Teachers leave them Kids alone

Abwechselnd The Clash und Pink Floyd im Ohr grübele ich seit ein paar Tagen über einen Leserkommentar nach, darin die leise Rüge, dass ich meine Klasse während des Unterrichts verlassen habe, und die Hoffnung, ich möge dies nicht regelmäßig tun.

Ich hätte dies gern ein wenig launisch und schmunzelnd mit einem schnellen Spruch abgetan, aber tatsächlich finde ich das Thema zu wichtig. Wie sieht es denn aus mit der Anwesenheit in deutschen Klassenzimmern?

Natürlich gibt es Gründe für ein Verlassen des Klassenraumes während des Unterrichts. Es gibt so Tage, da kommt man vor lauter Schulkram noch nicht einmal aufs Klo, geschweige denn in den Genuss eines Kaffees oder eines Gesprächs mit Menschen über 1,48 m. Im Gegensatz zu anderen Schulformen oder schlichtweg größeren Schulen haben meine Kolleginnen und ich nicht automatisch nach zwei oder drei Stunden Pause. Es sind Aufsichten zu führen, Kinder zu betreuen, Anrufe zu tätigen. An einem durchschnittlichen Konferenzmontag verbringe ich beispielsweise über 9 Stunden in der Schule ohne eine einzige richtige Pause. Klar kann ich in der Konferenz schnell etwas essen oder auch mal zur Toilette gehen, aber eine wirkliche Pause? Fehlanzeige.

Selbstverständlich lasse ich die Viertklässler nicht ständig allein – obwohl ich es (Vorsicht, reinstes Eigenlob!) mittlerweile könnte, sie sind gut eingenordet. Tatsächlich kommt es aber vor, dass ich ein Blatt im Unterricht nachkopiere, weil Sinans Meerschweinchen gefräßig oder Paulines kleine Brüder undicht waren. Auch flitze ich nach meiner Pausenaufsicht noch einmal schnell ins Lehrerzimmer, um in mein Fach zu sehen oder aktuelle Aushänge abzuzeichnen. In dieser Zeit lasse ich meine Klasse unbeaufsichtigt. Ja, da könnte natürlich etwas passieren. So wie fast überall und jederzeit.

Aber ich bin der Meinung, dass es dem Vertrauensverhältnis zwischen Klasse und Klassenlehrer durchaus zuträglich sein kann, wenn solche kurzen Momente möglich sind, ohne dass gleich die Hütte brennt. Wir reden hier über wenige Minuten, natürlich bleibe ich meiner Klasse nicht stundenlang fern, das versteht sich ja von selber.

Ganz nebenbei – und gedanklich völlig unsortiert – empfinde ich die Beaufsichtigungsdiskrepanz zwischen Kindergarten, Grundschule und weiterführender Schule als sehr groß. Zwei Beispiele aus Müttersicht:

  • Ich hole das Miniweh freitags früh ab. Auch wenn ich bereits gegen 12.15 Uhr im Kindergarten bin, so brauche ich doch geraume Zeit, es auf dem riesigen Kindergartengelände zu finden. Mal hockt es auf einem Baum, mal liegt es im Gebüsch, selten sitzt es im Sandkasten, aber oft in den Autoreifen hinter der Holzhütte. Klar sind da auch Erzieherinnen unterwegs, aber dem glücklichen Gesichtsausdruck des Miniwehs nach zu urteilen, tauchen sie eher selten im freien Spiel auf. Freiheit zu erfahren macht Kinder selbstständig und selbstbewusst. Freiheit zu erfahren bringt aber auch blaue Flecken und Splitter im Daumen mit sich. An allem wächst ein Kind.
  • Das größere Wehwehchen ist auf dem Gymnasium. Manchmal fällt Unterricht aus, nicht immer erscheinen die Lehrer pünktlich zum Unterricht in der Klasse. Es liegt zwangsläufig auch in der Eigenverantwortung der Kinder, wie sie damit umgehen. Das Wehwehchen für seinen Teil freut sich vermutlich über die gewonnenen Minuten, hält ein Schwätzchen mit seinen Nachbarn, brüllt präpubertären Blödsinn durch den Raum oder schludert schnell seine Hausaufgaben ins Heft.

Sowohl vor als auch nach der Grundschulzeit erfahren Kinder in ihrer jeweiligen Institution, wie es ist, unbeaufsichtigt zu sein. Ist eine permanente Aufsicht wirklich notwendig? Oder sollten wir entspannter damit umgehen? Ist eine dauerhafte Beaufsichtigung überhaupt realistisch?

Nein, ist sie nicht. Rechtlich ist die Aufsichtspflicht in der BASS (Bereinigte Amtliche Sammlung der Schulvorschiften) geregelt, darin heißt es u.a. „ständige Anwesenheit der Lehrkraft ist nicht in jedem Fall zwingend geboten.“ Wen es interessiert, hier eine kurze Übersicht mit entsprechendem Fallbeispiel.

