Krank

Jetzt ist es passiert. Ich bin krank, schuljahresendkrank. Das kenne ich schon. Passiert mir häufig vor den Ferien. Mir schmerzt dann der Kopf und der Hals und wieder der Kopf. Insgesamt fühle ich mich matschig und verschleimt.

Herr Weh meint, ich soll morgen mal zu Hause bleiben, aber Herr Weh hat ja keine Ahnung davon, was das für den Tag danach bedeutet. Das wäre ein hoher Preis. Mein Lehrerpult wäre total durcheinander, alles würde in der Klasse herumfliegen, die Kinder wären außer Rand und Band und heftigst empört über die Ungeheuerlichkeit, dass ihre Frau Weh sie einen Tag im Stich und der unbeliebten Klassenaufteilung oder gar der noch unbeliebteren Frau Schmitz-Hahnenkamp überlassen hätte. Die Kolleginnen würden mit dieser Mischung aus mitleidigem Interesse („na, geht es denn wieder?“) und Kämpfergeist („ich halte ja noch irgendwie bis Freitag durch!“) auftreten und außerdem kann ich morgen nicht fehlen, schließlich haben wir Orchesterprobe in der Kirche. Der Pastor kommt extra um uns die Kirche aufzuschließen. Das Schulorchester hat diese letzte Probe vor dem Abschlussgottesdienst noch so nötig. Und Konferenz haben wir auch. Natürlich. Zu besprechen gibt es ja immer was.

Also ich bin definitiv unabkömmlich. Das ist ja auch so eine Krankheit von Grundschullehrern. Wichtig sein. Natürlich ginge es im Notfall auch ohne meinen persönlichen Einsatz. Ich hatte mal einen Blinddarmdurchbruch, da war ich ganze drei Wochen nicht in der Schule. Ging auch irgendwie. Als ich wiederkam fehlten allerdings drei Kolleginnen und ich musste andauernd mit zwei Klassen gleichzeitig arbeiten. Pfffft… alle Erholung dahin.

Also werfe ich stattdessen einen Blick in das Wehsche Arzneimittelschränkchen. Es gibt eine ganze Menge rezeptfreier Grippemittel. Die Wirksamkeit ist umstritten, unumstritten hingegen ist die Tatsache, dass die Dinger gut ins Geld gehen und in der Regel nicht soviel mehr Inhaltsstoffe aufweisen als eine starke Tasse Kaffee, ein Löffel Vitamin C-Pulver und eine Kopfschmerztablette. Ein einziges Mal dachte ich, ich hätte ein Zaubermittel entdeckt. Es handelte sich um das Kombipräparat einer bekannten Schmerzmittelmarke. Schon kurz nachdem ich das in Wasser gelöste Granulat zu mir nahm, ging es mir merklich besser. Ich fühlte mich sogar überraschenderweise recht gut. So gut, dass ich kurze Zeit später trotz Nacht ohne Schlaf vor meiner Klasse stehen konnte. Sogar so etwas wie Unterricht war möglich.

Es ging gut bis zur Pause. Dann begannen Schüttelfrost, Pulsrasen und Schwitzattacken. Fairerweise muss ich sagen, dass diese Nebenwirkungen das eigentlich Problem – Fieber und verstopfte Nebenhöhlen – gänzlich überdeckten. Tatsächlich konnte ich mich aber kaum noch auf den Beinen halten und bekam Panikattacken, weil mein Herz Hopser machte. Mittlerweile weiß ich, dass ich Pseudoephedrin offenbar nicht gut vertrage. Wäre ich olympischer Schwimmer, wäre ich wohl wegen Dopings mit Schimpf und Schande aus dem Kader entlassen worden. So habe ich mich dann nur nach Hause gequält und geschlafen. Überhaupt das beste Mittel. Kommt leider oft ein bisschen zu kurz. Aber in den Ferien werde ich drei Tage einfach durchschlafen. Mindestens.

Und jetzt mache ich mir einen Tee, wickle mir einen Schal um den Hals (fest, nicht lässig) und suche was gegen Augenringe.

