crazy, funky, damaged

Die CrazyFunkyChicken spielen zum Heulen schön.

Naja, mehr zum Heulen. Das möchte ich jetzt am liebsten auch. Es ist 12.10 Uhr und ich wünsche mich auf die Lehrertoilette, um nienienie wieder rauskommen zu müssen. Noch viermal, dann ist der Auftritt. Ich rechne nicht mehr in Wochen, ich rechne nur noch in Probenterminen. Ich glaube, ich habs verbockt. Geblendet von der strahlenden Erinnerung an das letzte Knallfroschorchester fiel ich dem Hochmut anheim. Todsünde. Jetzt sitze ich da und höre mir den letzten Hauch der Querflöten, die Streiterei zwischen den little drummer boys und das Sterben des Saxophons an. Über die Blockflöten verliere ich keine Worte. Sie sind mir in dem Moment ausgegangen, in dem mir Melissa mit großen Augen berichtete, dass sie zwar gestern ihre Musikmappe wiedergefunden habe, jetzt aber die Flöte fehle. Aber kein Problem, sie könne ja auch einfach mitsingen. So auf düüüt dütdüt düüüüt. Piepsend steht sie vor mir. Was ich denn dazu meine?

Nichts, denn ich muss den Schmerz in meinem linken Fuß veratmen. Unter großem Getöse sind Lara die Platten des Metallophons heruntergefallen. Ich muss mich dringend um die Beschaffung eines neuen Untergestells kümmern.

Ich habe mich verleiten lassen und gedacht, wir könnten alle zusammen spielen. So Musik halt. Das war dumm von mir. Jetzt muss ich sehen, wie ich aus der Nummer ohne Kollateralschäden rauskomme. Zu allem Übel wurde heute im Planungsgespräch mit der örtlichen Geistlichkeit ein neues Lied für den anstehenden Adventsgottesdienst ausgegraben. A-Dur, drei Kreuze.

Die schlage ich auch, wenn das mal alles gut geht.

Die Angst der Musiklehrerin vor St.Martin

Boah nee. Echt jetzt. Mir ist gerade total rabimmelig in der Rübe. Irgendwie ist dieses Jahr ja ganz plötzlich St.Martin. Gerade ist es mir aufgefallen. Bis eben war doch noch gar nicht so weit. Und jetzt müssen alle Kinder in nur vier Tagen alle Martinslieder durchsingen. Und an wem bleibt das hängen? Genau. Alle Ferienerholung – schwupps – dahin.

Fast alle Martinslieder sind in F-Dur. Ich mag F-Dur nicht. Das ist wirklich nicht meine Lieblingstonart. Und wenn ich eine Sehnenscheidenentzündung bekomme, dann immer rund um den 11.11.. Und immer links, wegen der Begleitung. Aber dieses Jahr bin ich schlau, ich transponiere (zumindest für die Gitarre, für den Quetschebüggel sind F und C ganz hervorragend geeignet) und begleite wahlweise mit Gitarre oder Akkordeon. Das ist zwar nicht gerade meine Spezialität, aber das muss ich ja keinem verraten.

Und dann die Marschkapelle! Die spielen, als ginge es um ihr Leben. Pech, wenn man mit der Klasse direkt davor oder danach läuft. Das knallt gut. Auch spannend, wenn man sich genau in der Mitte zwischen zwei Kapellen befindet. Dann kann man sich aussuchen, was man wo mitsingt. Ich warte noch auf den einmaligen Moment, wenn sich die aufeinandertreffenden Schallwellen gegenseitig aufheben. Und dann… Stille! Aber dafür müsste die eine Kapelle ja phasenverkehrt spielen. Phasenweise tut sie dies auch. (Ha ha, verkappter Physiker-Musikerwitz.)

Im ersten Martinszug, den ich nicht selber mit Laterne in der Hand lief, fiel das Pferd plötzlich um und war tot. So richtig mausetot. Das war ganz schön furchtbar. Und gescheppert hat es, denn hier auf dem Land reitet der Martin in voller Rüstung. Erklär das mal den Kindern. (Also das mit dem Pferd. Das mit der Rüstung macht ja durchaus Sinn.) Eine schlimme Geschichte. Alle haben laut geheult. Oder gelacht, je nach Einstellung. Auf jeden Fall ein Martinszug, der im Gedächtnis blieb. Das Pferd starb übrigens an Altersschwäche wurde später gesagt.

