Es geht aufwärts

„Und was sagst du jetzt dazu!?“

Empört wartet Frau Schmitz-Hahnenkamp auf meine Reaktion. Drei der mir anvertrauten Schützlinge haben grobes Fehlverhalten an den Tag gelegt. Leon, Justin und Nick sind während der Hofpause im Treppenhaus aufgegriffen worden. Sie wollten die Einladungen, die sie gerade von einem Fußballkumpel bekommen hatten, in die Klasse bringen. Natürlich ist das Betreten des Treppenhauses während der Pause bei Todesstrafe verboten! Natürlich achten manche Kolleginnen darauf mehr als andere, um dann umgehend die Klassenlehrerin der Übeltäter zur Rede zu stellen.

(Böswillige Zungen behaupten, Kollegin Schmitz-Hahnenkamp bräuchte das tägliche Aufdecken von Missständen und anschließende Abkanzeln der – scheinbar – verantwortlichen Kollegin wie andere ihren morgendlichen Kaffee. Natürlich ist das üble Nachrede! Ich fürchte, es hat bereits die Ausmaße einer mittelschweren Abhängigkeit angenommen.)

Nachdem Frau Schmitz-Hahnenkamp den drei Missetätern unter Aufbietung all ihrer verbalen Präsenz verdeutlicht hat, dass das Treppenhaus in der Pause nur dann zu betreten sei, wenn der wichtige (!) Auftrag einer Lehrerin dahinter stehe, sind die Jungs nun also schnurstracks zur Pausenaufsicht gelaufen. Der sie dann erklärt haben, sie müssten dringend etwas von/für (das ließ sich im Nachhinein nicht mehr genau herausfinden) ihre/r Frau Weh hochbringen, woraufhin die Kollegin sie selbstverständlich passieren ließ.

Frau Schmitz-Hahnenkamp, in deren Augen diese unerwartete Wendung den Gipfel der Unverschämtheit darstellt, verlangt nun von mir eine Stellungnahme.

„Also, wie findest du das?“

„Nun ja…“ – ich lasse mir etwas Zeit mit der Antwort – „eigentlich ziemlich clever.“

Ärger… Teil 2

Da sich die Kommentare angehäuft haben, mal in Ruhe zum Thema.

Eins vorneweg: ja, Schule ist für Eltern nicht einfach, da stimme ich zu. Und Hausaufgaben sind da noch einmal eine besondere Problemzone. Es gibt keine Hausaufgabe, die für alle Kinder einer Klasse gleichermaßen passt. Da müsste man sich schon totdifferenzieren in der Aufgabenstellung, was wir in der Grundschule ja oft genug auch tun. Dazu kommt dann die Schwierigkeit, dass man als Eltern oft nicht weiß, in welchem Maße Hilfe ok ist.

Aber auch in der Hilfs-Bereitschaft der Eltern gibt es eine enorme Bandbreite. In meiner Klasse reicht sie von MamaLennox, die ihrem Sohn auch eine Woche nach Schulbeginn kein einziges Heft besorgt hat und der Meinung ist, Hausaufgaben wären genau wie der schulische Rest völlig unwichtig, über die gestern erwähnte MamaTom1, die – so ihr Sohn heute – die Seiten für ihn geschrieben habe, „damit es schneller ginge“, bis hin zu MamaLaura, deren Tochter die Hausaufgaben grundsätzlich zweimal anfertigen muss. Ein Vorschreibexemplar und eine korrigierte Fassung, die dann den Weg in die Schule nimmt.

Ich ärgere mich über eine Aktion wie die gestrige, weil ich den Eltern von Anfang an deutlich sage, dass sie sich bei Hausaufgabenproblemen jeglicher Art (zu viel, zu wenig, zu schwierig, zu leicht, Kind heult/trödelt/bekommt Tobsuchtsanfälle/rennt ständig aufs Klo…) an mich wenden können und sollen, damit wir das gemeinsam angehen. In den meisten Fällen hat das Wort der Klassenlehrerin für ein Kind wesentlich mehr Gewicht als das der Mutter. Und oft könnte man sich die nachmittäglichen Kämpfe ersparen, wenn man sich nur überwinden und die Lehrerin mit ins Boot nehmen würde. Warum das manche Eltern nicht machen? Keine Ahnung.

