dickes B

In einem unbemerkten Moment rutschte das große B hinter den Materialschrank. Ärgerlich. Den rückt mir ja keiner weg. Auch nicht der ausgeliehene Hausmeister, der heute ziemlich genau 43 Minuten Zeit hatte, um die nötigsten Dinge zu erledigen. Ich konnte das beobachten, ich habe währenddessen das Alphabet laminiert. In Schreibschrift. Die Druckschriftvariante hängt bereits mit Magnetklebeband versehen an der Tafel. Natürlich durcheinander, da können die Zweitklässler direkt mal zeigen, ob sie früher bei der Sesamstraße aufgepasst haben.

Aber heute gab es nicht nur einen geliehenen Hausmeister. Nein, es war auch eine geborgte Putzkolonne vor Ort. Jetzt ist es fast wieder sauber. Papierhandtücher gibt es allerdings keine. Naja, schütteln die Kinder halt die Hände so lange durch die Luft. Oder waschen sie einfach gar nicht. Das empfinden viele Kinder sowieso als Zeitverschwendung. Ah, ich sollte vorsichtshalber morgen eine Rolle Klopapier mitnehmen, falls es da auch Engpässe geben sollte.

Der Musikraum ist fast wieder leer. Nur der Plastiktannenbaum steht noch drin. Der geliehene Hausmeister hat einfach alles wieder in den Raum mit dem Wasserschaden zurückgeräumt. Auch ein paar frisch angeschimmelte Bretter. Die müssen dann morgen vermutlich wieder ausgeräumt werden. Aber Hauptsache, ich komme ans Klavier. Ein bisschen Sorge bereitet mir die Tatsache, dass die ganze Wand dahinter feucht war. Hoffentlich ist das nicht in den Korpus gezogen. Ein neues Klavier würden wir ja im Leben nicht mehr finanziert bekommen. Genau, Haushaltssperre.

Am letzten Sommerferientag habe ich immer Bauchschmerzen. Ich bin dann aufgeregt. Weil man ja nie so weiß, was da kommt. Heute geht es aber noch, ich habe noch einiges zu erledigen. Wahrscheinlich liege ich dann heute Abend im Bett und kann nicht einschlafen. Das findet der Herr Weh dann immer furchtbar. Aber ich kann da gar nichts für, am Schulanfangsvorabend ist einfach zu viel los in meinem scolar-vegetativen Nervensystem.

Ich geh dann jetzt mal backen.

 

same procedure as every year

Der Tag begann mit einer ziemlich großen Spinne (tegenaria atrica; übrigens die Spinne des Jahres 2008) im Badezimmer*. Und er ging auch genauso weiter: schnell, stellenweise schwarz und irgendwie haarig.

Neben der weiterhin erkrankten Putzfrau fällt nun auch der Hausmeister für den Rest des Monats krankheitstechnisch aus. Worst case. Die Schule steht vor Dreck, der Musikraum ist immer noch voll bis obenhin, am Donnerstag ist Einschulung und keiner weiß so genau, wohin mit den Eltern wenns regnet. Wir haben nämlich weder Aula noch Turnhalle in der Nähe. Bei größeren Veranstaltungen knubbeln wir uns ins Treppenhaus (geht nicht, furchtbar dreckig) oder in den Musikraum (geht auch nicht, s.o.). Außerdem stellt sich nun die Frage, wer am Donnerstag die Anlage aufbaut. Natürlich ist dies eine rhetorische Frage, denn außer dem Hausmeister und mir kennt sich keiner damit aus. Aber ich habe ja auch noch meine Klasse. Und ich muss für jeden Schulneuling einen Keks backen. Herzförmig.

(Nein, nicht fragen. Es hat was zu tun mit dem Lied Ich schenk‘ dir einen Regenbogen und meiner Unfähigkeit im entscheidenden Augenblick unsichtbar – und still! –  zu sein.)

Wie man sich denken kann, hatten wir heute Konferenz und was soll ich sagen? Es ist als wäre man nie fort gewesen. Alles wie immer. Laut, stressig, durcheinander. Und ich habe mir so vorgenommen, dieses Schuljahr ganz entspannt anzugehen. Hö hö, ich bin da wirklich unverbesserlich. Zwei neue Kolleginnen haben wir auch. Die sahen nach der Konferenz (2 Punkte auf der Liste, 3 Stunden Dauer) ziemlich platt aus. Dabei war das ein guter Schnitt für unsere Verhältnisse. Wir können viel länger.