 

Wie ist eure Meinung dazu als Lehrer(in), wie als Eltern? Wie handhabt ihr die eigene Aufsichtspflicht oder wie wünscht ihr euch sie für eure Kinder?

 

Pädagogische Inkontinenz

„Wissen Sie, Frau Rützelbach“, ich zwinge mich tief Luft zu holen, „diese Elternbriefe, die ich schreibe, sind tatsächlich nicht nur Kühlschrankdeko! Es wäre ganz sinnvoll, sie auch mal zu lesen!“

Mir platzt gerade die Hutschnur. Seit geraumer Zeit muss ich mich auf dem Flur von einer Mutter ganz besonderer Sorte ankeifen lassen, weil ich nach unendlich vielen erfolglosen Kontaktversuchen und unerhörten Bitten um Rückgabe eines Anmeldezettels nun Ernst mache und ihr Kind nicht mit auf den geplanten Ausflug nehme. Erst habe ich es mit Zuhören und ruhigem Erklären versucht. (Vergeblich.) Dann habe ich um Einsicht gebeten. (Fruchtlos.) Zu guter Letzt habe ich an ihre Verantwortung als Mutter appeliert. (Schwerer Fehler.) Wie ein angepikster Ballon braust Frau Rützelbach los und überhäuft mich seitdem mit Nettigkeiten, für die ich ihren Sohn dem Klassenrat überantworten würde.

Schon merke ich die verräterische Röte aus meinem Ausschnitt kriechen, die verlässlich den Siedepunkt des Blutes, den gesprächstaktisch so gefährlichen Point of no Return anzeigt, da mischt sich eine Kollegin ein: „Frau Weh, du musst mal dringend ans Telefon, das Schulamt.“

Ich blicke irritiert auf, gehe aber nach einem letzten Blick auf die impertinent weiterschimpfende Mutter ins Büro und nehme den Telefonhörer an mich. Nichts. Erregt will ich das Ding wieder auf die Gabel knallen, als ich höre, dass die Kollegin auf dem Flur die zuvor von mir attackierte Mutter zu beruhigen versucht. Unbeirrt hingegen versucht diese weiterhin die Welt über meine Frechheit, Arroganz und Unfähigkeit aufzuklären. Unterdessen betritt die weltbeste Sekretärin mit einem Stapel Kopien den Raum und lupft teilnahmsvoll die Brauen: „Schokolädchen, Mädchen?“

Ich nicke. Voller Mitgefühl hält sie mir einen Riegel hin. Gemeinsam kauend lauschen wir der Tirade, die in ungebremster Lautstärke und Vehemenz durch den Flur schallt, in der Lehrertoilette gegen die gekachelten Wände knallt und als verzerrtes Echo vermutlich noch im Nebengebäude zu hören ist. Soweit ist es also mit mir gekommen, dass ich mich im Sekretariat vor Eltern verstecke. Ich seufze tief.

Plötzlich halten die Sekretärin und ich im Kauen inne und reißen die Augen auf.

„Hat sie wirklich gerade gesagt, du seist pädagogisch inkontinent?“

Nach einer kurzen Schrecksekunde platzen wir beide heraus. „Wie geil ist das denn!?“, die Sekretärin verschluckt sich und ich muss ihr auf den Rücken klopfen. Lachtränen laufen ihr übers Gesicht und auch ich ringe um Fassung. Wie es draußen weitergeht, kann ich nicht mehr verfolgen, ich lehne mich an den Tresor und lasse mich von Lachen geschüttelt zu Boden sinken. Irgendwann kommt Frau Mandel grinsend ins Büro: „Ich habs geschafft, sie ist weg! Wo ist denn unsere nicht stubenreine Kollegin?“

Ich winke japsend hinterm Schreibtisch hervor und bedanke mich für die Rettung.

„Keine Ursache. Wir didaktischen Frauenleiden müssen doch zusammenhalten!“

Keine Worte

Die Sonne scheint. Es ist ein schöner Tag. Ich habe Pausenaufsicht und beobachte die spielenden Kinder. Neben mir steht Jeanette. Lachen dringt vom Spielplatz zu uns herüber. „Mein Stiefvater fasst mich immer an“, Jeanette hat den Blick auf den Boden gerichtet, ihre Stimme ist leise, als sie unvermittelt zu reden beginnt.

Ich schließe für einen Moment die Augen und will das alles gar nicht hören, wünsche mich weit weg von dem Gefühl der Ohnmacht, das mich überfällt. Es ist nicht so, dass ich es nicht geahnt hätte. Bestimmte Worte und Verhaltensweisen ließen mich vor einiger Zeit aufmerksam werden und so habe ich ihr immer wieder vorsichtig angeboten mit mir zu reden.