Ich glaube ja, es starb an F-Dur.

Wenn du ein totes Pferd reitest…

…dann spring ab.

Dieses Sprichwort ging mir heute durch den Kopf, als ich mich – plötzlich, eigentlich kam ich gerade nach Schulschluss von meiner Busaufsicht zurück – im Gespräch mit einer Mutter wiederfand, die im herrischen Tonfall von mir Auskunft über die Leistung ihres Sohnes im Fach Musik verlangte. Es ist nicht so, dass ich mich einem Gespräch verweigern würde. Allerdings haben wir uns bereits vor vier Wochen unterhalten. Und vor zwei Wochen ebenfalls. De facto ändert sich nicht viel.

Sohnemann mag musikalisch sein. Möglicherweise interessiert ihn auch, was er so im Unterricht mitbekommt. Leider lässt er mich an seiner Freude nicht teilhaben. Stattdessen schlägt er mit leeren Getränkeflaschen nach seinen Nachbarn, redet – grundsätzlich ohne vorherige Meldung – in jedes Gespräch rein, und antwortet auf Fragen gerne mit „hähhhh?“. Er macht nur nach mehrmaliger Aufforderung mit und auch dann nur irgendwas und irgendwie. Als Sahnehäubchen kommt hinzu, dass er – zwar durchaus theoretisch einer normalen Sprechlage mächtig – ständig spricht wie Miss Piggy auf Speed.

Ein „befriedigend“ als letzte Zeugnisnote schien mir angemessen. Ja, fast noch ein wenig geschönt.

Jetzt ist es aber so, dass ein „befriedigend“ im Musikunterricht der Grundschule grundsätzlich auf das Konto des betreffenden Lehrers geht. Und wenn das Kind nicht mindestens eine Zwei bekommt, dann macht der Lehrer seinen Job falsch. Das jedenfalls erklärte mir heute die betreffende Frau Mama im hektischen Staccato derer, die immer Recht haben. Niemand beschwere sich sonst über sein Verhalten. Überhaupt sei er nun einmal ein aufgewecktes Kind. Und so außerordentlich musikalisch! Er habe ihr gestern erst ein Lied vorgesungen. Aus dem Musikunterricht! Da muss er ja wohl aufgepasst haben! Solle sie also ihrem Sohn erklären, bei Frau Weh habe er immer still zu sitzen, sich nicht zu rühren, sonst könne er eine bessere Note vergessen!? Das könne doch nicht angehen. Und warum müsse ihr Sohn überhaupt ruhig sein in den Arbeitsphasen? Das liegt doch wohl am Lehrer, sich durchzusetzen. Er wäre eben kein langweiliges, phlegmatisches Kind. Und der ältere Bruder sei auch auf dem Gymnasium! Und die Klavierlehrerin beschwere sich schließlich auch nie. Und die Nachbarin der Schwägerin ihres Mannes sei schließlich auch studierte Grundschullehrerin (jetzt allerdings wegen der Kinder zu Hause und der Mann verdient ja auch so gut!) und die sagte auch, dass der Sohn doch ungemein begabt sei. Vielleicht sogar un-ter-for-dert! JA!!! UNTERFORDERT!!!

Ich hätte ihr gerne so viele Dinge mitgeteilt*. Von gutem Musikunterricht. Von der Notwendigkeit, sich in einer Gruppe so zu verhalten, dass auch der Lernerfolg der anderen Kinder gewährleistet ist. Von der durchaus voraussetzbaren Befähigung eines Drittklässlers, einfach mal keine permanenten Störgeräusche von sich zu geben. Von der Unart eine eventuelle oder tatsächliche Hochbegabung als Entschuldigung für jegliches Fehlverhalten zu missbrauchen. Von der vielen Unterrichtszeit, die für alle verloren geht, weil manchen Kindern bereits von zu Hause aus vorgelebt wird, dass Respekt etwas ist, was ausschließlich die anderen zeigen müssen. Von Müttern, die mich unendlich ermüden mit ihrer blasierten, rechthaberischen Attitüde.

Stattdessen kroch in mir – irgendwo tief unten – Verständnis für die Kolleginnen hoch, die in solchen Fällen einfach die bessere Note geben.

