Klassenpflegschaftssitzung

Heute Abend habe ich es gut. Da gehe ich nämlich zum Elternabend. Aber nicht zu dem meiner Klasse, sondern zum mittelgroßen Wehwehchen. Toll, da setze ich mich dann ganz entspannt auf einen Stuhl und höre mir mal an, wie es anderswo so läuft. (Ich musste Herrn Weh allerdings hoch und heilig versprechen, mich nicht in ein Amt wählen zu lassen. Auf gar keinen Fall! Im Hause Weh ist Schule nämlich sowieso schon das allumfassende Thema. Mehr geht nicht, sagt der Gatte.)

Wenn ich auf fremden Elternabenden bin, dann betreibe ich immer ein bisschen Betriebsspionage: wie ist die Stimmung? Wie lange dauert es? Wird auch mal gelacht? Kriegt die Kollegin rote Flecken am Hals? Wie sieht die Klasse aus? Was wurde in Kunst gemacht? Und so weiter. Manchmal spinkse ich in unbeobachteten Momenten auch unter den Tisch und gucke, was da so rumliegt. Oder staube ein interessantes Arbeitsblatt ab.

Reden lasse ich da übrigens lieber die anderen Mütter. Die machen das gerne. Und viel. Halleluja, sind da Schlachtjungfern engagierte Damen bei! Manchmal, wenn es seit 30 Minuten darum geht, ob beim gesunden Frühstück nun Scheibenkäse erlaubt sei oder nicht, dann zwinkere ich Wehwehchens Lehrerin mitfühlend zu und nehme im Geiste diesen Tagesordnungspunkt schonmal vorsorglich von meiner eigenen Liste.

Bandura. Lernen am Modell.

Schule wie sie sein sollte

Golden fließt die Septembersonne durch die Klassenfenster und bescheint eine Szenerie voller Frieden und Lernfreude:

Amelie und Mia-Sophie sitzen mit Justin in der Leseecke und lesen sich abwechselnd aus dem Buch „Eichhörnchen auf Besuch“ vor. Sie lesen ruhig und betont. Zwischendurch lachen sie leise, was aber niemanden stört. Nebenan am Matheregal erklärt Leon Lotte noch einmal anschaulich die Pluminos. Dabei benutzen sie das Anschauungsmaterial zur Verdeutlichung, aber keinesfalls, um sich gegenseitig mit den Plättchen abzuflitschen. Victoria, René und Tom2 sitzen auf den Teppichen rund um den Herbsttisch, sortieren die verschiedenen Nuss- und Kernarten und schreiben eine Speisekarte für das Eichhörnchen. (Es gibt herbstliche Haselnusstorte, Bucheckerbrötchen und wabelhafte Walnüsse. Ich lächle milde über diese entzückend-kreative Alliteration.) Tom1 arbeitet selbstständig und ohne Hilfe im Schreibschriftlehrgang. Nadine, Nathalie und Benjamin bauen einen Kobel aus zuvor gesammelten kleinen Ästen, Rindenstücken und Gräsern. Er ist fast rund und besitzt natürlich zwei Aus- und Eingänge. An den PCs werden herzerwärmende Herbst-Elfchen formuliert. Die Zweitklässler arbeiten konzentriert in der Herbstwerkstatt, die doch wieder mit mehr als 10 gut geplanten und durchstrukturierten Stationen plus Zusatzmaterial aufwartet. Nick streichelt das Stoffeichhörnchen und flüstert ihm Geheimnisse ins Ohr. Über allem liegt himmlische Ruhe.

Ich sitze – ganz Lernbeobachter – glücklich im Hintergrund und fühle, dass ich jetzt und hier genau die Lehrerin bin, die ich immer anstrebte zu sein. Ich bin entspannt und befinde mich im Gleichgewicht zwischen absolutem Wohlwollen und professionellem pädagogischen Abstand zu diesen mir anvertrauten Kinder. Alles fühlt sich gut an und so unendlich richtig.

