Freude

Ich habe gerade ein Foto vom Chorauftritt per E-Mail geschickt bekommen. Wuselig, trubelig, Massen von Kindern. Mittendrin Lennox, ganz klein, ganz still, ein feines Lächeln im Gesicht.

Neben all dem Stress, dem Ärger, dem immer wiederkehrenden Gefühl nicht genug getan zu haben, noch mehr tun zu können, sind es diese Momente, für die ich meine Arbeit liebe und sie gerne mache.

Immer wieder von neuem.

Schön, dass ich das mit euch teilen kann.

Weise Worte

Und noch ein nahezu philosophischer Moment in Folge der Umsetzaktion bei den Zweitklässlern.

Alle haben sich den Kopf zerbrochen über die Beweggründe ihrer Frau Weh. Das gefiel ihnen, war es doch wie Rätselraten. Manchen fiel es leicht („Damit ich nicht so viel quatsche!“ „Damit ich besser sehen kann.“ „Dann kann ich dem Justin ein bisschen helfen.“), für manche war es schwieriger („Vielleicht damit ich besser aus dem Fenster gucken kann?“). Zufrieden waren sie mit dem Ergebnis dann alle.

Na gut, fast alle. Tom2 fühlt sich mit einem Mädchen an der Seite eingeengt.

„Ich brauche meine Freiheit!“, so sein gegrummelter Kommentar.

„Freiheit“, doziert Amelie, legt den Kopf dabei in bester Frau Weh-Manier leicht schief, lüpft eine Augenbraue und fährt fort:

„Freiheit muss man sich erst einmal verdienen!“

chicken supreme

Die CrazyFunkyChicken geben alles. Es scheint, als hätte meine Verzweiflung der letzten Woche bei ihnen ungeahnte Kräfte freigesetzt. Jetzt wollen sie es mir zeigen! Beweisen, dass sie den Groove nicht nur besitzen, sondern ihn auch wert sind. Nicht nur die Trompete hat jetzt vor Aufregung und Anstrengung rote Bäckchen.

Wir arbeiten uns konzentriert durch das Programm für den Weihnachtsgottesdienst. Der ViertklässlerGitarrero liefert eine (ich muss es einfach schreiben) saucoole Performance nach der anderen ab. F-Dur, C-Dur, E7-irgendwas – alles kein Problem. Dennoch ist mein absoluter Liebling des Tages das IchkannabernurleereSaitenCello. Caesar, das ist der Wahnsinn!

(Wer hat sich eigentlich das Griffbrett ausgedacht? Und wozu? Leere Saiten rocken total!)

Das kleine Minicello – wenn man das Kind mit dem Cello auf dem Rücken auf dem Schulhof sieht, ist man versucht zu fragen, wo das Cello denn gerade hinlaufe, sieht man doch nur einen riesigen Koffer auf dünnen Beinchen – spielt Greensleeves mit einer solchen Ruhe und Grazie als wäre es mit dem Instrument verwoben. Das wird wirklich Musik. Ich kann es kaum glauben, so gerührt bin ich. „Mehr Noten!“, rufen sie, „wir wollen noch mehr spielen!“. Kann Unterricht schöner sein?

Das schüchterne Keyboard traut sich erstmalig die Lautstärke für das Konservenstreichersolo hochzudrehen. Auch das Glockenspiel kommt aus der Reserve und trifft das a – einfach so – und dann noch das d. Meine Güte, die Kinder haben geübt! Extra für diese Stunde. „Na, weil wir doch sowas wie eine Band sind!“, meint eine der beiden Querflöten, „da muss das doch sein.“, haucht die andere und wedelt nach Frischluft.

Der Blitz der Erkenntnis macht sogar vor dem Saxophon nicht Halt. Das hat nämlich heute der Einfachheit halber mal die Blockflöte dabei. Und siehe da, kein Quietschen, kein Heulen. Eine Woge der Dankbarkeit spült über mich hinweg und lässt mich gnädig das holterdipolter der nach wie vor unverschämt-unrhythmischen LittleDrummerBoys überhören.

Als es klingelt schauen sich alle an und sind sich einig, dass sie doch eigentlich noch ein bisschen bleiben könnten, ist doch grade so schön hier. „Zwei Stunden wären aber wirklich besser, Frau Weh!“, tadelt mich die Trompete.