Jetzt würde ich ja zu gerne noch eine aktuelle Version meiner SCHULKRAM-Liste hier reinschreiben, aber ich habe keine Zeit. Ich muss nämlich schnell noch eine E-Mail an die Eltern schicken mit Stundenplan-, Schwimm- und sonstigen Infos und außerdem dringend meine Unterlagen übers Eichhörnchen raussuchen. Ich fürchte, ich habe sie in einem Anfall von Aufräumwahn entsorgt.

In diesem Sinne, frohes Schaffen!

 

* (was irgendwie auch lustig war, da ich genau einer solchen fetten Spinne gestern bei den ZweimeinerLieblingskollegen begegnet bin. Dort lief sie durchs Wohnzimmer. Und anstelle feste draufzutreten (jahaaa, ich weiß schon…) wurde das arme Ding vorsichtig festgesetzt und in die freie Wildbahn entlassen. Daraufhin ist das Biest offensichtlich schnurstracks zum Hause Weh gelaufen, um dort morgendliche Panik und Schrecken zu verbreiten. Ich verzichte jetzt übrigens extra darauf, ein Bild einzustellen.)

 

Oje

Dieser Beitrag ist für all die arbeitenden Mütter, die sich in den letzten Tagen und Wochen vielleicht gefragt haben, wie die Frau Weh das immer so toll hinkriegt mit Arbeit und Familie und so.

Ihr könnt euch ganz entspannt zurücklehnen.

Eben entdeckte ich im Ranzen des mittelgroßen Wehwehchens die seit 6 Wochen unangetastete Frühstücksdose. Und – mutig wie ich bin – habe ich auch reingeguckt (sie hätte ja leer sein können). War sie leider nicht.

Zu meiner Verteidigung kann ich nur anbringen, dass nichts sonderbar gerochen hat. Zumindest nicht sonderbarer als so ein Ranzen sowieso immer riecht.

Jetzt trinke ich einen Schnaps und nehme mir das restliche Wochenende beitragsfrei.

Versprochen.

Materialermüdung

Die Grundschullehrerin an sich neigt ja zum Sammeln und Horten. Knöpfchen, Filmdöschen, Klopapierrollen, alles trägt die Möglichkeit zur Verwandlung in sich. Mindestens taugt es zum Basteln oder für Freiarbeitsmaterial. Also wird aufbewahrt. Befolgt man dieses Prinzip konsequent ein paar Jahre, dann ähnelt der Klassenraum (das häusliche Arbeitszimmer, der Keller, die Garage) irgendwann einem Gemischtwarenladen. Nicht so bei Frau Weh. Ich bin ein Wegschmeißprofi und insofern besitze ich gar keine Unmengen an Material.

Zumindest dachte ich das bisher.

Als ich jetzt allerdings Klassenraum A in Klassenraum B verlegt habe, wurde mir bewusst, dass ich lediglich eine andere Taktik verfolge. In den letzten acht Jahren an meiner Schule war ich in 4 Klassenräumen. Einer davon der 70qm große Musikraum mit anliegenden 3 kleinen Nebenräumen. Zwei weitere Klassen im Nebengebäude unter einem recht großen, hübsch ausgebauten, vormals leeren Dachboden gelegen.

Man ahnt, was passiert ist.

Tatsächlich befinden sich nach wie vor in den Neben-, Zwischen-, Abstell-, Dachräumen meiner alten Klassen eine erstaunlich große Zahl an Kartons, auf denen Frau Weh steht. Manche davon stehen seit… ja…7 Jahren dort.

Was ist nun aber drin, das ich ja offensichtlich nicht sonderlich vermisse?

Nun, z.B.

