Samstag

Samstag – ein noch tollerer Tag als Freitag. Ich schlafe 1,2,3 Stunden länger als sonst, esse Wassermelone und Salat. Lauter so gesundes Zeugs, das unter der Woche aufgrund seiner geringen Energiedichte niemals selten auf dem Teller landen würde. Dummerweise liegen meine 4 Salatschüsseln allesamt noch in meiner Klasse. Sachunterricht. Schwimmen und sinken. Werde ich improvisieren müssen. Oder den Salat einfach so vom Strunk reißen und essen.

(Schule macht hungrig. Und ja, zumindest unser Kollegium isst ausnahmslos ALLES, was auf dem Tisch im Lehrerzimmer steht. Im September, kurz nach Schuljahresbeginn, haben wir noch gute Vorsätze. Dann steht Obst auf dem Tisch. Oder gerne auch Reiswaffeln. Vor Weihnachten kommen dann ausgewählte Kohlenhydrate. Selbstgebackene Kekse und – immerhin dunkle – Schokolade. Ab Neujahr geht es gnadenlos bergab. Spätestens nach den Osterferien haben wir uns von figur- und ernährungsbewussten Frauen zu Allesfressern entwickelt. Vor jeder Konferenz fährt eine Kollegin zur Dönerbude und kauft Börek, Kebab, Lahmacun und besonders beliebt und mit 3,- € nun wirklich nicht zu teuer! – Dönerrollen. Ich esse meine immer ohne Zwiebeln und mit scharfer Sauce. Wenn man langsam kaut, dann muss man zu Punkt 1 der Konferenzliste schonmal nichts mehr sagen.)

Samstags treibe ich mich bei youtube rum und erledige Dinge, die nichts, aber auch gar nichts mit Schule zu tun haben. Allerhöchstens aktualisiere ich meine To-do-Listen. Da habe ich zwei von. Eine für die Schule und eine, auf der PRIVATKRAM draufsteht. Das Abarbeiten der PRIVATKRAM-Liste verschiebe ich meist komplett auf die Ferien.  Manchmal kommt es mir vor als würde der Großteil meines Privatlebens in den Ferien stattfinden. Hmm. So Dinge wie abends weggehen, die Spätvorstellung im Kino ansehen, die wirklich seltsamen französischen Filme auf Arte schauen, das geht gar nicht mehr so zwischendurch. Da bin ich viel zu müde für.

SCHULKRAM:

  • Büchereibücher einsammeln (12.7.), E-Mail Eltern!
  • Busfahrkarten einsammeln (Montag!!)
  • Englischbücher!??
  • Zoobrief austeilen
  • Lehrerhandbücher -> Sekretariat, sofort!
  • Elternbrief schreiben (letzte Schulwoche)
  • Kinderzeugnisse schreiben, Aufkleber drauf
  • Aufkleber für Kinderzeugnisse kaufen
  • Klassenbuch ausfüllen!!!
  • Versäumnisliste (Mist, wo hab ich die denn hingetan?)
  • Busunternehmen, Zoo 14.7., geht alles klar? ANRUFEN!
  • Einverständniserklärung Zoo Shanice, Abdullah, Victoria?
  • Pflaumen Datteln im Speckmantel für Dankesfest Eltern machen (15.7.)
  • Datteln kaufen
  • Konferenz 18.7. erst um 14.00 Uhr, nicht vorher nach Hause fahren!
  • Materialliste 2.Schj.
  • Stufenkonferenz von Di auf Mi verschieben
  • Stundenplanwünsche abgeben

Das mit den Stundenplanwünschen ist ein kleiner, gemeiner Scherz unserer Chefin. All unsere Hoffnungen auf einen Stundenplan ohne Freistunden, mit viel Unterricht in der eigenen Klasse und ein paar ausgesuchten, netten Fachstunden schreiben wir auf einen Zettel und geben ihn ab. Dann geschieht damit nichts. Überhaupt nichts.