Da tritt Lennox, dem über Nacht alle vier Schneidezähne gewachsen sind, vor mich hin und sagt – perfekt in Phonetik und Syntax:

„Frau Weeeeheeee? Frau Weeeeheee! Der Leon hat mein Tisss umgesupzt. Jetz iss das Kakao in mein Ransssen! Un die Pauline, die heult jetz, weil is hab sie aus Versehn getretn. Was sags du jetz?“

Widerstrebend öffne ich ein Auge und kehre aus meinem Tagtraum zurück. Das Verlustgefühl trifft mich stark und geradezu schmerzhaft.

Ich schaue Lennox an, der bar jedes oberen Schneidezahns vor mir steht. Ein Blick durch die Klasse offenbart nicht gerade das, was man ein ungetrübtes Bild der Liebe nennen würde. Mein Auge schweift zum Fenster. Dreckig, natürlich, da kommt heute kein güldener Strahl mehr durch.

Ich seufze. So innerlich.

„Habe ich euch eigentlich schon den Witz mit den Giftschlangen erzählt?“

Zweitklässlerlieblingswitz

Fragt eine Schlange die andere:

„Duuuu? Bin ifff eigentliffff gifffftiffff?“

Sagt die andere: „Wiesssssooooo?“

„Ifff habe mir gerade auffff die FFFFunge gebiffffen!“

 

Großes Kinderkringeln vor Lachen. Einer ist sogar vom Stuhl gekullert und hat sich den Kopf gestoßen. Wann im Leben geht einem eigentlich dieser Sinn für Humor und die Freude um der reinen Freude willen verloren?

 

Eichhörnchen und Zimthörnchen

Ein verregneter Sonntagvormittag. In der Küche blubbt der Hefeteig für die nachmittäglichen Zimthörnchen und ich sitze an den letzten Vorbereitungen für die Herbstwerkstatt. Werkstätten erfreuen sich ja nach wie vor großer Beliebtheit in der Grundschule.

Naja.

Man muss da ein bisschen aufpassen. Wenn man es gern übersichtlich, strukturiert, ansprechend, aktuell und auf die individuelle Lerngruppe passend hat, dann machen Werkstätten erst mal eins: eine ganze Menge Arbeit. Vorher, währenddessen

Ich kann mich ja weder teilen noch klonen und während ich mir gerade von Nick (individueller Förderplan: lesen üben, lesen üben, lesen üben!) den Text über das Eichhörnchen im Herbst vorlesen lasse, kann es tatsächlich passieren, dass derweil Justin (individueller Förderplan: kleinschrittig Defizite in der Feinmotorik angehen) den Eichhörnchenkobel nicht wie gefordert mit kleinen Strichen zu Ende zeichnet, sondern sich den dicksten Stift greift, den er finden kann, dann – krakelkrakel – irgendein klumpiges braunes Gebilde in die Astgabel zeichnet, um anschließend „Ich bin feeeertig!“-brüllend zur Fühlkiste mit Kastanie, Eichel und Co. abzuziehen. Wer hat eigentlich den Begriff des beobachtenden Lernbegleiters geprägt? War dieser Mensch schon einmal im Werkstattunterricht einer Nicht-Vorzeigeschule zugegen?

und nachher dann auch noch einmal. (Ich kann nur dringend empfehlen, Werkstätten immer ordentlich einzutüten und wegzuräumen. Am besten noch mit Zettelchen versehen, was geändert werden muss. Alles andere geht zwar schneller, sorgt beim nächsten Durchgang aber für übelsten Groll gegen sich selbst.)

Mein Best of Eichhörnchen umfasst übrigens lediglich 10 Pflicht- und drei Zusatzaufgaben. Eine sehr nette, übersichtliche Größe. Da behalten Kinder und Lehrerin die Übersicht, niemand fühlt sich abgeschreckt von der Übermacht aufgebauter Kisten und Kästen und ich kriege beim Anschleppen des Materials keinen Knacks im Rücken. Gar nicht so selten ist weniger wirklich mehr. Was viele bei der Planung einer gigantischen Werkstatt nämlich gerne vergessen, ist, dass das bloße Vorhandensein verschiedenster Angebote nicht automatisch proportional ansteigenden Lernzuwachs im Kinderkopf bedeutet.