  • ein nicht mehr bewohntes Wespennest, das Elias N. vor einigen Jahren mit der aufregenden Geschichte der Entfernung desselben in den Sachunterricht mitgebracht hat.
  • ein Sack Gips, ich weiß nicht woher oder wofür.
  • ein Stapel nicht mehr ganz so sauberer Wachstuchdecken für den Kunstunterricht.
  • eine große Kiste mit der Aufschrift Computerkram, keine Ahnung, was da drin ist.
  • eine mittelgroße Kiste mit der Aufschrift Dekogedöns, da weiß ich leider zu gut, was die enthält: lauter gut gemeinte Mitbringsel, die die Kinder gerne in der Vorweihnachtszeit mit einem Gruß von Mama aus der Tasche ziehen.
  • mit viel Liebe (und noch mehr Zeit) hergestelltes Arbeitsmaterial zu verschiedenen Anfangswerken, Lese-Dominos, Lautkarten, Buchstabenmemorys, Bingos, 100.000 Anlautbilder (alle ausgemalt und laminiert, soviel Zeit muss sein), Anlegespiele, Klammerkarten, Setzleisten, Geräuschedosen usw. Alles in bunten Schachteln, mit beklebten Deckelchen und netten Bildchen. Hübsch. Ja wirklich.
  • Ein Karton mit Soma-Würfeln. Oh, oh… die wurden bereits vermisst.
  • Verschiedene einsatzbereite Diagnoseverfahren zur phonologischen Bewusstsein nebst Aufbaumaterial. Schlussendlich kam dann Delfin 4 und 5, sodass der Rundgang durch Hörhausen mitsamt Legohaus und Briobahn stillgelegt wurde.
  • zwei Schaumstoffwürfel und eine Schwimmnudel.
  • ein kaputtes Hunderterbrett, von dem die 32, die 51 und alle Zahlen ab 70 runterfallen, wenn man es schief ansieht.
  • Teppichfliesen (alle umsäumt! Nicht von mir).
  • ein Stapel Autozeitschriften (Kunst, 2.Schuljahr, Thema: Die Abwrackprämie).
  • diverser Laternenkram (alle Jahre wieder…).
  • ein Kunststoffohr mit sichtbaren Gehörgängen. Das habe ich aber vor zwei Jahren noch benutzt!
  • Korken, Stoff, Watte, Krepppapier, Bierdeckel, Transparentpapierschnipsel, Goldfolie, kleine Gläser mit Deckel, kleine Gläser ohne Deckel, verschiedene Deckel, leere Frischkäse-, Cappuccino-, Margarine- und andere Behälter, Nägel und Schrauben, Tapetenkleister, Tapetenrollen, Abtönfarben, Klarlack, Spritzsiebe und Zahnbürsten, …

Ich könnte das noch eine Weile fortsetzen. Stattdessen nehme ich mir für das neue Schuljahr vor, diese Kisten nacheinander entweder wegzuräumen (-> Lehrerzimmer, Materialraum, mit nettem Gruß versehen auf die Schreibtische der Kolleginnen abstellen) oder zu entsorgen (-> Lehrerzimmer, Materialraum, Abstellecken der Kolleginnen (ohne Gruß), Restmüll, Papiermüll, duales System).

Aber auf gar keinen Fall mit nach Hause nehmen!

Puschi

Ja, Mist. Da hab ich hier die 25.000 verpasst. Dabei wollte ich doch mit dem Herrn Weh dann nochmal ein Glas Sekt trinken. Jetzt muss ich auf die 50.000 warten. Das kann ja noch dauern. Aber so ist das, wenn man soviel im Kopf hat. Da hat sie Pech gehabt, die Frau Weh. Und wer jetzt meint, man könnte ja auch so mal einen zwitschern. Nee, das klappt hier nicht. Wir sind ein gut beschäftigter Haushalt mit randvollem, mehrspaltigem Familienkalender. Da ist nicht gut zwischendurch zwitschern. Das rächt sich spätestens am nächsten Morgen. Um 5.30 Uhr. Das ist die bevorzugte Aufstehzeit des Miniwehs. Ich habe noch nie verstanden, warum Kinder von jetzt auf gleich wach sein können. Also so richtig wach. Ohne Anlaufphase und langes heißes Duschen. Und ganz ohne Kaffee. PAMM, wach, aufstehen, spielen, Spaß haben, laut sein.

In der Schule war es heute ruhig. Aber ich war auch nur ganz kurz da, um die PCs anzuschließen*. Da hatte ich gestern keine Lust mehr zu. Jetzt läuft alles wieder. Da werden sie sich freuen, die Zweitklässler. Können sie nämlich zwischendurch wieder Puschi spielen. Leider, leider ging das nämlich in der letzten Zeit nicht. Da war ja was mit dem Netzwerk. (Natürlich läuft Puschi gar nicht übers Netzwerk. Aber das wissen ja die Kinder nicht.) Mich mögen die Kinder. Puschi lieben sie. Traurig. Falls hier jemand Puschi nicht kennt, das ist so ein Minispielchen aus der Lernwerkstatt, erinnert stark an die C64-Zeiten. Ein grünes Kügelchen mit Silberblick muss zwischen Hindernissen entlanggeleitet werden. Am Ende des Levels quäkt Puschi dann:

„Lalala… Puschi!“

oder

„Puuuuuuuuuuuuuuschi go!“

oder

„Pu pu Puschi!“

Irgendwann töte ich Puschi. Heimlich, nachts. Oder ich lasse mir von einem Informatiklehrer so ein großes Dingsda programmieren, wie damals bei Ghostbusters („Press play on tape!“ Das waren noch Zeiten!), was dann kommt und Puschi einfach platt tritt. Wie hieß das denn noch? Also nicht die Datasette, sondern dieses Michelinmännchen bei Ghostbusters?