Im nächsten Schuljahr werde ich trotzdem nur 10 Stunden in meiner Klasse sein. Dafür werde ich in allen Stufen Religion mit gerne über 30 Kindern pro Gruppe geben. Musik wird immer in den Randstunden liegen. Und kann mir mal einer sagen, warum ich eine Stunde PC in der 3a geben muss?

Aber zum Glück ist heute Samstag. Da ärgere ich mich über gar nichts, weil ich mich ja nicht mit Schule beschäftige 🙂

Freitagsfreuden

Ich mag Freitage! Da fährt schon morgens mit dem guten Gefühl zur Schule, dass bald das Wochenende naht.

Dank voller Stelle habe ich allerdings auch freitags sechs Stunden.

Ich und die 4a.

Alle anderen sind dann nämlich schon weg. Also machen wir es uns nett in der letzten Stunde. Reißen die Fenster im Musikraum auf, lassen die Tür sperrangelweit offen und drehen die Anlage beim Warm Up mal richtig auf. Zur Zeit stimmen wir uns mit ZAZ auf die Musikstunde ein, das geht gut.

Natürlich stehen auch heute die unvermeidlichen Sommerhalbjahrsabschlusslieder irgendwann an. Also, denk ich so, weil ja Freitag ist und ich gute Laune habe, hol ich mal noch ein paar Instrumente dazu. Cajon, Djembe und Boomwhackers sind sowieso schon im Einsatz. Springe ich also mitten im Lied vom Hocker, rufe „Moment mal…“ und verschwinde im Instrumentenraum (ja, sowas haben wir!). Raus komme ich mit einer schweren Kiste mit Cabasas, Guiros und der sehr beliebten Gewittertrommel. (Sollte jemand mal Geld zu viel haben und sich etwas Nettes für den Musikunterricht oder die Theater-AG anschaffen wollen, dann empfehle ich eine Oceandrum und eine solche Spring Drum. Die Kinder lieben es und die Effekte sind auch gut.)

Und dann überlappen sich zwei Kommunikationsstränge.

Ich schleppe die Instrumentenkiste in den Kreis.

Niklas beugt sich vor um die Kiste entgegenzunehmen gleichzeitig sieht Aykut die Gewittertrommel.

Aykut: „Boah, sieht die geil aus!“

Frau Weh (zu Niklas): „Vielen Dank!“

Aykut (läuft kirschtomatenrot an): „Äh nee, ich meinte also, äh, aber Sie auch, Frau Weh!“

Frau Weh (zu Aykut): „Was!?“

Elena (kreischt): „Der Aykut findet, Sie sehen geil aus, Frau Weh.“

Frau Weh (mit hochgezogener Augenbraue): „Wie nett, Aykut, aber das gehört zu den Wörtern, die wir in meinem Unterricht nicht benutzen.“

Aykut (kleinlaut): „Na, dann sind Sie eben halt sexy.“

Kleines Aufmunterungsposting

für die ZweimeinerLieblingskollegen, die – zumindest teilweise – gerade an den Zeugnissen verzweifeln.

TSCHAKKKKKKAAAAAAAAA, ihr schafft das!

Und natürlich auch für alle anderen. In zwei Wochen ist Ferienbeginn in NRW!

Vielleicht ist die Idee, einen Zeugnisschreibservice anzubieten gar nicht so schlecht. Gib mir einen Namen und 5 Stichwörter und ich mache dir ein Zeugnis draus. Da gibt es bestimmt einen Markt für.

Knalltraumata

Nein, heute kann ich nichts schreiben. Es geht einfach nicht. Ich brauche Ruhe. Am besten ein Vakuum um mich rum. Ich hatte erst zwei Stunden mein verquatschtes erstes Schuljahr und dann vier Stunden Musik hintereinander. Vier Stunden Like Ice in the suuuuuuunnnnshine und den ganzen anderen Kram. Immer wieder und wieder. Ferienzeit… na na nana naaa… das ist die beste Zeit…. na na nana naaaaa. Nur weil man davon singt, kommt sie auch nicht schneller. Zwischendurch habe ich kurz darüber nachgedacht, ins Klavier zu klettern und den Deckel über mir zu schließen. Stattdessen bin ich fast vom Klavierhocker gefallen als Florian mit lautem Getöse mit seinem Stuhl umgekippt ist. Sein Gleichgewichtsorgan hatte offensichtlich auch schon Schaden genommen.