Wuah, also manchmal…

* (so wie die letzten beiden Male)

So ein Yama(ha)!

Schon seit Tagen vergesse ich regelmäßig mich um das defekte Sustain Pedal des Keyboards zu kümmern. Es fehlt eine Schraube. Futsch, verschwunden in den Untiefen des Musikraumes. (Wer den charakteristisch gepunkteten PVC-Bodenbelag kennt, der gerne in öffentlichen Gebäuden verlegt wird, wird mir zustimmen, dass es relativ aussichtslos ist, dort etwas wiederzufinden, was nicht über eine gewisse Größe verfügt.) Mit nur einer Schraube macht das Pedal, was es will. Das fällt sogar den Chorkindern auf. Sind sie doch ansonsten Wohlklang gewöhnt.

Fachmännisch kümmert sich nun Frank aus der 4b darum. Zunächst dreht er die verbleibende Schraube aus, begutachtet sie und vermisst Länge und Durchmesser mit seinem Geodreieck. Mit dem Füller macht er sich Notizen auf seinem linken Arm. Kein Problem, sagt er, so eine finde er bestimmt im Werkzeuglager seines Vaters. Dort würde er am Wochenende bereits für Frau Schmitz-Hahnenkamp auf die Jagd gehen. Die habe nämlich ebenfalls eine Schraube locker.

Vielen Dank, Frank.

Ende der Kreidezeit?

Vielen Dank für die ausführlichen Ideen und Meinungen zum Smart Board. Ich bin ja mal gespannt. Besonders auf den – auch vom Referenten gestern hochgelobten – Einsatz im MU. Leider konnte auch er kein Liniensystem finden. Dafür ein paar Noten in den „Bildern einer Ausstellung“ von Mussorgsky verändern und abspielen. Welche Überraschung, es klang scheußlich.

Ich bin zugegebenermaßen nach wie vor skeptisch, was den sinnvollen Einsatz anbelangt. Notenlehre, ja, klar. Aber einen Großteil meines Musikunterrichts nimmt das Selber-Tun ein: Warm Ups, Bodypercussions, Singen, Klassenmusizieren, Klänge erkunden. Und – möglicherweise bin ich da fossil veranlagt – ich finde, es geht einfach nichts über ein Klavier. Stellt man einen Erstklässler daneben, ist es beeindruckend groß, es kann laut (und so leise!) sein, man kann es öffnen und gucken, was sich da drin versteckt, man kann an den Saiten zupfen und die Hämmerchen beobachten. Was passiert da eigentlich mit, wenn man auf eins der Pedale tritt? Wie lange klingt so ein Ton nach, wenn man das Fortepedal betätigt? Warum schwingen auf einmal auch die anderen Saiten mit? Kann man Klangfarben sehen? Und wo zum… hat sich eigentlich Frau Weh versteckt?

Ok, ich schwelge. Nichtsdestotrotz werde ich den Kampf mit dem Whiteboard aufnehmen. Denn wie gesagt, ich war durchaus beeindruckt von den gestern gezeigten Möglichkeiten. Aber ich werde für meine ersten Versuche (also die richtigen; Filme zeige ich schon eine ganze Weile über das Board, weils so schön groß ist) einen Ferientag einplanen. Denn eine technische Neuheit auszuprobieren, während im Rücken eine ganze Klasse – zunächst erwartungsvoll, dann zunehmend ungeduldiger – marodiert wartet, darauf kann ich wahrhaftig verzichten.

Die erste Runde Whiteboard gegen Weh geht übrigens knapp an mich. Es entpuppte sich als gar nicht so leicht, die Software auf mein kleines Laptop zu packen. Aber ich stecke mitten im Setup, das wird schon noch. Geübt wird dann am Grafiktablett. So leicht finde ich das akkurate Schreiben der Vereinfachten Ausgangsschrift mittels interaktivem Stift nämlich nicht. Aber musste man nicht auch das Schreiben an der Tafel im Referendariat erstmal lernen? Na also. Soll mal einer sagen, ich gäbe mir keine Mühe.