Diese wohltuende Mischung aus Freude und Erleichterung ist es, die mich durch eine endlos lange und gnadenlos unergiebige Konferenz trägt. Sie lässt mich den Heimweg wie auf Flügeln gleiten bis zu einem Supermarktparkplatz. Wie könnte ein solcher Tag passender enden als mit einem Grillhühnchen? Die CrazyFunkyChicken im Herzen und das halbe Hähnchen in der Tüte fahre ich nach Hause und denke:

No one can whistle a symphony. It really takes an orchestra to play it.

Nebel, Nebel, überall

Ich habe mich verkühlt. Das ist dann wohl die Strafe für gestern.

Heute Morgen bin ich todmüde und heiser aufgewacht. Nicht die allerbeste Voraussetzung für einen Freitag mit mehreren Musikstunden. Aber ich kann mich nicht beschweren, der Vormittag war freundlich zu mir. (Der erneut anwesende Leihhausmeister – obwohl nicht auf dem Einsatzplan für heute angegeben! – auch. Aber das konnte ich ja gar nicht sehen, weil ich beim ersten Vorbeigehen unbedingt tief unten in meiner Tasche kramen und beim zweiten Mal einer Kollegin ein äußerst wichtiges Gespräch aufdrängen musste. Aber beim dritten Zusammentreffen ließ sich keine Fluchtmöglichkeit mehr finden, da habe ich dann mein Pokerface aufgesetzt und so getan als wäre überhaupt nie nix gewesen für das man sich eventuell ein wenig schämen könnte. Und für den Wehschen gluteus maximus schon dreimal nicht!)

Es ist übrigens gar nicht so schlimm, mit wenig Stimme zu unterrichten. Manchmal ist das ganz erholsam. Praktischerweise hatte ich für heute sowieso Klassenmusizieren geplant, da brauche ich nicht viel reden. Diese Stunden sind dann übrigens – anders als man vielleicht denken würde – kein bisschen chaotisch oder laut. Im Gegenteil. Die Kinder sind rattenscharf aufs Musizieren. Und sie wissen genau, dass ihre Chancen auf Surdo, Repinique oder Shaker bei Regelverstößen weit unter Null sinken. Da bald wieder das Feriensingen ansteht, wurden heute die Herbstlieder in Szene und Arrangement gesetzt. Das Herbstferiensingen bereite ich super gerne vor. Ich liebe nämlich E-Moll. In diese Tonart könnte ich mich reinlegen. Und da sehr viele Herbst-, Grusel- und Geisterlieder in e sind, passt mir das ganz gut. (Ganz anders verhält es sich übrigens mit den Martinsliedern. Die sind häufig in F-Dur. Grässlich.)

Mein Freund Marten – nachdem ich ihm beim Tapasessen letzte Woche davon erzählte – schickte mir übrigens postwendend ein Herbstlied in A-Moll zu. Ich muss zugeben, dass auch dieses Lied mir harmonisch zusagt und ich es für nächstes Jahr im Hinterkopf halte.

Zurück zu E-Moll und dem Arrangement eines der zahlreichen Nebellieder. Zur Freude der Viertklässler habe ich heute mit dem Keyboard begleitet und die Kinder mit Klängen und Sounds experimentieren lassen (oh, ich muss dringend Synth/Path 11 auf einen Zettel schreiben!). Der untergelegte Klangteppich aus Regenstäben, Oceandrum, Handtrommeln, Cajon, Djembe und Surdo (ziemlich große Sambatrommel, lässt sich aber auch hervorragend leise spielen) plödderte ein bisschen Regen und zauberte Atmosphäre, ein zart dahinschmelzendes Metallophon (sparsam einsetzen!) blieb auf der Bordun e-h und die Kinder probierten verschiedene Variationen des Singens aus. Kleiner Tipp am Rande, es macht Kindern viel Spaß beispielsweise in die über Nase und Mund gelegten Hände zu singen und so einen gedämpften Pianoklang zu produzieren. Das in Gegensatz zu einer klar gesungenen Passage eingesetzt kann sehr reizvoll klingen. Desweiteren ein paar Soli in Vor-, Zwischen- und Nachspiel eingebaut, alles zusammengesetzt, Instrumente und Aufgaben zwischendurch gewechselt, nach jedem Durchgang kurze Reflexionsphasen, das Ganze mit wenigen Worten und am Ende waren alle glücklich und zufrieden. Und Frau Weh hat ihre Stimme geschont.