Ich habe definitiv genug Schall für den Rest des Tages verarbeitet. Selbst das Klackern der Tastatur ist heute zu laut. Und ich schreibe schon über Laptop.

Also denke ich jetzt darüber nach, wie man Stillarbeitsphasen in den Musikunterricht integrieren kann. Mein Freund Marten würde jetzt vermutlich vorschlagen, alle Liedtexte abschreiben zu lassen. Aber das 2.Schuljahr hat gerade erst den Füllerführerschein gemacht. Das schriekt und schrappt dann so fies übers Papier.

Und Schuld an allem haben die Bauarbeiter. Die waren tatsächlich schon um 7.00 Uhr da. Und vor allem waren sie laut, laut, laut.Der Einsatz von Rüttelmaschinen sollte in der Schulzeit verboten werden.

Ich habe gelesen, dass bei Heuschrecken die Ohren am Hinterleib sitzen können. Ein Traum, da könnte ich mich jetzt einfach draufsetzen. Dann ginge mir der Lärm einfach am Arsch vorbei!

Regentage Teil 2

Glück gehabt. Wie durch ein Wunder verzog sich der Regen pünktlich zur großen Pause.

Der Tag war trotzdem trubelig. Das Schulnetzwerk ist zusammen gebrochen. So wie ein paar Kolleginnen, die heute eigentlich ihre Zeugnisse drucken wollten. Also musste Mrs. Sporty, die auch für den IT-Bereich herhalten muss*, ihre Sportstunden ausfallen lassen. Sehr zum Ärger der Kinder. Heute wären eigentlich Waveboards drangekommen. Ärger und Kinder habe dann ich abbekommen, denn singen kann man ja immer und das Klavier funktioniert praktischerweise ja auch einfach so.

Also haben wir uns quer durch die Sommerlieder gesungen. Like ice in the sunshine, Hands up, Die vier Jahre gehn zu Ende und das allseits beliebte Ferienzeit. War dann auch ganz praktisch, denn in zwei Wochen treffen sich wie an jedem letzten Schultag alle auf dem Schulhof. Dort wird dann gemeinschaftlich Erleichterung, Freude oder Erschöpfung rausgelassen – Singen ist definitiv eine sehr unterschätzte Tätigkeit. Jedweder Frust kann komplett aus einer Klasse herausgegröhlt werden. Es benötigt nur ein einfaches Pattern wie PAMM PAMM PAMM – na naaaa na na naaaaaaaa (zum Nachsingen: Opus: Life is life) und alles kehrt sich in Wohlgefallen.

Nicht mit Wohlgefallen, wohl aber mit Irritation habe ich wiederum reagiert als ich das Schulgelände verließ, um nach Hause zu fahren. Dort, wo eigentlich die Ausfahrt des Lehrerparkplatzes hätte sein müssen, befand sich…

 

 

 

ein Loch.

 

 

 

Ein Loch?

 

Ja, eindeutig ein Loch nebst einem Bagger, zwei LKWs und drei Bauarbeitern. Aber keine aus der Cola Light Werbung. Das Unterhemd war zwar vorhanden, allerdings definitiv an den falschen Stellen gewölbt. Nein, das ist nicht sexistisch, ich hatte einfach unerwartet viel Zeit die Szenerie zu begutachten, denn an ein Ausparken war nicht zu denken. Zurück konnte ich nicht. Meine Chefin hatte ihre Bürotür offen. Da sollte man sich schon gut überlegen, ob man da wirklich dran vorbeigehen muss. Im Zweifelsfall kommt man mit noch einer neuen wichtigen Aufgabe zurück.