Sie fährt stockend fort und berichtet von ihren Erlebnissen. Das Entsetzen frisst sich einen Weg durch mein Denken. Ohne darüber nachzudenken tue ich das, was ich auch bei meinen eigenen Kindern mache, wenn die Worte fehlen: Ich schließe das Mädchen in die Arme und will sie Schutz spüren lassen. Gleichzeitig durchfährt mich der Gedanke, dass diese körperliche Reaktion womöglich genau falsch ist, doch da bemerke ich, wie sich die Spannung in ihrem Körper löst. Das Mädchen weint bitterlich und auch ich muss Tränen der Wut und der Verzweiflung zurückhalten. Ich streiche beruhigend über ihre Schultern und bemühe mich um einen zuversichtlichen Ton, als ich ihr versichere, dass es gut war, darüber zu reden, und dass wir eine Lösung finden werden, obwohl mein Herz rast und mir der Hals wie zugeschnürt ist. Ich mache der zweiten Kollegin auf dem Hof ein Zeichen und gehe mit dem Mädchen ins Gebäude.

40 Minuten später trifft die Mitarbeiterin des Jugendamtes ein und nickt mir zu: „Gut gemacht!“ Ich kann nur stumm den Kopf schütteln. Irgendwie gebe ich noch zwei Musikstunden und bin froh, als ich im Auto sitze. Ich weine die ganze Fahrt bis zum Kindergarten des Miniwehs, wo ich mit Sonnenbrille und roter Nase zum Gruppenraum gehe. „Alles in Ordnung?“, fragt mich der Erzieher, der mit einem Blick erfasst, dass dem nicht so ist. Ich schüttle kurz den Kopf und antworte knapp, dass es eine schlimme Sache in meiner Klasse gäbe. Er nickt verständnisvoll und lässt seinen Blick über die fröhlich wuselnde Kinderschar um uns herum gleiten: „Das kann einem unter die Haut gehen.“

Und so ist es. Es geht unter die Haut, frisst sich ins Gehirn, krallt sich ins Herz.

Ungeduldig zupft da das Miniweh an meiner Jacke und unterbricht meine Gedanken. „Kommst du endlich, Mama? Ich hab ein Bild für dich gemalt!“

Ich straffe die Schultern, beuge mich herunter und drücke dem zappeligen Kind einen Kuss auf den Kopf. Hand in Hand verlassen wir den Kindergarten. Die Sonne scheint. Es ist ein schöner Tag.

Prima Klima? Teil 2

Am nächsten Morgen beichte ich der Klasse meine Tat. Natürlich ist die Empörung groß, schließlich hat man sich Mühe gegeben. Einige Kinder räumen ein, dass es mir wahrscheinlich um den Effekt gegangen und dieser ja immerhin deutlich geworden sei. Nach einigem Hin und Her beschließt die Klasse großmütig, mir die Methodenwahl zu verzeihen, wenigstens habe man ja noch Fotos von den Werken.

Ich warte ab, bis es wieder ruhig ist, und teile den Viertklässlern dann mit, dass ich bei der Aktion geschummelt habe. Sie schauen mich ratlos an. Sie haben mir doch schon verziehen! Ich stelle eine große Glasvase auf mein Pult. Sie ist gut mit Wasser gefüllt. Auf meine Aufforderung lösen Sinan und Schmitti je 10 Eiskugeln aus der Folie und lassen sie ins Glas fallen. Friederike stellt fest, dass der Wasserspiegel steigt. Ich zwinkere ihr zu und lasse sie mit einem Folienstift den aktuellen Füllstand auf die Vase zeichnen.

Während wir uns die Zeit mit adverbialen Bestimmungen vertreiben, schmelzen die Eiskugeln.

„Da ist ja gar nicht mehr Wasser drin!?“, staunt Celina, als wir uns nach der Pause erneut mit dem Phänomen beschäftigen. „Haben Sie wieder geschummelt?“, fragt Nick streng. Aber da ich wegen meiner Pausenaufsicht den Klassenraum mit den Kindern gemeinsam verlassen habe, wird klar, dass ich diesmal meine Finger nicht im Spiel habe.

„Aber dann ist das Abschmelzen der Pole ja gar kein Problem.“, Katherine kratzt sich am Kopf. Ratlosigkeit macht sich breit. Ich schlage vor, mehrere Teams zu bilden, um herauszufinden, was genau der Meeresspiegelanstieg mit dem Klimawandel zu tun hat. Die Gruppen sind schnell gebildet. Einige Kinder sitzen bereits am Computer, manche holen sich Lexika, Bücher und Zeitschriften. Alisas Gruppe bittet um die Genehmigung, weitere Experimente durchzuführen. Ich erkläre mich bereit, neue Eiskugeln aus der Lehrerküche zu holen und freue mich über die unverhoffte Gelegenheit, dies mit einer Tasse Kaffee und einem kurzen Plausch mit der weltbesten Sekretärin zu verbinden.

