Lass die Sonne rein

Der von mir bevorzugte Bastelkleber heißt Marvin.

Er verfügt über eine ganze Reihe Eigenschaften, die ich schätze. Er arbeitet zuverlässig, hinterlässt keine Spuren, ist geruchslos, flexibel bei der Materialwahl und jederzeit einsatzbereit. Von einem Drittklässler gleichen Namens kann man dies nicht gerade behaupten. Dessen Heldentag des Tages war es, Tom1 in der Pause einen Sandeimer auf den Kopf zu hauen. Zwar handelte es natürlich sich nur um einen Zufall und – zufälligerweise – auch nur um ein kleinkinddimensioniertes Sandspielzeug, die Empörung war dennoch (und berechtigterweise) groß und kostete uns nach der Pause Zeit. Diese Zeit hatte ich ursprünglich zur Fertigstellung der Laternen (ich streiche so etwas gerne zügig von der Liste) gedacht. Aber Konfliktmanagement ist nunmal wichtig. Besonders bei Wetterwechsel.

Es lässt sich nicht verhehlen, der Herbst ist da. Und mit ihm Regen, Wind und schlechte Laune. Hielt ich früher Naturphänomene wie Wetterwechsel, Vollmond, Gezeiten oder Sperrmüllabholtermine für nebensächlich und unmaßgeblich, weiß ich es mittlerweile besser. All diese Dinge beeinflussen Grundschüler kolossal in ihren Stimmungen. Nein, das ist keine Entschuldigung, das ist unverrückbare Tatsache. Genauso unverrückbar wie der Umstand, dass ich offenbar nicht mehr als ein Schweineöhrchen vertrage. Jedenfalls ist es mir gerade etwas flaumig im Bauch und ich halte es für sinnvoll, diesen Blogeintrag nun zügig zu beenden.

Laterne, Laterne

Teil 1 geschafft, die Ballons sind gekleistert.

Der Tipp einer Kollegin, die ganze Kleisterei mit bereits hängenden Ballons durchzuführen, hat sich als hervorragend herausgestellt. Meine Zweitklässler waren so sehr mit Kugel balancieren, kleistern und Schnipsel kleben beschäftigt, dass sie keinerlei Ressourcen mehr frei hatten, um Dinge zu tun. Es musste also niemand den gefürchteten Schrumpelballon übernehmen. Optisch machen die gelben Bollen, die nun von der Decke baumeln, auch einiges her. Allerdings musste ich später von einigen Ballons ein paar Haare entfernen (und auch ein wenig Kleister aus manchem Schopf), aber das gehört dazu. Genau wie das anfängliche wonnig-schaurige Gekreische, wenn sich die ersten Hände voller gespieltem Ekel in den Kleister schieben, um kurz darauf lustvoll und mit lautem „Quuuammmpsch“ wieder herausgezogen zu werden.

Kurz, die Stimmung war gut und alle Kleisterlinge mit vollem Eifer bei der Sache. Jetzt können die Dinger erstmal vor sich hin trocknen.

Effektives Vorbereiten

Einmal in der Woche schließe ich symbolisch meine Arbeitszimmertür (die ich ja gar nicht habe, weil ich unterm Dach sitze) und mache meine Wochenplanung. Den perfekten Tag dafür zu finden, ist – wie die Angelegenheit selber eigentlich auch – eine Sisyphosarbeit und mittlerweile bin ich bei Freitagnachmittag angelangt. Ich saß schon am Sonntagnachmittag (ganz blöd, da denkt man dann ununterbrochen dran), Donnerstagabend (irgendwann lag mein Kopf auf der Schreibtischplatte), alle 14 Tage an konferenzfreien Montagnachmittagen (örks), testweise mal ganz ohne Planung (NIE wieder!), usw. Natürlich habe ich freitags die wenigste Energie für stundenlange Überlegungen, aber genau das macht meine Vorgehensweise effektiv. Das Wochenende ruft nach mir und mein Kopf, der die vergangenen Tage über eine Menge nötigen und unnötigen Balast balancieren musste, sehnt sich nach entspanntem Nichtstun, nach Kinderbespaßung (der der eigenen!), nach Werkeln in der Küche oder einem Stündchen am Klavier, ganz alleine. Jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt. Bei mir ist es offensichtlich das freie Wochenende.

