Alles neu

Also um das mal klarzustellen:

Ich habe mitnichten gestern nur so ein bisschen geräumt und Kaffee getrunken. Natürlich habe ich das auch getan. Aber in erster Linie habe ich – wie fast jedes Jahr – mal eben ein neues pädagogisches Raumkonzept entworfen. Wir wissen doch alle, wieviel Einfluss beispielsweise die Sitzordnung für den Lernerfolg eines Schülers ausmacht. Oder das Vorhandensein bestimmter Lernecken. Der Forschertisch! Die Leseecke! Die Farbe der Vorhänge! Das ist reines Feng Shui fürs Klassenzimmer.

Natürlich kann ich das nicht alles alleine machen (ich könnte schon, aber ich bin ja nicht mehr Mitte 20), da ist es gut, wenn das Verhältnis zum Hausmeister stimmt. Überhaupt, der Hausmeister! Liebe Referendare, liebe junge Kolleginnen, hier ein mütterlicher Rat: Knüpft eure Beziehungen Richtung Hausmeisterbüro und Sekretariat! Kolleginnen kommen und gehen, Chefinnen können so sein oder so. Die wirklich wichtigen Freundschaften sind die zu Hausmeister und Sekretärin. Un-be-zahl-bar! Ganz bescheiden darf ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich die erste an unserer Schule war, der der Hausmeister das DU, HEINZ, DU angeboten hat*. Zwar fiel mir vor Schreck die Kaffeetasse aus der Hand, aber das schmälerte die Erhabenheit des Momentes nicht. Im Hausmeisterbüro findet sich immer ein Wischlappen. DU, HEINZ, DU und ich sind jedensfalls ganz dicke. Das erklärt auch, dass er bereits ohne weitere Aufforderung die Tische und Stühle in der Klasse gegen größere ausgetauscht, ein Regal ab-, ein weiteres aufgebaut, meine Pflanzen gegossen und die Pinnwände neu gestrichen hat. Und das alles für ein grantiges „Wat machst du denn schon widda he?“ Boah!

Da war es dann auch ein leichtes für mich, den Rest des Klassenraumes den Bedürfnissen eines 3.Schuljahres anzupassen. Klassenraumgestaltung ist ja tatsächlich eine wichtige Sache in der Grundschule. Und da wir das unermessliche Glück eines festen Raumes haben, können wir uns da auch richtig ausleben. Natürlich nicht so, wie das unsere geschätzten amerikanischen Kollegen tun. Wusstet ihr, dass es in den USA einen Berufszweig gibt, der Klassenräume nach Mottos einrichtet und umgestaltet? Passend zu Halloween, 100th day of school, Valentinstag und so weiter. Verrückt. Andererseits auch faszinierend für jemanden wie mich, der sein Klassenzimmer recht clean einrichtet. In meiner Klasse erfüllt alles einen Zweck, da gibt es nichts, was reine Deko wäre. Keine Bärchen, keine Mäuschen, keine Herzchen. Und dann surfe ich auf die Seite Schoolgirl Style und denke, ja, so eine Tikibar… warum eigentlich nicht?

Der Hausmeister lässt sich derweil ein Brett auf den dicken Zeh fallen und teilt mir lautstark mit, dass ich ja wohl einen Knall hätte. Und offensichtlich kein Zuhause. Und überhaupt wäre es doch mal langsam Zeit für einen Kaffee!

Glück gehabt, ihr Drittklässler, gerade noch so an der Happy Honeybee Collection vorbeigekommen.

*Kniggeerfahrene mögen jetzt einwenden, dass dieser Ablauf mitnichten von gutem Stil geprägt sei. Schließlich müsse doch die Dame zuerst…? Das gilt aber definitiv nicht für Hausmeister. Die stehen über allem. Immer.

Sprechen wir doch mal über…

Lehrergeschenke!

Zu Beginn des letzten Halbjahres (Herr Wulff steckte uns tief in den Knochen) verkündete Chefin laut und vernehmlich auf der Schulpflegschaftssitzung, dass Geschenke über 5,- Euro nicht statthaft und somit absolut unerwünscht wären.

Schade eigentlich. Oder?