 

 

Also wartete ich

PAMM PAMM PAMM – na naaaa na na naaaaaaaa…

und wartete

PAMM PAMM PAMM – na naaaa na na naaaaaaaa…

und wartete weiter.

 

 

Das Gute: Ich habe jetzt bereits die Feinplanung für morgen, den Einkaufszettel für heute und ein Weihnachtsgeschenk für meinen jüngeren Bruder im Kopf.

Irgendwann bequemte sich einer der Herren dann doch, einen LKW einen Meter zu versetzen. Jetzt frage ich mich allerdings, wie schnell so ein Loch wohl wieder zu ist? Komme ich morgen überhaupt wieder auf den Parkplatz? Arbeiten Bauarbeiter schon um 7.00 Uhr? Brauche ich vielleicht gar nicht so früh los, weil meine Planung schon steht?

Fragen über Fragen. Antworten vielleicht morgen.

 

 

* So ist das in kleinen Kollegien. Ich habe insgesamt so viele Ämter inne und Fachbereiche unter mir, dass ich sie gar nicht auf die Schnelle aufgezählt bekomme. Da müsste ich im Konferenzbuch nachsehen. Und das liegt bei meiner Chefin.

Regentage Teil 1

Ein Blick aus dem Fenster: Regen.

Mist.

Regentage sind Misttage, denn dann gibt es auch Regenpausen.

Jeder, der schon einmal freiwillig oder unfreiwillig im gleichen Raum mit einer Horde Kinder war, weiß, dass diese unbedingt alle 90 Minuten gelüftet werden müssen.

Jetzt erklärt sich auch die Harmonie des gestrigen Tags. Oje, das kann ja heiter werden.

Entspannung

Heute hatten wir einen äußerst entspannten Schultag. Es war mal ausnahmsweise keine Referendarin, keine Praktikantin und niemand zum Hospitieren da. Niemand, der mich in der Pause unbedingt mal eben sprechen wollte und niemand, der in den Unterricht geplatzt kam, weil wieder irgendwo meine Anwesenheit benötigt wurde. Die Pause verlief ruhig, es gab weder Tränen noch größere Verletzungen. Also hatten meine Kinder und ich es nett miteinander. Das Schreibschrift Y war kein Problem, die ersten Sachaufgaben in Mathe (Lea hat 9 blaue und 6 rote Murmeln…) haben wir ruhig angehen lassen, es war noch genug Zeit für ein paar Lieder, das tägliche Frühstücksdiktat und ein bisschen Freiarbeit. Was will man mehr?

Den warmen Nachmittag konnte ich dann trotzdem nicht so richtig genießen, weil ich drei Stunden auf einer LRS-Fortbildung war. Aber auch das war ok, ich hab was Neues gelernt. Insgesamt also mal gar nichts zu bemängeln. Ob ich mir Sorgen machen sollte?

 

Dann nutze ich den freien Platz mal, um euch da draußen mitzuteilen, wie spannend ich das finde, dass jetzt täglich immer neue Leser dazukommen. Wow, damit hätte ich nach einer Woche gar nicht gerechnet, wie toll! Ihr dürft auch ruhig Kommentare hinterlassen, meine Zeugnisse sind fertig, ich habe Zeit zu antworten 🙂

Aber vielleicht denken sich auch die meisten „oh je, wieder so eine arme, irre Lehrerin, da wollen wir mal lieber wieder schnell von der Seite runter!“ – kann ja auch sein. Wie dem auch sei, sagt doch mal PIEP.

Tortenschlacht

Manchmal hat man Glück.

Dann hat man ein Kind in der Klasse, dass kein Gluten verträgt. Oder kein Eiweiß. Dann zeigen sich die Eltern beim ersten Elternabend solidarisch und beschließen, dass die Geburtstage ihrer Kinder in der Schule ohne Kuchen stattfinden.

Wenn dies aber nicht der Fall ist, dann, ja dann geht er los der Wettstreit. Es gibt keinerlei Regeln bei diesem Spiel, nur ein Motto: Größer, süßer, kalorienreicher.  Es scheint, als müssten an jedem Geburtstag ganze Heerscharen von vom Hungertod bedrohter Kinder verköstigt werden.