Außerdem bleibt dann auch noch Zeit zum gemeinsamen Waffelbacken. Natürlich mit Haselnüssen*, muss ja zum Eichkätzchen passen.

*Allergien abfragen…vorher…

Es geht aufwärts

„Und was sagst du jetzt dazu!?“

Empört wartet Frau Schmitz-Hahnenkamp auf meine Reaktion. Drei der mir anvertrauten Schützlinge haben grobes Fehlverhalten an den Tag gelegt. Leon, Justin und Nick sind während der Hofpause im Treppenhaus aufgegriffen worden. Sie wollten die Einladungen, die sie gerade von einem Fußballkumpel bekommen hatten, in die Klasse bringen. Natürlich ist das Betreten des Treppenhauses während der Pause bei Todesstrafe verboten! Natürlich achten manche Kolleginnen darauf mehr als andere, um dann umgehend die Klassenlehrerin der Übeltäter zur Rede zu stellen.

(Böswillige Zungen behaupten, Kollegin Schmitz-Hahnenkamp bräuchte das tägliche Aufdecken von Missständen und anschließende Abkanzeln der – scheinbar – verantwortlichen Kollegin wie andere ihren morgendlichen Kaffee. Natürlich ist das üble Nachrede! Ich fürchte, es hat bereits die Ausmaße einer mittelschweren Abhängigkeit angenommen.)

Nachdem Frau Schmitz-Hahnenkamp den drei Missetätern unter Aufbietung all ihrer verbalen Präsenz verdeutlicht hat, dass das Treppenhaus in der Pause nur dann zu betreten sei, wenn der wichtige (!) Auftrag einer Lehrerin dahinter stehe, sind die Jungs nun also schnurstracks zur Pausenaufsicht gelaufen. Der sie dann erklärt haben, sie müssten dringend etwas von/für (das ließ sich im Nachhinein nicht mehr genau herausfinden) ihre/r Frau Weh hochbringen, woraufhin die Kollegin sie selbstverständlich passieren ließ.

Frau Schmitz-Hahnenkamp, in deren Augen diese unerwartete Wendung den Gipfel der Unverschämtheit darstellt, verlangt nun von mir eine Stellungnahme.

„Also, wie findest du das?“

„Nun ja…“ – ich lasse mir etwas Zeit mit der Antwort – „eigentlich ziemlich clever.“

Ärger… Teil 2

Da sich die Kommentare angehäuft haben, mal in Ruhe zum Thema.

Eins vorneweg: ja, Schule ist für Eltern nicht einfach, da stimme ich zu. Und Hausaufgaben sind da noch einmal eine besondere Problemzone. Es gibt keine Hausaufgabe, die für alle Kinder einer Klasse gleichermaßen passt. Da müsste man sich schon totdifferenzieren in der Aufgabenstellung, was wir in der Grundschule ja oft genug auch tun. Dazu kommt dann die Schwierigkeit, dass man als Eltern oft nicht weiß, in welchem Maße Hilfe ok ist.

Aber auch in der Hilfs-Bereitschaft der Eltern gibt es eine enorme Bandbreite. In meiner Klasse reicht sie von MamaLennox, die ihrem Sohn auch eine Woche nach Schulbeginn kein einziges Heft besorgt hat und der Meinung ist, Hausaufgaben wären genau wie der schulische Rest völlig unwichtig, über die gestern erwähnte MamaTom1, die – so ihr Sohn heute – die Seiten für ihn geschrieben habe, „damit es schneller ginge“, bis hin zu MamaLaura, deren Tochter die Hausaufgaben grundsätzlich zweimal anfertigen muss. Ein Vorschreibexemplar und eine korrigierte Fassung, die dann den Weg in die Schule nimmt.

Ich ärgere mich über eine Aktion wie die gestrige, weil ich den Eltern von Anfang an deutlich sage, dass sie sich bei Hausaufgabenproblemen jeglicher Art (zu viel, zu wenig, zu schwierig, zu leicht, Kind heult/trödelt/bekommt Tobsuchtsanfälle/rennt ständig aufs Klo…) an mich wenden können und sollen, damit wir das gemeinsam angehen. In den meisten Fällen hat das Wort der Klassenlehrerin für ein Kind wesentlich mehr Gewicht als das der Mutter. Und oft könnte man sich die nachmittäglichen Kämpfe ersparen, wenn man sich nur überwinden und die Lehrerin mit ins Boot nehmen würde. Warum das manche Eltern nicht machen? Keine Ahnung.