Mir will nicht in den Kopf, dass es MamaTom1 so überhaupt nicht bewusst sein soll, dass sie ihrem Sohn kurz- und langfristig mit solchen Aktionen schadet. Und dass sie ihn durch ihre Handlung zum Lügen zwingt. Die gleiche Mutter, die während des Elternsprechtags schon in Tränen aufgelöst vor mir saß, weil ihr Sohn ihr zu Hause so oft die Unwahrheit sagt. Ja, wen wundert das? Wo und wie soll ein Siebenjähriger differenzieren, dass die eine Lüge in Ordnung ist und die andere nicht?

Würde man jetzt die Zeit aufrechnen, die mich Korrektur, schriftliche Reaktion und das vermutlich morgen anstehende Gespräch kosten, dann würde man schnell und zweifelsohne  feststellen, dass diese Zeit wohl anderweitig besser investiert wäre.

Vielleicht in der Vorbereitung des anstehenden Elternabends…

Ärger, du kannst mich nicht anschmier’n

Boah! Echt jetzt!

Ich korrigiere Schreibschriftlehrgänge. Und, ja, ich mache das gründlich. Gerade habe ich wütend das Exemplar von Tom1 in meine Tasche geknallt. Bei der ersten Seite, die eindeutig nicht von ihm geschrieben wurde, habe ich noch ausradiert und „jetzt mal Tom!“ an die Seite geschrieben. Bei der mittlerweile fünften Seite, die offensichtlich von seiner Mutter angefertigt wurde, fühle ich mich nur noch verarscht.

Was soll das?

Liebe MamaTom1, wenn Sie schon die Hausaufgaben für Ihr siebenjähriges Kind erledigen,

dann benutzen Sie doch wenigstens

die gleiche Schreibschrift!

Schrei vor Glück!

oder: Warum es schön ist, ein Postbote zu sein.

Wir haben einen wirklich netten Postboten. Einen, der nicht nur einen Zettel einschmeißt, wenn man ein Paket erwartet, sondern klingelt. Und dann sogar eine Weile wartet. Wenn man nicht da ist, kommt er später noch einmal vorbei und versucht eine erneute Zustellung. Oder er reicht einem die Post auf der Straße aus seinem knallgelben Minibus. Er motzt nicht, wenn man sich zu Schulanfang tonnenschwere Pakete mit Kunstmaterial nach Hause liefern lässt und wenn mal auf einem Paket ein Aufkleber zerbrechlich draufpappt, dann lässt er es auch nicht extra fallen. Also ich finde ihn jedenfalls ganz prima.

Es gab allerdings eine Phase, da fand unser Postbote sein Leben nicht sonderlich berauschend. Er war grummelig und sichtlich schlecht gelaunt. Auf Nachfrage brach es dann aus ihm heraus: dass er seinen Job gerade gar nicht gerne mache und es wirklich – ich habe extra nachgefragt! – nichts Schönes dabei gäbe.

Ich war ehrlich betroffen. (Das ist so ein Harmoniedings bei mir. Ich brauche es, dass alle um mich rum wenigstens im Ansatz glücklich sind. Zumindest gut gelaunt. Sind sie das nicht, dann macht mich das nervös und ich muss mir Sachen überlegen, damit sich die Stimmung wieder aufhellt. Der arme Herr Weh – ein Morgenmuffel vor dem Herrn – kann da ein Liedchen von singen. Es ist nicht immer einfach, mit einem notorischen Glückskeks verheiratet zu sein.)