Als ich mit Kaffee und Eiskugelbeuteln wiederkomme, arbeiten fast alle Gruppen mit Feuereifer. Alisas Team hat auf die Schnelle eine neue Insel geknetet und – ich staune! – Landzungen eingebaut, auf denen die Mädchen nun die Eiskugeln ablegen. Auch hier wird der Wasserstand mit Marker auf der Seite festgehalten. Vorsichtig tragen sie die Schale auf die Fensterbank.

Am Ende der Arbeitszeit hält eine Gruppe einen Kurzvortrag über die verschiedenen Faktoren globaler Erwärmung. Das meiste ist korrekt, bei manchem muss ich intervenieren. Schwierige Inhalte müssen noch einmal etwas heruntergebrochen werden, damit alle Viertklässler das Phänomen verstehen.

Eine weitere Gruppe hat sich das große Mammut-Buch der Technik vorgenommen und hält einen etwas kruden Vortrag über Archimedes. Besonders die Tatsache, dass der alte Grieche nackt im Zuber hockte, als er seine Entdeckung der Verdrängung machte, sorgt für Heiterkeit.

Die Eiskugeln aus Alisas Gruppe sind noch nicht alle geschmolzen, aber es lassen sich bereits Schlüsse ziehen, dass Schmelzwasser sehr wohl für einen Anstieg des Wasserspiegels verantwortlich sei, allerdings müsse es sich vor dem Schmelzen auf Land befunden haben.

Ich bin zufrieden mit dem Verlauf der Stunden, die Kinder ebenfalls. Als wir den Klassenraum verlassen, hakt sich Friederike bei mir ein: „Das war schon fies von Ihnen, Frau Weh! Erst unsere Inseln zerstören und uns dann auch noch in die Irre führen wollen. Gut, dass wir so schlau sind!“

Ich schweige und lächle.

Prima Klima?

2. Stunde, Kunst (oder etwa nicht?) in meinem 4. Schuljahr:

Mit Hingabe formen die Viertklässler in Gruppenarbeit kleine Inseln aus Knetgummi. Wir haben bereits eine intensive Sachunterrichtsstunde zum Klimawandel hinter uns und alle sind froh, ein wenig entspannen zu können. Es ist nicht leicht, Schüler mit dem Thema zu konfrontieren, ohne dass sich bei manchen unmittelbar Ängste aufbauen. Tatsächlich, so habe ich in den letzten Jahren erfahren, sind die Antennen von Kindern viel sensibler auf Zukunft ausgerichtet, als die mancher Erwachsener. Denn es geht um ihre Zukunft. Und von der haben viele Zehnjährige bereits ein klares Bild. So wollen wir leben ist daher ein passender Titel für die Miniaturwelten, die hier gerade entstehen. Ich erkenne Häuser, Bäume und sogar ein winziges Schweinchen. „Das sieht toll aus!“, lobe ich Giuliano, „Ist das Schwein von dir?“

„Ja“, bestätigt der Junge stolz und weist mich darauf hin, dass hinter dem Bauernhof auch noch ein Kaninchenstall stünde. Ich bin hingerissen und spare nicht mit Lob. Auch die anderen Gruppen können gute Arbeit vorweisen und die Stimmung steigt, als ich die unausweichliche Frage, ob es auch Noten für die Werke gäbe, positiv beantworte. Für Noten würden die Viertklässler alles tun.

Sie befüllen die Plastikwannen, in denen die Kneteinseln stehen, vorsichtig mit Wasser und posieren stolz vor meiner Kamera. Es ist nicht ungewöhnlich, dass ich Ergebnisse aus dem Kunstunterricht fotografiere und auf unsere Schulhomepage stelle, ist doch der Kunstunterricht meine heimliche Liebe, der sowohl die Viertklässler als auch ich hingebungsvoll frönen. So argwöhnen sie auch nichts, als ich den Vorschlag mache, doch noch ein paar kleine Eisberge ins Wasser zu lassen, der Optik wegen.

Im Gegenteil: „Coole Idee, Frau Weh!“, rufen sie und übersehen in ihrem Eifer völlig, wie seltsam es ist, dass ich auf einmal gleich mehrere Beutel mit Eiskugeln aus einer Kühltasche ziehe. Stattdessen lassen die Gruppen fröhlich Eisberg um Eisberg ins Wasser plumpsen und freuen sich darüber, dass die Inseln kleine Tropfen abbekommen.

„Vorsicht!“, ruft Giuliano, „Die Kaninchen!“

Da klingelt es zur Pause.