Meine Wochenplanung beginne ich immer mit der Wahl der Musik. Die passende Begleitmusik ist nicht zu unterschätzen. Jeder, der gelegentlich oder regelmäßig putzt, wird mir zustimmen. Freitags geht allerdings nichts Wildes mehr. In der Regel läuft es dann auf Jazz oder „Frühstücksklassik“ raus, vielleicht noch ein bisschen Rutter, etwas Palestrina. War die Woche hart, bleibt es auch gelegentlich still unterm Dach. Da summt schon jede Fliege gefährlich nah am eigenen Requiem.

Als nächstes verschiebe ich Stapel. Einiges hat sich ja über die Woche schon auf dem Schreibtisch angesammelt. Das wird zunächst aufgebockt und um den kompletten Inhalt meiner Schultasche ergänzt. Das wackelt dann meist schon bedenklich, sodass ich unverzüglich mit dem Abtragen beginne. Dabei bilde ich neue Stapel – thematisch geordnet: Rechnungen, Elternkrams, furchtbar wichtige Mitteilungen der Schulleitung, neues Material – rund um mich herum. Diese werden dann ebenfalls abgetragen und in einem größeren Radius verteilt. Natürlich habe ich mir zu Beginn des Schuljahres (so wie zu Beginn der letzten 9 Schuljahre auch) vorgenommen, alles sofort ordentlich wegzuräumen. Natürlich klappt das auch dieses Jahr nicht. (Wenn ich mal richtig gut drauf bin, zeige ich ein Bild des Wehschen Arbeitszimmers. Da muss ich aber in Stimmung für sein.)

Wenn so viel Platz auf dem Schreibtisch ist, dass ich mein Planungsbuch (das klassische gelbe in Din A4) aufschlagen kann, beginnt die eigentliche Stundenplanung. Bei 18 Fachstunden hat es sich als sinnvoll herausgestellt, jede Stunde kurz nachzubereiten (wie weit ist die Klasse im Thema gekommen, war etwas Besonderes, hat sich ein Kind besonders positiv oder negativ hervorgetan, usw.), das mache ich aber schon nach dem Unterricht, sodass ich bei der Planung der Folgewoche nicht mehr viel Zeit darauf verwenden muss. Also entsteigen nun 28 brillante, pädagogisch wertvolle, auf- und anregende Stunden meinem Kopf. Fix und fertig wie Athene dem Zeus. In goldener Rüstung und mit vorwitzig gerecktem Speer. Da dieser Prozess eine gewisse Dynamik erfordert, halte ich mich dafür allerdings auch nicht lange am Schreibtisch auf. Stattdessen springe ich vermutl ganz sicher recht schnell auf, um im hinteren Teil des Raumes den Ordner MU III 1 zu holen oder im Stapel IX nach unbeschriebenem Notenpapier zu kramen. Möglichweise kommt mir der flüchtige Ausschnitt eines ehedem gehörten Liedes in den Sinn und ich kann nicht eher ruhen, bis ich am Klavier die passenden Harmonien wiedergefunden habe.

Wenn mein Geist allerdings nicht viel mehr herauslässt als ein müdes Bäuerchen (so wie gerade jetzt), dann… ja dann blogge ich erstmal.

Knochenknacker

„Frau Weeeh, Hilfe!“

Die Musikstunde der 4a ist gerade beendet, wir frühstücken. Ich bin geduldig damit beschäftigt mir den vorpubertären Kleinkrieg zweier Zimtzicken anzuhören als mich ein schriller Schrei erreicht. Völlig unerwartet sehe ich mich einer Szenerie gegenüber, die ich so auch noch nicht erlebt habe:

Celina sitzt auf einer Pobacke und kämpft verzweifelt um ihr Gleichgewicht. Die andere Pobacke befindet sich in der Luft. Wie auch das gesamte rechte Bein, dass Celina – vermutlich um ihre Gelenkigkeit unter Beweis zu stellen – hinter den Kopf geklemmt hat. Dort steckt es jetzt offensichtlich fest. Auf jeden Fall bekommt sie es nicht mehr alleine wieder runter. Dies entnehme ich ihren von lautem Wehgeschrei untermalten Äußerungen. In dieser ebenso unangenehmen wie unbequemen Haltung bleibt ihr nichts anderes übrig als um Hilfe zu rufen. Wohlwissend, dass sie sich mit dieser kompromittierenden Lage der geballten Gefühlsmacht eines vierten Schuljahres auslieferern wird. Spott, Hohn, ungläubiges Kichern, entsetzte Quieker (Mädchen in diesem Alter haben einen Hang zu hochfrequentem Gequieke. Das macht ihnen offensichtlich Spaß.) entladen sich über dem armen Kind. Ich weiß nicht so recht, was ich tun soll. Wo setzt man hier denn nun den Hebel an? Also scheuche ich zunächst die Gaffer an ihre Plätze zurück, was die Meute mit lautem Maulen quittiert. Mit beruhigenden Worten versuche ich Celina, die – wer will es ihr verdenken? –  mittlerweile panisch schluchzt, dazu zu bewegen, ihren Kopf zu neigen.