Aber praktischerweise ist man ja in unserem unglaublich schönen Beruf nie lange allein mit irgendwas. Also habe ich meinem damaligen 2.Schuljahr von Postbotens Leid erzählt. Gut gebrieft kamen dann auch lauter „Oooooch!“s und „Ojeeee“s und „Ach, der arme Postbote!“s von den Kindern. Perfekte Einleitung für eine Einheit Kreatives Schreiben.

Hier die bemerkenswertesten Antworten zum Thema

Es ist schön ein Postbote zu sein, weil…

  • man auf der Straße Geld finden kann.
  • man so viel an der frischen Luft unterwegs ist.
  • man immer die schön bepflanzten Blumenkästen als Erster sieht.
  • man sehr sportlich dabei wird.
  • die Uniform cool aussieht.
  • man ein großes Auto fährt.
  • man dauernd Pakete bekommt.
  • man immer mit den Leuten quatschen kann.
  • man nur tagsüber arbeitet. Nachts ist es ja zu dunkel dafür.
  • man richtig viel Geld verdient.
  • man keine lauten Kinder um sich hat.
  • das Auto eine ziemlich schöne Farbe hat.
  • man nicht so viel dafür lernen muss.

Na, spricht da nicht die reine Empathie aus den Kindern? Also!

Beim nächsten Klingeln habe ich unserem Postboten die gesammelten Werke in die schwielige Hand gedrückt. Zwei Tage lang ward er nicht gesehen. Dann kam er und meinte, er hätte den ganzen Packen noch am selben Tag mehrfach gelesen. Im Dienst. Im Auto mit der ziemlich schönen Farbe. Und er hätte laut lachen müssen. Jetzt hingen die motivierenden Aussagen an seinem Garderobenspiegel und seine Laune sei auch schon wieder besser. Sein persönliches Highlight sei übrigens „weil man auf der Straße Geld finden kann“. Er würde jetzt immer sehr aufmerksam auf den Boden schauen. Offensichtlich habe er da die letzten Jahre etwas geschlampt.

Zum perfekten Abschluss kam die Unterrichtseinheit dann mit einem Brief für die Klasse.

Na klar, vom Postboten persönlich.

Manchmal sind es die kleinen Dinge…

Aus dem Wochenbericht von Victoria:

1.Schulwoche
Die Woche ist schon wider vorbei. Gestern war Einschulung. 
Da haben wir gesungen. 
Heute hat Rene Gebortstag. 
Ich bin ser fro und glüklich darüber 
das ich mit der Schreibschrüft fertig bin. 
Als Frau Weh das gesagt hat das ich jezt fertig bin 
war ich so glüklich 
das ich mein Heft genomen habe 
und einfach draufgeküst habe.

 

Da sind wir also wieder

Alle waren sie da.

Alle sind gewachsen und – zumindest in der ersten Stunde – auch ein wenig stiller als sonst. Wir haben knappe 50 Minuten damit verbracht, das Material einzusammeln, zu sortieren und an die richtigen Stellen zu räumen. Gar nicht so leicht in einem neuen Klassenraum. Auch wenn er im Prinzip genau wie der alte eingeräumt wurde. Allerdings spiegelbildlich. Das sorgte für Verwirrung bei den Zweitklässlern. Dabei haben sie im ersten Schuljahr bereits mit großer Freude gespiegelt. Allerdings nicht in 3D. Für Verwirrung bei mir sorgte der komplett leere Ranzen, den Lennox dabei hatte. Kein Stift, kein Heft und erstrecht kein Kunstzeugs. Alles nicht auffindbar. Genauso wenig wie die ausgegebene Materialliste, die Hausschuhe und das Mäppchen. Alles fehlte. Wie auch Lennoxens Schneidezähne immer noch fehlen, deren Vorgänger ihm – da bis auf den Stumpf abgefault – bereits im zarten Alter von drei Jahren gezogen werden mussten. Ich hatte ja gehofft, dass sich über den Sommer da mal etwas täte. Wäre schon gut für die Aussprache.

Ganz leer war der Ranzen übrigens nicht. Dazu später.