Ich gestehe, dass ich der globalen Erwärmung in den nächsten Minuten ein wenig zuarbeite, indem ich die Eiskugeln, die munter um die Inselchen tanzen, mit einem Schuss heißen Wassers zu Leibe rücke. Alles für die Show, denke ich, als der Miniaturmeeresspiegel ansteigt und die ersten Zäune, Menschen und – ja! – auch den Kaninchenstall versinken lässt. Den Rest besorgt der völlig überheizte Klassenraum. Am Ende der Pause sind die Inselstaaten der Viertklässler überschwemmt.

„Was ist denn hier passiert!?“

Ungläubiges Entsetzen ist den Kindern ins Gesicht geschrieben, als sie fassungslos vor den Überresten ihrer Arbeit stehen. Ich lasse sie wüten, horche aber aufmerksam auf den Erkenntnistransfer, der nicht lange auf sich warten lässt.

„Es ist ja auch superheiß hier, kein Wunder, dass alles schmilzt!“

„Das ist wie mit der Erderwärmung und dem Polareis.“

„Der Meeresspiegel ist angestiegen und hat alles kaputt gemacht.“

Ich kann nicht anders, ich freue mich über die hellen Köpfe vor mir, die bereits Rettungsmöglichkeiten erwägen. Für ihre Kneteinseln hier und für die Welt da draußen.

 

 

Arschermittwochsfreuden

Ich stehe vor dem aktuellen Hausmeister und schimpfe wie eine Kanalratte.

Anders als abgesprochen hat er nämlich nach der Karnevalsfeier die Bestuhlung im Musikraum nicht wiederhergestellt, sondern einfach wild durcheinander stehen lassen. Dies bot für sich genommen bereits ein Chaos größeren Ausmaßes, ließ jedoch die zuckerbedingte Brauchtumshyperaktivität zweier 1. Schuljahre, die gleichzeitig zu unterrichten ich an diesem Morgen die Freude hatte, geradezu explodieren. Welche Wonne, nichts Böses ahnend zur Schule zu kommen, dort zu erfahren, dass zwei Kolleginnen ausfallen und dann mit einem ganzen Rudel Erstklässler Musik zu machen, denn „das gehe ja immer!“.

Entgegen anderslautender Meinungen möchte ich an dieser Stelle einmal deutlich klarstellen: Nein, das geht NICHT immer! Auch wir Musiklehrer haben ein Recht auf gute – oder wenigstens nicht ganz so schlechte – Rahmenbedingungen.

Zwei Klassen gleichzeitig unterrichten – schlecht!

Vollgestellter Musikraum – schlechter!

Platzwunder Erstklässlerkopf, weil gegen Stuhllehne gelaufen – am schlechtesten!

Da rettete es auch nicht den Tag, dass mein Tafeldienst Arschermittwoch an die Tafel schrieb. Und ich schwöre, hätte sich der Hausmeister nicht in meinem Beisein über eben diesen für sich genommen sehr possierlichen Schreibfehler lauthals amüsiert, dann hätte ich ihn wohl auch nicht so angefaucht, wie ich das nun seit einigen Minuten tue und wie es eigentlich so gar nicht meine Art ist. Ich rede mich in Rage (was ich in einer solchen Stimmung gut kann) und lasse Phrasen um Phrasen aufsteigen: Bin ich denn die einzige, die hier mitdenkt? Ist das so schwer, sich an eine einfache Absprache zu halten? Blablabla. Dabei kreist mein pädagogischer Zeigefinger im Gesichtsfeld des Mannes. Aber Tanzabstand ist heute nicht! Nicht mit mir, ich bin geladen!

Da sehe ich, dass der Hausmeister – das Grinsen mühsam beherrschend – auf meinen Finger starrt und halte in meinem gewalt(ät)igen Wortschwall inne. Auf meiner Fingerspitze prangt ein grabbeliges, hellgrünes Pflaster, darauf… tanzende Bärchen. Ach ja, gestern, Schnitt am Papier, Miniweh, kindliche Sofortmaßnahme. Toll.

„Hmm“, grummle ich, den Blick auf meinen Zeigefinger gerichtet, „das käm jetzt ohne Pflaster irgendwie besser, oder?“

Wir müssen beide lachen. Der Hausmeister entschuldigt sich, ich tue es ebenfalls. Im Büro spendiert er mir einen Kaffee und ein neues Pflaster. „Eins für Erwachsene“, sagt er. „Für ernste Gespräche.“

Gott sei Dank, es ist Karneval!

Kevin war bei uns das Kind, das als typischer Schulversager gilt. Obwohl er bereits ein Schuljahr wiederholte, hatte er am Ende des 4.Schuljahres ein Abschlusszeugnis, das vor Vierern und Fünfern nur so strotzte. Aus einem bildungsarmen, aber kalorienreichen Elternhaus stammend, hatte er es alles andere als leicht: Er war immer das entscheidende Stück zu groß, zu dick, zu dumm, um dazuzugehören und trotz aller Bemühungen das entscheidende Stück zu gutmütig, zu unsicher, zu wenig selbstbewusst, um sich gegen Sticheleien oder Attacken weniger friedfertiger Mitschüler zur Wehr zu setzen. Zweifelt irgendjemand daran, dass Kinder grausam untereinander sein können? Oh, sie können!