Darf nur kein Stromausfall passieren…

 

Knochenknacker

„Frau Weeeh, Hilfe!“

Die Musikstunde der 4a ist gerade beendet, wir frühstücken. Ich bin geduldig damit beschäftigt mir den vorpubertären Kleinkrieg zweier Zimtzicken anzuhören als mich ein schriller Schrei erreicht. Völlig unerwartet sehe ich mich einer Szenerie gegenüber, die ich so auch noch nicht erlebt habe:

Celina sitzt auf einer Pobacke und kämpft verzweifelt um ihr Gleichgewicht. Die andere Pobacke befindet sich in der Luft. Wie auch das gesamte rechte Bein, dass Celina – vermutlich um ihre Gelenkigkeit unter Beweis zu stellen – hinter den Kopf geklemmt hat. Dort steckt es jetzt offensichtlich fest. Auf jeden Fall bekommt sie es nicht mehr alleine wieder runter. Dies entnehme ich ihren von lautem Wehgeschrei untermalten Äußerungen. In dieser ebenso unangenehmen wie unbequemen Haltung bleibt ihr nichts anderes übrig als um Hilfe zu rufen. Wohlwissend, dass sie sich mit dieser kompromittierenden Lage der geballten Gefühlsmacht eines vierten Schuljahres auslieferern wird. Spott, Hohn, ungläubiges Kichern, entsetzte Quieker (Mädchen in diesem Alter haben einen Hang zu hochfrequentem Gequieke. Das macht ihnen offensichtlich Spaß.) entladen sich über dem armen Kind. Ich weiß nicht so recht, was ich tun soll. Wo setzt man hier denn nun den Hebel an? Also scheuche ich zunächst die Gaffer an ihre Plätze zurück, was die Meute mit lautem Maulen quittiert. Mit beruhigenden Worten versuche ich Celina, die – wer will es ihr verdenken? –  mittlerweile panisch schluchzt, dazu zu bewegen, ihren Kopf zu neigen.

„Geeee-hhhheee-t ni-hicht!“

Verdammt, denke ich, ich muss jetzt schnell handeln, sonst kriegt das arme Kind noch einen Krampf und dann aber Halleluja! In meiner und Celinas Not beginne ich den diesjährigen Ohrwurm des Herbstssingens anzustimmen.

„It rinns from Kopf and shoulder, my feece were cold and colder, colder…“

Wie erwartet fallen die meisten Kinder sofort mit begeistertem Gegröle ein und übertönen den zu erwartenden Schrei, den die bemitleidenswerte Celina natürlich ausstößt, als ich mit links das Bein greife,

„oh yes, I am so ness!“

mit rechts ihren Kopf ein Stück ducke

„and I believe I get a Snief“

und gleichzeitig das Bein runterziehe

„I have a Gänsehaut roundabout“.

Geschafft.

Kurze Zeit später – wir haben uns alle wieder beruhigt, es kann weiter gefrühstückt werden – kommt Celina zu mir:

„Ich kann das auch mit dem anderen Bein, soll ich Ihnen das mal zeigen?“

Nein.

Von Römern und Pupsen

Caesar Ging Durch Afrika. Das ist der Merkspruch, mit dem sich kleine Cellospieler die Saiten ihres Instruments merken. Gitarristen tun das mit Eine Alte Dame Ging Hering Essen und Geiger mit Geh Du Alter Esel. Tambourcorps-Trompeter kennen sowas nicht. Die haben Nummern. Und obwohl ich mir gestern vorsichtshalber gleich zwei verschiedene Grifftabellen aus dem Internet besorgt habe, konnten wir heute nicht herausfinden, um welche Töne es sich bei den gespielten handelte. Einig waren sich alle Kinder darin, dass die Trompete toll aussieht, aber klingt wie ein Elefant mit Würmern.

Offensichtlich wartet mit dem neuen Schulorchester eine recht große Herausforderung auf mich. 14 kleine Musikbegeisterte trafen sich heute in der letzten Stunde im Musikraum. Mit von der Partie sind diesmal

  • 2 Blockflöten, davon kann eine das fis, die andere das b. Das ist praktisch.
  • 2 Querflöten, denen es – da sie noch nicht lange im Training sind – nach kurzer Zeit schwindelig wird
  • 1 Gitarre, die – ganz Profi – einfach alle Akkorde nach dem Motto „was nicht passt, wird passend gemacht!“ greift
  • 2 Keyboards, von denen eins bereits auf Cajon umgestiegen ist
  • 1 Klavier
  • 1 Saxophon in b
  • 1 winzige Geige, die bis jetzt nur leere Saiten spielt (Geh Du Alter Esel!)
  • 1 Mini-Cello
  • 1 Trompete in b
  • 1 Glockenspiel
  • 1 „Ich spiele noch kein Instrument, wollte aber unbedingt ins Orchester!