Ja, Lehrer bekommen Geld für das, was sie tun. Und zwar unabhängig davon, wie sie es tun. Sprich, es gibt nicht mehr Geld für die Engagierten und nicht weniger für, naja, die anderen. Eigentlich bräuchten Lehrer keine Abschieds- oder sonstigen Geschenke, sie tun ihre Pflicht. Dennoch finden sich auf meinem Schreibtisch in den letzten Tagen immer wieder verschiedene Dinge: Schokolade, Dankeskarten, ein paar Blümchen.

Warum eigentlich?

Vermutlich aus dem gleichen Grund, aus dem auch ich der Lehrerin des mittelgroßen Wehwehchens jedes Jahr ein kleines Dankeschön zum Ende des Schuljahres mitgebe. Als Dank dafür, dass sie in meinem Kind mehr sieht als nur einen – manchmal ganz schön anstrengenden –  Teil ihrer täglichen Aufgabe. Dafür, dass sie mein Kind fair, gerecht, aber auch ermutigend und grundsätzlich wohlwollend unterrichtet. Dass sie sowohl Fähigkeiten wahrnimmt und fördert, wie auch Schwächen aufspürt und Hilfestellung gibt, wo es nötig ist. Dass sie lobt. Und tadelt. Dafür, dass sie glücklicherweise ganz ohne Schubladen in ihrem Denken auskommt. Und nicht zuletzt auch dafür, dass das mittelgroße Wehwehchen sie gern hat. Denn dafür wird sie nicht bezahlt. Kein Gehalt wäre hoch genug.

Die Lehrerseite:

Natürlich erwarte ich es nicht. Aber es ist schön ein Danke zu bekommen. Ob dieses Danke viel gekostet hat oder gar nichts, ist nicht wesentlich. Teure Geschenke sind irgendwie… unangenehm. (Preiswerte Geschenke können das aber auch sein, s.u.) Ich freue mich, wenn ich eine kleine Karte mit ein paar treffenden Zeilen bekomme. Signalisiert es doch, dass sich da jemand Gedanken gemacht hat. Sollte diese Karte dann noch an einem Glas Marmelade baumeln – na also!

In den letzten Jahren habe ich einige Geschenke bekommen. Einiges hätte ich nicht annehmen dürfen, anderes hätte ich gerne abgelehnt. Wir hätten da beispielsweise:

  • Die Teekanne in Form eines Golfballs. Keine Ahnung, was das sollte. Ist dann auch irgendwann hingefallen. Schwerkraft und so.
  • Der riesige tönerne Übertopf, der – schließlich bin ich Musiklehrerin – in Serviettentechnik mit dem Antlitz von Beethoven verziert wurde. Für eine Pflanze hat es damals übrigens nicht gereicht. Es gab nur den Topf. Der war lila. Hmm.
  • Eine Fototasse mit Klassenfoto. Randvoll  mit angeschmolzenen Schnapspralinen. Brrr. Fand ich beides doof. Ich stehe überhaupt gar nicht auf Fototassen. Auch nicht auf niedliche Kätzchen, Hunde mit Glubschaugen oder Anne Geddes.

Jetzt höre ich schon die verzweifelten Fragen der mitlesenden Klassenpflegschaftsvorsitzenden: Was kann man denn überhaupt schenken?

Auch da kann geholfen werden! Geschenke, über die ich mich gefreut habe:

  • ein großes Bild auf Leinwand, auf dem jedes Kind der Klasse ein Feld mit Acrylfarben ausgemalt hat. Das ist wunderschön und hängt seitdem in meinem Klassenraum,
  • immer wieder: Ein schöner Blumenstrauß, gerne von den Kindern einzeln zusammengetragen,
  • selbstgemachte Marmelade,
  • eine Karte oder ein kleiner Brief mit einem Danke,
  • kitschig, aber wahr: Eine große Packung Merci. Aber auch nur, weil ich bei der Werbung immer heulen muss,
  • nudefarbene Pumps in 38.

