss!“ und presst sein Gesichtchen in das Honigbrot, das ich gerade zum Mund führen wollte. Hühnchen, wir bleiben bei Hühnchen. Mit einem beleidigten määääauhi springt die Familienkatze (flohfrei!) auf Herrn Wehs Schoß, der sie mit einem lauten „Verdammt, Herr Schmidt!“ herunterwirft. Dabei stößt er an den Tisch. Die Kerzen auf dem Adventskranz flackern.

„Außerdem hatte sie ein kleines Fräulein, das sich nur um sie kümmerte!!!“

So ein kleines Fräulein wäre schon nett. Wir hatten mal eine Putzfrau. Das waren goldene Zeiten. Zumindest bis die ganze Bande dann wieder zu Hause eintrudelte und alles in den Ursprungszustand versetzte.

Herr Weh seufzt. „Wie hältst du das eigentlich aus?“

„Wieso?“, ich wische gerade Grabbel und Honig vom Miniweh und denke an den Wahnsinn, der manchmal die Zweiklässlerbande erfasst, „ist doch alles ganz entspannt hier.“

Nebel, Nebel, überall

Ich habe mich verkühlt. Das ist dann wohl die Strafe für gestern.

Heute Morgen bin ich todmüde und heiser aufgewacht. Nicht die allerbeste Voraussetzung für einen Freitag mit mehreren Musikstunden. Aber ich kann mich nicht beschweren, der Vormittag war freundlich zu mir. (Der erneut anwesende Leihhausmeister – obwohl nicht auf dem Einsatzplan für heute angegeben! – auch. Aber das konnte ich ja gar nicht sehen, weil ich beim ersten Vorbeigehen unbedingt tief unten in meiner Tasche kramen und beim zweiten Mal einer Kollegin ein äußerst wichtiges Gespräch aufdrängen musste. Aber beim dritten Zusammentreffen ließ sich keine Fluchtmöglichkeit mehr finden, da habe ich dann mein Pokerface aufgesetzt und so getan als wäre überhaupt nie nix gewesen für das man sich eventuell ein wenig schämen könnte. Und für den Wehschen gluteus maximus schon dreimal nicht!)

Es ist übrigens gar nicht so schlimm, mit wenig Stimme zu unterrichten. Manchmal ist das ganz erholsam. Praktischerweise hatte ich für heute sowieso Klassenmusizieren geplant, da brauche ich nicht viel reden. Diese Stunden sind dann übrigens – anders als man vielleicht denken würde – kein bisschen chaotisch oder laut. Im Gegenteil. Die Kinder sind rattenscharf aufs Musizieren. Und sie wissen genau, dass ihre Chancen auf Surdo, Repinique oder Shaker bei Regelverstößen weit unter Null sinken. Da bald wieder das Feriensingen ansteht, wurden heute die Herbstlieder in Szene und Arrangement gesetzt. Das Herbstferiensingen bereite ich super gerne vor. Ich liebe nämlich E-Moll. In diese Tonart könnte ich mich reinlegen. Und da sehr viele Herbst-, Grusel- und Geisterlieder in e sind, passt mir das ganz gut. (Ganz anders verhält es sich übrigens mit den Martinsliedern. Die sind häufig in F-Dur. Grässlich.)

Mein Freund Marten – nachdem ich ihm beim Tapasessen letzte Woche davon erzählte – schickte mir übrigens postwendend ein Herbstlied in A-Moll zu. Ich muss zugeben, dass auch dieses Lied mir harmonisch zusagt und ich es für nächstes Jahr im Hinterkopf halte.