Das wird spannend.

 

Nebel, Nebel, überall

Ich habe mich verkühlt. Das ist dann wohl die Strafe für gestern.

Heute Morgen bin ich todmüde und heiser aufgewacht. Nicht die allerbeste Voraussetzung für einen Freitag mit mehreren Musikstunden. Aber ich kann mich nicht beschweren, der Vormittag war freundlich zu mir. (Der erneut anwesende Leihhausmeister – obwohl nicht auf dem Einsatzplan für heute angegeben! – auch. Aber das konnte ich ja gar nicht sehen, weil ich beim ersten Vorbeigehen unbedingt tief unten in meiner Tasche kramen und beim zweiten Mal einer Kollegin ein äußerst wichtiges Gespräch aufdrängen musste. Aber beim dritten Zusammentreffen ließ sich keine Fluchtmöglichkeit mehr finden, da habe ich dann mein Pokerface aufgesetzt und so getan als wäre überhaupt nie nix gewesen für das man sich eventuell ein wenig schämen könnte. Und für den Wehschen gluteus maximus schon dreimal nicht!)

Es ist übrigens gar nicht so schlimm, mit wenig Stimme zu unterrichten. Manchmal ist das ganz erholsam. Praktischerweise hatte ich für heute sowieso Klassenmusizieren geplant, da brauche ich nicht viel reden. Diese Stunden sind dann übrigens – anders als man vielleicht denken würde – kein bisschen chaotisch oder laut. Im Gegenteil. Die Kinder sind rattenscharf aufs Musizieren. Und sie wissen genau, dass ihre Chancen auf Surdo, Repinique oder Shaker bei Regelverstößen weit unter Null sinken. Da bald wieder das Feriensingen ansteht, wurden heute die Herbstlieder in Szene und Arrangement gesetzt. Das Herbstferiensingen bereite ich super gerne vor. Ich liebe nämlich E-Moll. In diese Tonart könnte ich mich reinlegen. Und da sehr viele Herbst-, Grusel- und Geisterlieder in e sind, passt mir das ganz gut. (Ganz anders verhält es sich übrigens mit den Martinsliedern. Die sind häufig in F-Dur. Grässlich.)

Mein Freund Marten – nachdem ich ihm beim Tapasessen letzte Woche davon erzählte – schickte mir übrigens postwendend ein Herbstlied in A-Moll zu. Ich muss zugeben, dass auch dieses Lied mir harmonisch zusagt und ich es für nächstes Jahr im Hinterkopf halte.

Zurück zu E-Moll und dem Arrangement eines der zahlreichen Nebellieder. Zur Freude der Viertklässler habe ich heute mit dem Keyboard begleitet und die Kinder mit Klängen und Sounds experimentieren lassen (oh, ich muss dringend Synth/Path 11 auf einen Zettel schreiben!). Der untergelegte Klangteppich aus Regenstäben, Oceandrum, Handtrommeln, Cajon, Djembe und Surdo (ziemlich große Sambatrommel, lässt sich aber auch hervorragend leise spielen) plödderte ein bisschen Regen und zauberte Atmosphäre, ein zart dahinschmelzendes Metallophon (sparsam einsetzen!) blieb auf der Bordun e-h und die Kinder probierten verschiedene Variationen des Singens aus. Kleiner Tipp am Rande, es macht Kindern viel Spaß beispielsweise in die über Nase und Mund gelegten Hände zu singen und so einen gedämpften Pianoklang zu produzieren. Das in Gegensatz zu einer klar gesungenen Passage eingesetzt kann sehr reizvoll klingen. Desweiteren ein paar Soli in Vor-, Zwischen- und Nachspiel eingebaut, alles zusammengesetzt, Instrumente und Aufgaben zwischendurch gewechselt, nach jedem Durchgang kurze Reflexionsphasen, das Ganze mit wenigen Worten und am Ende waren alle glücklich und zufrieden. Und Frau Weh hat ihre Stimme geschont.