„Geeee-hhhheee-t ni-hicht!“

Verdammt, denke ich, ich muss jetzt schnell handeln, sonst kriegt das arme Kind noch einen Krampf und dann aber Halleluja! In meiner und Celinas Not beginne ich den diesjährigen Ohrwurm des Herbstssingens anzustimmen.

„It rinns from Kopf and shoulder, my feece were cold and colder, colder…“

Wie erwartet fallen die meisten Kinder sofort mit begeistertem Gegröle ein und übertönen den zu erwartenden Schrei, den die bemitleidenswerte Celina natürlich ausstößt, als ich mit links das Bein greife,

„oh yes, I am so ness!“

mit rechts ihren Kopf ein Stück ducke

„and I believe I get a Snief“

und gleichzeitig das Bein runterziehe

„I have a Gänsehaut roundabout“.

Geschafft.

Kurze Zeit später – wir haben uns alle wieder beruhigt, es kann weiter gefrühstückt werden – kommt Celina zu mir:

„Ich kann das auch mit dem anderen Bein, soll ich Ihnen das mal zeigen?“

Nein.

Alltag hoch 2

Heut wird das nichts.

Ich bin zu müde zum Schreiben. Gestern Abend hatte ich erstmalig eine Klassenpflegschaftssitzung mit den Eltern gleich zweier Klassen. Die Kollegin ist so kurzfristig – der Anruf erreichte mich eine knappe Stunde vor Beginn –  ausgefallen, dass nicht mehr abgesagt werden konnte. Also musste ich die verdutzten Eltern in einer Klasse zusammenpferchen und die Sitzung der Kollegin mitwuppen. Eng war es. Und heiß. (Wäre ich in Stimmung, würde ich jetzt ein enthusiastisches Loblied auf mein neues Deo halten. Hammer! Leider fehlen mir die Worte.)

Übrigens…man muss gar nicht 30 Minuten über gesundes Frühstück debattieren. Es reicht schon, wenn man eine Mutter dabei hat, die ganz vehement den Verzehr von künstlichen Farbstoffen ablehnt. Holla, die Waldfee! Immerhin konnte ich mich erfolgreich gegen eine Weihnachtsfeier und die Zwangsdekoration unseres wirklich schönen Klassenraumes wehren. (Mütter im Bastelwahn. Unheimlich.)

Heute hatte ich dann – ebenfalls krankheitsbedingt – das Vergnügen mit zwei Klassen zu arbeiten. Und zweimal Aufsicht. Und einen Schlag in den Magen. (Der war zwar eigentlich nicht für mich, sondern für einen Drittklässler gedacht, aber dummerweise bin ich dazwischen gegangen. Ich lerne es echt nie.) Und eine Begegnung mit meinem neuen Lieblingsleihhausmeister. Und zwei Klassenbücher aus dem letzten vierten Schuljahr im Fach, in die ich noch den kompletten Musikunterricht eines ganzen Jahres nachtragen muss. Und jetzt kann ich grad einfach nicht mehr und verschwinde aufs Sofa.

Ach ja, die gute Nachricht des Tages: nächsten Mittwoch erscheint der neue Moers. Da freue ich mich drauf.

Von Römern und Pupsen

Caesar Ging Durch Afrika. Das ist der Merkspruch, mit dem sich kleine Cellospieler die Saiten ihres Instruments merken. Gitarristen tun das mit Eine Alte Dame Ging Hering Essen und Geiger mit Geh Du Alter Esel. Tambourcorps-Trompeter kennen sowas nicht. Die haben Nummern. Und obwohl ich mir gestern vorsichtshalber gleich zwei verschiedene Grifftabellen aus dem Internet besorgt habe, konnten wir heute nicht herausfinden, um welche Töne es sich bei den gespielten handelte. Einig waren sich alle Kinder darin, dass die Trompete toll aussieht, aber klingt wie ein Elefant mit Würmern.