Gut, dass ich Klopapier dabeihatte. Es gab nämlich keins mehr auf den Toiletten. Das muss jetzt erst wieder gefunden werden. Vielleicht von einem der geliehenen Hausmeister. Heute hatten wir einen, den Kollegin ZudemFeld mit leuchtenden Augen als verwegen bezeichnete. Pauline (nach unten geschickt wegen der fehlenden Rolle) fürchtete sich allerdings vor Goldohrring, Zopf und zieseligem Piratenbart und traute sich daher auch nicht ins Hausmeisterbüro hinein. Leider wagte sie sich – da sie ihren wichtigen Auftrag nun nicht erfüllen konnte –  auch nicht mehr in die Klasse zurück. Wir haben sie dann später aber eingesammelt. (Gut, dass man mit der Zeit mehr an Übersicht gewinnt! Vor Jahren ist es mir doch glatt passiert, dass ich ein Kind auf dem Klo vergessen hatte. Dort saß es fest und wartete. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass a) das Kind sehr lange dort ausharren musste und b) nicht mal ich es war, die sein Fehlen bemerkt hat. Äußerst unangenehm. Nicht so unangenehm allerdings wie bei der Kollegin, die einmal ein Kind nach dem Unterricht – versehentlich! – in der Klasse eingeschlossen hatte.)

In der zweiten Stunde wurde dann das obligatorische Kreisgespräch über die Ferien geführt. Überraschenderweise hatten alle meine Lieben schöne Ferien. Trotz des Wetters. Es gab also keine Knaller, nur eine Menge Beinahes. Beinahe hätte Leon in Tunesien einen Fisch gefangen. Mit bloßer Hand! Beinahe wäre Victoria vom Pony gefallen. Und beinahe hätte MamaMia-Sophie ans Schul-T-Shirt gedacht. Aber ich gebe nicht auf.

Nach kurzer Geburtstagseinlage – die Kinder waren schlichtweg verzückt von der neu befüllten Geschenkekiste* – wurde gefrühstückt. Und da kam er.

Der große Moment von Lennox.

Mit beifallheischendem Blick zog Lennox den Todfeind jeder Zahnärztlichen Prophylaxeberaterin aus der Tüte: Einen fetten, schokoladeüberzogenen Donut! Streusel und Gummitierchen inklusive. Schön, dass MamaLennox wenigstens an ein Frühstück gedacht hat. Mein stummes O war vermutlich genauso donutrund wie irrelevant.

Nach der Pause hatten wir es dann recht nett. Die Kinder haben die Hausaufgaben notiert (ja, natürlich „Meine Ferien“, was denn auch sonst?) und es trat auch nur eine leichte Verzögerung ein, als Justin nicht bereit war, die Hausaufgabe unter Mittwoch aufzuschreiben. Schließlich fängt das HA-Heft ja mit einem Montag an. (SCHULKRAM-Liste: dringend noch einmal die Wochentage wiederholen!). Kurz Luft geholt, ein kleines Warm Up eingeschoben und dann Musikunterricht. Wie gesagt, nett. So nett, dass wir dann beinahe alle vergessen hätten, dass nach dieser Stunde bereits Schulschluss war. Also bin ich losgerannt und habe mich vor den Bus geworfen, damit der meine Kinder (einpacken, Stühle hoch, Schuhe an und los!) noch mitnimmt. Ich hatte Seitenstechen, aber es hat geklappt. Der Rest des Tages erging sich dann wieder im langen und nicht immer sinnvollen Konferieren. Wie gesagt, da ist unser Kollegium große Klasse drin.

Die Kekse sind übrigens fertig. Und auch lecker. Familie Weh hat probegegessen. Jetzt hoffen wir auf gutes Wetter für die morgige Einschulung. Zwar ist der Musikraum seit gestern von Unrat und Wahlurnen befreit, der heutige Hausmeister hatte allerdings die durchaus nachzuvollziehende Idee, den Raum zu bestuhlen und die (zu diesem Zweck wegzurückenden) Tische allesamt auf die Bühne zu stellen. Diese wäre nun aber für das Theaterstück benötigt worden. Aber bevor man dies dem piratigen Leihmeister mitteilen konnte, ward er nicht mehr gesehen. Also muss gutes Wetter sein, damit wir auf den Schulhof können. In die Kirche will ja keiner mehr.

