„Was ist denn mit Ihnen passiert?“, fragt mich meine Masseurin, als ich mich Freitagabend zum Massagetermin entkleide. Schienbeinaufwärts reiht sich Hämatom an Hämatom in allen Farben der Genesung, blau, violett, grün, gelb. Auch an den Armen leuchtet ein fröhliches Farbenspiel, allerdings etwas spärlicher gesäht.
„Ach“, antworte ich leichthin, „ich habe wieder ein 1.Schuljahr.“
„Und die Kinder treten Sie!?“ Die Masseurin grinst, ich auch. „Genau so ist es!“, nicke ich. „Und mit meinen Nerven springen sie Seilchen.“
Es ist eng im Klassenraum und irgendwo ist immer ein Tisch, an dem man sich stößt. Die Schule hat eindeutig wieder begonnen. Auch andere Zeichen des Verfalls deuten darauf hin: Der Hals kratzt, der Nacken ist verspannt, es bilden sich Ringe unter den Augen. Aber es könnte deutlich schlimmer sein. Gestern erreichte mich die SMS einer Freundin, ebenfalls Lehrerin im Anfangsunterricht: „Scheiße, Läuse!!!“
Die Masseurin lacht und gießt warmes Öl auf meinen Nacken. „Das kriegen wir schon hin.“ In den nächsten 60 Minuten öffnet sich ein wohltuendes, schwarzes Loch und verschluckt mich mitsamt den 29 Erstklässlern. Zwar begehrt immer mal wieder einer aus der Meute auf und will mich daran erinnern, dass ich mir noch Gedanken zu diesem und jenem machen muss, aber jedes Unbehagen wird erfolgreich untergeknetet und in Wohlgefallen aufgelöst. Zu Hause angekommen, schaffe ich es gerade noch ins Wohnzimmer zu torkeln, um dem größeren Wehwehchen eine gute Nacht zu wünschen, bevor ich ins Bett plumpse wie Fallobst in die Wiese. Ein paar Minuten später schlafe ich tief und fest. Thank God, it’s Friday!
Zweifelt irgendjemand daran, dass die baldigen Herbstferien ein Segen sind?