Offensichtlich wartet mit dem neuen Schulorchester eine recht große Herausforderung auf mich. 14 kleine Musikbegeisterte trafen sich heute in der letzten Stunde im Musikraum. Mit von der Partie sind diesmal

  • 2 Blockflöten, davon kann eine das fis, die andere das b. Das ist praktisch.
  • 2 Querflöten, denen es – da sie noch nicht lange im Training sind – nach kurzer Zeit schwindelig wird
  • 1 Gitarre, die – ganz Profi – einfach alle Akkorde nach dem Motto „was nicht passt, wird passend gemacht!“ greift
  • 2 Keyboards, von denen eins bereits auf Cajon umgestiegen ist
  • 1 Klavier
  • 1 Saxophon in b
  • 1 winzige Geige, die bis jetzt nur leere Saiten spielt (Geh Du Alter Esel!)
  • 1 Mini-Cello
  • 1 Trompete in b
  • 1 Glockenspiel
  • 1 „Ich spiele noch kein Instrument, wollte aber unbedingt ins Orchester!

Das wird spannend.

 

Nebel, Nebel, überall

Ich habe mich verkühlt. Das ist dann wohl die Strafe für gestern.

Heute Morgen bin ich todmüde und heiser aufgewacht. Nicht die allerbeste Voraussetzung für einen Freitag mit mehreren Musikstunden. Aber ich kann mich nicht beschweren, der Vormittag war freundlich zu mir. (Der erneut anwesende Leihhausmeister – obwohl nicht auf dem Einsatzplan für heute angegeben! – auch. Aber das konnte ich ja gar nicht sehen, weil ich beim ersten Vorbeigehen unbedingt tief unten in meiner Tasche kramen und beim zweiten Mal einer Kollegin ein äußerst wichtiges Gespräch aufdrängen musste. Aber beim dritten Zusammentreffen ließ sich keine Fluchtmöglichkeit mehr finden, da habe ich dann mein Pokerface aufgesetzt und so getan als wäre überhaupt nie nix gewesen für das man sich eventuell ein wenig schämen könnte. Und für den Wehschen gluteus maximus schon dreimal nicht!)

Es ist übrigens gar nicht so schlimm, mit wenig Stimme zu unterrichten. Manchmal ist das ganz erholsam. Praktischerweise hatte ich für heute sowieso Klassenmusizieren geplant, da brauche ich nicht viel reden. Diese Stunden sind dann übrigens – anders als man vielleicht denken würde – kein bisschen chaotisch oder laut. Im Gegenteil. Die Kinder sind rattenscharf aufs Musizieren. Und sie wissen genau, dass ihre Chancen auf Surdo, Repinique oder Shaker bei Regelverstößen weit unter Null sinken. Da bald wieder das Feriensingen ansteht, wurden heute die Herbstlieder in Szene und Arrangement gesetzt. Das Herbstferiensingen bereite ich super gerne vor. Ich liebe nämlich E-Moll. In diese Tonart könnte ich mich reinlegen. Und da sehr viele Herbst-, Grusel- und Geisterlieder in e sind, passt mir das ganz gut. (Ganz anders verhält es sich übrigens mit den Martinsliedern. Die sind häufig in F-Dur. Grässlich.)

Mein Freund Marten – nachdem ich ihm beim Tapasessen letzte Woche davon erzählte – schickte mir übrigens postwendend ein Herbstlied in A-Moll zu. Ich muss zugeben, dass auch dieses Lied mir harmonisch zusagt und ich es für nächstes Jahr im Hinterkopf halte.

Zurück zu E-Moll und dem Arrangement eines der zahlreichen Nebellieder. Zur Freude der Viertklässler habe ich heute mit dem Keyboard begleitet und die Kinder mit Klängen und Sounds experimentieren lassen (oh, ich muss dringend Synth/Path 11 auf einen Zettel schreiben!). Der untergelegte Klangteppich aus Regenstäben, Oceandrum, Handtrommeln, Cajon, Djembe und Surdo (ziemlich große Sambatrommel, lässt sich aber auch hervorragend leise spielen) plödderte ein bisschen Regen und zauberte Atmosphäre, ein zart dahinschmelzendes Metallophon (sparsam einsetzen!) blieb auf der Bordun e-h und die Kinder probierten verschiedene Variationen des Singens aus. Kleiner Tipp am Rande, es macht Kindern viel Spaß beispielsweise in die über Nase und Mund gelegten Hände zu singen und so einen gedämpften Pianoklang zu produzieren. Das in Gegensatz zu einer klar gesungenen Passage eingesetzt kann sehr reizvoll klingen. Desweiteren ein paar Soli in Vor-, Zwischen- und Nachspiel eingebaut, alles zusammengesetzt, Instrumente und Aufgaben zwischendurch gewechselt, nach jedem Durchgang kurze Reflexionsphasen, das Ganze mit wenigen Worten und am Ende waren alle glücklich und zufrieden. Und Frau Weh hat ihre Stimme geschont.