Montagskreis

Der Montagskreis. Sinnbild pädagogischer Basisarbeit. Was steckt nicht alles in diesen 45 Minuten? Förderung der Erzählkultur, des Sprachhandelns, der sozialen Integration und noch so viel mehr. Ein guter Pädagoge macht sich hier im Schnelldurchlauf ein Bild über die seelische, körperliche und geistige Verfassung all seiner kleinen Seuchenvögel. Wieviele Kinder hatten Papawochenende? War Vollmond? Kam Star Wars auf Pro7? Da werden dann schonmal gedanklich Unterrichtsplanungen verworfen, Wochenpläne neu erstellt und Tests vorsichtshalber auf den nächsten Tag verschoben.

Heute bei Frau Weh:

(1) Mein Papa hat am Samstag 1:8 beim Fußball verloren. Da war der voll schlecht gelaunt. Dann hat der mit seinen Kumpeln total viel Bier getrunken und ist voll so rumgelaufen. (Kind ahmt Torkelbewegungen nach und lallt.)

(2) Wir waren am Wochenende im Märchenwald. Das war total schön da. Da gab es einen Esel, wenn man da 50 Cent reingeworfen hat, dann kamen Schokoladentaler raus. Das haben wir dann ganz oft gemacht. Meine Mama schickt dir noch die Fotos. (Kind reicht einen Prospekt des Märchenwaldes, eine Gebrüder-Grimm-Gedenkmünze, ein kleines Rotkäppchen-Püppchen und ein paar zerknitterte Stücke Goldfolie herum.)

(3) Ich konnte am Freitag nicht zur Schule kommen, weil meine Mutter mit meiner Schwester und mir zu das Gericht musste. Das war voll lange und da konnte ich nicht kommen. (Auf die Nachfrage eines anderen Kindes, was man bei einem Gericht so mache, boxt das Kind seinen Nachbarn in die Seite und streckt dem fragenden Kind die Zunge raus.)

(4) Is hab bei mein Papa Wii gespielt. (Auf anschließende Fragen der Kinder nach dem Namen des Spiels und der Gesamtspielzeit antwortet das Kind nicht, legt aber den Kopf auf den Tisch und macht monotone Brummgeräusche.)

(5) Mein neuer Hamster ist voll brutal. Der beißt mich immer in den Finger, wenn ich den so anpacke. (Kind zeigt gepflasterte Daumen, Zeige- und Mittelfinger und vollführt eine Quetschbewegung.)

Aufgabe:

Ordnen Sie die oben angeführten zufällig ausgewählten Aussagen den untenstehenden nicht zufällig ausgewählten Vornamen zu. Beachten Sie dabei gängige Klischees sowohl bestimmten Vornamen als auch angeblich vorurteilsbelasteten Grundschullehrern gegenüber.

(a) Shanice

(b) Leon

(c) Mia-Sophie

(d) Benjamin

(e) Lennox

Als Preis für die richtige Lösung winken ein Hausaufgabengutschein sowie ein Ausdruck des originalen Spiegelartikels über die ungerechten Grundschullehrer vom 16.09.2009 .

Viel Erfolg!

Samstag

Samstag – ein noch tollerer Tag als Freitag. Ich schlafe 1,2,3 Stunden länger als sonst, esse Wassermelone und Salat. Lauter so gesundes Zeugs, das unter der Woche aufgrund seiner geringen Energiedichte niemals selten auf dem Teller landen würde. Dummerweise liegen meine 4 Salatschüsseln allesamt noch in meiner Klasse. Sachunterricht. Schwimmen und sinken. Werde ich improvisieren müssen. Oder den Salat einfach so vom Strunk reißen und essen.

(Schule macht hungrig. Und ja, zumindest unser Kollegium isst ausnahmslos ALLES, was auf dem Tisch im Lehrerzimmer steht. Im September, kurz nach Schuljahresbeginn, haben wir noch gute Vorsätze. Dann steht Obst auf dem Tisch. Oder gerne auch Reiswaffeln. Vor Weihnachten kommen dann ausgewählte Kohlenhydrate. Selbstgebackene Kekse und – immerhin dunkle – Schokolade. Ab Neujahr geht es gnadenlos bergab. Spätestens nach den Osterferien haben wir uns von figur- und ernährungsbewussten Frauen zu Allesfressern entwickelt. Vor jeder Konferenz fährt eine Kollegin zur Dönerbude und kauft Börek, Kebab, Lahmacun und besonders beliebt und mit 3,- € nun wirklich nicht zu teuer! – Dönerrollen. Ich esse meine immer ohne Zwiebeln und mit scharfer Sauce. Wenn man langsam kaut, dann muss man zu Punkt 1 der Konferenzliste schonmal nichts mehr sagen.)