Jetzt bin ich in der Schule übrigens erstmal fertig und muss bis Montag, da haben wir Konferenz, gar nicht mehr hin.

Naja. Mir fällt schon noch ein Grund ein 😉

 

*die Teppiche nochmal anders zu legen, die Tafel einmal ordentlich zu wischen (wäh!), ein paar Sachen an die Wand zu heften („Heute schon gemeldet? Nein? Dann aber los!“), Filzgleiter unter die neuen Tische zu kleben, Dinge aus dem alten Raum in den neuen zu räumen, Dinge aus dem neuen Raum in den Materialraum zu entsorgen, den Locher und 10 Scheren aus dem Musikraum zu holen, ein funktionierendes Netzgerät für das kleine Keyboard zu suchen, mal eben auf der Deutschlandkarte nachzusehen, welches Nachbarland ich beim Aufzählen im Auto vergessen habe (Tschechien), die Streifen mit der Vereinfachten Ausgangsschrift auf die Schülertische zu kleben, zwei Blätter zu kopieren, das Pult aufzuräumen und noch ein paar unwesentliche Dinge zu tun. Also nicht wirklich viel.

DaSCHtin

DaSCHtin ist ein ehemaliger Schüler von mir. Gelegentlich treffe ich ihn auf der Straße, wenn er mit seinen Kumpels und einem Kasten Bier zum örtlichen Spielplatz geht, um sich zu langweilen chillen abzuhängen ach, was weiß ich, was die da genau treiben.

DaSCHtin trug vor einigen Jahren eine feste Zahnspange und war ein wirklich reizender Drittklässler. Durch die Zahnspange hatte er einen leichten SCHpraCHfehler. Bei allen S-Lauten SCHprühte DaSCHtin SCHpucketröpCHen. Aber er war ein so herziges Kerlchen, das war kein Problem.

Eines Tages fühlte ich während der Pausenaufsicht plötzlich, wie sich eine Kinderhand in meine schob. Ich schaute runter und erblickte DaSCHtin.

DaSCHtin (Leuchteäuglein, seeliges Lächeln): „ISCHCH liebe diCHSCH, Frau Weh!“

Oh, wie niedlich! Da geht das Referendarinnenherz auf (nie wieder wird das Gefühl von den Kindern gemocht zu werden so wichtig sein wie im Referendariat!) und rosa Wölkchen tanzen auf und nieder. Ich strahle also zurück und antworte – und ich schwöre, es rutscht mir einfach so raus:

„ISCHCH diCHSCH auch, DaSCHtin!“

UpSCH.

Besuch

Plötzlich ist sie da.

Zwar sitzt sie noch ganz klein und schrumpelig auf der Schreibtischkante, baumelt mit den dünnen Beinchen und versteckt sich zwischen lauter Ichkönntenochs und Ichwolltedochs, aber sie ist unverkennbar da –

die leise Freude aufs neue Schuljahr.

Ich mag diesen Moment, wenn sie sich einschleicht und sich mit einem kleinen, wohligen Rülpser genau zwischen Ideen und Überlegungen plumpsen lässt. Es ist dieser kostbare Moment, der einem das Gefühl gibt, genau richtig dort zu sein, wo man eben ist. Und die – zum Glück! –  immer wiederkehrende Feststellung, dass man seine Arbeit* gerne macht.

 

*trotz allem!

 

Bullenreiten

Guten Morgen.

Habe ich eigentlich erzählt, dass ich furchtbar schlimmen Muskelkater habe? In den Adduktoren. Oder den anderen. Also Innenseite Oberschenkel. Urlaubsadduktorenmuskelkaterschmerzen. Ich war nämlich beim Bull Riding. Saucool! Ich denke, ich darf in aller Bescheidenheit behaupten, Talent dafür zu besitzen. Sollte es also irgendwann mit der Schule nicht mehr klappen, dann investiere ich in ein Paar Cowboystiefel und verdiene mein Geld beim Rodeo.

Jiiiieee-haaaa

 

Sexualerziehung

Referendariat. Sexualerziehung, 2. Schuljahr. (Frau Weh ist zu diesem Zeitpunkt praktischerweise hochschwanger und darf gerne die komplette Reihe übernehmen.)

Behutsam erkläre ich die notwendigen Fakten.