 

* Ich sage nur: Glitzerelfenschüttelkugeln. Hammer!

 

dickes B

In einem unbemerkten Moment rutschte das große B hinter den Materialschrank. Ärgerlich. Den rückt mir ja keiner weg. Auch nicht der ausgeliehene Hausmeister, der heute ziemlich genau 43 Minuten Zeit hatte, um die nötigsten Dinge zu erledigen. Ich konnte das beobachten, ich habe währenddessen das Alphabet laminiert. In Schreibschrift. Die Druckschriftvariante hängt bereits mit Magnetklebeband versehen an der Tafel. Natürlich durcheinander, da können die Zweitklässler direkt mal zeigen, ob sie früher bei der Sesamstraße aufgepasst haben.

Aber heute gab es nicht nur einen geliehenen Hausmeister. Nein, es war auch eine geborgte Putzkolonne vor Ort. Jetzt ist es fast wieder sauber. Papierhandtücher gibt es allerdings keine. Naja, schütteln die Kinder halt die Hände so lange durch die Luft. Oder waschen sie einfach gar nicht. Das empfinden viele Kinder sowieso als Zeitverschwendung. Ah, ich sollte vorsichtshalber morgen eine Rolle Klopapier mitnehmen, falls es da auch Engpässe geben sollte.

Der Musikraum ist fast wieder leer. Nur der Plastiktannenbaum steht noch drin. Der geliehene Hausmeister hat einfach alles wieder in den Raum mit dem Wasserschaden zurückgeräumt. Auch ein paar frisch angeschimmelte Bretter. Die müssen dann morgen vermutlich wieder ausgeräumt werden. Aber Hauptsache, ich komme ans Klavier. Ein bisschen Sorge bereitet mir die Tatsache, dass die ganze Wand dahinter feucht war. Hoffentlich ist das nicht in den Korpus gezogen. Ein neues Klavier würden wir ja im Leben nicht mehr finanziert bekommen. Genau, Haushaltssperre.

Am letzten Sommerferientag habe ich immer Bauchschmerzen. Ich bin dann aufgeregt. Weil man ja nie so weiß, was da kommt. Heute geht es aber noch, ich habe noch einiges zu erledigen. Wahrscheinlich liege ich dann heute Abend im Bett und kann nicht einschlafen. Das findet der Herr Weh dann immer furchtbar. Aber ich kann da gar nichts für, am Schulanfangsvorabend ist einfach zu viel los in meinem scolar-vegetativen Nervensystem.

Ich geh dann jetzt mal backen.

 

same procedure as every year

Der Tag begann mit einer ziemlich großen Spinne (tegenaria atrica; übrigens die Spinne des Jahres 2008) im Badezimmer*. Und er ging auch genauso weiter: schnell, stellenweise schwarz und irgendwie haarig.

Neben der weiterhin erkrankten Putzfrau fällt nun auch der Hausmeister für den Rest des Monats krankheitstechnisch aus. Worst case. Die Schule steht vor Dreck, der Musikraum ist immer noch voll bis obenhin, am Donnerstag ist Einschulung und keiner weiß so genau, wohin mit den Eltern wenns regnet. Wir haben nämlich weder Aula noch Turnhalle in der Nähe. Bei größeren Veranstaltungen knubbeln wir uns ins Treppenhaus (geht nicht, furchtbar dreckig) oder in den Musikraum (geht auch nicht, s.o.). Außerdem stellt sich nun die Frage, wer am Donnerstag die Anlage aufbaut. Natürlich ist dies eine rhetorische Frage, denn außer dem Hausmeister und mir kennt sich keiner damit aus. Aber ich habe ja auch noch meine Klasse. Und ich muss für jeden Schulneuling einen Keks backen. Herzförmig.