Samstags treibe ich mich bei youtube rum und erledige Dinge, die nichts, aber auch gar nichts mit Schule zu tun haben. Allerhöchstens aktualisiere ich meine To-do-Listen. Da habe ich zwei von. Eine für die Schule und eine, auf der PRIVATKRAM draufsteht. Das Abarbeiten der PRIVATKRAM-Liste verschiebe ich meist komplett auf die Ferien.  Manchmal kommt es mir vor als würde der Großteil meines Privatlebens in den Ferien stattfinden. Hmm. So Dinge wie abends weggehen, die Spätvorstellung im Kino ansehen, die wirklich seltsamen französischen Filme auf Arte schauen, das geht gar nicht mehr so zwischendurch. Da bin ich viel zu müde für.

SCHULKRAM:

  • Büchereibücher einsammeln (12.7.), E-Mail Eltern!
  • Busfahrkarten einsammeln (Montag!!)
  • Englischbücher!??
  • Zoobrief austeilen
  • Lehrerhandbücher -> Sekretariat, sofort!
  • Elternbrief schreiben (letzte Schulwoche)
  • Kinderzeugnisse schreiben, Aufkleber drauf
  • Aufkleber für Kinderzeugnisse kaufen
  • Klassenbuch ausfüllen!!!
  • Versäumnisliste (Mist, wo hab ich die denn hingetan?)
  • Busunternehmen, Zoo 14.7., geht alles klar? ANRUFEN!
  • Einverständniserklärung Zoo Shanice, Abdullah, Victoria?
  • Pflaumen Datteln im Speckmantel für Dankesfest Eltern machen (15.7.)
  • Datteln kaufen
  • Konferenz 18.7. erst um 14.00 Uhr, nicht vorher nach Hause fahren!
  • Materialliste 2.Schj.
  • Stufenkonferenz von Di auf Mi verschieben
  • Stundenplanwünsche abgeben

Das mit den Stundenplanwünschen ist ein kleiner, gemeiner Scherz unserer Chefin. All unsere Hoffnungen auf einen Stundenplan ohne Freistunden, mit viel Unterricht in der eigenen Klasse und ein paar ausgesuchten, netten Fachstunden schreiben wir auf einen Zettel und geben ihn ab. Dann geschieht damit nichts. Überhaupt nichts.

Im nächsten Schuljahr werde ich trotzdem nur 10 Stunden in meiner Klasse sein. Dafür werde ich in allen Stufen Religion mit gerne über 30 Kindern pro Gruppe geben. Musik wird immer in den Randstunden liegen. Und kann mir mal einer sagen, warum ich eine Stunde PC in der 3a geben muss?

Aber zum Glück ist heute Samstag. Da ärgere ich mich über gar nichts, weil ich mich ja nicht mit Schule beschäftige 🙂

Freitagsfreuden

Ich mag Freitage! Da fährt schon morgens mit dem guten Gefühl zur Schule, dass bald das Wochenende naht.

Dank voller Stelle habe ich allerdings auch freitags sechs Stunden.

Ich und die 4a.

Alle anderen sind dann nämlich schon weg. Also machen wir es uns nett in der letzten Stunde. Reißen die Fenster im Musikraum auf, lassen die Tür sperrangelweit offen und drehen die Anlage beim Warm Up mal richtig auf. Zur Zeit stimmen wir uns mit ZAZ auf die Musikstunde ein, das geht gut.