Mir will nicht in den Kopf, dass es MamaTom1 so überhaupt nicht bewusst sein soll, dass sie ihrem Sohn kurz- und langfristig mit solchen Aktionen schadet. Und dass sie ihn durch ihre Handlung zum Lügen zwingt. Die gleiche Mutter, die während des Elternsprechtags schon in Tränen aufgelöst vor mir saß, weil ihr Sohn ihr zu Hause so oft die Unwahrheit sagt. Ja, wen wundert das? Wo und wie soll ein Siebenjähriger differenzieren, dass die eine Lüge in Ordnung ist und die andere nicht?

Würde man jetzt die Zeit aufrechnen, die mich Korrektur, schriftliche Reaktion und das vermutlich morgen anstehende Gespräch kosten, dann würde man schnell und zweifelsohne  feststellen, dass diese Zeit wohl anderweitig besser investiert wäre.

Vielleicht in der Vorbereitung des anstehenden Elternabends…

Ärger, du kannst mich nicht anschmier’n

Boah! Echt jetzt!

Ich korrigiere Schreibschriftlehrgänge. Und, ja, ich mache das gründlich. Gerade habe ich wütend das Exemplar von Tom1 in meine Tasche geknallt. Bei der ersten Seite, die eindeutig nicht von ihm geschrieben wurde, habe ich noch ausradiert und „jetzt mal Tom!“ an die Seite geschrieben. Bei der mittlerweile fünften Seite, die offensichtlich von seiner Mutter angefertigt wurde, fühle ich mich nur noch verarscht.

Was soll das?

Liebe MamaTom1, wenn Sie schon die Hausaufgaben für Ihr siebenjähriges Kind erledigen,

dann benutzen Sie doch wenigstens

die gleiche Schreibschrift!

Schrei vor Glück!

oder: Warum es schön ist, ein Postbote zu sein.

Wir haben einen wirklich netten Postboten. Einen, der nicht nur einen Zettel einschmeißt, wenn man ein Paket erwartet, sondern klingelt. Und dann sogar eine Weile wartet. Wenn man nicht da ist, kommt er später noch einmal vorbei und versucht eine erneute Zustellung. Oder er reicht einem die Post auf der Straße aus seinem knallgelben Minibus. Er motzt nicht, wenn man sich zu Schulanfang tonnenschwere Pakete mit Kunstmaterial nach Hause liefern lässt und wenn mal auf einem Paket ein Aufkleber zerbrechlich draufpappt, dann lässt er es auch nicht extra fallen. Also ich finde ihn jedenfalls ganz prima.

Es gab allerdings eine Phase, da fand unser Postbote sein Leben nicht sonderlich berauschend. Er war grummelig und sichtlich schlecht gelaunt. Auf Nachfrage brach es dann aus ihm heraus: dass er seinen Job gerade gar nicht gerne mache und es wirklich – ich habe extra nachgefragt! – nichts Schönes dabei gäbe.

Ich war ehrlich betroffen. (Das ist so ein Harmoniedings bei mir. Ich brauche es, dass alle um mich rum wenigstens im Ansatz glücklich sind. Zumindest gut gelaunt. Sind sie das nicht, dann macht mich das nervös und ich muss mir Sachen überlegen, damit sich die Stimmung wieder aufhellt. Der arme Herr Weh – ein Morgenmuffel vor dem Herrn – kann da ein Liedchen von singen. Es ist nicht immer einfach, mit einem notorischen Glückskeks verheiratet zu sein.)

Aber praktischerweise ist man ja in unserem unglaublich schönen Beruf nie lange allein mit irgendwas. Also habe ich meinem damaligen 2.Schuljahr von Postbotens Leid erzählt. Gut gebrieft kamen dann auch lauter „Oooooch!“s und „Ojeeee“s und „Ach, der arme Postbote!“s von den Kindern. Perfekte Einleitung für eine Einheit Kreatives Schreiben.