Heute steht Kevin mit seinem Gefolge auf der Schulbühne. Er ist Kinderprinz geworden und genießt jeden Moment im Scheinwerferlicht. Die roten Wangen leuchten, die Augen auch. Er begrüßt die Kinder, die bis vor zwei Jahren noch Mitschüler waren, mit großer Geste und schmissiger Rede. Gut sieht er aus, die lange Session mit vielen Auftritten hat ihn beweglicher gemacht, das auf den Leib geschneiderte Prinzenkostüm macht ihn schmuck. Er ist nicht Kevin, der Schulversager, langsam im Denken und Agieren, nicht Kevin, der Loser. Er ist Prinz Kevin, der erste seines Namens, und sichtbar stolz darauf. Der Junge tanzt, schunkelt, singt und lacht als gäbe es kein Morgen (und vermutlich gibt es das auch nicht oder ist zumindest in diesem Moment keines Gedankens wert). Der Augenblick ist zeitlos.

Und er ist gut.

Ich beobachte das Kind, das in diesem Gebäude so viele unschöne Erfahrungen gemacht hat, und bin froh. Unendlich froh, dass Schule nicht alles ist.

 

invidia

Nach dem Telefonat bin ich grantig zu meinen Kindern und fies zu Herrn Weh. Ich beschließe früh zu Bett zu gehen und finde mich selber… ätzend!

Eigentlich ist alles endlich genau, wie es sein sollte. Aber tief in meinen Eingeweiden sitzt etwas und spuckt Galle. Verdammt, wo ich mir doch ganz anderes für den Februar vorgenommen hatte!

Rückblick:

Einer meiner Schüler ist seit geraumer Zeit in einem Heim untergebracht. Ein Heim, das weit, sehr weit vom Schul- und Wohnort entfernt liegt. Zwischen dem Erstkontakt mit dem zuständigen Jugendamt und der endgültigen Inobhutnahme vergingen 8 Monate. 8 Monate, in denen das Kind die Hölle durchmachte. 8 Monate, in denen ich mich zwischen die Eltern und meinen Schüler stellte, mit allem, was dazugehörte. Ich würde mich heldenhafter zeichnen, als ich wirklich bin, wenn ich sagen würde, es hätte mir nichts ausgemacht. Aber mit der erschreckenden Gewissheit, dass dem betroffenen Kind Leid widerfährt und es niemanden sonst hat, der helfen könnte oder wollte, habe ich über Wochen wieder und wieder das Jugendamt angerufen, die Polizei informiert, mich in gesetzlichen Grauzonen bewegt. Nebenbei auch unterrichtet. Als verschiedene Maßnahmen endlich nicht nur im Gespräch waren, sondern auch griffen, war ich unendlich erleichtert, aber auch erschöpft.

Meinen Schüler, der bis auf weiteres nicht mehr mein Schüler ist, habe ich lange nicht gesehen. Umso mehr freute ich mich, als mich die Kollegin, deren Klasse er nun besucht, anrief. Inoffiziell. Denn mein Anteil an der Sache ist beendet, daher werde ich nicht weiter von den zuständigen Behörden über das Wohlergehen des Kindes informiert. Die Kollegin teilte mir mit, was für ein Gewinn er für ihre Lerngruppe sei. Sie schilderte, wie sehr der nette Junge ihr ans Herz gewachsen sei. Ihre Preisungen nahmen kein Ende. Sie flocht ein, wie hervorragend es dem Kind in der neuen Umgebung gehe, wie sehr es sich integriert habe und was für eine gute Lehrer-Schüler-Beziehung sich entwickelt habe.

In einem Nebensatz nach den früheren Lebensumständen und dem Verlauf der Kindeswohlgefährdung gefragt, muss ich Luft holen. Ich denke an E-Mails und Briefe voller Hass, die nur anfänglich an mich, später direkt an Schulleitung und Schulamt geschickt wurden. An den Stiefvater, der drohend am Schultor lauerte, an blaue Flecken auf dem Kinderkörper und Angst in vielen Ausprägungen; versuche die Gedanken abzuschütteln wie ein Hund den Regen.

Ich bestelle Grüße und gute Wünsche und meine dies ehrlich und von ganzem Herzen.