Natürlich stehen auch heute die unvermeidlichen Sommerhalbjahrsabschlusslieder irgendwann an. Also, denk ich so, weil ja Freitag ist und ich gute Laune habe, hol ich mal noch ein paar Instrumente dazu. Cajon, Djembe und Boomwhackers sind sowieso schon im Einsatz. Springe ich also mitten im Lied vom Hocker, rufe „Moment mal…“ und verschwinde im Instrumentenraum (ja, sowas haben wir!). Raus komme ich mit einer schweren Kiste mit Cabasas, Guiros und der sehr beliebten Gewittertrommel. (Sollte jemand mal Geld zu viel haben und sich etwas Nettes für den Musikunterricht oder die Theater-AG anschaffen wollen, dann empfehle ich eine Oceandrum und eine solche Spring Drum. Die Kinder lieben es und die Effekte sind auch gut.)

Und dann überlappen sich zwei Kommunikationsstränge.

Ich schleppe die Instrumentenkiste in den Kreis.

Niklas beugt sich vor um die Kiste entgegenzunehmen gleichzeitig sieht Aykut die Gewittertrommel.

Aykut: „Boah, sieht die geil aus!“

Frau Weh (zu Niklas): „Vielen Dank!“

Aykut (läuft kirschtomatenrot an): „Äh nee, ich meinte also, äh, aber Sie auch, Frau Weh!“

Frau Weh (zu Aykut): „Was!?“

Elena (kreischt): „Der Aykut findet, Sie sehen geil aus, Frau Weh.“

Frau Weh (mit hochgezogener Augenbraue): „Wie nett, Aykut, aber das gehört zu den Wörtern, die wir in meinem Unterricht nicht benutzen.“

Aykut (kleinlaut): „Na, dann sind Sie eben halt sexy.“

Kleines Aufmunterungsposting

für die ZweimeinerLieblingskollegen, die – zumindest teilweise – gerade an den Zeugnissen verzweifeln.

TSCHAKKKKKKAAAAAAAAA, ihr schafft das!

Und natürlich auch für alle anderen. In zwei Wochen ist Ferienbeginn in NRW!

Vielleicht ist die Idee, einen Zeugnisschreibservice anzubieten gar nicht so schlecht. Gib mir einen Namen und 5 Stichwörter und ich mache dir ein Zeugnis draus. Da gibt es bestimmt einen Markt für.

Knalltraumata

Nein, heute kann ich nichts schreiben. Es geht einfach nicht. Ich brauche Ruhe. Am besten ein Vakuum um mich rum. Ich hatte erst zwei Stunden mein verquatschtes erstes Schuljahr und dann vier Stunden Musik hintereinander. Vier Stunden Like Ice in the suuuuuuunnnnshine und den ganzen anderen Kram. Immer wieder und wieder. Ferienzeit… na na nana naaa… das ist die beste Zeit…. na na nana naaaaa. Nur weil man davon singt, kommt sie auch nicht schneller. Zwischendurch habe ich kurz darüber nachgedacht, ins Klavier zu klettern und den Deckel über mir zu schließen. Stattdessen bin ich fast vom Klavierhocker gefallen als Florian mit lautem Getöse mit seinem Stuhl umgekippt ist. Sein Gleichgewichtsorgan hatte offensichtlich auch schon Schaden genommen.

Ich habe definitiv genug Schall für den Rest des Tages verarbeitet. Selbst das Klackern der Tastatur ist heute zu laut. Und ich schreibe schon über Laptop.

Also denke ich jetzt darüber nach, wie man Stillarbeitsphasen in den Musikunterricht integrieren kann. Mein Freund Marten würde jetzt vermutlich vorschlagen, alle Liedtexte abschreiben zu lassen. Aber das 2.Schuljahr hat gerade erst den Füllerführerschein gemacht. Das schriekt und schrappt dann so fies übers Papier.

Und Schuld an allem haben die Bauarbeiter. Die waren tatsächlich schon um 7.00 Uhr da. Und vor allem waren sie laut, laut, laut.Der Einsatz von Rüttelmaschinen sollte in der Schulzeit verboten werden.

Ich habe gelesen, dass bei Heuschrecken die Ohren am Hinterleib sitzen können. Ein Traum, da könnte ich mich jetzt einfach draufsetzen. Dann ginge mir der Lärm einfach am Arsch vorbei!

Regentage Teil 1

Ein Blick aus dem Fenster: Regen.

Mist.

Regentage sind Misttage, denn dann gibt es auch Regenpausen.