(Nein, nicht fragen. Es hat was zu tun mit dem Lied Ich schenk‘ dir einen Regenbogen und meiner Unfähigkeit im entscheidenden Augenblick unsichtbar – und still! –  zu sein.)

Wie man sich denken kann, hatten wir heute Konferenz und was soll ich sagen? Es ist als wäre man nie fort gewesen. Alles wie immer. Laut, stressig, durcheinander. Und ich habe mir so vorgenommen, dieses Schuljahr ganz entspannt anzugehen. Hö hö, ich bin da wirklich unverbesserlich. Zwei neue Kolleginnen haben wir auch. Die sahen nach der Konferenz (2 Punkte auf der Liste, 3 Stunden Dauer) ziemlich platt aus. Dabei war das ein guter Schnitt für unsere Verhältnisse. Wir können viel länger.

Jetzt würde ich ja zu gerne noch eine aktuelle Version meiner SCHULKRAM-Liste hier reinschreiben, aber ich habe keine Zeit. Ich muss nämlich schnell noch eine E-Mail an die Eltern schicken mit Stundenplan-, Schwimm- und sonstigen Infos und außerdem dringend meine Unterlagen übers Eichhörnchen raussuchen. Ich fürchte, ich habe sie in einem Anfall von Aufräumwahn entsorgt.

In diesem Sinne, frohes Schaffen!

 

* (was irgendwie auch lustig war, da ich genau einer solchen fetten Spinne gestern bei den ZweimeinerLieblingskollegen begegnet bin. Dort lief sie durchs Wohnzimmer. Und anstelle feste draufzutreten (jahaaa, ich weiß schon…) wurde das arme Ding vorsichtig festgesetzt und in die freie Wildbahn entlassen. Daraufhin ist das Biest offensichtlich schnurstracks zum Hause Weh gelaufen, um dort morgendliche Panik und Schrecken zu verbreiten. Ich verzichte jetzt übrigens extra darauf, ein Bild einzustellen.)

 

Oje

Dieser Beitrag ist für all die arbeitenden Mütter, die sich in den letzten Tagen und Wochen vielleicht gefragt haben, wie die Frau Weh das immer so toll hinkriegt mit Arbeit und Familie und so.

Ihr könnt euch ganz entspannt zurücklehnen.

Eben entdeckte ich im Ranzen des mittelgroßen Wehwehchens die seit 6 Wochen unangetastete Frühstücksdose. Und – mutig wie ich bin – habe ich auch reingeguckt (sie hätte ja leer sein können). War sie leider nicht.

Zu meiner Verteidigung kann ich nur anbringen, dass nichts sonderbar gerochen hat. Zumindest nicht sonderbarer als so ein Ranzen sowieso immer riecht.

Jetzt trinke ich einen Schnaps und nehme mir das restliche Wochenende beitragsfrei.

Versprochen.

Materialermüdung

Die Grundschullehrerin an sich neigt ja zum Sammeln und Horten. Knöpfchen, Filmdöschen, Klopapierrollen, alles trägt die Möglichkeit zur Verwandlung in sich. Mindestens taugt es zum Basteln oder für Freiarbeitsmaterial. Also wird aufbewahrt. Befolgt man dieses Prinzip konsequent ein paar Jahre, dann ähnelt der Klassenraum (das häusliche Arbeitszimmer, der Keller, die Garage) irgendwann einem Gemischtwarenladen. Nicht so bei Frau Weh. Ich bin ein Wegschmeißprofi und insofern besitze ich gar keine Unmengen an Material.

Zumindest dachte ich das bisher.

Als ich jetzt allerdings Klassenraum A in Klassenraum B verlegt habe, wurde mir bewusst, dass ich lediglich eine andere Taktik verfolge. In den letzten acht Jahren an meiner Schule war ich in 4 Klassenräumen. Einer davon der 70qm große Musikraum mit anliegenden 3 kleinen Nebenräumen. Zwei weitere Klassen im Nebengebäude unter einem recht großen, hübsch ausgebauten, vormals leeren Dachboden gelegen.