Das ist doch wirklich nicht schwierig! 😉

Supermoms Rache

Prolog: Ich glaube, ich bin enttarnt. Supermom liest mit. Vermutlich schon eine ganze Weile. Das erklärt ihr Verhalten mir gegenüber. Ich verabschiede mich mit Bedauern bei all meinen Lesern, es war sehr schön mit euch.

letzte Woche beim Eltern, wir danken schön! Fest:

„FRAU WEH! Was ich Sie die ganze Zeit schon fragen wollte!“

Supermom – ein Glas Sekt in der einen, ein üppiges Kanapee in der anderen Hand – stürzt auf mich zu. Dass ich mitnichten allein dort stehe, interessiert sie eher weniger. Auch die stilvollen 30cm Tanzabstand sind nicht so ihr Ding. Es muss eine dringliche Frage sein, die der besten Mutter aller Zeiten unter den Nägeln brennt, als sie sich ihren Weg durch die Eltern bahnt und jetzt knapp vor meiner Nase abbremst.

„Ja, bitte?“ Ich gehe automatisch ein Schrittchen zurück. Sie folgt.

„Haben Sie sich eigentlichvon Ihrem Mann getrennt!?“ Erwartungsgeifernd starrt sie mich an.

Meine Überraschung ist echt: „Wie bitte!?“

„Ob. Sie. Sich. Ge. Trennt. Ha. Ben! Ich meine, Sie haben doch so abgenommen* und dann die Sache mit dem Haareabschneiden** und in der letzten Zeit sind Sie ziemlich deprimiert rumgelaufen***. Und da habe ich mir so gedacht…“, Kunstpause und beifallheischender Blick in die Runde, „die hat sich bestimmt von Ihrem Mann getrennt!“

Die anderen Eltern erstarren und blicken gebannt auf Supermom und mich.

„Ach, da haben Sie sich gedacht, ich hätte mich getrennt?“

„Ja! Genau! Das sagt man doch so, mit dem Friseur und so!“ Herausfordernd blickt sie mich an. Ich atme kurz durch und genehmige mir einen Moment des Nachdenkens. Kuh, blöde! Dann strahle ich sie kraft meiner langjährigen Elternerfahrung an.

„Wie nett, dass Sie sich Gedanken um mich machen, Frau Supermom. Wirklich, sehr nett. Ein Grund mehr, hier heute abend Danke zu sagen.“ Ich blicke ihr fest in die Augen. „Leider kann ich keine neuen Informationen beisteuern, mir geht es“, ich denke kurz an die bald beginnende Zeit ohne Supermom, „wunderbar.“

„Oh, dann ist ja gut“, antwortet sie enttäuscht.

„Aber“, nehme ich das Gespräch wieder auf, ihre Augen erhellen sich, „aber ich muss Sie in Kenntnis setzen, dass ich morgen zum Friseur gehe. Möglicherweise lasse ich mir die Haare sogar färben!“

Sie ist enttäuscht. Definitiv. Die Eltern um uns herum lösen sich aus ihrer Erstarrung, einige versuche sich an einem kläglichen Lächeln. Ich blicke ihr tief in die Augen. „Dies nur als Info, damit Sie die Zeichen richtig deuten…!“

* Stimmt. Nach der Geburt des Miniwehs habe ich mich an die Zurückeroberung meines Figürchens gewagt. Das ist jetzt – Moment – zwei Jahre her.

** Stimmt auch. Der Friseurbesuch war im Sommer letzten Jahres.

*** Nur nach ganz bestimmten Elterngesprächen, ehrlich.

Zu Ende geht die Grundschulzeit…

Krank. Natürlich.

Erwischt es mich doch immer so kurz vor Toresschluss. Selbstverständlich unvorbereitet. Genauso wie mich auch der Sommer immer ganz plötzlich überrascht. Zack, ist er da und wer hat es wieder nicht kommen sehen und trägt ein 2 Kilo-Schuljahresendbäuchlein zu käsigen Beine? Genau, Frau Weh. Schlimmer noch: „Deine Beine sehen igelig aus“, raunt mir eine Erstklässlerin charmant beim Kolleginnenabschied zu. Ich sitze auf dem Cajon und versuche die rhythmischen Zügel einer ganzen Klasse fest in der Hand zu halten. Da kann einem schonmal ein Hosenbein hoch- und das Herz in selbiges hineinrutschen. Außerdem plagt mich eine üble Erkältung. Mein Kopf fühlt sich an, als habe ich mein Gehirn bereits mit einem kräftigen Nieser ins Nirwana befördert.