Muffins mit Zuckerguss? Kastenkuchen mit Gummibärchen auf Glasur?

Von wegen! Hier werden Buttercremes angerührt, Fondantüberzug hergestellt und niedliche Figürchen aus der Spritztülle gepresst. Die richtig gute Mutter steht stundenlang in der Küche, um dann milde lächelnd zu verkünden: „War doch kaum Arbeit!“

(Ganz nebenbei: ich liebe das Buch Working Mum von Allison Pearson. Das beginnt damit, dass die völlig geschaffte Mutter nachts mit dem Nudelholz auf gekaufte Törtchen einschlägt, damit sie beim Kuchenbuffet der Kinder am nächsten Tag aussehen wie selbst gemacht. Zitat: „…löst man eine kleine Krümellawine aus und verleiht dem Törtchen einen wohlgefällig hausgemachten Look. Und auf hausgemacht kommt es mir in diesem Fall an. Das Heim ist, wo das Herz ist. Das Heim ist, wo die gute Mutter ist, die für ihre Kinder backt.“ Wunderbar!)

Dr.Oetker Schokoflockina war gestern, der Geburtstagskuchen von heute heißt Schokoküsschenbombe, Tööröötorte oder Hello-Kitty-Herzchen. Merchandise goes bakery. Ich habe schon Spongebob zerschnitten und Prinzessin Lillifee geköpft.

Meine optischen Höhepunkte der letzten Jahre waren u.a. eine Prinzessinnentorte mit echter Barbie mittendrin. Wer, bitte, denkt sich denn so etwas aus!? Das sah aus wie ein Klorollenhütchen zum Essen. Oder der Wackelpuddingkuchen, der nicht richtig fest geworden ist. Wir mochten besonders das Geräusch beim Aufklatschen auf dem Boden. So ein richtig schön feistes FLAAAATSCHSCHschwappschwapp.

Nicht besonders lustig hingegen war die Ü-Eier-Torte mit sieben halben Eiern und drei Spielzeugen obendrauf für 28 Kinder. Toll, toll, toll!  Oder auch die zwei 2,5 Liter Eisbehälter, die mir einmal eine Mutter morgens um 8.00 Uhr in die Klasse brachte. Ohne Schüsselchen, ohne Löffel, ohne alles. Vor allem ohne drüber nachgedacht zu haben.

In meiner aktuellen Klasse gibt es keinen Geburtstagskuchen. Dafür ein kleines Spiel für die Klasse. Bisher waren das meist ein Autoquartett oder ein kleines Mitbringselspiel.

 

Heute hatte Mia-Sophie Geburtstag.

 

 

 

Sie brachte Monopoly World mit. Das richtig große.

 

Mögen die Spiele beginnen.

Zoo-Vorbereitungen

Ich war heute im Zoo. So ganz ohne fremde Kinder. Also eigentlich stimmt das nicht. Es waren eine ganze Menge fremder Kinder da. Aber die haben mich nicht interessiert. Maximal noch die müde aussehenden Eltern mit ihren hippen Coffee to go Isolierbechern und den tollen Umhängetaschen aus LKW-Planen. Seht her, es ist zwar Sonntagmorgen, 9.08 Uhr, aber ich bin immer noch trendy! Aber wahrscheinlich sind LKW-Planen-Taschen längst out und was ich hier schreibe, stimmt gar nicht. Ich bin ja auch kein Experte für Accessoires. Ketten verknüddeln sich bei mir immer und Schals wickel ich mir immer so um den Hals, dass ich nicht friere.

Ich liebe ja diese Bilder in Herbstkatalogen: niedliche Blümchenkleider über strumpfbehosten Beinen in Stiefeln und am Hals – ja, genau – so ein hübscher Schal, ganz lässig drumgewickelt. Das sieht immer so nach Wohlfühlen aus. Aber nie nach Schulhof. Da weht ein rauer Wind, da gehen lässig drapierte Schals fliegen.

