„Ah, da steckste!“, strahlend steuert der pensionierte Hausmeister auf mich zu. Es ist der Tag des großen Weihnachtsbasars. Ich bin seit kurz nach 7.00 Uhr in der Schule, jetzt ist es 17.12 Uhr und ich bin erschöpft von all den Gesprächen, dem vielen Lächeln und Smalltalk.
„Jo, mir geht es gut!“, antwortet er auf meine Nachfrage und ich sehe ihm an, dass es stimmt. „Aber du?“, er mustert mich kritisch, „zu blass, zu dünn! Wat is?“ Mein Lächeln ist halbherzig als ich ihm antworte, dass alles wie immer sei. Denn eigentlich stimmt das ja auch, es ist wie immer. Er schaut mich an mit dieser Mischung aus Strenge und väterlicher Sorge, wir kennen uns lange. „Pass auf dich auf, Mädchen!“ Und vielleicht liegt es an der Art, wie er Mädchen sagt (und er ist der Einzige, der dies tut und genau so meint), vielleicht auch an den wirklich strammen Wochen, die hinter mir liegen, aber irgendwie schafft es eine winzige Träne in meinen Augenwinkel. Peinlich berührt versuche ich sie wegzublinzeln, aber zu spät, er hat sie schon gesehen. Wissend zieht der Hausmeister, der das Leben nach der Schule in vollen Zügen genießt, die Augenbrauen hoch: „Warte ma!“
Ein paar Minuten später steht er vor mir, eine dampfende Bratwurst im Brötchen im Anschlag. „Da, rein damit!“, fordert er mich auf. Und gerade als ich ihm die Absurdität dieser Situation erklären will, schüttelt mich ein großes, ein befreiendes Lachen, eins von der Sorte, das vermutlich nah am Wahnsinn angesiedelt ist, aber gerade deswegen so gut tut. Er nickt mir zu: „Na also, Mädchen, dat wird wieder!“
Ich lache immer noch als ich die Bratwurst entgegennehme und irgendwie fühlt sich der Tag viel leichter an.