Aber gut war es. Und schön. Alle haben ihren Part bravourös gemeistert. Ich war wirklich stolz auf meine Musikklassen. Auch die CrazyFunkyChicken haben etwas zusammengeschustert, das – du ahnst es nicht! – zu Musik wurde. Heterogener als dieses Miniorchester zwischen Saxophon und DreiMannKlavier geht schon gar nicht mehr. Inklusiver auch nicht, schwankte doch das waghalsige Arrangement zwischen du spielst die ganze Zeit und nein, nur EINMAL am Schluss draufhauen! Doch spätestens als die gesamte Schulgemeinde einfiel ins „Zu Ende geht die Grundschulzeit, viele Jahre warst du hier“ wurde Gewissheit, was vorher Hoffnung (und gelegentlich auch blanke Panik war):

Das war richtig gute Arbeit!

Oder wie es ein CrazyFunkyChicken formulierte: „Cool, wir habens voll drauf, Frau Weh!“

Frau Weh(mut)

Unverkennbar Schuljahresende.

Wann sonst hat man das Gefühl, alles ziehe so rasant an einem vorbei, dass man kaum noch zum Luftholen kommt? Ist es nicht als würde man einer kleinen Murmel am oberen Treppenabsatz einen Stips geben, woraufhin sie – poingpoingpoing – uneinholbar Stufe für Stufe herabkullert? So jedenfalls fühle ich mich gerade. Eben waren es noch Wochen um Wochen, jetzt lassen sich schon Stunden abzählen. Wo soll ich also mit dem Erzählen anfangen? Vielleicht bei dem Fauxpas, den sich Supermom beim Elterntralalafest geleistet hat? Oder lieber bei einer unglaublichen Nachricht, die mir das Schulamt zukommen ließ? Möchtet ihr von der traurig-schönen-lustigen Abschiedsfeier mit den Zweitklässlern hören oder doch lieber vom Kolleginnenabschied mit Luftpumpen, Bananafishbones und den CrazyFunkyChicken?

Nein, ich starte bei den Zweitklässlern, haben sie mir doch heute eine Überraschung bereitet, die so gelungen war, dass mir ganz urplötzlich die gänsehäutige Gewissheit die Arme heraufkroch, dass ich diese Klasse trotz allem irgendwo ins Herz geschlossen habe. Und – fast schöner noch – Spuren hinterlassen habe.

Kurz vor der Frühstückspause bauten sie sich aufgeregt vor mir auf. Alle, wie sie da waren: Amelie, Pauline, Lennox, Justin, Mia-Sophie und so viele mehr. „Frau Weh, fragen Sie sich nicht, warum wir Sie letzte Woche immer Kaffeetrinken geschickt haben? Wir haben Ihnen ein Abschiedslied gemacht.“

Und dann sangen sie. Metrisch nicht sehr rein, aber voller Inbrunst, auf die bekannte Melodie des Irischen Segenswunsches getextet.

Liebe Frau Weh, wir haben Sie lieb und der Abschied fällt uns richtig schwer.

Weil wir richtig Spaß hatten, wollen wir uns nicht so trennen.

Refrain

Liebe Frau Weh, wir hatten Spaß mit Ihnen und der ganzen Klasse.

Sie sind nett, hübsch und lustig, deshalb haben wir Sie ganz doll lieb.

Refrain

Dicke Tränen werden nun fallen, weil Sie uns ins Herz gewachsen sind.

Und wenn Sie uns jetzt verlassen, sticht ein großes Loch in unser Herz.

Refrain

Wir gehen nicht ins 3.Schuljahr, weil Sie ja nicht mehr da sind.

Und ins 4. gehen wir auch nicht, weil Sie ja nicht dabei sind.

Refrain

Und wir wollen noch etwas sagen, Sie sind die beste, die es gibt.

Wir werden Ihnen ganz doll versprechen, wir arbeiten leise und lieb normal.

Und bis wir uns wiedersehen, hoffen wir, dass Gott Sie nicht verlässt.

Er halte Sie in seinen Händen, doch drücke seine Faust Sie nicht zu fest!