Ich war auf Gefahrensuche. Mögliche Schwachstellen für den Zoobesuch mit meiner Klasse ausfindig machen und einen Plan B erstellen. Mein Freund Marten hatte am Freitag natürlich den ultimativen Tipp für entspannte Zoobesuche auf Lager: Jede begleitende Mutter bekommt 1-2-3-4-5 Kinder an die Hand, man macht ein gemeinsames Foto am Zooeingang und dann trifft man sich in – sagen wir mal – 2 Stunden am Spielplatz entspannt wieder. Das traue ich mich aber nicht. Denn woher haben meine Kinder wohl ihren mangelnden Orientierungssinn? Naa? Genau!

Das fehlt mir noch:

Quäkende Durchsage: „Frau Weh wird gebeten ihre verlorengegangenen Begleitmütter in der Zooschule abzuholen. Frau Weh bitte!“

Stattdessen werde ich jedem Kind einen laminierten Zettel mit Name, Schule und meiner Handynummer um den Hals hängen. Das Ganze aber hübsch durchnummeriert, damit am Schluss bloß keiner dieser Zettel den Weg in ein Elternhaus findet. Das würde mir noch fehlen, Kurzmitteilungen von Supermom. Gruselig. Meine Handynummer ist so geheim, die kann nichtmal ich auswendig. Wenn es klingelt, erschrecke ich immer zu Tode.

Eigentlich mag ich den Zoo. Ich finde Erdmännchen lustig und schaue mir auch gerne das Feuerwiesel an. Das hüppelt immer in so wellenförmigen Bewegungen durch sein Gehege. Fast schon meditativ. Aber wenn man mit einer Klasse in den Zoo geht, sieht man sowieso keine Tiere. Da hat man keine Zeit zu. Wir werden nämlich nicht die einzigen sein, die am 14.Juli dort sind. Heerscharen von kleinen Marvins, Lenas, Niklassen und Anna-Lenas werden dort sein. In ihren gut erkennbaren Schul-Shirts in blau, rot, gelb. Mit Kappen auf dem Kopf in – genau! – blau, rot und gelb.

Im Lehrerzimmer werden schon Wetten abgeschlossen, welche Kinder mir zuerst verlustig gehen werden. Ich habe da auch schon Favoriten im Auge.

Zwei Kolleginnen erzählten mir zum Trost, dass sie auch einmal ein Kind im Zoo verloren hätten. Das sei aber recht schnell in der Zooschule abgegeben worden. Als dann die Durchsage kam „Der kleine Drecksack, der nicht bei seiner Klasse bleiben wollte, kann von seiner Lehrerin in der Zooschule abgeholt werden.“, haben sich die Kolleginnen angesehen und beschlossen, dass der weitere Besuch ohne den Jungen wesentlich stressfreier ablaufen würde. So haben sie ihn dann erst am Schluss ausgelöst. Dumm nur, dass in der Zwischenzeit ein Anruf vom Zoo in die Schule ging, da die Zoopädagogen, nachdem niemanden den kleinen Kerl abholen wollte, dachten, die Klasse sei wohl schon wieder auf dem Rückweg. Das gab dann einen ordentlichen Einlauf vom Rektor.

Es muss also auch anders gehen. Ich arbeite noch dran.

Schön wars

Ach, bin ich gut gelaunt!

Der Nachmittag mit meinem Freund Marten war sehr nett. Man ahnt ja gar nicht, wie gut einem so ein bisschen „schlimmer geht immer“-Gerede tun kann!

Marten hat extra für mich ein Hemd unter sein Sakko gezogen und mir lustige Geschichten von sich übergebenden Kindern erzählt. Ich habe dann auch lustige Geschichten von sich übergebenden Kindern erzählt. Aber ich muss zugeben, seine waren besser.