Erwähnte ich schon, dass Musik einfach ein wunderbares Unterrichtsfach ist?

Underdressed Teil 2

Dummerweise habe ich gestern im Bett Herrn Weh ein Ei an die Backe geschnattert. Das tu ich immer, wenn ich von Elternabenden komme. Ich bin dann voller Adrenalin und Aufregung. Und das muss irgendwo hin. Ebenfalls dummerweise war ich heute früh völlig im Eimer als ich mir mit halbgeschlossenen Augen ein paar Sachen aus dem Schrank zog. Mit mauve-taupe-kariert kann man ja im Herbst nix verkehrt machen. (Pffft, denkste.) Herr Weh jedenfalls war ob der kurzen Nacht dann leider auch ziemlich verdötscht, sodass er auf meine übliche Frage lediglich ein „jajagehtschon“ brummelte. Somit habe ich das Thema abgehakt. (Ich meine, jeder, der morgens mehr als eine Butterbrotsdose zu befüllen hat, weiß doch, wie kostbar da jede einzelne Minute ist und dass man keine Zeit zu verschwenden hat.)

Ja, toller Mist auch.

Im Auto war es mir zwar ein bisschen frisch an den Beinen, aber es wird ja nun Herbst, da habe ich mir noch nichts weiter gedacht. Die erste, die mich dann darauf hinwies, dass mein Outfit für meine Verhältnisse ungewöhnlich unschicklich war, war Kollegin ZudemFeld. Da stand ich gerade am Kopierer und zog den Lebenslauf Arthur Honeggers durch. Beim Gang zur Kaffeemaschine hob Mrs-Sporty grinsend eine Augenbraue und reckte den Daumen. Bevor ich jedoch Stellung nehmen konnte, kam Kollegin Sommer (gerne in starken Farbkombinationen unterwegs), um mich nach der Auswahl der Ganzschrift für meine Klasse zu fragen. Von dieser Seite aus hatte ich also keinen Kommentar zu befürchten. Tatsächlich war ich die restliche Zeit bis zur 1.Stunde mit Zippeln und Zuppeln meines Oberteils beschäftigt. Was soll ich sagen? Mitte Oberschenkel bleibt Mitte Oberschenkel, auch wenn man nur ein wandelnder Meter ist. Nur, dass dann auch der Oberschenkel proportional gesehen kürzer ist, was die Sache genaugenommen kein bisschen besser macht. Glücklich darüber, wenigstens einen ausreichend langen Mantel gewählt zu haben, holte ich dann – fest in eben diesen eingewickelt – meine Zweitklässler vom Schulhof, der kurz nach Schuljahresbeginn immer von wahren Elternscharen bevölkert ist.

Dankenswerterweise nehmen Siebenjährige in der Regel wenig Notiz von modischer Geschmacklosigkeit. Zumindest, wenn sie erst auf den zweiten Blick erkennbar ist. So hatte ich mein durchscheinendes Problem in der 2.Stunde dann auch schon vergessen als ich breitbeinig (dazwischen je einen Ablagekasten Zusammengesetzte Herbstwörter und Das Eichhörnchen auf Nahrungssuche) auf der Fensterbank stand, um die mit viel Liebe von den Kindern gebastelten Herbstblätter auf die verdreckten Scheiben zu kleben. Just in dem Moment, in dem ich mich auf die Stiefelspitzen stellte, um mit hochgereckten Armen auch noch ein paar Blätter nach ganz oben zu kriegen, mir die Tunika von Mitte Oberschenkel auf Mitte Poppes rutschte, ertönte von der hinter mir gelegenen Klassentüre ein lautes „Ööööh!“.