Und dennoch piesackt mich ein Gefühl, welches wohl am ehesten damit zu umschreiben wäre, dass ich säen, aber nicht ernten durfte. Wie gerne hätte ich auch lieber lauter positive Dinge zu berichten gehabt und eine normale Lehrer-Schüler-Beziehung geführt! Aber wie kleinlich ist das!? Wie unglaublich dumm, arrogant und selbstherrlich von mir, auf ein goldenes Sternchen zu hoffen angesichts einer solchen Lebenssituation? Muss alles belohnt werden? Muss ich jedesmal ein Fleißkärtchen erhalten? Tue ich solche Dinge vielleicht auch (ausschließlich gar?), um mich und mein Handeln selbst zu bestätigen?

Die Fragen tauchen völlig unvermittelt auf und treffen mich mit ihren giftigen Spitzen ins Mark. Je ehrlicher ich mit mir selber bin, umso weniger möchte ich heute ich selber sein. Hallo Februar, ist das Liebe? Wird das noch was mit uns?

Ich bin grantig zu meinen Kindern und fies zu Herrn Weh. Ich beschließe früh zu Bett zu gehen und finde mich selber… ätzend!

Gespräch, Teil 2

Die Chefin schließt die Türe hinter mir und weist auf einen Stuhl. Im gleichen Moment taucht eine Erinnerung in meinem Kopf auf: Ich muss fünf oder sechs Jahre gewesen sein, als ich den ersten von vielen folgenden öffentlichen Auftritten hatte. Der Bürgermeister lud zum Empfang und ich umklammerte tapfer meine Blockflöte. Ob ich wegen des zweifelsohne vorhandenen Talentes oder einfach nur der niedlichen Zöpfe wegen auf die Bühne durfte, kann ich rückblickend nicht mehr beantworten. Meine Blockflötenlehrerin – wie immer stylisch in Leopardenleggings, es waren die 80er – bemerkte meine Nervosität, beugte sich zu mir herunter und raunte „Kopf nach oben, Blick geradeaus und lächeln, lächeln, lächeln!“. Dann schubste sie mich auf das Podest. An das Vorspiel selber habe ich keine Erinnerung mehr. Seltsam, dass mir das gerade jetzt einfällt, aber ich straffe automatisch die Schultern und hebe den Blick. „Was ist der Gesprächsanlass?“, frage ich und schaue der Chefin in die Augen.

„Ich hatte eine Unterhaltung mit Frau Tipps.“, erwidert die Chefin kühl. „Darin teilte sie mir mit, du hättest ein Problem mit deinem Team und dies sei ausschlaggebend für deinen Versetzungsantrag?“

„Wenn du mit meinem Team Frau Schmitz-Hahnenkamp und mich meinst, dann habe ich kein Problem. Es existiert nämlich nicht. Weder ein Team, noch ein Problem.“ Ich zucke die Achseln. Die Chefin schaut missbilligend und räuspert sich. Beides kann sie sehr überzeugend. Sie möchte die Gründe dargelegt bekommen. Ich habe das Bedürfnis etwas weiter auszuholen.

„Wir arbeiten jetzt seit mehr als 10 Jahren zusammen. Du kennst mich als engagierte und vor allem loyale Kollegin. Ich habe nie zu denen gehört, die alles abgenickt und hinter deinem Rücken zerrissen haben. Im Gegenteil habe ich Schwierigkeiten immer direkt angesprochen und nach geeigneten Lösungen gesucht.“

Die Chefin nickt und bestätigt dies.

„Auch als Lehrerrat habe ich mich, egal wie verfahren sich eine Situation dargestellt hat, immer um eine objektive Sicht und vor allem um eine gute Gesprächskultur bemüht.“ Obwohl ich das Gefühl habe, mich wie eine Milchkuh anzupreisen, fahre ich fort. „Kommunikationsprozesse, ja, auch schwierige, liegen mir und ich habe eine gute Menschenkenntnis. Ich bin in hohem Maße teamfähig und arbeite gerne mit den Kolleginnen zusammen.“

Der Chefin wird es langsam unbehaglich ob meines Redeschwalls. Sie lenkt ein: „Ja, das weiß ich doch und dafür schätze ich dich sehr!“

„Es liegt mir fern, negativ über eine Kollegin zu reden, die nicht anwesend ist. Ich werde das auch in diesem Falle nicht tun und hätte dieses Gespräch von mir aus nicht gesucht. Die Gründe für meinen Versetzungsantrag kennst du. Wir haben darüber gesprochen, dass ich aus familiären Gründen wohnortnah versetzt werden möchte und dass es an der Zeit für neue Erfahrungen und ein neues Schulumfeld ist. Tatsächlich – und auch das weißt du – trage ich den Gedanken an eine Versetzung schon ein paar Jahre mit mir herum.“

Auch an dieser Stelle nickt die Chefin wieder, möchte aber jetzt konkret wissen, ob es einen Zusammenhang zwischen der Teamkonstellation und meiner Entscheidung gebe. Ich wähle meine Worte mit Bedacht.