Hier die bemerkenswertesten Antworten zum Thema

Es ist schön ein Postbote zu sein, weil…

  • man auf der Straße Geld finden kann.
  • man so viel an der frischen Luft unterwegs ist.
  • man immer die schön bepflanzten Blumenkästen als Erster sieht.
  • man sehr sportlich dabei wird.
  • die Uniform cool aussieht.
  • man ein großes Auto fährt.
  • man dauernd Pakete bekommt.
  • man immer mit den Leuten quatschen kann.
  • man nur tagsüber arbeitet. Nachts ist es ja zu dunkel dafür.
  • man richtig viel Geld verdient.
  • man keine lauten Kinder um sich hat.
  • das Auto eine ziemlich schöne Farbe hat.
  • man nicht so viel dafür lernen muss.

Na, spricht da nicht die reine Empathie aus den Kindern? Also!

Beim nächsten Klingeln habe ich unserem Postboten die gesammelten Werke in die schwielige Hand gedrückt. Zwei Tage lang ward er nicht gesehen. Dann kam er und meinte, er hätte den ganzen Packen noch am selben Tag mehrfach gelesen. Im Dienst. Im Auto mit der ziemlich schönen Farbe. Und er hätte laut lachen müssen. Jetzt hingen die motivierenden Aussagen an seinem Garderobenspiegel und seine Laune sei auch schon wieder besser. Sein persönliches Highlight sei übrigens „weil man auf der Straße Geld finden kann“. Er würde jetzt immer sehr aufmerksam auf den Boden schauen. Offensichtlich habe er da die letzten Jahre etwas geschlampt.

Zum perfekten Abschluss kam die Unterrichtseinheit dann mit einem Brief für die Klasse.

Na klar, vom Postboten persönlich.

Manchmal sind es die kleinen Dinge…

Aus dem Wochenbericht von Victoria:

1.Schulwoche
Die Woche ist schon wider vorbei. Gestern war Einschulung. 
Da haben wir gesungen. 
Heute hat Rene Gebortstag. 
Ich bin ser fro und glüklich darüber 
das ich mit der Schreibschrüft fertig bin. 
Als Frau Weh das gesagt hat das ich jezt fertig bin 
war ich so glüklich 
das ich mein Heft genomen habe 
und einfach draufgeküst habe.

 

Da sind wir also wieder

Alle waren sie da.

Alle sind gewachsen und – zumindest in der ersten Stunde – auch ein wenig stiller als sonst. Wir haben knappe 50 Minuten damit verbracht, das Material einzusammeln, zu sortieren und an die richtigen Stellen zu räumen. Gar nicht so leicht in einem neuen Klassenraum. Auch wenn er im Prinzip genau wie der alte eingeräumt wurde. Allerdings spiegelbildlich. Das sorgte für Verwirrung bei den Zweitklässlern. Dabei haben sie im ersten Schuljahr bereits mit großer Freude gespiegelt. Allerdings nicht in 3D. Für Verwirrung bei mir sorgte der komplett leere Ranzen, den Lennox dabei hatte. Kein Stift, kein Heft und erstrecht kein Kunstzeugs. Alles nicht auffindbar. Genauso wenig wie die ausgegebene Materialliste, die Hausschuhe und das Mäppchen. Alles fehlte. Wie auch Lennoxens Schneidezähne immer noch fehlen, deren Vorgänger ihm – da bis auf den Stumpf abgefault – bereits im zarten Alter von drei Jahren gezogen werden mussten. Ich hatte ja gehofft, dass sich über den Sommer da mal etwas täte. Wäre schon gut für die Aussprache.

Ganz leer war der Ranzen übrigens nicht. Dazu später.