Man ahnt, was passiert ist.

Tatsächlich befinden sich nach wie vor in den Neben-, Zwischen-, Abstell-, Dachräumen meiner alten Klassen eine erstaunlich große Zahl an Kartons, auf denen Frau Weh steht. Manche davon stehen seit… ja…7 Jahren dort.

Was ist nun aber drin, das ich ja offensichtlich nicht sonderlich vermisse?

Nun, z.B.

  • ein nicht mehr bewohntes Wespennest, das Elias N. vor einigen Jahren mit der aufregenden Geschichte der Entfernung desselben in den Sachunterricht mitgebracht hat.
  • ein Sack Gips, ich weiß nicht woher oder wofür.
  • ein Stapel nicht mehr ganz so sauberer Wachstuchdecken für den Kunstunterricht.
  • eine große Kiste mit der Aufschrift Computerkram, keine Ahnung, was da drin ist.
  • eine mittelgroße Kiste mit der Aufschrift Dekogedöns, da weiß ich leider zu gut, was die enthält: lauter gut gemeinte Mitbringsel, die die Kinder gerne in der Vorweihnachtszeit mit einem Gruß von Mama aus der Tasche ziehen.
  • mit viel Liebe (und noch mehr Zeit) hergestelltes Arbeitsmaterial zu verschiedenen Anfangswerken, Lese-Dominos, Lautkarten, Buchstabenmemorys, Bingos, 100.000 Anlautbilder (alle ausgemalt und laminiert, soviel Zeit muss sein), Anlegespiele, Klammerkarten, Setzleisten, Geräuschedosen usw. Alles in bunten Schachteln, mit beklebten Deckelchen und netten Bildchen. Hübsch. Ja wirklich.
  • Ein Karton mit Soma-Würfeln. Oh, oh… die wurden bereits vermisst.
  • Verschiedene einsatzbereite Diagnoseverfahren zur phonologischen Bewusstsein nebst Aufbaumaterial. Schlussendlich kam dann Delfin 4 und 5, sodass der Rundgang durch Hörhausen mitsamt Legohaus und Briobahn stillgelegt wurde.
  • zwei Schaumstoffwürfel und eine Schwimmnudel.
  • ein kaputtes Hunderterbrett, von dem die 32, die 51 und alle Zahlen ab 70 runterfallen, wenn man es schief ansieht.
  • Teppichfliesen (alle umsäumt! Nicht von mir).
  • ein Stapel Autozeitschriften (Kunst, 2.Schuljahr, Thema: Die Abwrackprämie).
  • diverser Laternenkram (alle Jahre wieder…).
  • ein Kunststoffohr mit sichtbaren Gehörgängen. Das habe ich aber vor zwei Jahren noch benutzt!
  • Korken, Stoff, Watte, Krepppapier, Bierdeckel, Transparentpapierschnipsel, Goldfolie, kleine Gläser mit Deckel, kleine Gläser ohne Deckel, verschiedene Deckel, leere Frischkäse-, Cappuccino-, Margarine- und andere Behälter, Nägel und Schrauben, Tapetenkleister, Tapetenrollen, Abtönfarben, Klarlack, Spritzsiebe und Zahnbürsten, …

Ich könnte das noch eine Weile fortsetzen. Stattdessen nehme ich mir für das neue Schuljahr vor, diese Kisten nacheinander entweder wegzuräumen (-> Lehrerzimmer, Materialraum, mit nettem Gruß versehen auf die Schreibtische der Kolleginnen abstellen) oder zu entsorgen (-> Lehrerzimmer, Materialraum, Abstellecken der Kolleginnen (ohne Gruß), Restmüll, Papiermüll, duales System).

Aber auf gar keinen Fall mit nach Hause nehmen!