Erwähnte ich schon, dass Musik einfach ein wunderbares Unterrichtsfach ist?

Willkommen To Sin

Früher war ja manches einfacher. Als es noch kein youtube gab und kein Englisch in der Grundschule. Da konnte man richtig tollen Musikunterricht machen. Wenn wir im 4.Schuljahr mit Rap begonnen haben, dann habe ich die Kinder per Vocassion oder Bodypercussion einen Grundbeat schlagen lassen und dazu Oldschoollegende Kool Moe Dees Go See The Doctor performed. Ein absoluter Klassiker der rap language. Und so verdammt cool. Da wussten die Kinder sofort und auf der Stelle Bescheid. In den folgenden Einheiten konnte man dann leicht DJing, B-Boying und Graffiti einfließen lassen und – ta daa! – das Gefühl für HipHop war wachgeküsst. Natürlich wollten die Kinder auch vor ein paar Jahren immer gerne wissen, worum es eigentlich geht. Und auch wenn ich generell dafür bin, Kindern grundsätzlich keine Sachverhalte zu verschleiern, ist es bei diesem Stück (wie  bei vielen Raps) nun etwas… prekär. Also beließ ich es bei der allgemeinen Feststellung, dass ein Arztbesuch dann und wann nicht schaden könne und gut war.

Heute hat mans schwer. Da steckt man mitten in der Notenlehre und kommt beim Radiohören während der Autofahrt auf die geniale Idee, den Kindern den G-Dur-Akkord mit dem Glockenspielpattern im bekanntesten Song der Bananafishbones zu vermitteln:

Come To Sin

da fällt einem auf, dass der Text nicht gerade das ist, was Eltern gerne im Musikheft ihres Viertklässlers lesen.

Kleine Bemerkung am Rande:

Glockenspiele sind wohl noch das in den meisten Grundschulen am häufigsten vorhandene Instrument. Also nutzen wir sie doch. Es muss ja nicht immer Orff sein. Interessanterweise gibt es noch einige weitere Popsongs, in denen das Glockenspiel eingesetzt wird. Z.B. in Radioheads No Surprises (Vorsicht, Stimmung ist anders) oder Cheryl Coles Fight For This Love. Der Einsatz von Come To Sin eignet sich in meinen Augen besonders gut zum Klassenmusizieren, da das Pattern einfach ist, sich wiederholt und schrittweise ergänzt werden kann. Schlussendlich lässt sich eine recht nette Performance einüben mit Glockenspielen, wenigen Metallophonen, Boomwhackers, Cajon oder anderem Schlagwerk. Und das Allerwichtigste: Die Motivation der Kinder ist bei diesem Stück unglaublich hoch. Selbst der letzte Muffelkopf verlässt die Stunden mit heißen Öhrchen, weil es so toll war. Versprochen!

Aber das muss nun im Sinne der Kunst einfach ignoriert werden, denn dass das Stück ein wahrer Knaller ist, hört ja nun jeder. Am Tag nach der ersten Bananafishbone-Stunde können mir alle Kinder den G-Dur-Akkord nennen und vorsingen, drei Kinder kommen mit dem ausgedruckten und über google übersetzten Text (ha ha), fünf Kinder haben sich das Stück bereits auf legale oder andere Weise heruntergeladen, ein Kind bringt ein eigenes Glockenspiel mit und ein weiteres einen Brief seiner Mutter, in dem steht, dass sie auf eine Erklärung wartet, was „so ein Schund“ im Musikunterricht der Grundschule zu suchen hat. So macht Unterricht Spaß!

Aufmerksamkeitscatcher

Ich habs geschafft. Ich habe mein Arbeitszimmer aufgeräumt. Was für eine Freude!

Es waren nur vier, fünf Stunden und ein wenig musikalische Unterstützung von Viktoria Tolstoy (ja, genau, verwandt mit dem Tolstoi), Rebekka Bakken und Stacey Kent nötig. Ich mag easy listening zwischendurch wirklich gerne. Und bevor hier jetzt jemand spöttisch die Augenbraue hebt, die drei Damen haben durchaus Format. Und hübsche Stimmen. Und Swing! Das ist wesentlich mehr als man beispielsweise von den Kandidaten einschlägiger TV-Formate erwarten kann.