Erwähnte ich schon, dass Musik einfach ein wunderbares Unterrichtsfach ist?

Schrei vor Glück!

oder: Warum es schön ist, ein Postbote zu sein.

Wir haben einen wirklich netten Postboten. Einen, der nicht nur einen Zettel einschmeißt, wenn man ein Paket erwartet, sondern klingelt. Und dann sogar eine Weile wartet. Wenn man nicht da ist, kommt er später noch einmal vorbei und versucht eine erneute Zustellung. Oder er reicht einem die Post auf der Straße aus seinem knallgelben Minibus. Er motzt nicht, wenn man sich zu Schulanfang tonnenschwere Pakete mit Kunstmaterial nach Hause liefern lässt und wenn mal auf einem Paket ein Aufkleber zerbrechlich draufpappt, dann lässt er es auch nicht extra fallen. Also ich finde ihn jedenfalls ganz prima.

Es gab allerdings eine Phase, da fand unser Postbote sein Leben nicht sonderlich berauschend. Er war grummelig und sichtlich schlecht gelaunt. Auf Nachfrage brach es dann aus ihm heraus: dass er seinen Job gerade gar nicht gerne mache und es wirklich – ich habe extra nachgefragt! – nichts Schönes dabei gäbe.

Ich war ehrlich betroffen. (Das ist so ein Harmoniedings bei mir. Ich brauche es, dass alle um mich rum wenigstens im Ansatz glücklich sind. Zumindest gut gelaunt. Sind sie das nicht, dann macht mich das nervös und ich muss mir Sachen überlegen, damit sich die Stimmung wieder aufhellt. Der arme Herr Weh – ein Morgenmuffel vor dem Herrn – kann da ein Liedchen von singen. Es ist nicht immer einfach, mit einem notorischen Glückskeks verheiratet zu sein.)

Aber praktischerweise ist man ja in unserem unglaublich schönen Beruf nie lange allein mit irgendwas. Also habe ich meinem damaligen 2.Schuljahr von Postbotens Leid erzählt. Gut gebrieft kamen dann auch lauter „Oooooch!“s und „Ojeeee“s und „Ach, der arme Postbote!“s von den Kindern. Perfekte Einleitung für eine Einheit Kreatives Schreiben.

Hier die bemerkenswertesten Antworten zum Thema

Es ist schön ein Postbote zu sein, weil…

  • man auf der Straße Geld finden kann.
  • man so viel an der frischen Luft unterwegs ist.
  • man immer die schön bepflanzten Blumenkästen als Erster sieht.
  • man sehr sportlich dabei wird.
  • die Uniform cool aussieht.
  • man ein großes Auto fährt.
  • man dauernd Pakete bekommt.
  • man immer mit den Leuten quatschen kann.
  • man nur tagsüber arbeitet. Nachts ist es ja zu dunkel dafür.
  • man richtig viel Geld verdient.
  • man keine lauten Kinder um sich hat.
  • das Auto eine ziemlich schöne Farbe hat.
  • man nicht so viel dafür lernen muss.

Na, spricht da nicht die reine Empathie aus den Kindern? Also!

Beim nächsten Klingeln habe ich unserem Postboten die gesammelten Werke in die schwielige Hand gedrückt. Zwei Tage lang ward er nicht gesehen. Dann kam er und meinte, er hätte den ganzen Packen noch am selben Tag mehrfach gelesen. Im Dienst. Im Auto mit der ziemlich schönen Farbe. Und er hätte laut lachen müssen. Jetzt hingen die motivierenden Aussagen an seinem Garderobenspiegel und seine Laune sei auch schon wieder besser. Sein persönliches Highlight sei übrigens „weil man auf der Straße Geld finden kann“. Er würde jetzt immer sehr aufmerksam auf den Boden schauen. Offensichtlich habe er da die letzten Jahre etwas geschlampt.

Zum perfekten Abschluss kam die Unterrichtseinheit dann mit einem Brief für die Klasse.

Na klar, vom Postboten persönlich.

Manchmal sind es die kleinen Dinge…

Aus dem Wochenbericht von Victoria:

1.Schulwoche
Die Woche ist schon wider vorbei. Gestern war Einschulung. 
Da haben wir gesungen. 
Heute hat Rene Gebortstag. 
Ich bin ser fro und glüklich darüber 
das ich mit der Schreibschrüft fertig bin. 
Als Frau Weh das gesagt hat das ich jezt fertig bin 
war ich so glüklich 
das ich mein Heft genomen habe 
und einfach draufgeküst habe.