Jeder, der schon einmal freiwillig oder unfreiwillig im gleichen Raum mit einer Horde Kinder war, weiß, dass diese unbedingt alle 90 Minuten gelüftet werden müssen.

Jetzt erklärt sich auch die Harmonie des gestrigen Tags. Oje, das kann ja heiter werden.

Tortenschlacht

Manchmal hat man Glück.

Dann hat man ein Kind in der Klasse, dass kein Gluten verträgt. Oder kein Eiweiß. Dann zeigen sich die Eltern beim ersten Elternabend solidarisch und beschließen, dass die Geburtstage ihrer Kinder in der Schule ohne Kuchen stattfinden.

Wenn dies aber nicht der Fall ist, dann, ja dann geht er los der Wettstreit. Es gibt keinerlei Regeln bei diesem Spiel, nur ein Motto: Größer, süßer, kalorienreicher.  Es scheint, als müssten an jedem Geburtstag ganze Heerscharen von vom Hungertod bedrohter Kinder verköstigt werden.

Muffins mit Zuckerguss? Kastenkuchen mit Gummibärchen auf Glasur?

Von wegen! Hier werden Buttercremes angerührt, Fondantüberzug hergestellt und niedliche Figürchen aus der Spritztülle gepresst. Die richtig gute Mutter steht stundenlang in der Küche, um dann milde lächelnd zu verkünden: „War doch kaum Arbeit!“

(Ganz nebenbei: ich liebe das Buch Working Mum von Allison Pearson. Das beginnt damit, dass die völlig geschaffte Mutter nachts mit dem Nudelholz auf gekaufte Törtchen einschlägt, damit sie beim Kuchenbuffet der Kinder am nächsten Tag aussehen wie selbst gemacht. Zitat: „…löst man eine kleine Krümellawine aus und verleiht dem Törtchen einen wohlgefällig hausgemachten Look. Und auf hausgemacht kommt es mir in diesem Fall an. Das Heim ist, wo das Herz ist. Das Heim ist, wo die gute Mutter ist, die für ihre Kinder backt.“ Wunderbar!)

Dr.Oetker Schokoflockina war gestern, der Geburtstagskuchen von heute heißt Schokoküsschenbombe, Tööröötorte oder Hello-Kitty-Herzchen. Merchandise goes bakery. Ich habe schon Spongebob zerschnitten und Prinzessin Lillifee geköpft.

Meine optischen Höhepunkte der letzten Jahre waren u.a. eine Prinzessinnentorte mit echter Barbie mittendrin. Wer, bitte, denkt sich denn so etwas aus!? Das sah aus wie ein Klorollenhütchen zum Essen. Oder der Wackelpuddingkuchen, der nicht richtig fest geworden ist. Wir mochten besonders das Geräusch beim Aufklatschen auf dem Boden. So ein richtig schön feistes FLAAAATSCHSCHschwappschwapp.

Nicht besonders lustig hingegen war die Ü-Eier-Torte mit sieben halben Eiern und drei Spielzeugen obendrauf für 28 Kinder. Toll, toll, toll!  Oder auch die zwei 2,5 Liter Eisbehälter, die mir einmal eine Mutter morgens um 8.00 Uhr in die Klasse brachte. Ohne Schüsselchen, ohne Löffel, ohne alles. Vor allem ohne drüber nachgedacht zu haben.

In meiner aktuellen Klasse gibt es keinen Geburtstagskuchen. Dafür ein kleines Spiel für die Klasse. Bisher waren das meist ein Autoquartett oder ein kleines Mitbringselspiel.

 

Heute hatte Mia-Sophie Geburtstag.

 

 

 

Sie brachte Monopoly World mit. Das richtig große.

 

Mögen die Spiele beginnen.

Schön wars

Ach, bin ich gut gelaunt!

Der Nachmittag mit meinem Freund Marten war sehr nett. Man ahnt ja gar nicht, wie gut einem so ein bisschen „schlimmer geht immer“-Gerede tun kann!

Marten hat extra für mich ein Hemd unter sein Sakko gezogen und mir lustige Geschichten von sich übergebenden Kindern erzählt. Ich habe dann auch lustige Geschichten von sich übergebenden Kindern erzählt. Aber ich muss zugeben, seine waren besser.