„Ich habe in den letzten 1,5 Jahren viel gelernt. Über mich, über dynamische Prozesse und über die Schwierigkeit menschlicher Kommunikation. Vielleicht habe ich sogar“, überlege ich, „in den letzten Jahren mehr darüber gelernt, als in den ganzen Jahren zuvor. Ganz sicher bin ich mir aber darin, dass ich mehr darüber erfahren habe, als ich je wollte. Und darin“, jetzt kann ich mir ein Grinsen nicht verkneifen, „dass die letzten Jahre auch für Frau Schmitz-Hahnenkamp nicht ganz so wie erwartet verliefen. Das werte ich durchaus positiv im Sinne der Schulentwicklung.“

Auch die Chefin kann ein Schmunzeln nicht verbergen. „Eigentlich“, räumt sie ein, „wollte ich dich nur fragen, ob es ein Problem gibt, bei dem ich dich unterstützen kann. Aber ich sehe, dass du die Situation gut im Griff hast.“ Sie entlässt mich seufzend. „Und danke für die überzeugende Darstellung deiner verbalen Fähigkeiten. Jetzt weiß ich wieder, warum ich dich so überaus ungerne gehen lasse.“

 

 

Gespräch, Teil 1

„Oh, Frau Weh, es tut mir so leid, ich habe Mist gebaut!“

Die weltbeste Sekretärin steht zerknirscht vor mir und schüttelt den Kopf. Sie hatte eine Auseinandersetzung mit der Chefin, was selten vorkommt, weil sie nicht von ungefähr die weltbeste Sekretärin ist. Aber manchmal reißt auch dem geduldigsten Herzstück der Schule der Geduldsfaden.

„Nachdem die Chefin Frau Schmitz-Hahnenkamp wieder über den grünen Klee gelobt hat, weil sie so schön im Lehrerzimmer den Tisch gewischt hat, hat sie mich tatsächlich gefragt, ob ich eine Ahnung hätte, warum die Kolleginnen derzeit mal wieder das Messer auf die werte Kollegin geschliffen haben. Da habe ich sie mal gefragt, ob sie nicht langsam Gefahr läuft, auf der gezielt ausgelegten Schleimspur auszurutschen.“

Ich staune die weltbeste Sekretärin mit offenem Mund an. Was für Töne!

„Ist doch wahr! Immer diese scheinheiligen Nettigkeiten, aber grundsätzlich mit Vorbehalt. Denn weißt du“, und nun regt sie sich so auf, dass sie ihren komfortablen Bürostuhl (auf dessen Besitz ich immer ein wenig neidisch bin) verlässt und im Büro auf- und abgeht, „im gleichen Atemzug, mit dem sie geflötet hat, wie gerne sie sich doch um das Lehrerzimmer kümmert, hat sie einfließen lassen, dass sich ja eigentlich Frau Mandel darum kümmern wollte. Immer dieses Hintenrum! Ehrlich, das geht gar nicht!“

Ich denke an all die missglückten Gespräche, die ich mit Frau Schmitz-Hahnenkamp geführt und nach denen ich mich mies gefühlt habe. An die vielen Male, die sie mir scheinbar einen Gefallen getan hatte, nur um dann hintenrum der Chefin mitzuteilen, wie überlastet ich sei. Halbe Infos, die sie zu unpassendem Zeitpunkt an die Eltern ausgegeben hat, um sich selbst in ein besseres Licht zu setzen. Gemeinsame Absprachen, die nicht eingehalten oder Klassenarbeiten, die plötzlich nach anderen Maßstäben korrigiert wurden. Hmm. Es stimmt, bei allem, was sie tut und sei es noch so freundlich gemeint, bleibt ein Geschmäckle.

„Und dann habe ich dich mit ins Gespräch gebracht. Ehrlich, es tut mir so leid!“

Noch immer weiß ich nicht, warum die weltbeste Sekretärin so geknickt ist und schaue sie abwartend an.

„Ich habe die Chefin gefragt, ob sie sich eigentlich mal überlegt hat, warum du wohl gerade jetzt die Schule wechseln willst.“

Upps. Ich schnappe nach Luft. „Das ist natürlich unschön.“ Ich nehme mir ein Stück Schokolade, die vermutlich nicht fit macht, aber hoffentlich ein wenig das flaue Gefühl vertreiben wird, das sich in meiner Magengrube ausbreitet.

„Ich weiß…“ Meine Gesprächspartnerin lässt sich geknickt auf den Stuhl fallen und seufzt. „Ich wollte dich nur informieren, damit du nicht aus allen Wolken fällst, falls die Chefin etwas sagt.“

„Ok.“ Ich nicke ihr zu. „Danke.“

Ich habe den Schultag fast geschafft, als ich der Chefin auf dem Flur begegne. „Kommst du bitte mal herein?“, fragt sie und hält mir die Tür auf. Ich nicke und atme noch einmal tief durch.