 

DaSCHtin

DaSCHtin ist ein ehemaliger Schüler von mir. Gelegentlich treffe ich ihn auf der Straße, wenn er mit seinen Kumpels und einem Kasten Bier zum örtlichen Spielplatz geht, um sich zu langweilen chillen abzuhängen ach, was weiß ich, was die da genau treiben.

DaSCHtin trug vor einigen Jahren eine feste Zahnspange und war ein wirklich reizender Drittklässler. Durch die Zahnspange hatte er einen leichten SCHpraCHfehler. Bei allen S-Lauten SCHprühte DaSCHtin SCHpucketröpCHen. Aber er war ein so herziges Kerlchen, das war kein Problem.

Eines Tages fühlte ich während der Pausenaufsicht plötzlich, wie sich eine Kinderhand in meine schob. Ich schaute runter und erblickte DaSCHtin.

DaSCHtin (Leuchteäuglein, seeliges Lächeln): „ISCHCH liebe diCHSCH, Frau Weh!“

Oh, wie niedlich! Da geht das Referendarinnenherz auf (nie wieder wird das Gefühl von den Kindern gemocht zu werden so wichtig sein wie im Referendariat!) und rosa Wölkchen tanzen auf und nieder. Ich strahle also zurück und antworte – und ich schwöre, es rutscht mir einfach so raus:

„ISCHCH diCHSCH auch, DaSCHtin!“

UpSCH.

Besuch

Plötzlich ist sie da.

Zwar sitzt sie noch ganz klein und schrumpelig auf der Schreibtischkante, baumelt mit den dünnen Beinchen und versteckt sich zwischen lauter Ichkönntenochs und Ichwolltedochs, aber sie ist unverkennbar da –

die leise Freude aufs neue Schuljahr.

Ich mag diesen Moment, wenn sie sich einschleicht und sich mit einem kleinen, wohligen Rülpser genau zwischen Ideen und Überlegungen plumpsen lässt. Es ist dieser kostbare Moment, der einem das Gefühl gibt, genau richtig dort zu sein, wo man eben ist. Und die – zum Glück! –  immer wiederkehrende Feststellung, dass man seine Arbeit* gerne macht.

 

*trotz allem!

 

Liebesperlen

Ich habe ein wirklich nettes Kollegium! Die mag ich alle richtig gern. So viele sind wir ja auch nicht. Und mich mögen die meisten auch gern. Also, wir sind zwischendurch richtig harmonisch miteinander.

Na gut…nicht alle. Mit Frau Schmitz-Hahnenkamp ist es manchmal etwas schwieriger. Sie ist ein bisschen anders. So größer halt. Und wuchtiger. Und viel, viel lauter als ich. Da kann man es schon mal mit der Angst kriegen. Manchmal gehe ich dann schnell in die Küche, wenn ich sie auf dem Flur höre. Andererseits wäre ich gerne mal Mäuschen in ihrem Unterricht. Da ist es immer so leise, wenn man vorbeigeht! Bei mir sollte man besser nicht vorbeigehen. Wenn man Pech hat, wird man vielleicht von einem fliegenden Hausschuh getroffen. Auf jeden Fall aber trifft einen eine gewisse Geräuschkulisse. Und leise ist es auch nicht so oft. Eher so… handlungsorientiert. Ja, genau, bei mir ist es handlungsorientiert!

Bei Frau Schmitz-Hahnenkamp sind die Kinder nicht handlungsorientiert. Die sind still. Ich glaube ja, die haben Angst sehr viel Respekt. Vor mir hat ja irgendwie keiner Angst. Dafür kriege ich in jeder Frühstückspause Essen aufs Pult gelegt. Ich esse das aber nicht alles. Erstens wegen der Bazillen und zweitens wegen dem Format. Ich habe ja mehr so Kleinformat, da wirkt man schnell apfelförmig, wenn man nicht aufpasst.

Im Frühling, da bekomme ich Frühlingsblumen. Liebevoll werden die aus fremden Vorgärten ausgerissen. Meine persönlichen Morgengaben sind das. Man kann den Schulweg einiger Kinder anhand der leergerupften Flecken in den Vorgärten bestimmen. Echt jetzt! Und ich bekomme oft Briefe in einen kleinen Briefkasten gesteckt. Hah, die bekommt Frau Schmitz-Hahnenkamp bestimmt nicht so oft! Einmal war sogar ein richtiger Liebesbrief dabei.