Was soll ich sagen? Ich musste mal schlucken.

Und dann musste ich sie mal drücken.

Von faulen Säuen und noch mehr Speck

Der Ausflug war schön. Keine ungeplanten Vorkommnisse. Das Wetter hat auch einigermaßen mitgespielt, wobei die Zweitklässler und ich zunehmend klebriger wurden. Aber auch dafür gibt es ja Feuchttücher 😉

Der heutige Busfahrer hieß Lothar und war recht gemütlich. Selbst nach einer Stunde gesanglicher Beschallung vom Allerfeinsten (ich musste die letzte Musikstunde ausfallen lassen und hatte den Zweitklässlern leichtfertig versprochen, sie auf der Busfahrt nachzuholen) hatte er noch die Ruhe weg. Es singt sich übrigens immer noch ganz hervorragend in einem Bus, obgleich ich die alten Fahrtenlieder ja schmerzlich vermisse. Was ist schon Puck, die Stubenfliege gegen Bolles persönliches Pfingsterlebnis?

Von den drei Plastiktüten waren zwei in Gebrauch: Eine, die jetzt ein übriggebliebenes Handtuch beherbergt und eine weitere, die sich Justin um die blanke Körpermitte wickeln musste, um sich so notdürftig bedeckt auf die Suche nach seiner entschwundenen Unterhose zu begeben. Erst später stellte sich dann heraus, dass die Suche völlig umsonst war, denn das Objekt seiner Begierde befand sich zu keiner Zeit mit uns auf dem Ausflug, sondern über der Stuhllehne im heimischen Kinderzimmer. Den weiteren Ausflug brachte er dann nörgelnd und breitbeinig in Jeansshorts hinter sich. Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass ich ihm die Schmach hätte ersparen können, hätte ich nur vorgesorgt. Aber im Grunde genommen hatten alle anderen sehr viel Freude an seinem Gehüpfe. Das ist ja auch nicht zu verachten!

Natürlich gabs nicht nur Spiel und Spaß. Das Ganze braucht ja auch eine pädagogische Linie. Im grünen Klassenzimmer haben wir daher gelernt, dass Frischlinge nicht immer frisch und die sprichwörtliche Sau gar nicht so faul ist. Naja, wer’s glaubt.

Insgesamt ein schöner Tag und kein bisschen vergleichbar mit den Kopfschmerzen, die mir die Zootour vor einem Jahr bereitet hat. Merke, Kindern und Käse tut eine gewisse Reife gut!

Jetzt schnell unter die Dusche und dann später zum großen Elterntralala. Eure Vorschläge waren so super, nur ich war zu spät. Denn sie fanden sich bereits fast alle auf der Liste der Kolleginnen. Also werden es dann doch wieder Pflaumen im Speckmantel. Einfallslos, ich weiß. Aber ich bin auch so platt, dass jetzt nicht mehr drin ist. Und wage sich bloß einer zu beschweren! Dem piek ich dann mit einem Original Hema-Fähnchen dorthin, wo die Sonne nicht scheint.

Habt ein schönes Wochenende,

Frau Weh

Ausflugsorganisation

Wenn man mit einer Grundschulklasse das Wagnis eines Ausflugs eingeht, dann sollte man einigermaßen vorbereitet sein. Denn so lauschig und charmant die Vorstellung auch ist, mit einer Schar Kinder lustig wandernd die Welt zu erkunden, die Realität ist oftmals die pure nervliche Achterbahnfahrt. Den heutigen Nachmittag nutze ich also, um alles einzupacken, was nötig ist, um alle Zweitklässer wieder vollzählig und in ganzen Stücken zurückzubringen. Hier mal meine

Standard-Packliste für den Klassenausflug:

  • Telefonliste mit Handynummern der Eltern, Schulnummer
  • Zweitklässleridentifikationskarten*, laminiert und mit Kordel zum Umhängen versehen
  • Ersatz-Shirt für mich (ich hatte da mal ein unangenehmes Erlebnis während einer Busfahrt…)
  • mindestens 3 Plastiktüten
  • Erste Hilfe-Ausrüstung einschließlich Knick-Eispacks
  • Tempos
  • Babywaschlappen o.ä. (feuchte Tücher können le-bens-ret-tend sein!)
  • Handy, Geld, Infozettel (Abfahrt-/Ankunftzeiten, Telefonnummer des Museums o.ä.)
  • Waschlappen oder kleines Gästehandtuch (falls mal ein kleiner Hitzkopf runtergekühlt werden muss)

Damit bin ich bisher ganz gut klargekommen. Je nach Wetterlage packe ich noch eine große Flasche Sonnencreme dazu.