Zurück zu E-Moll und dem Arrangement eines der zahlreichen Nebellieder. Zur Freude der Viertklässler habe ich heute mit dem Keyboard begleitet und die Kinder mit Klängen und Sounds experimentieren lassen (oh, ich muss dringend Synth/Path 11 auf einen Zettel schreiben!). Der untergelegte Klangteppich aus Regenstäben, Oceandrum, Handtrommeln, Cajon, Djembe und Surdo (ziemlich große Sambatrommel, lässt sich aber auch hervorragend leise spielen) plödderte ein bisschen Regen und zauberte Atmosphäre, ein zart dahinschmelzendes Metallophon (sparsam einsetzen!) blieb auf der Bordun e-h und die Kinder probierten verschiedene Variationen des Singens aus. Kleiner Tipp am Rande, es macht Kindern viel Spaß beispielsweise in die über Nase und Mund gelegten Hände zu singen und so einen gedämpften Pianoklang zu produzieren. Das in Gegensatz zu einer klar gesungenen Passage eingesetzt kann sehr reizvoll klingen. Desweiteren ein paar Soli in Vor-, Zwischen- und Nachspiel eingebaut, alles zusammengesetzt, Instrumente und Aufgaben zwischendurch gewechselt, nach jedem Durchgang kurze Reflexionsphasen, das Ganze mit wenigen Worten und am Ende waren alle glücklich und zufrieden. Und Frau Weh hat ihre Stimme geschont.

Erwähnte ich schon, dass Musik einfach ein wunderbares Unterrichtsfach ist?

Bullenreiten

Guten Morgen.

Habe ich eigentlich erzählt, dass ich furchtbar schlimmen Muskelkater habe? In den Adduktoren. Oder den anderen. Also Innenseite Oberschenkel. Urlaubsadduktorenmuskelkaterschmerzen. Ich war nämlich beim Bull Riding. Saucool! Ich denke, ich darf in aller Bescheidenheit behaupten, Talent dafür zu besitzen. Sollte es also irgendwann mit der Schule nicht mehr klappen, dann investiere ich in ein Paar Cowboystiefel und verdiene mein Geld beim Rodeo.

Jiiiieee-haaaa

 

Urlaubsplanungen

Ich habe geschlafen, ich bin ein neuer Mensch!

Voller Tatendrang kann ich mich nun unserer Urlaubsplanung widmen. Am Freitag geht es los und es ist noch überhaupt gar nichts vorbereitet. Das kann ich ja gar nicht leiden, so ungeplante Aktionen. Das Einzige, das schon steht, ist meine Leseliste. Zum Sommerferiengefühl* gehört neben dem Friseurbesuch für mich unbedingt immer auch ein Großeinkauf in der Buchhandlung. Ich lese dann querbeet und äußerst lustvoll Fach- und Schundliteratur, Triviales und Wichtiges durch- und nebeneinander her. Da ich das ganze Jahr über ständig Bücher kaufe und – mangels Zeit – zunächst nach Farben sortiert (am liebsten mag ich rot eingebundene)  in die Bücherregale einräume, muss ich viele Bücher erstmal wiederfinden. Manchmal purzelt mir dabei ganz unverhofft eins in den Schoß, was ich schon vergessen hatte. Dann ist die Freude natürlich umso größer. Bisweilen nehme ich aber auch Bücher in die Liste auf, die sehr widerspenstig sind und die ich schon seit Monaten immer wieder auf- und nach wenigen Seiten zuschlage. Manchmal passen dann einfach Zeit und Ort nicht zusammen. Da bieten die Sommerferien die zweite Chance. Was während dieser Wochen nicht gelesen wird, das wird erfahrungsgemäß nie gelesen.

Sommerferienleseliste 2011:

  • Alex Capus: Léon und Louise
  • Marie-Sabine Roger: Das Labyrinth der Wörter
  • Robert Jourdain: Das wohltemperierte Gehirn. Wie Musik im Kopf entsteht und wirkt
  • Roger Willemsen: Die Enden der Welt (2. Chance-Buch)
  • Eva Baronsky: Herr Mozart wacht auf
  • Terry Pratchett: Das Mitternachtskleid (Ich LIEBE Terry Pratchett!)
  • Winifred Watson: Miss Pettigrews großer Tag (Ich gebe zu, das habe ich nur wegen des Namens der Autorin gekauft. Klingt der nicht wunderbar?)
  • Cornelia Funke: Herr der Diebe (ja, ich lese auch Kinderbücher. Und nicht wenige. Wie soll man denn Kinder zum Lesen animieren, wenn man keine Empfehlungen geben kann?)
  • Dennis Gastmann: Mit 80.000 Fragen um die Welt
  • Ludwig Rendle: Ganzheitliche Methoden im Religionsunterricht (da muss ich nochmal mit Bleistift und Post its ran)
  • Axel Hacke/ Giovanni Di Lorenzo: Wofür stehst du?