Der Mann neben uns hat zwischendurch den Tisch gewechselt. Ich vermute einen schwachen Magen. Das müssen wir Lehrer natürlich auch können. Also Krankheiten erkennen. Und am besten noch nebenbei behandeln. Natürlich dürfen wir eigentlich nichts von dem, was wir alle zwei Jahre im Erste Hilfe Kurs so lernen. Aber machen müssen wir es trotzdem. Vor einigen Wochen hatte ich gleich zwei Platzwunden in meiner Klasse. Fensterecke. Ich habe den Jungs sehr coole Kopfverbände angelegt. Mit Handschuhen und steriler Kompresse und so.

Das war mal was anderes als die täglichen Pflaster. Über die führen wir übrigens ein Pflasterbuch. Das müssen wir. Ist ja auch kaum Aufwand. Das läuft dann ungefähr so:

Ich: „…müsst ihr beachten, dass der Bogen beim kleinen i rund zur Mitte geführt wird.“

Patrick: „Aua, auuuuuu, oh nein, aaaaauuuuuuuuu, das tut so weeeeehhhh!“

Ich: „Patrick, was ist los?“

Patrick (schluchzend): „Ich habe mir den Finger am Blatt geschnitten. Das blutet ganz schlimm. Auuuuuuuuu!“

Zeitgleich:

Melina: „Zeig mal her, Patrick!“

Maurice (springt vom Platz auf): „Ey, ich will auch gucken!“

Anna-Lena: „Ich hab mich auch mal doll geschnitten, da sind wir ins Krankenhaus gefahren! Und der Finger war beinahe ganz ab! Dann habe ich ein Eis gekriegt und ein Schleichpferd.“

Laura: „Was für ein Pferd? Hast du auch Filly Fairy?“

Benjamin:“ Frau Weh, kannst du mal kommen? Ich kann das mit dem i nicht.“

Tumult um Patricks Tisch.

Ich: „So, alle setzen, Patrick komm her, ich klebe dir ein Pflaster.“

Patrick kommt (laut aufheulend). Dabei presst er den Finger extra stark, bis aus dem minikleinen Schnitt ein winziges Blutströpfchen quillt.

Ich: „Dann zeig mal her.“

Patrick: „Daaaaa, das tut SOOOO weh!!!“

Benjamin (klagender Tonfall): „Frau Weeeeeh, das i! Ich kann das einfach nicht!“

Ich klebe ein Pflaster, rufe Laura und Anna-Lena zur Ruhe, die gerade eine angeregte Unterhaltung über die Anzahl ihrer Gummitierchen führen, bedeute Benjamin, dass ich ihm gleich beim i zur Seite stehen werde und angle nach dem Pflasterbuch.

Patrick (betrachtet das blaue Pflaster am Finger): „Auuuuuuaaaa!!!“

Ich (nehme die große Schere vom Tisch): „Müssen wir amputieren?“

Patrick (schlagartig geheilt): „Nö. Ist schon wieder gut.“

Ich: „Macht jetzt auf der Seite mit dem i weiter.“

Maurice: „Frau We-hee, wo sind wir dra-han?“

Justin: „Wann ist endlich Frühstückspause?“

Benjamin: „Och manno!!!“

Ich ignoriere weitere Kommentare und fülle die Tabelle im Verbandbuch aus.

  • Ort und Zeit des Unfalls: Klassenraum, Datum.
  • Name des Verletzten: Patrick Ichverblute S.
  • Art der Verletzung: mikroskopisch kleiner Schnitt, mit bloßem Auge kaum erkennbar.
  • Zeitpunkt der Behandlung der Verletzung: 9.12 Uhr – 9.12 Uhr.
  • Die durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen: Mit Amputation gedroht. Dann doch für das Anlegen eines Wundschnellverbands entschieden.
  • Name des Ersthelfers: Frau Dr. Dr. IchkannnichtmehrWeh.
  • Name von Zeugen: die üblichen Verdächtigen.

Diese Dokumentationen müssen übrigens 5 Jahre aufbewahrt werden. Falls sich der Finger dann doch noch entzündet und plötzlich abfällt.

Berufsgenossenschaftliche Vorschriften. BGV A 1: Grundsätze der Prävention.