Lena (völlig verdattert vom eben Erfahrenen): „Frau Weh, hattest du schon mal Sex!?“

Ich (geschätzter Bauchumfang ca. 105cm): „Öhm, ja, schon, Lena.“

Lena (beruhigt): „Na, dann kann das ja nicht so schlimm sein.“

Elternarbeit

Also ich bin ja nicht bei facebook.  Und bei studivz oder WKW bin ich auch nicht. Das Letzte, ich betone, das

A l l e r l e t z t e

wäre, dass mich Eltern dort anschreiben und gruscheln wollen würden. Ah, gru-se-lig! Ich habe auch so genug Sozialkontakte. Ehrlich. Das unterscheidet uns an der Grundschule ja von den Kollegen anderer Schulformen. Dort tauchen zur Klassenpflegschaft dann vielleicht 5 Eltern auf. Das sind kurze Elternabende. Da bin ich manchmal wirklich neidisch. Ich muss zwischendurch schonmal zusätzliche Stühle in die Klasse schaffen, weil es oft voll wird. Aber ehe ich jetzt falsch verstanden werde, ich finde es richtig, wenn Eltern Interesse und Einsatz zeigen! Leider sind es oft die falschen. Oder besser formuliert: Die Eltern, die ich dringend sehen müsste, die kommen nicht. Dafür kommt Supermom mit I-Phone, selbstgebackenen Keksen und Thermoskanne und setzt sich ganz nach vorne. Und ihren Mann hat sie auch noch dabei.

Bei uns ist es so, wenn die Väter mitkommen, wird es lang. Und laut. Väter kommen in der Regel nur dann mit, wenn es brennt. Oder wenn ihnen die zugehörigen Mütter die Hölle heiß gemacht haben. Dann schweigen sie und grummeln manchmal und ganz plötzlich… BOMMMMMM! sind sie da und machen ein Fass auf. So geschehen beim letzten Elternabend. Meine reizenden Kleinen habe ich noch nicht so lange, ich habe sie sozusagen mitten im laufenden Schuljahr second hand bekommen. Das ist immer schlecht. Gerade im ersten Schuljahr bringt so ein Kurswechsel unvermeidlich Unruhe mit sich. Also schnell eine außerordentliche Klassenpflegschaftssitzung einberufen um die Sachlage zu erklären und die Eltern zu beruhigen.

Ich: „Guten Abend zusammen. Schön, dass Sie so zahlreich erschienen sind. Mein Name ist Frau Weh und ich bin seit letzter Woche die neue Klassenlehrerin Ihrer Kinder.“

Noch während ich die Worte ausspreche, nehme ich im Augenwinkel einen Vater wahr, der offensichtlich über großen Bewegungsdrang und einen – holla! – hochroten Kopf verfügt. (Ich habe immer ein bisschen Sorge, dass mal jemand auf meinem Elternabend einen Herzinfarkt bekommt. Wenn es bei den Erste-Hilfe-Schulungen um Herzinfarkte geht, passe ich oft nicht so richtig auf. Dafür bin ich bei allen kindbezogenen Themen aber aufmerksam, Ehrenwort!) Bevor ich die Tagesordnungspunkte erläutern kann, reißt es den Vater von seinem Stuhl.

Vater (ungeduldig, hochrot):“Jajaja, aber wie sehen Sie das denn mit diesem Mist, diesem Dings, diesem Schreiben und Lesen!?“

Ich (freudiges Strahlen im Blick): Guten Abend, Herr…?“

Vater (irritiert): „Ja, äh, Vater von Amelie!“

Ich (fröhlich): „Guten Abend, Herr Müller. Sie haben etwas auf dem Herzen?“

Vater (leicht aus dem Konzept gebracht): „Ja, also das mit dem Schreiben mit Lesen!?“

Ich (lächelnd): „Ja, das lernen die Kinder bei mir. Zumindest hoffe ich das.“

Erste Lacher bei den anderen Eltern.

Vater (auf der Suche nach dem roten Faden): „Nein, also das nicht. Ich meine das, wo die Kinder so schreiben wie sie wollen.“

Ich (freudig überrascht): „Ach, Sie meinen vermutlich die Methode Lesen durch Schreiben?“

Vater (befriedigt): „Ja, genau! Lassen Sie die Kinder auch machen, was sie wollen?“

Ich (strenge Stimme, hochgezogene Augenbraue, klitzekleines Lächeln im Mundwinkel): „Aber mitnichten, Herr Müller, hier macht keiner, was er will, hier machen alle, was ich will!“

Wäre das auch direkt geklärt.