Gestern traf ich beim Einkaufen eine Kollegin, die ich über ein paar Ecken kenne. Sie erzählte mir von den katastrophalen Zuständen an ihrer ehemaligen Schule, die so untragbar waren, dass sie während des laufenden Schuljahres beim zuständigen Schulrat um Versetzung bat. Diese wurde auch bewilligt. An ihrer jetzigen Schule – so erzählte die Kollegin – sei vieles anders, aber die Kinder…! Und die Kollegen…! Sie wäre nicht gerne dort und streiche jeden Abend einen Tag ab auf einer Liste, die ihre verbleibenden Schultage bis zur Pensionierung dokumentierte.
Es seien noch 78.
Gibt man bei google „burn out“ und „Lehrer“ ein, bekommt man ungefähr 483.000 Einträge angezeigt. Schreibt man es mit Bindestrich, schnellt die Anzahl auf über 1.000.000 hoch.
Warum der Lehrberuf – wie so viele soziale Berufe – hierfür prädestiniert ist, darüber brauchen wir wohl nicht sprechen. Wichtiger: wie lässt sich ein drohender Burnout vermeiden? Herr Rau spielt Ukulele. Klasse Sache. Zwei meiner Kolleginnen spielen Tennis, zwei weitere rauchen viel (kompensieren dies aber durch Gartenarbeit), viele essen Schokolade, manche ausschließlich ampelfarbige Lebensmittel. Eine liebe Studienfreundin hatte zeitweilig wochenends einen enormen Männerverbrauch, eine andere besitzt ein Schuhzimmer, das größer ist als ihr Arbeitszimmer. Eine dritte steht morgens von 5.30 Uhr bis 6.30 Uhr auf dem Crosstrainer. Manchmal befindet sich die sogenannte work-life-balance ziemlich nah am Abgrund des Sonderbaren.
Und Frau Weh?
Der ging es im letzten Schuljahr immerhin mal so mies, dass Herr Weh sich Sorgen gemacht hat. Weil sie doch eigentlich so gerne in die Schule geht. Und mit so viel Herzblut. Und überhaupt. Und dann auf einmal gar nicht mehr gern.
Mir fehlen Zeit und der passende Stoffwechsel für Schokolade, Schuhe oder Sport* und wenn hier am Wochenende Männerbesuch vor der Tür stünde, würde mich das wirklich furchtbar stressen. (Ganz davon abgesehen, dass Herr Weh mir was husten würde. Aber kräftig.)
Bleibts also beim Bloggen.
Läuft heute mal ein Tag so richtig, richtig aus dem pädagogischen Ruder, kreisen meine Gedanken nicht mehr um das warumnurwarumnurwarumnur, sondern darum, wie sich der ganze Käse Ablauf so darstellen lässt, dass es andere zum Schmunzeln bringt.
Bis jetzt läuft das ganz gut.
* Hierbei handelt es nicht etwa um eine unsaubere Alliteration, sondern um eine phonetische. Das geht noch durch.