Libe Frau Weh

ich finde dich ser net

wilst du mit miehr gen?

O ja

O nein

O fileicht

dein Phülip*

* (Lesen durch Schreiben. Was will man dazu sagen?)

Natürlich habe ich auch geantwortet, ich finde, das gehört sich so:

Lieber Philipp,

vielen Dank für deinen Brief.

Ich finde dich auch sehr nett!

Aber ich habe schon einen Mann.

Du findest bestimmt später mal eine tolle Frau.

Liebe Grüße von deiner Frau Weh

Es war übrigens nicht schlimm für ihn. Als ich gestern den mittlerweile Siebzehnjährigen auf der Straße traf, hatte er den Arm um ein Mädel in recht knapper Hüfthose geschlungen und sah sehr glücklich aus.

Willkommen To Sin

Früher war ja manches einfacher. Als es noch kein youtube gab und kein Englisch in der Grundschule. Da konnte man richtig tollen Musikunterricht machen. Wenn wir im 4.Schuljahr mit Rap begonnen haben, dann habe ich die Kinder per Vocassion oder Bodypercussion einen Grundbeat schlagen lassen und dazu Oldschoollegende Kool Moe Dees Go See The Doctor performed. Ein absoluter Klassiker der rap language. Und so verdammt cool. Da wussten die Kinder sofort und auf der Stelle Bescheid. In den folgenden Einheiten konnte man dann leicht DJing, B-Boying und Graffiti einfließen lassen und – ta daa! – das Gefühl für HipHop war wachgeküsst. Natürlich wollten die Kinder auch vor ein paar Jahren immer gerne wissen, worum es eigentlich geht. Und auch wenn ich generell dafür bin, Kindern grundsätzlich keine Sachverhalte zu verschleiern, ist es bei diesem Stück (wie  bei vielen Raps) nun etwas… prekär. Also beließ ich es bei der allgemeinen Feststellung, dass ein Arztbesuch dann und wann nicht schaden könne und gut war.

Heute hat mans schwer. Da steckt man mitten in der Notenlehre und kommt beim Radiohören während der Autofahrt auf die geniale Idee, den Kindern den G-Dur-Akkord mit dem Glockenspielpattern im bekanntesten Song der Bananafishbones zu vermitteln:

Come To Sin

da fällt einem auf, dass der Text nicht gerade das ist, was Eltern gerne im Musikheft ihres Viertklässlers lesen.

Kleine Bemerkung am Rande:

Glockenspiele sind wohl noch das in den meisten Grundschulen am häufigsten vorhandene Instrument. Also nutzen wir sie doch. Es muss ja nicht immer Orff sein. Interessanterweise gibt es noch einige weitere Popsongs, in denen das Glockenspiel eingesetzt wird. Z.B. in Radioheads No Surprises (Vorsicht, Stimmung ist anders) oder Cheryl Coles Fight For This Love. Der Einsatz von Come To Sin eignet sich in meinen Augen besonders gut zum Klassenmusizieren, da das Pattern einfach ist, sich wiederholt und schrittweise ergänzt werden kann. Schlussendlich lässt sich eine recht nette Performance einüben mit Glockenspielen, wenigen Metallophonen, Boomwhackers, Cajon oder anderem Schlagwerk. Und das Allerwichtigste: Die Motivation der Kinder ist bei diesem Stück unglaublich hoch. Selbst der letzte Muffelkopf verlässt die Stunden mit heißen Öhrchen, weil es so toll war. Versprochen!

Aber das muss nun im Sinne der Kunst einfach ignoriert werden, denn dass das Stück ein wahrer Knaller ist, hört ja nun jeder. Am Tag nach der ersten Bananafishbone-Stunde können mir alle Kinder den G-Dur-Akkord nennen und vorsingen, drei Kinder kommen mit dem ausgedruckten und über google übersetzten Text (ha ha), fünf Kinder haben sich das Stück bereits auf legale oder andere Weise heruntergeladen, ein Kind bringt ein eigenes Glockenspiel mit und ein weiteres einen Brief seiner Mutter, in dem steht, dass sie auf eine Erklärung wartet, was „so ein Schund“ im Musikunterricht der Grundschule zu suchen hat. So macht Unterricht Spaß!