Ich drehe aufgeschreckt den Kopf, sehe einen sichtlich benommenen Leihhausmeister, lasse vor Schreck das Klebeband fallen, das so unglücklich auf der Ablage aufkommt, dass diese unter lautem Getöse und mit allen darin befindlichen Arbeitsblättern zu Boden kippt, verliere – immer noch auf den Stiefelspitzen balancierend – das Gleichgewicht, knalle mit dem linken Knie in die Herbstwörter, rutsche hinterrücks von der Fensterbank, lande auf dem immer noch nicht wesentlich bedeckteren be- sowie empfindlichen Körperteil, kriege eine riesige rote Birne und wünsche mir, der Erdboden möge sich unter mir auftun.

Fairerweise muss ich sagen, dass der Leihhausmeister eine ebenso rote Birne hatte als er sich entschuldigte und mir aufhalf, um dann schleunigst das Klassenzimmer wieder zu verlassen. In den folgenden Stunden konnte ich nahezu spüren, wie das Hämatom an meinem Hintern prächtige Farben annahm. Vermutlich hätte man die sogar durchleuchten sehen können. Aber ich zog es dann vor, den restlichen Schultag im Mantel zu unterrichten.

Wer jetzt an Schokolade zum Frühstück denken musste, hier ist sie, Frau Weh, die Bridget Jones der Schulhöfe. Schön, dass wir Herbst haben, wäre es vor Ostern, hätte ich womöglich noch meine Bunnyöhrchen aufgehabt.

Underdressed Teil 1

Also an der Scheibenkäseproblematik sieht man mal wieder, wie wenig ich aufpasse, wenn ich auf der anderen Seite des Pultes sitze. Es ging natürlich um WURST! Die ist nämlich ab jetzt verboten in der Schule vom Wehwehchen. Käse geht noch, aber zu fett darf er auch nicht sein. Am liebsten Hüttenkäse mit etwas frischem Schnittlauch. Ungewürzt. Salz ist – ja! – verboten. Und weiße Brötchen ebenfalls. Es kam dann auch die Frage auf, ob man nicht vielleicht abwechselnd eine Kiste Möhren und ein paar Sparschäler in der Schule vorbeibringen sollte. Dann könnten sich die Kinder ja als Frühstück ein bisschen Rohkost raspeln. Das war zwar ironisch gemeint, aber einige Mütter schossen ob dieser Steilvorlage bis unter die Decke. Und die ist ja in öffentlichen Gebäuden bekanntlich recht hoch angesetzt. Also, es war richtig schön gestern! Leider hat die Kollegin vormittags unter den Tischen aufräumen lassen, so konnte ich leider keine Betriebsspionage durchführen. Aber ich habe die Van Goghs an der Wand bestaunt und natürlich die technische Versiertheit der Kollegin, die den Abend mit einer Power Point Präsentation geleitet hat. Ich schreib ja immer ganz popelig an die Tafel. Aber mal sehen, vielleicht kriege ich bis Montag ja noch was gezaubert. Hö hö.

Ansonsten hat mich der Elternabend des Wehwehchens vor allem eins gekostet: Schlaf.

Das wiederum hatte heute Morgen peinliche Folgen. Bevor ich später mal davon berichte, seien mir aber bitte eine zwei Randbemerkungen gestattet, die im Verlauf der Geschichte noch an Bedeutung gewinnen:

1. Ich besitze exakt zwei schwarze Leggins. Eine davon ist blickdicht und trägt sich hervorragend unter Tuniken, Kleidern und weiteren entzückenden Dingen, die sich im Wehschen Kleiderschrank befinden und meistens ein Label mit ulkigem Namen aufweisen. Das andere Beinkleid ist… nun ja, irgendwie eben nicht blickdicht und zu meiner Verteidigung kann ich nur anbringen, dass ich vergessen hatte, dass es überhaupt im Schrank lag.

2. Ich gehe immer gut angezogen in die Schule. Nie zu flippig, nie zu spießig, aber immer überlegt. (Ich neige zum Überlegen.) Außerdem habe ich in Herrn Weh einen hervorragenden Anziehberater. Es verhält sich nämlich so, dass, wenn ich mir nicht so sicher bin, ob z.B. ein Rock eventuell zu kurz ist, ich Herrn Weh frage. (Der hat tatsächlich null Ahnung von Mode oder Farben oder solchen Stildingen, aber er ist halt so ein richtiger Mann.) Wenn Herr Weh dann ein entrücktes Lächeln zeigt und sagt „sieht gut aus“, dann weiß ich, es ist nicht für die Schule geeignet und ziehe mich um. So einfach ist das. Und bisher bin ich damit immer hervorragend gefahren. Auf den Gatten ist Verlass in diesen Dingen.