Der Mann neben uns hat zwischendurch den Tisch gewechselt. Ich vermute einen schwachen Magen. Das müssen wir Lehrer natürlich auch können. Also Krankheiten erkennen. Und am besten noch nebenbei behandeln. Natürlich dürfen wir eigentlich nichts von dem, was wir alle zwei Jahre im Erste Hilfe Kurs so lernen. Aber machen müssen wir es trotzdem. Vor einigen Wochen hatte ich gleich zwei Platzwunden in meiner Klasse. Fensterecke. Ich habe den Jungs sehr coole Kopfverbände angelegt. Mit Handschuhen und steriler Kompresse und so.

Das war mal was anderes als die täglichen Pflaster. Über die führen wir übrigens ein Pflasterbuch. Das müssen wir. Ist ja auch kaum Aufwand. Das läuft dann ungefähr so:

Ich: „…müsst ihr beachten, dass der Bogen beim kleinen i rund zur Mitte geführt wird.“

Patrick: „Aua, auuuuuu, oh nein, aaaaauuuuuuuuu, das tut so weeeeehhhh!“

Ich: „Patrick, was ist los?“

Patrick (schluchzend): „Ich habe mir den Finger am Blatt geschnitten. Das blutet ganz schlimm. Auuuuuuuuu!“

Zeitgleich:

Melina: „Zeig mal her, Patrick!“

Maurice (springt vom Platz auf): „Ey, ich will auch gucken!“

Anna-Lena: „Ich hab mich auch mal doll geschnitten, da sind wir ins Krankenhaus gefahren! Und der Finger war beinahe ganz ab! Dann habe ich ein Eis gekriegt und ein Schleichpferd.“

Laura: „Was für ein Pferd? Hast du auch Filly Fairy?“

Benjamin:“ Frau Weh, kannst du mal kommen? Ich kann das mit dem i nicht.“

Tumult um Patricks Tisch.

Ich: „So, alle setzen, Patrick komm her, ich klebe dir ein Pflaster.“

Patrick kommt (laut aufheulend). Dabei presst er den Finger extra stark, bis aus dem minikleinen Schnitt ein winziges Blutströpfchen quillt.

Ich: „Dann zeig mal her.“

Patrick: „Daaaaa, das tut SOOOO weh!!!“

Benjamin (klagender Tonfall): „Frau Weeeeeh, das i! Ich kann das einfach nicht!“

Ich klebe ein Pflaster, rufe Laura und Anna-Lena zur Ruhe, die gerade eine angeregte Unterhaltung über die Anzahl ihrer Gummitierchen führen, bedeute Benjamin, dass ich ihm gleich beim i zur Seite stehen werde und angle nach dem Pflasterbuch.

Patrick (betrachtet das blaue Pflaster am Finger): „Auuuuuuaaaa!!!“

Ich (nehme die große Schere vom Tisch): „Müssen wir amputieren?“

Patrick (schlagartig geheilt): „Nö. Ist schon wieder gut.“

Ich: „Macht jetzt auf der Seite mit dem i weiter.“

Maurice: „Frau We-hee, wo sind wir dra-han?“

Justin: „Wann ist endlich Frühstückspause?“

Benjamin: „Och manno!!!“

Ich ignoriere weitere Kommentare und fülle die Tabelle im Verbandbuch aus.

  • Ort und Zeit des Unfalls: Klassenraum, Datum.
  • Name des Verletzten: Patrick Ichverblute S.
  • Art der Verletzung: mikroskopisch kleiner Schnitt, mit bloßem Auge kaum erkennbar.
  • Zeitpunkt der Behandlung der Verletzung: 9.12 Uhr – 9.12 Uhr.
  • Die durchgeführten Erste-Hilfe-Maßnahmen: Mit Amputation gedroht. Dann doch für das Anlegen eines Wundschnellverbands entschieden.
  • Name des Ersthelfers: Frau Dr. Dr. IchkannnichtmehrWeh.
  • Name von Zeugen: die üblichen Verdächtigen.

Diese Dokumentationen müssen übrigens 5 Jahre aufbewahrt werden. Falls sich der Finger dann doch noch entzündet und plötzlich abfällt.

Berufsgenossenschaftliche Vorschriften. BGV A 1: Grundsätze der Prävention.