Woraus besteht eure Ausrüstung? Habt ihr noch Tricks und Tipps auf Lager, die unbedingt geteilt gehören? Ich würde mich freuen!

* Zweitklässleridentifikationskarten:

Mein Name ist Mia-Sophie.

Ich bin Schülerin der tollen Grundschule in

Sagichnicht (01234/56789).

Meine Lehrerin heißt Frau Weh und ist

unter 0815/4711 zu erreichen.

Wichtig: Die Karten rund schneiden. Eckig piekst ganz schön unterm T-Shirt (immer unters T-Shirt wegen Strangulationsgefahr). Den Namen schreibe ich mit Edding auf die Karten, dann kann er später mit Nagellackentferner beseitigt und die Karte wiederverwendet werden. Noch wichtiger: Karten am Schluss wieder einsammeln! Das fehlt mir noch, dass PapaPauline mir eine SMS schickt. Oder schlimmer noch: Supermom!

Und ich brülle nicht.

Respekt.

Ist es nicht Respekt, den wir von unseren Schülern erwarten? Sollten wir ihnen nicht erstmal vor Augen führen, was das ist, respektvolles Verhalten? Ich sitze oft in der Klasse und höre einzelne Kolleginnen brüllen. Das lässt mich jedesmal innerlich zusammenzucken. Natürlich werde ich auch manchmal lauter (es gibt Dinge, die erfordern eine gewisse Ausreizung der stimmlichen Amplitude), aber es sitzen Kinder vor uns. Kinder, die sich nicht ausgesucht haben, in genau dieses Leben, diese Umstände geboren zu werden. Kinder, die sich nicht selber erzogen haben und die das Recht auf Fehler haben. Ja, auch auf Fehlverhalten.

Nein, es reicht mir nicht, wenn meine Schüler nur lesen, schreiben, rechnen bei mir gelernt haben. Ich möchte, dass sie an ihre Grundschulzeit als an eine zwar fordernde, aber auch ermutigende und schöne Lernzeit zurückdenken können. So oft belächeln Kollegen von weiterführenden Schulen die Grundschuldidaktik, aber sind es nicht genau die Kinder, die ihr gerne übernehmen würdet? Lernfroh, aufgeweckt, mit fragender Neugier?

Ja, mir ist heute eine Laus über die Leber gelaufen. Und ja, ich lasse Lennox das Schuljahr wiederholen. Bei Frau Schmitz-Hahnenkamp hätte er nämlich keine Chance. Manchmal ist es doch zum Kotzen.

Neuigkeiten

Frau Schmitz-Hahnenkamp also…

Jetzt ist es offiziell, wir bilden ab nächstem Jahr ein Team. Während die Kollegin beim Zusammentreffen auf dem Flur unverhohlen eine Art freudiger Erregung an den Tag legte, die mich empfindlich an die Vampire in True Blood erinnert, befinde ich mich noch in einer Art Trancezustand als ich bei Chefin im Büro sitze. Hatte ich doch bis zuletzt gehofft, der Kelch möge an mir vorübergehen. „Ihr zwei arbeitet dann eng zusammen, in Ordnung, Frau Weh?“, Chefin blickt mich besorgt an. „Ich arbeite immer gut im Team!“, entgegne ich leicht unter Schock stehend. „Dass du das tust, weiß ich“ antwortet Chefin mit einem leichten Seufzer, der aber auch ein nicht sehr gekonnt unterdrücktes Aufstoßen sein könnte. „Das wird schon funktionieren“,  sagt sie mehr zu sich selber als zu mir, die ich ich schon auf dem Weg aus dem Büro bin. Ich hatte es schon länger geahnt, aber nicht wahrhaben wollen. Dabei konnte ich mir das ausrechnen, war doch nur noch eine Klasse lehrerlos.