Die Sache mit der Ananas

Na gut, so schlimm war das Sportfest gar nicht. Ok, wir waren schon durchnässt als wir am Sportplatz ankamen, aber regenbedingt wurde dann wenigstens der Schwimmteil auf Montag verschoben. Bietet sich bei erwarteten sonnigen über 30°C ja auch mehr an. Stattdessen sind wir dann ziemlich früh um 10.00 Uhr wieder in der Schule angekommen. Nass, aber adrenalindurchströmt – ich habe nicht mitgezählt wie oft mein Herz beim Turndurchgang kurz aussetzte, dabei habe ich nur Hilfestellung gegeben. Bungeejumping? Free Climbing? Extremsportarten verlieren ihren Kick, wenn man ein erstes Schuljahr rückwärts über eine Turnbank balancieren lässt.

Um also Situation und Gemüter wieder vollends zu beruhigen dachte ich an eine nette Mathestunde zum Thema Geld. Da das Spielgeld der Kinder irgendwann zwischen Osterferien und Projektwoche spurlos verschwunden war (wir finden lediglich zwischendurch einzelne Centstücke zwischen den Schulmöbeln) musste es also ohne gehen. Auf Seite 110 im Mathebuch ist ein Obst- und Gemüsewagen abgebildet, die einzelnen Sorten sind mit äußerst realistischen Preisen (Kartoffeln 10 €, Kopfsalat 2 €) ausgezeichnet und bieten enorm viel Gesprächsstoff. Ich mag Welt der Zahl, das Lehrerhandbuch ist so umfangreich, dass selbst mir als Fachfremder mitunter eine Sternstunde gelingt. Außerdem habe ich das Glück, dass mir eine sehr akribische Kollegin ihr ausgefülltes Exemplar überlassen hat, sehr praktisch.

Nach ungefähr 20 Minuten hatten wir mit viel Müh und Not die einzelnen Sorten bestimmt, lediglich die Mandarinen blieben noch übrig. Ich dann also ganz munter: „Was liegt denn unter den Bananen?“

„Ananas“

Ich (irritiert): „Schaut noch mal genau, unter den Bananen, über den Apfelsinen.“

„Ananas“

Ich (leicht genervt, hatten wir uns nicht schon hitzige Diskussionen über die Existenz von Maiskolben geliefert): „UNTER den Ba-na-nen! NEBEN den Erd-beeeeeee-ren! ÜBER den Apfel-si-nen!“

„Apfel?“

„Tomaten?“

„Ich hab’s, ich hab’s: Kiwis!“

Ich (mühsam beherrscht): „Wir schauen noch einmal GANZ genau. Nehmt den Finger auf die Bananen. Nein, Joeline, auf die Ba-na-nen! Ja, genau, was liegt darunter?“

„Apfel?“

Ich: „Nein, das sind keine Äpfel! Was esst ihr denn so gerne vor Weihnachten?“

„Schokolade?“

„Kekse?“

Ich (desillusioniert): „Kinder, es geht um eine bestimmte Obstsorte… klein, rund, orange, man kann sie schälen…“

„Apfel?“

Ich: „Es heißt Äpfel! Mehrzahl! Ein Apfel, viele Äpfel!“

„Also doch Äpfel?“

Das kann doch wohl nicht wahr sein. Ich: „Nein, es sind KEINE Äpfel!“

… Stille…

„Ananas?“

Ich: „…!“

Ratlose Blicke treffen mich.

Ich (ruhig, ganz ruhig): „Klein, rund, orange, es gibt sie oft zu mehreren in Kisten zu kaufen, sie sind kleine Verwandte von Apfelsinen.“

„MANDARIIIIIINEN!“

Ich: 🙂

Einige Zeit später rechnen alle fleißig, was denn nun drei Salate kosten und wie die Summe von Kartoffeln und Blumenkohl sein müsste als ich Amelie über die Schulter schaue und sehe, dass sie gerade Erbeeren plus Ananas rechnet. Moment, Ananas!? Ja, da liegen sie. Unter den Bananen, neben den Erdbeeren, über den Apfelsinen: Ananas!

Mein wunderbares, mit Lösungen versehenes Lehrerexemplar ist veraltet und rechnet noch mit Mandarinen. Ups!