Jetzt muss ich nur noch das eine Buch wiederfinden, dass ich im April oder Mai gekauft hatte. Da ging es um… ich weiß nicht mehr. Aber das war blau. Oder grün?

Egal, Lesen ist wunderbar!

* (gutes Wetter kann man ja getrost bei dieser Aufzählung auslassen…)

Ich habs getan

Ich war in der Schule. Obwohl ich mir vorgenommen hatte frühestens in der dritten Ferienwoche hinzufahren. Nee, wirklich, total abhängig die Frau Weh! Schlimm. Ich wollte nur mal kurz in die Klasse huschen und einen Ordner holen, ehrlich! (Ich brauche den Ordner nämlich. Am Donnerstag kommt eine Freundin zu Besuch, die nach nunmehr 8 Jahren an der Hauptschule an die Grundschule wechselt, da wird meine fachliche Unterstützung benötigt. Und dafür brauche ich nunmal auch diesen wichtigen Ordner!) Na gut, auch mal kurz ein paar Worte mit dem Hausmeister wechseln, das gebietet die Höflichkeit. Vielleicht mal nach den großen Pflanzen sehen. Und hören, ob sich das Klavier durch die Temperaturschwankungen verstimmt hat. So Kleinigkeiten halt. Aber ich habe ehrlich vergessen, dass die Ferienbetreuung dieses Jahr bei uns in der Schule stattfindet. (Schließlich haben wir dafür am letzten Schultag ja auch nur acht Klassenräume leerräumen müssen.)

Ich betrete also den Schulhof und ein ohrenschmalzbetörendes

„FRAU WEEEEEE-HEEEEEEE!!!“

erklingt aus hundert Kehlen. Kleine Arme schlingen sich um meine Körpermitte, schwitzige Köpfe werden an mich gedrückt.

Ich (nach Luft ringend. Ja, Liebe kann erdrückend sein.): „Oh, hallo Kinder!“

Kinder (durcheinander): „Warst du schon im Urlaub, Frau Weh?“

„Frau We-he, guck mal mein Knie, das ist total auf!“

„Ich fahr an die Nordsee!“

„Mein Papa hat ein neues Auto!“

„Frau Weh, auf dem Klo ist kein Klopapier, kannst du mir mal was geben?“

„Der Paul hat Arsch zu mir gesagt!“

 

Toll, alles wie immer 🙂

Aufmerksamkeitscatcher

Ich habs geschafft. Ich habe mein Arbeitszimmer aufgeräumt. Was für eine Freude!

Es waren nur vier, fünf Stunden und ein wenig musikalische Unterstützung von Viktoria Tolstoy (ja, genau, verwandt mit dem Tolstoi), Rebekka Bakken und Stacey Kent nötig. Ich mag easy listening zwischendurch wirklich gerne. Und bevor hier jetzt jemand spöttisch die Augenbraue hebt, die drei Damen haben durchaus Format. Und hübsche Stimmen. Und Swing! Das ist wesentlich mehr als man beispielsweise von den Kandidaten einschlägiger TV-Formate erwarten kann.