Gut, dass ich Klopapier dabeihatte. Es gab nämlich keins mehr auf den Toiletten. Das muss jetzt erst wieder gefunden werden. Vielleicht von einem der geliehenen Hausmeister. Heute hatten wir einen, den Kollegin ZudemFeld mit leuchtenden Augen als verwegen bezeichnete. Pauline (nach unten geschickt wegen der fehlenden Rolle) fürchtete sich allerdings vor Goldohrring, Zopf und zieseligem Piratenbart und traute sich daher auch nicht ins Hausmeisterbüro hinein. Leider wagte sie sich – da sie ihren wichtigen Auftrag nun nicht erfüllen konnte –  auch nicht mehr in die Klasse zurück. Wir haben sie dann später aber eingesammelt. (Gut, dass man mit der Zeit mehr an Übersicht gewinnt! Vor Jahren ist es mir doch glatt passiert, dass ich ein Kind auf dem Klo vergessen hatte. Dort saß es fest und wartete. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass a) das Kind sehr lange dort ausharren musste und b) nicht mal ich es war, die sein Fehlen bemerkt hat. Äußerst unangenehm. Nicht so unangenehm allerdings wie bei der Kollegin, die einmal ein Kind nach dem Unterricht – versehentlich! – in der Klasse eingeschlossen hatte.)

In der zweiten Stunde wurde dann das obligatorische Kreisgespräch über die Ferien geführt. Überraschenderweise hatten alle meine Lieben schöne Ferien. Trotz des Wetters. Es gab also keine Knaller, nur eine Menge Beinahes. Beinahe hätte Leon in Tunesien einen Fisch gefangen. Mit bloßer Hand! Beinahe wäre Victoria vom Pony gefallen. Und beinahe hätte MamaMia-Sophie ans Schul-T-Shirt gedacht. Aber ich gebe nicht auf.

Nach kurzer Geburtstagseinlage – die Kinder waren schlichtweg verzückt von der neu befüllten Geschenkekiste* – wurde gefrühstückt. Und da kam er.

Der große Moment von Lennox.

Mit beifallheischendem Blick zog Lennox den Todfeind jeder Zahnärztlichen Prophylaxeberaterin aus der Tüte: Einen fetten, schokoladeüberzogenen Donut! Streusel und Gummitierchen inklusive. Schön, dass MamaLennox wenigstens an ein Frühstück gedacht hat. Mein stummes O war vermutlich genauso donutrund wie irrelevant.

Nach der Pause hatten wir es dann recht nett. Die Kinder haben die Hausaufgaben notiert (ja, natürlich „Meine Ferien“, was denn auch sonst?) und es trat auch nur eine leichte Verzögerung ein, als Justin nicht bereit war, die Hausaufgabe unter Mittwoch aufzuschreiben. Schließlich fängt das HA-Heft ja mit einem Montag an. (SCHULKRAM-Liste: dringend noch einmal die Wochentage wiederholen!). Kurz Luft geholt, ein kleines Warm Up eingeschoben und dann Musikunterricht. Wie gesagt, nett. So nett, dass wir dann beinahe alle vergessen hätten, dass nach dieser Stunde bereits Schulschluss war. Also bin ich losgerannt und habe mich vor den Bus geworfen, damit der meine Kinder (einpacken, Stühle hoch, Schuhe an und los!) noch mitnimmt. Ich hatte Seitenstechen, aber es hat geklappt. Der Rest des Tages erging sich dann wieder im langen und nicht immer sinnvollen Konferieren. Wie gesagt, da ist unser Kollegium große Klasse drin.

Die Kekse sind übrigens fertig. Und auch lecker. Familie Weh hat probegegessen. Jetzt hoffen wir auf gutes Wetter für die morgige Einschulung. Zwar ist der Musikraum seit gestern von Unrat und Wahlurnen befreit, der heutige Hausmeister hatte allerdings die durchaus nachzuvollziehende Idee, den Raum zu bestuhlen und die (zu diesem Zweck wegzurückenden) Tische allesamt auf die Bühne zu stellen. Diese wäre nun aber für das Theaterstück benötigt worden. Aber bevor man dies dem piratigen Leihmeister mitteilen konnte, ward er nicht mehr gesehen. Also muss gutes Wetter sein, damit wir auf den Schulhof können. In die Kirche will ja keiner mehr.

 

* Ich sage nur: Glitzerelfenschüttelkugeln. Hammer!