Mit betretener Miene kommt mir die weltbeste Sekretärin entgegen, schokoladiges Trostpflaster in der Hand. „Ausgerechnet du!“, meint sie mitfühlend und streckt mir die Knusperflocken entgegen, „wo die doch mit niemandem zusammenarbeiten kann.“ „Ach“, mischt sich da Frau Abendroth ein, die bis eben fluchend vor dem Drucker hockte, „wenn das einer schafft mit ihr, dann bist du das!“ und knufft mich in die Seite. „Lass dich bloß nicht unterkriegen und zieh dein Ding durch!“ Auch Kollegin Kraft bekundet Anteilnahme, legt den Stapel mit den Zegnissen auf dem Tisch ab und streckt mir ihren hochgereckten Daumen entgegen.

Eine Woge der Empörung brandet mir in meiner Klasse entgegen. Die Zweitklässler sind außer sich. „Wieso bekommen die dich und wir kriegen Frau Schmitz-Hahnenkamp?“ Dass Frau Schmitz-Hahnenkamp die neue Klassenlehrerin wird, haben sie einigermaßen verdaut, wenn auch bei einigen die unverhohlene Angst ins Gesicht geschrieben steht. Dass sie mich jetzt allerdings auch noch an eine ungeliebte Parallelklasse verlieren sollen, sind sie nicht zu verzeihen gewillt.

„Jetzt ist es endgültig, ab nächstem Jahr bin ich mit Frau Schmitz-Hahnenkamp zusammen“ erzähle ich Herrn Weh kauend am Tisch. Herr Weh hält inne, die Gabel mit der aufgespießten Kartoffel in der Luft. „Ach, du Scheiße!“

Na, wenn das nicht Mut macht.

Noch’n Schnittchen, Schneewittchen?

Nee, nee. manchmal habe ich einfach schlechtes Timing. Das ist mir heute in der Konferenz aufgefallen. Und zwar machen die Zweitklässler und ich am Freitag unseren Abschlussausflug. Klasse Sache, das! Ehemaliges BUGA-Gelände; ein Teil Naturerlebnispädagogik, zwei Teile Spielplatz = gutes Konzept und am Abend fallen alle müde ins Bett und schlafen gut. Auch Frau Weh.

Soweit die Planung.

Leider habe ich dabei ein winziges Detail übersehen: Den Eltern,wirdankenschön-Empfang. Diesen unglaublich wichtigen Bestandteil einer gut funktionierenden Lehrer-Eltern-Beziehung konnte ich noch nie leiden. Nein, versteht mich nicht falsch, Eltern wird generell viel zu wenig gedankt (ich spreche da aus Erfahrung), aber warum ausgerechnet wir das in solcher Form tun, erschließt sich mir nicht.

Wir müssen uns bedanken, findet Chefin. So als Schule. Mit selbstgemachten Schnittchen und Häppchen und Kannstmichmalchen. Für unzählige Dienstleistungen am Kind bei Projektwochen, Lesestunden, Sportfesten und all dem anderen Kram, der in meinen Augen sowieso viel zu hoch gehängt wird. Und damit sind wir wieder bei einem der Lieblingsthemen: Wieviel Eltern braucht Schule? Oder anders: Warum macht Schule nicht mal alleine?

Würden wir nicht jede popelige Veranstaltung zum Event stilisieren, müssten wir nicht mit schöner Regelmäßigkeit um Elternhilfe bitten, müsste die arme Frau Weh sich nicht nach stundenlangem Ausflug noch in die Küche stellen, während die Wehwehchen mit großen hungrigen Augen bettelnd daneben stehen. Hach, ein Teufelskreis. Leider finden Chefin und Schulpflegschaft so ein nettes Beisammensein zwischen Mettigel und Hackbällchen aber ganz großes Kino. Keine Chance, Frau Weh. Also brauche ich jetzt ganz dringend ein Rezept, das

a) schnell zu machen ist (Tüte auf und fertig wäre ideal!),

b) supertoll aussieht (selbstverständlich ist auch Supermom anwesend) und

c) möglichst preiswert ist*.

Hat jemand einen Tipp? Ich wäre dankbar!

* Nein, Rosinen gehen nicht.