Außerdem kann man nicht immer Klassik hören. Das ist ja nicht nur reiner Genuss, sondern immer auch Hör-Arbeit. Und davon bekomme ich Hunger. Und in den Ferien nehme ich sowieso immer ein, zwei Kilo zu, weil ich Zeit zum Essen habe und mich dabei im Gegensatz zur Schulzeit sogar hinsetze. Da kann ich jetzt nicht auch noch ständig Klassik hören und dabei Pasta oder Süßkram inhalieren. Kinder sind nämlich sehr direkt. Wer möchte schon nach den Sommerferien mit einem fröhlichen „Du bist aber dick geworden, Frau Weh!“ auf dem Schulhof begrüßt werden? Na also!

Überhaupt, die Optik! Das ist ja so wichtig. Manchmal macht ein gutes Outfit eine miese Stundenplanung wett. Ich besitze zum Beispiel ein bestimmtes Blümchenkleid. Es ist himmelblau mit einer überbordend großen Menge bunter Prilblumen drauf. Wenn man lange genug daraufstarrt, kann man Muster in 3D erkennen. Schaut man noch länger, beginnen sie zu tanzen. Dieses Kleid garantiert die Aufmerksamkeit der kompletten weiblichen Schülerschaft. („Du bist heute aber hübsch, Frau Weh!“) Ich habe es getestet, es wirkt. Mathearbeiten werden mit weniger Genöle quittiert und Pausenaufsichten werden wesentlich ruhiger. Außerdem können mich die Kinder sofort orten, wenn etwas ist. Das Kleid flirrt nämlich unter Sonneneinstrahlung.

Bei den Jungs ist das schon schwieriger. Da braucht es etwas mehr, um Eindruck zu machen. Grundsätzlich mögen sie lange blonde Haare (hab ich nicht), lange Beine (hab ich auch nicht) und eine passable Oberweite (ach, was soll ich mich denn jetzt in meinem eigenen Blog zum Horst machen!?). Darin unterscheiden sich kleine Jungs von größeren nur unwesentlich. Ich habe gelesen, dass bereits in der Eiszeit Blondinen bevorzugt wurden. Wer zum Teufel untersucht sowas? Und wie?

Bei den Jungs greife ich daher lieber auf andere Aufmerksamkeitscatcher zurück. Lego Star Wars Fachwissen kommt gut. Ich empfehle das Buch Lego Star WarsAlle Figuren, Raumschiffe und Droiden, die Nachschlagebibel von Episode I bis zu „The Clone Wars“. Nach der Lektüre bleiben keine Fragen offen. Wie viele Steine hat der Millenium Falcon? (659, zumindest beim alten Modell von 2000. Das neue ist gerade auf den Markt gekommen und verfügt über 1254 Teile.) Wie viele bespielbare Ebenen gibt es auf dem Todesstern? (4, wobei die unterste Ebene direkt unter der Müllpresse liegt und von Müllkraken – Dianogas – bewohnt wird.) Alles keine großen Unbekannten mehr. Mit Minifigur Luke Skywalker! Den im entscheidenden Moment aus der Tasche gezogen und alle Jungs sind auf deiner Seite.

Falls es einige wenige Exemplare geben sollte, die dem Star Wars Kult nicht verfallen sein sollten (ich benutze bewusst den Konjunktiv. Jeder, der eine Klasse 1-4 unterrichtet, weiß, warum) dann gibt es das Buch der Bücher auch passend für Potterfans Lego Harry Potter – das magische Lexikon. Auch hier mit exklusiver Minifigur (Harry im Ausgehanzug) und jeder Menge nötigem und unnötigem Wissen. Ob es die Pirates of the Carribean auch bis zum eigenen Lexikon schaffen werden, steht noch in den dänischen Sternen.

Auf jeden Fall sind das ein paar wirklich gute Möglichkeiten Jungs zum Lesen zu verlocken. Neben einem dicken Lexikon über verschiedene Automodelle sind die oben genannten Bücher die beliebtesten in meiner Klassenbibliothek. Als Farbkopie laminiert und in einzelne Artikel zerschnitten finden sie auch häufig Verwendung als Abschreibtexte.

Naja, auf jeden Fall häufiger als die Abschreibtexte von Sommer-Stumpenhorst.