Außerdem kann man nicht immer Klassik hören. Das ist ja nicht nur reiner Genuss, sondern immer auch Hör-Arbeit. Und davon bekomme ich Hunger. Und in den Ferien nehme ich sowieso immer ein, zwei Kilo zu, weil ich Zeit zum Essen habe und mich dabei im Gegensatz zur Schulzeit sogar hinsetze. Da kann ich jetzt nicht auch noch ständig Klassik hören und dabei Pasta oder Süßkram inhalieren. Kinder sind nämlich sehr direkt. Wer möchte schon nach den Sommerferien mit einem fröhlichen „Du bist aber dick geworden, Frau Weh!“ auf dem Schulhof begrüßt werden? Na also!

Überhaupt, die Optik! Das ist ja so wichtig. Manchmal macht ein gutes Outfit eine miese Stundenplanung wett. Ich besitze zum Beispiel ein bestimmtes Blümchenkleid. Es ist himmelblau mit einer überbordend großen Menge bunter Prilblumen drauf. Wenn man lange genug daraufstarrt, kann man Muster in 3D erkennen. Schaut man noch länger, beginnen sie zu tanzen. Dieses Kleid garantiert die Aufmerksamkeit der kompletten weiblichen Schülerschaft. („Du bist heute aber hübsch, Frau Weh!“) Ich habe es getestet, es wirkt. Mathearbeiten werden mit weniger Genöle quittiert und Pausenaufsichten werden wesentlich ruhiger. Außerdem können mich die Kinder sofort orten, wenn etwas ist. Das Kleid flirrt nämlich unter Sonneneinstrahlung.

Bei den Jungs ist das schon schwieriger. Da braucht es etwas mehr, um Eindruck zu machen. Grundsätzlich mögen sie lange blonde Haare (hab ich nicht), lange Beine (hab ich auch nicht) und eine passable Oberweite (ach, was soll ich mich denn jetzt in meinem eigenen Blog zum Horst machen!?). Darin unterscheiden sich kleine Jungs von größeren nur unwesentlich. Ich habe gelesen, dass bereits in der Eiszeit Blondinen bevorzugt wurden. Wer zum Teufel untersucht sowas? Und wie?

Bei den Jungs greife ich daher lieber auf andere Aufmerksamkeitscatcher zurück. Lego Star Wars Fachwissen kommt gut. Ich empfehle das Buch Lego Star WarsAlle Figuren, Raumschiffe und Droiden, die Nachschlagebibel von Episode I bis zu „The Clone Wars“. Nach der Lektüre bleiben keine Fragen offen. Wie viele Steine hat der Millenium Falcon? (659, zumindest beim alten Modell von 2000. Das neue ist gerade auf den Markt gekommen und verfügt über 1254 Teile.) Wie viele bespielbare Ebenen gibt es auf dem Todesstern? (4, wobei die unterste Ebene direkt unter der Müllpresse liegt und von Müllkraken – Dianogas – bewohnt wird.) Alles keine großen Unbekannten mehr. Mit Minifigur Luke Skywalker! Den im entscheidenden Moment aus der Tasche gezogen und alle Jungs sind auf deiner Seite.

Falls es einige wenige Exemplare geben sollte, die dem Star Wars Kult nicht verfallen sein sollten (ich benutze bewusst den Konjunktiv. Jeder, der eine Klasse 1-4 unterrichtet, weiß, warum) dann gibt es das Buch der Bücher auch passend für Potterfans Lego Harry Potter – das magische Lexikon. Auch hier mit exklusiver Minifigur (Harry im Ausgehanzug) und jeder Menge nötigem und unnötigem Wissen. Ob es die Pirates of the Carribean auch bis zum eigenen Lexikon schaffen werden, steht noch in den dänischen Sternen.

Auf jeden Fall sind das ein paar wirklich gute Möglichkeiten Jungs zum Lesen zu verlocken. Neben einem dicken Lexikon über verschiedene Automodelle sind die oben genannten Bücher die beliebtesten in meiner Klassenbibliothek. Als Farbkopie laminiert und in einzelne Artikel zerschnitten finden sie auch häufig Verwendung als Abschreibtexte.

Naja, auf jeden Fall häufiger als die Abschreibtexte von Sommer-Stumpenhorst.